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Samstag, den 29. Februar 1896.
23. Aabraanq
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mit Unterhaiwnss-Keilagr „Sterne und Klumrn".
täglich Sonn- un» Keievtage eH6gex»mm«L — Bierteljährttchn «bonnementspreis ohne Briuqerlobn und Besteklgetd in Fulda und auSw»«» 1 Mark 50 Pfenmq Inserate kosten die einspaltige Sarmondzeile oder deren Raum 15 Pf, Reklamen die Petit-nle 25 'Bf., dri Wiederholungen enti»rechender Rabatt
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|| Hier;« eine
-O- Ausländische Schwindelgeschäfte.
ES gibt bekanntlich Tausende von denen, „die einmal nicht alle werden"; und weil er so viele von denen gibt, darum gibt es auch so viele „Welthäuser", „Universalbazare" und wie sich sonst so bescheiden und anspruchslos die Geschäfte nennen, in denen aller „billig und out", soll heißen „billig und schlecht" gekauft wird. Solche Leute haben dann gewöhnlich auch noch die Ansicht, daß dasjenige, was weit berkommt, immer besser ist, als wa» man in der nächsten Nähe in bekannten Geschäften kaust. Hierauf bauend schicken dann ausländische Häuser ihre höchst reklamenhast ge- haitenen und die dicksten Farben ausnagenden Anzeigen in unsere Zeitungen, besonders oft in die Blätter, die in industriellen Bezirken erscheinen, weil die Erfahrung gelehrt Hal, daß dort unter der Arbeiterschrft die reichste Ernte winkt.
So wird z. B. verkündet, daß ein riefenhafteS KonkurSlager ausverkauft werden soll, selbstverständlich zur Hälfte drK Werthes und darunter. — Die Erben der „verstorbenen rühmlichst (!) bekannten Patent- Silber-Besteck Fabrikanten G. H. Schühler" lassen verkaufen: 24 Gegenstände (Messer, Gabeln u. dergl.), Patent-Silber, mit feinem Etui, innen Plüsch, für — 12.50 Mk.; 48 Gegenstände in ff. Etui und postfrei für — 23 Mk.; Pcacht-„Patent-Silber"-Kaffee-Service zu dem staunend billigen (!) Preise von — 15 Mark. — In Wien muß eine Fobrikniederlage M. Keßler, Wien 2/3, Auf der Haide 5B., das Lager räumen und ist genöthigt, folgende „werthvolle" Gegenstände abzugeben: Federmeffer, Lederbörse, Meerschaumspitze mit Bernstein, Manschettenknöpfe rc. rc. „Wer diese Gegenstände", so fährt die Annonce fort, „nur um 4.25 Mk. Postnachnahme bestellt, erhält gleichzeitig eine schön vergoldete, gut gehende Uhr ganz umsonst! RichtkonvenirendeS wird franko zurückgenommen."
Wenn sich nun Jemand verlocken läßt und sich diese „werlhvollen Gegenstände" kommen läßt, so erhält er pünktlich sein Postpacketchen, d. h. er kann eS auf dem Zollamte abholen. Dort hat er zunächst eine nicht unbedeutende Gebühr an Zoll an dar Reich zu entrichten. Wer dann noch nicht ganz enttäuscht ist, wird es sicher werden, wenn der Bettel ankommt. Die versprochenen Gegenstände sind sämmtlich vorhanden, aber wie! Lauter Dinge, die sich besser als Spielzeug für vierjährige Kinder, die sich im „Kochen" mit Sand üben, eignen als für den Hausgebrauch im einfachsten Haushalte. Und eine Uhr erhält man auch noch dazu, die jede Minute genau anzeigt, — wenn man sie jede Minute um eine Minute weiterdreht!
