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Mittwoch, den 26. Februar 1896. 23. Jahrgang

iiIdllerWZtitiiiiß mit UntrrhaLtimgs-Krttage „Sterne nutr Flumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Äbonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärt-s 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

8. Die Finanzlage der Stadt Fulda

z« Anfang des Rechnungsjahres 1896/97.

Seit langen Wochen ist an der Herstellung des umfangreichen Haushaltungsplane- für das Rechnungs­jahr 1896/97 gearbeitet worden. Die Berathungen des StadtratheS wurden Montag Abend geschloffen und der fertiggestellte Etatsentwurf harrt nur noch der endgültigen Feüstellung durch den Bürgerausschuß.

Gerne folge ich dem mir geäußerten Wunsche, ein kürzt s Bild der städtischen Finanzverwaltung und der BermögenSverhältnisse der Stadt Fulda zu entwerfen. Ich muß mich dabei vielfach auf die Mittheilung trockener Zahlen beschränken, bemühe mich aber, wo erläuternde Bemerkungen nothwendig sind, diese so objektiv als möglich zu gestalten. Nicht unerwähnt sollen die finanziellen Leistungen, welche der Stadtkasse noch bevorstehen, bleiben. Ich werde mich möglichst kurz fassen, da der in Buchform gehaltene ReLenschasts- bericht der Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni in einigen Wochen erscheinen wird.

Ich beginne mit dem wichtigsten Punkt, der, aus sehr naheliegenden Gründen, jeden Bürger am meisten interessirt: mit den direkten Kommunalsteuern, nach deren Höhe man ja oft kurzer Hand die Finanz­verhältnisse einer Stadt beurtheiit.

Bekanntlich sind in dm vorhergehenden Jahren im Gegensatz zu fast allen anderen Städten und obschon die Ansprüche an die Stadtkasse mit jedem Jahre steigen, die städtischen Steuern in Fulda geringer ge­worden, er sind weniger Simpeln erhoben worden al- früher. Trotzdem ergaben sich in jedem Jahre ganz erhebliche Ueberschüsse, abgesehen von dem aus den laufenden Einnahmen gebildeten eisernen Betriebsfonds von 30,000 M.

In dem noch laufenden Etatjahre wurden, wie ebenfall- Jedem bekannt ist, 65 °/o (der wirklichen und fingirten Staatssteuern) als Gemeindesteuer erhoben. Man war vielfach der Ansicht, dieser Prozentsatz sei zu niedrig gegriffen und die Stadtverwaltung werde mit der sich ergebenden Steuer nicht auskommen. Man ist jedoch nicht nur auSgekommen, sondern die Rech­nung wird wiederum einen Ueberschuß von weit über 20,000 M. ergeben.

Für daS Rechnungsjahr 1896/97 würde man also trotz der wieder gestiegenen Ausgaben mit demselben Prozentsatz recht gut bestehen können, wenn die königl. Regierung nicht einen kleinen Strich durch die Rech­nung gemacht hätte, indem sie verfügt hat, daß die Ueberschüsse der Sparkafle, welche mit 40000 M. ein­gestellt waren, nicht mehr im ordentlichen, sondern nur noch im außerordentlichen Etat figuriren dürfen. Nun kann ja ein großer Theil dieser Summe au- den anderen laufenden Einnahmen gedeckt werden, doch werden voraussichtlich demnächst 75 °/o erhoben werden müssen.

Wie stellt sich nun dieser Steuersatz zu dem in anderen Srädten erhobenen? Im weiten deutschen

Unverhofft.

Erzählung von L. v. Neidegg.

2] ------- (Nachdruck verboten.)

2.

Einige Tage waren seit jener Unterhaltung ver­strichen. StaatSarwalt Roder flüh war auf der Rück­reise von Friedberg nach Kronburg begriffen. Behaglich zurrckgelehnt, saß er im Coupe, neben sich ein Pack Zeitungen, vor sich die geliebte Aktenmappe. Eine lange Fahrt stand ihm 6<öor, doch erfüllte ihn der G-danke an eine solche keineswegs mit dem Schrecken, den die jetzige ungeduldige Generation darüber em­pfindet; in der wenig benutzten ersten Klasse konnte er sich ja häuslich einrichten und sich ungestört seinen Lieblingsbeschäftigungen hingeben.

