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Freitag, den 6. März 1896.
23. Jahrgang'
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mit Unterhaltrrngs-Kettagr „Sterne und Klumen".
Erscheint «glich, Sonn- irab Feiertage awtgtnowae*. — Vierteljährlicher AbonnementSprei« ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Sarwondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Die Vortheile der Verkoppelung und ihre Kosten.
(Schluß.)
Obschon man nun brkanntlich auch nach der Ausführung des VerkoppelungSplaneS lediglich durch Einrichtung einer sachgemäßen Bestellung und durch Vertauschung der in die heutigen Zeit- und Marktverhältnisse gar nicht mehr passenden Dreifelder- mit der Siebenfelderwirthschaft, in der die zur ordentlichen Viehhaltung unentbehrlichen Futtergewächse eine angemessene Beachtung und Pflege finden, womit keinerlei MehrbestellungSkosten verbunden find (vgl. Rede der Herrn K l i n g e b i e l - Böckels auf dem letzten Bauerntag zu Fulda), unschwer den doppelten Ernteertrag erzielen kann, so ioll nur der bescheidenste Mehrertrag von 1 Beniner Frucht für daS Jahr und dm Morgen angenommen werden. Dies gibt für 1700 — 85 — 1615 Morgen, welche nach der Verkoppelung als solche noch unmittelbar beerntet melden, 1615 Beniner ä 6 Mark — 9690 Mark in einem Jahre. Demnach macht sich der Betrag von 29 750 M., welche die gesawmte Verkoppelung im Höchstfälle kostet, in 29 750 : 9690 — 3.07 Jahren durch die Mehrerträge bezahlt. Die Rückzahlung der verdauten Summen bezw. der Berkoppelungskoftm in solch' kurzer Zeit wird jedoch keiner Gemeinde abverlangt.
Die Spezialkommission als zuständige Behörde vermittelt von AmtSwegen die Erborgung eines Darlehens aus einem Geldinstitute, Sparkasse, LandeS- kreditkasse u. s. w. Die diesbezügliche Bestimmung in der Geschäftsanweisung für Spezialkommissare und 83er». Messungsbeamte im Bezirk der Kgl. Generalkommission zu Kastel lautet auf Seite 168—169: „Die Direktion der Landeskreditkaste ist ermächtigt, den Gemeinden zum Bau der in Folge von Zusammenlegung erforderlich werdenden Wege, Gräben u. s. w. baare Darlehen gegen 4°/o Zinsen mit Amortisationsbeträgen zu gewähren. Derartige Darlehen können nach § 7 der Gesetzes vom 25. Februar 1869, betreffend die Landeskreditkasse in Kassel (Gef.-S. S. 1279) an Gemeinden des RegierungS- beznckes Kassel, deren Haushalt dazu die geeignete Grundlage bildet, auch ohne Bestellung einer Spezialhypothek gegen einfache Schuldbekenntnisse bewilligt werden. Die Dauer der Abtragung richtet sich nach den zu zahlenden Amorti- sationSbeträgen und beträgt beispielsweise bei einem Darlehenskapital zu 4°/o Zinsen bei °/o Abtrag 56,02 Jahre, bei 1 °/o Abtrag 41,3 Jahre, bei l1/»°/o Abtrag 33,13 Jahre u. s. w. D;e LandrathSämter sind von der Regierung angewiesen, in allen Fällen, ini welchen Gemeinden, deren Gemarkungen einer wirth- schaftlichen Zusammenlegung unterliegen, derartige Darlehen für die betheiligten Grundbesitzer erborgen wollen, die dkSfallsigen Gesuche möglichst zu unterstützen." (Gegenwärtig ist der Zinsfuß noch niedriger als 4 °/0; Schreiber dieser Zeilen kann jedoch genauere Angaben
Unverhofft.
Erzählung von L. v. Neidegg.
10] ------- (Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Von den Bäumen gedeckt, ging Rodenflüh vorwärts, bis er eine Bank erreicht hatte in der Nähe der beiden Damen. Bon dort aus konnte er sie bequem beobachten, ohne doch indiskreter Weife ihre Unterhaltung zu belauschen. Aus den Bewegungen der Kleinen ging hervor, daß sie Frau Ella bereden wollte, sich zu ihr auf die Bank zu setzen, was jene zu verweigern schien mit einer Handbewegung nach einem Trupp Soldaten, die, von ihren Offizieren geführt, sich quer Über dm Platz bewegten. Die Kleine wurde eindringlicher — Frau Ella schüttelte energisch bett Kopf, wandte sich und ging langsamen Schrittes fort, von der jüngeren Dame gefolgt, wobei ihr Weg sie hinter der Bank vorbeiführte, auf welcher Rodenflüh Posten gefaßt.
„Noch immer das alte Elend zu Haufe?" hörte er die jüngere Dame fragen.
„Jawohl!" erwiderte Frau Ella'S tiefe Summe. „Die Zähne zusammmbeißm und aushaltev; weiter läßt sich nichts dagegen thnn."