„Hereingefallen! Dar Geld zum Fenster hinaus- geworftn! Den Zoll nicht wenh!" klagt der Empfänger. Doch halt! Der Garantieschein ist ja da! Gewiß, aber 1) ist seine Abfassung so, daß nichts damit anzufangen ist; 2) kommt er erst zur Geltung, wenn sich nach längerem Gebrauche dieser — ganz unbrauchbaren — Maaren deren Fehlerhaftigkeit herauSgestellt hat; 3) würde eine Privatklage am Wohnorte der Schwindlers anzustrengen fein, und an Vorschüssen wäre mindestens fünfmal fo viel erforderlich, als die verausgabte Summe beträgt; 4) endlich würde eine solche Klage nutzlos fein; denn die betreffenden „Lager", oder wie sie sich sonst nennen, wechseln alle paar Monate ihren nominellen Inhaber, wobei der srühere Besitzer die Aktiva und Passiva für sich behält, so daß der neue „Besitzer" jeden Beschwerdeführenden einfach an jenen verweist: „ihn gehe das nichts an, denn er habe das Geschäft ohne Verpflichtungen für Früheres gesetzlich und notariell übernommen." Unter solchen Umständen ist gar nichts zu machen; jede Postkarte, welche zu dem Zwecke der Beschwerde geschrieben wird, ist eine nutzlose Ausgabe. Und zum Schaden hast Du auch noch den Aerger und den Spott Deiner Bekannten.
Uich die Moral von der Geschichte? Uebertriebene reklamenhafte Angebote vom Auslande — und auch
Inlands — sind mit doppeltem Mißttauen an» zusehen. Wenn Du Dein sauer verdientes Geld zu
schätzen weißt, dann kaufe dort, wo Du reelle Maaren s erhältst; kaufe wenn möglich an Deinem Wohnorte l und kaufe nicht dar Billigste, denn dies ist immer j das Theuerste. Dann bleiben die unangenehmen Ent- * täufchungen erspart!
Deutsches Reich.
Berlin, 28 Februar. I * Der Kaiser unternahm heute Vormittag mit der Kaiserin den üblichen Spaziergang durch den Thier- | garten und stattete auf demselben dem Panorama in < der Herwarthstraße einen Besuch ab. Zurückgek.hrt ’ nach dem Schlöffe empfing der Kaiser um 11'/«. Ugr; den der amerikanischen Botschaft in London attachirten - Oberstlieutenant William Ludlow vom JngenieurkorpS ! in Audienz. Abends besuchten der Kaiser und die J Kaiserin die Vorstellung im königlichen Schauspielhause. j — Eine Kommission von Boeren sandte an Kaiser § Wilhelm ein in holländffcher Sprache abgefaßtes i Glückwunschtelegramm zum G burLtaqe.
* Die Frage, ob stch der kaiserliche Guadenerlatz vom 18 Januar d. I auch auf die durch polizeiliche Strafverfügung auferlegten Strafen beziehe, | ist nach der offiziösen ,Berl. Korr.' zu verneinen, und - die (auch von uns wiedergegebene) Meldung mehrerer Blätter von einem arig-blichm Erlaß des MnsterS l des Innern, wonach die bis zum 18. Januar pol-zn- lief) auserlegten Strafen erlassen werden würden, ist unrichtig. Den von solchen Strafen Betroffenen steht es natürlich srei, Anttäge auf Erlaß der Strafe ? im Wege der Allerhöchsten Gnade zu stillen, bei deren I Prüfung der Umstand, daß die Bestrafung zeitlich unter den erwähnten Erlaß fällt, ohne Zweifel mit; berücksichtigt werden wird.