Man befand sich noch im Anfang der scchSziger Jahre. Noch war Deutschland nicht mit einem engen Lahnnetz überzogen. Eilzüge verkehrten nur auf den wenigsten Linien; Blitz- und Cxpreßzüge hätte man für eine sträfliche leichtsinnige Einrichtung gehalten, für ein Wagmß, geeignet, Gott zu versuchen. Nicht nur die sogenannten ältesten Leute, die ganze damalige Generation erinnerte sich sehr wohl der Postkutschen und der Omnibusse; deren bescheidenem Sinn genügte daher vollständig die Fahrgeschwindigkeit eines gewöhn­

Unbedeutendem,

folgende:

Einnahmen:

Aus Grundvermögen

9 700 M.

ff

19 000

ff

ff

n

ff

ff

22 000

14 700

10 600

2 500

10 000

60 900

109 000

Kapitalvermögen . . . Ueberweifungen . . . Gasanstalt Gebühren u. Stadtwaage Abfuhrwefen, Badeanstalt, Schlachthaus, Begräbniß- anstalt rc Beiträgen zu Straßenbau­kosten indirekten Abgaben . . direkten Abgaben . . .

ff

ff

ff ff ff

ff

ff

ff

ff

C2.

ff

Reiche sind wenige Städte, die unter 100 °/o erheben. Nach den uns bekannten Festsetzungen dürften besonders in Norddeutschland 300 °/o als Durchschnittssatz an­zunehmen sein.

In unserem engeren Vaterlande Kurhessen, wo dieselben indirekten Abgaben von Fleisch, Bier und Branntwein durchweg erhoben werden, finden sich unter den 64 Städten und Städtchen nur wenige, welche so geringe städtische Steuern zahlen als Fulda, darunter die glückliche „Stadt" Niedenstein, welche th-tsächlich weder direkte noch indirekte Gemeindeabgaben erhebt.

Wenn wir nach den Ursachen unserer günstigenSteuer- verhältnisse fragen, so ist ja die sparsame Verwaltung und auch die Einführung manchfacher Reformen, welche beson­ders durch die Rechnungskommisston (Müller und Kircher) angeregt wurden, gewiß nicht gering anzuschlagen; auch beträgt der Zuwachs im Lause in 3 Jahres an Steuern durch den Zuzug auswärtiger steuer kräftiger Personen in den letzten Jahren circa 2000 Mark, abgesehen von sonstigen günstigen Einwirkungen. Hauptsächlich kommen jedoch der Stadtkaffe die bedeutenden Armen­stiftungen, welche anderen Stätten mangeln, zu gut, besonders die heil. Geistspitalstiftung. die Waisenhausstiftung, die von Schildeck'sche Stiftung, ferner die bereits vor 75 Jahren angelegte und umsichtig geleite te Sparkasse, deren Reservefonds heute 648443 M. beträgt und welche besonder- auch durch die Cvur-steigerung der Werthpopiere jetzt der Stadtkasse einen hübschen Be trag liefert; auch muß die GaSfabrik als ein recht lukratives Unternehmen be­zeichnet werden.

Die zum Theil feststehenden Einnahmen und Aus­

gaben des vorliegenden ordentlichen Etats sind in großen Zahlen, unter Hinweglaffung von '

Gefammteinnahmen ausschließlich der Spezial-Etats ca. 258 000 M.

Ausgaben.

Besoldungen 36 060 M.