„O doch! rief die Andere. „Ich weiß wohl, war
augenblicklich nicht machen, da ihm die betreffenden Brstimmungm nicht vorliegm.)
Der einzelne VerkoppelungSinterestent braucht alfo nach Lage feiner Vermögmkverhältniffe nach der Zu- theilung der neuen Pläne nur einen Bruchtheil der ficher eintretenden Mehrerträge zur Zinsenzahlung und zum Kapitalabtrag zu verwenden und kann den größeren Rest deS UeberfchusteS wieder zur Aufbesserung der BetriebSverhältniffe der eigenen Wirthschaft gebrauchen.
Durch diese Maßnahme wird der gegenwärtigen Generation der Bortheil der Verkoppelung zu Theil, ohne daß sie die Lasten derselben allein tragen muß. Die Nachkommen, welchen durch die Einführung dieser Melioration eine in jeder Hinsicht geordnete und geregelte Wirthschaft überantwortet wird, helfen so gleichmäßig an den Kosten mitbezahlen.
Würden nun außer der Vornahme der Verkoppelung mit ihr zu gleicher Zrit vielleicht noch 1k der Gemarkung, also 1615:4 — 400 Morgen, genossenschaftlich drainirt, waS übrigens von der besonderen Einwilligung der neuen Grundbesitzer lediglich abhängt, worauf zum Ueberfluß nochmals hingewiesen wird, so entstehen für den Morgm noch rund weitere 36-40 Mark Kosten. Da nun jedem denkenden Landwnth zur Genüge bekannt sein wird, daß sich nach Durchführung der Drainage-die Erträge für den Morgen im geringsten Falle um 21/» Beniner heben (Herr Klingebiel zu Böckels kann solches jederzeit bestätigen), wovon 1 Beniner für die durch die Verkoppelung selbst entstehende Mehrernte in Abgang kommt, so ergeben sich für das Jahr und den Morgen l1/« Beniner Mehrertrag ä 6 Mk. — 9 Mk. und für 400 Morgen 400 x 9 — 3600 Mark.
Rechnen wir also mit den hohen Drainagekosten von 40Mark für den Morgen, welche vielerorts geringer sein werden, so ergibt dies für 400 Morgen 400 x 40 — 16 000 Mark. Diese Summe trägt sich durch die sehr niedrig angesetzten Mehr ernten in 16 000:3600 — 4,4 Jahren ab. Zu dieser genossenschaftlichen Drainage stellt der MeliorationS-FondS der Provinz Darlehen bis zu 2/s der Bausumme auf 4 bis 5 Jahre unverzinslich zur Verfügung, welche Summe dann von biefem Zeitpunkte ab verzinst und entsprechend abgetragen werden muß. Also auch hier erst Bezahlung, wenn die Wirthschaft solches durch Mehrernten zuläßt.
Aus dieser Darstellung dürste zur Genüge erhellen, daß die Verkoppelung im engsten Zusammenhänge mit Meliorationen (Bodenverbeffernngen) nicht vorübergehend, fonbertt auf bie Dauer eine fegenbringenbe Einrichtung ist, bei welchen jenen Lanbwirthen, welche sie vornehmen, die weitgehendste Unterstützung zu Theil wird. Nach Durchführung derselben gelingt eS dem hart bedrängten Bauern ohne besondere Opfer, seine mit schwerem Herzen gemachten Schulden nach und nach zu tilgen. Er kann dann wieder einer ruhigen
ich an Deiner Stelle thäte. Dir aber steckt wohl gar ein Anderer int Kopfe."
„Toni! Derlei Scherze sind mir unangenehm; adieu." sagte Frau von Neudorf kühl. Sie streckte der kleinen Dame die Fingerspitzen hin, und rasch war sie davongegangen, jene verblüfft und augenscheinlich erzürnt stehen lassend.
Rodenflüh stand auf, um ihr zu folgen; schon war der Trupp Soldaten, vom Exerciren heimkehrend, zwischen ihn und die junge Frau getreten, und als dies Hindemiß bewältigt war, da konnte er straßauf straßab nirgends mehr eine Spur von Frau Ella entdecken.
„Abgeblitzt!" dachte er, als er nun seinen Weg zur StaatSräthin fortsetzte. „EZ ist, als sollte ich nicht in's Klare kommen über diese Frau. W-.e ein Irrlicht taucht sie vor mir auf, ebenso verschwindet sie auch gleich wieder! Ich bin aber auch ein Bär, wie sie ganz richtig mich bezeichnet; ehe ich ei» Mal mich umgedreht, kann daS Glück zehn Mal an mir vorübergehen."