O Zu unserer Notiz, „das Hauptthor deS ReichS- hauses ist geschlossen", wird uns von Berlin gc- - schrieben: „Es denkt kein Mitglied des Reichstages i daran, sich durch eine Hinterthür ins HauS zu ■ drücken. Das ReichStagSgebäude hat 4 Hauptportale, = davon führen 3 (Nord-, Ost- und Südportal) in das l Erdgeschoß, wo sich die großen Garderoben dicht neben ? den Eingangs - B- stibulen befinden, während daS 4. Hauptportal (West-Thvr) mittels einer Auffahrt direkt ; inS obere Geschoß, in welchem sich die Wandelhalle, ) der Sitzungssaal u. s. w. befinden, führt. Dieses ; 4. Portal liegt auf der, der Stadt Berlin entgegengesetzten ' Seite nach dem König-Platz zu; es ist also ganz erklärlich, daß Niemand das Bedürfniß fühlt, gerade von daher heranzugehen, oder vielmehr vor diesemPortal aufzufahren. Die meisten Abgeordneten gehen durch da« Südportal ein und aus, ebenso auch die M nister und Bundesrathsmitglieder, weil es da« am bequemsten gelegene ist und die direkteste Linie nach dem Brandenburger Thor bildet. Nur wenige Abgeordnete, welche in Moabit wohnen, treten durch durch Nordportal ein. Die Hinterthüren werden lediglich vom Küchen- und Dienstpersonal benutzt und vielleicht von einigen, welche mit diesen zu thun haben; ich habe jedoch noch keinen Abgeordnete« durch diese Hinterthüren gehen sehen."
* Ueber den „Erfolg M Kulturkampfes" finden j sich in einer Zeitschrift de« Professors Sohm au die .Leipziger Neusten Nachrichten' gegen die Wahl- rechtSänderung in Sachsen diese bemerkenswerthrn Worte: „Ein wunderbare- Schauspiel: Die Sozial» )emokratte soll getroffen werden, aber die große Menge der königstreuen Wähler wird in ihren Rechten an- ! gegriffen. Ob dar die rechte KampfeSweise ist? Wer wird nicht an die Tage deS unseliaen Kulturkampfes in Preußen erinnert? DaS Centrum sollte aufgelöst, eine Fraftion im R -ichStag und im preußischen Landtag sollte getroffen werden. Der Angriff aber ward gegen die katholische Kirche und damit gegen die breiten Wählermasfen deS katholischen Volkes gerichtet. Was war die Folge? Die Ber- ' wppelung der CentrumSpartei! Allein dem Kultur- arnpfe haben wir er zu danken, daß heute >aS Centrum die ausschlaggebende Partei im Reichstage darstellt. Gerade so wird eS hier ergehen. Der Angriff auf die Wählermaffen wird )aS sicherste Mittel fein, sie in die Arme der Sozial- lemokratte zu treiben. Die Folge wird nicht Schwächung, ondern Stärkung der Sozialdemokratie im Lande fein."
* Der Abg. v. Strombeck (Eentrum) hat mit
Unterstützung des CentrumS und der Polen zur zweiten Berathuug deS Kultusetats im Abgeordnetenhouse den folgenden Antrag eingebracht: DaS Haus der Abae» ordneten wolle beschließen: dem Bermeik zu Kap. 121 Titel 35 folgenden »weiten Absatz zuzufügen: „Für die Bemeffung der Dtenstalters-Zulageu kommt auch diejenige Zeit in Anrechnung, während welcher ein Lehrer oder eine Lehrerin an einer staatlich genehmigten konfessionellen Privatschule in Orten, in welchen eine öffentliche Schule der betreffenden Koufeffion nicht besteht, sich im Dienste befunden hat." — DaS Centtum beantragt ferner, zu den Bestimmungen über den Fonds zur Unterstützung der DienstalterSzulagen hinzuzufügen: „Alljährlich wird dem Landtage eine Nachweisung der Beihilfen vorgelegt, welche auS diesen Fonds an politische Gemeinden und Schulverbände gewährt worden sind."
Ausland.
* Rom, 28 Febr Das schon mehrfach in den Zeitungen angekündigte Konsistorium, welcher gegen Ostern abgehalten werden sollte, ist aus weitere Zeit verschoben und wird erst gegen Ende Mai oder Anfangs Juni gehalten werden. Zu derselben Zeit wird wahrscheinlich die Encyklica über die Krche und den päpstlichen Primat veröffentlicht. Der Papst arbeitet fleiß-g nut seinen Sekretären an diesem Dokument. Auch wurde in der l-tztern Kardinalr-Kommilsion beschlossen, daß durch eine neue apostolische Konstitution das Verhälmiß zwischen den orientalischen katholischen Patriarchen und Bischöfen und den apostolischen Delegaten im Orient geregelt wird. Doch liegt diese Äon» stitution nur im Entwürfe vor, und es werden noch einige Monate vorüberqehen, bis sir veröffentlicht wird.
* Rew-Aork, 28 Febr. In den Bereinigten Staaten Norvamerikas wird ein Pilgerzug vorbereitet, der unter der Leitung des P. Wilhelm Smrth am kommenden Juli New Jork verlassen soll, um sich über Gibraltar nach Lourdes und weiter über Genua und Neapel nach Rom zu begeben. Bon hier gehen dann die Pilger über Assisi, Loreto und Padua nach Einsiedeln in der Schweiz, um im Sevtember über Pari- und Irland in die Heimath zurückzukehren.
K. Aus dem Landtage.
Abgeordnetenhaus. — 30. Sitzung vom 28. Februar.
Die allgemeine Diskussion zum Kultus-Etat wurde fortgesetzt.
Abg. Dr. v. Jazdzewski beschwert sich über die Behandlung der weiblichen Orden, legt die historischen Grundlagen dar für die Rechte der polnischen Unterthanen auf ihre Muttersprache und Religion und verlangt, daß die Kinder in der polnischen Sprache Religionsunterricht erhalten, und daß von dem System des fogenannten Sprachenerlasies vom 16. März 1894 abgegangen werde. Sodann beklagt er den Lehrermangel, die grundsätzliche Mißachtung der Rechte der Gemeinden aus die Auswahl und Bestellung der Lehrer und wundert sich schließlich, daß der Minister sich auf die gestrigen Reden über den Falk'schen Erlaß nicht geäußert habe.
Kultusminister Dr. Boffe erwidert, daß er das unterlaße« habe, weil er über diesen Erlaß sich schon neulich bei der ersten Etatsberathung ausgesprochen habe, weil die Bischöfe über keine« prakttfchen Fall zu klagen hätten, da er bis an die Grenze der Möglichkeit den Katholiken mit Gerechtigkeit und Billigkeit ent» qegenkomme, Soweit, wie es nur mit der Staatshoheit verträglich fei; diese sei für ihn die unverrückbare Grenze, die er einhalten müsse und wolle. Von einer bloß theoretischen, doktrinären Erörterung der Prinzipienfrage ermatte er fein Heil. Sodann hält er den Polen wieder die national polnischen Agitationen vor und spricht sich gegen die „fanatisch" polnischen Ordensschwestern aus.
Abg. Frhr. v. Zedlitz (freikons.) fordert, daß die Regierung den Polen gegenüber hart ihren Standpunkt feftMte, das „weiche deutsche Gemüth" dürfe hier nicht vortreten. Er wünscht baldigst ein Komptabilitätsgesetz, erachtet die Berhältniffe der Vrivatdozenten für unhaltbar und kritisirt die von dem Abg. Bachem vor einigen Tagen veröffentlichten Jmparitätstabellen über die Bevorzugung der evangelischen Kirche durch Geldaufwendungen, indem er dies einen gerechten Ausgleich nennt gegenüber der besseren Dotation der katholischen Kirche (NB. in Folge der Säkularisation) und der Rückgabe der Sperrgelder. Er vertheidigt sodann den Falk'schen Schulerlaß, weil der Erlaß nöthig sei, damit nicht der Lehrer gebunden den kirchl. Obere überliefert werde. Er warnt die Konservativen durch Ausrollung der Frage des Volksschulgesetzes, die „nationalen" Parteien im Lande wieder zu spalten. Die Zurückziehung deS Zedlitz- schen Schulgesetz-Entwurfs sei wahre Staatsweisheit gewesen.
Abg. Dr. Bachem (Ctr.) halt dem Kultusminister vor, daß er Staatshoheit mit Staatsallmacht verwechselt habe, und daß der denkbar schärfste Widerspruch zwischen der Gesammtheit der ' Bischöfe und Staatsregierung gerade hinsichtlich des obersten Grundsatzes des Falk'schen Schulerlaffes bestehe. Der Falk'sche ! Schulerlaß könne auch jeden Augenblick wieder zu den schlimmsten 1 praktischen Eingriffen in den Religionsunterricht von Staat--