Mißgestimmt, ärgerlich über sich selbst, trat er bei der StaatSräthin ein; erst die herrliche Freude, die sein Kommen dieser bereitete, vermochte ihm die grämlichen Gedanken auSzutreiben. Tine geraume Weile unterhielt er sich mit ihr, bis er sich endlich entschloß, das Gespräch auf Frau^Ella zu bringen; wenn irgenb-
unb sicheren Zukunft entgegensetzen unb endlich seine heute vielfach mehr als karge Lebensweise aufbeflern. Ist eS doch ein offenes Geheimniß, daß viele unserer Bauern schlechter leben als die Tagelöhner und Fabrikarbeiter.
Mögen diese Zeilen etwa- dazu beitragen, die Verhältnisse zu klären und namentlich unsere Bauem betrübet zu belehren, daß bie lanbwirthschastliche Verwaltung beS Staates gern bereit ist, zu helfen, „wenn ihr fei- tenS ber Lanbwirthe nur Gelegenheit geboten wirb." Hier liegt der wunb e Punkt, an betn bie bestgemeinte Absicht schon seit längerer Zeit hier zu Sanbe krankt, leibet zum Schaden unserer Lanbwirthe im Kreise Fulba, seiner engeren unb weiteren Umgebung bis hinauf in bie Rhön.
In bett anderm Kreisen Hessens, z.B. Kasiel, Hofgeismar, Wabern, HerSfelb, Hanau und auch in dem minder begüterten, ja zum Theil seht armen Streife Wolfhagen ist zur vollen Zuftiedmhett der Betheiligten die Verkoppelung entweder längst auSgeftihrt oder ober in vollem Gange. Die bärtigen Lanbwirthe haben bett vermeintlichen, in nichts begrünbeten unb ganz ungerechtfertigten Abscheu vor der Verkoppelung entweder gar nicht gekannt ober aber benselben Gott sei Dank längst überwunden. Man hat in dortiger Gegend schon lange eingesehen und sich davon überzeugt, daß die Verkoppelung in Verbindung mit Meliorationen die vortheilhafteste lanbwirthschaftliche Bobenverbesserung von unbestreitbarer Billigkeit ist, welche in die Augen springende, nachhaltige Vortheile in Gegenwart und Zukunft ficher bietet.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. März.
* Beim Kaiser fand gestern Abend ein größeres Diner und daran anschließend eine musikalische Abmdunterhaltung statt, nach beten Beendigung der Kaiser noch einige Zeit mit den StaatSmmistern Dr. Miquel unb Thielen im Rauchzimmer verblieb. Heute früh machte ber Kaiser einen Spaziergang durch den Thiergarten, nahm dann im Schlosse bm Vortrag beSKriegS- ministerS entgegen unb arbeitete darauf längere Znt mit dem General von Hahnke. Mittags konferirte der Kaiser mit dem Oberstkämmerer, Erbprinzen zuHohen- lohe - Ochringen und mit dem Minister des König!. Hauses von Wedel. — Ans Wien wird der ,Vosi. Ztg.' gemeldet: DaS deutsche Kaiserpaar nahm eine Einladung der Gräfin Henckel-DonnerSmarck an, deren neuerbaute herrlich gelegene Villa Rosalia in Abbazia zu bewohnen. Die Gräfin wurde benachrichtigt, daß zuerst die Kaiserin mit den Kaiser!. Kindern kommen und später ber Kaiser nachfolgen werbe. Die Kaiseryacht „Hohenzollern" verläßt am 7. März den Kieler Hafen und trifft gegen den 20. März in Fiume ein. Der Kaiser dürfte auf der „Hohenzollern" Ausflüge in Quarnero und in der Adria unternehmen.
wo, so mußte er hier Bestimmtes über diese Frau erfahren.
„Wer ist denn diese Frau von Neudorf, die öfter kommt, Ihnen vorzulesen," fragte er bie StaatSräthin.
Sie schüttelte ben Kopf: „Ich weiß gar nicht, wen Sie meinen. Eine Frau von Neuborf habe ich nie gekannt."
„Sie hat mir aber doch selbst gesagt, baß sie zu Ihnen kommt," sagte er unb fühlte, wie eS ihm einen Stich gab, feine Reisegefährtin zur Lügnerin gestempelt zu sehen.
„Unmöglich!" bestritt bie alle Frau. „Fräulein von Mengen kommt öfters, Frau Krause, Frau von Marbach, am häufigsten aber meine liebe Elisabeth von Stetten."
„Ach, von Fräulein v. Stetten mag ich gar nichts hören," wandte Rodenflüh ungeduldig ein.
„Warum denn nicht? Sie soll hübsch sein — daS sehen meine erloschenen Augen indessen nicht. Sie hat aber eine Stimme, die wie Musik in meinen Ohren klingt; sie hat Verstand, ohne sich etwas darauf einjubilben; ist fein gebildet, ohne Pedanterie . . . ."
„Halten Sie ein, Frau StaatSräthin! Man fühlt sich allzu erbärmlich, solcher Bortrefflichkeit gegenüber!"
„WaS Sie nur gegen Elisabeth haben! Ich wollte, ich könnte Sie mit meinem Schützling bekannt machen,