Ruhegehälter und Unterstützungen circa. 6 600 „

Berwaltungslosten 7 650 „

Für Gebäude, Straßen, Anlagen, Baum­

schulen, Brunnen, Brandsteuer rc. ca. 21300 „

Zinsen........... 13 250 „

R-g'lmäßige Abträge 3 900 „

lichen Bahnzuges. Daß an allen Stationen und Statiönchen gehalten wurde, störte dazumal die Wenigsten im Reisegenuß. Auch unser Staatsanwalt nahm diesen Umstand sehr gleichmüthig hin; nur als zwei Stationen hinter Friedberg der Schaffner die Coupsthür aufriß mit dem Rufe: „Hierher, meine Damen!" da blick e er ingrimmig von seinen Papieren auf. „Eine schnatternde GanS, wo nicht bereit zwei, und in so früher Morgenstunde schon!" brummte er in sich hinein. „DaS gibt eine nette Fahrt! Adieu, goldene Ruhe!"

Der Schaffner hatte eine Handtasche in den Wagen gehoben und war am Schlag stehen g.blieben. Die zwei Damen vor btr offnen Thüre waren jeboch mit Abschiebnehmen so schnell nicht fertig.

Die Eine, eine runbliche alte Dame, mit etwas beschränktem Au-druck auf ben gutmüthigen Zügen, gehörte offenbar zu ben gefühlsseligen Naturen; sie tombe n'.cht miibe, bie Jüngere zu Herzen unb zu küssen, wobei reichliche Thränen über ihre bi den runben Wangen flössen. Die junge Dame ließ sich bie Zärt­lichkeitsergüsse mit lieber Nachsicht gefallen. Sie fah mit großen braunen Augen bankbar zu ber altem Gefährtin herab, beten zur Schau getragene Gefühle sie rührten, wiewohl solche Demonstrationen ihrer ge­messenen Natur ganz fern zu liegen schienen.

Für Gemeinbe-Anstalten u. -Einrichtungen (Märkte, Abfuhrwesen, Kanalreinigung,

nißanstalt rc ) 39 700 M.

Beitrag zur Polizeiverwaltung, Militär­wesen rc........... 9 200 „

Zuschuß zur Armenpflege 10400 „

Kirchenwesen 2 700 „

Schulwesen 92000 „

Rückvergütung von Steuern .... 3000 „

Sten-:Verwaltung 7 500 „

Kleinere diverse Ausgaben 5 000 „

Gesammtausgabe ca. 258000 M.

Die außerordentliche (Vern ögenS-)Verwaltung stellt sich jetzt günstiger wie in ben Vorjahren. Es sind in Einnahme und Ausgabe über 75 000 M. ein­gestellt. ES kommen dem außerordentlichen Etat die Ueberschüsse der laufenden Rechnung zu gut. Dieser Etat wird sich auch für die nächsten Jahre voraus­sichtlich ebenso günstig gestalten, weil nach Fertigstel­lung der im Bau bcgr ffenen Straßen für die nächste Zeit neue nicht zu bauen sind.

Außerdem ist durch das neue Baustatut dafür ge­sorgt, daß bei Straßenneubauten nicht die Stadtkasse, sondern die Eigenihürner der Grundstücke die Kosten zu tragen haben.

ES kann jetzt für die Pflasterung der innem Stadt, für Herstellung von Bürgersteigen mehr aufgewendet werden. In den außerordentlichen Etat konnten eingestellt

werden: 8

Fertigsten»! g ber Heinrichstraße . . . 10 000 R.

DeSgl. zwischen dem freien Platz am

HirtSrain und dem Krätzgraben . . 2 500 „ Desgl. der verlängerten SturmmSstraße 11600 „ DeSgl. ber Straße am HirtSrain nach ber

Rommel'fchen Privatstraße .... 5 750 „

Straßen-Neu- unb Umpflasterungen. . 12 120 „ Herstellung von Bürgersteigen , . . 11740 „ Anberweite Einrichtung des Viehmartt-

platzes 2 800 „

Herstellung einer neuen Abortanlage für

die evangelische Schule 3 800 „

Herstellung eines neuen ZeichensaäleS im

Stadtschulbau 2 400 „

Erbauung einer neuen Dienstwohnung

für den Wiegemeister 6 000 „

Zu anderweiten Verwendungen . 6 690 „

in Summa 75 400 M.

gegen 28 800 M. im Vorjahre.

Die Gasanstalt (Spezial-Etat A) ist bekanntlich eine gute Einnahmequelle für bie Stadt. Sie muß jedoch nach dem Anträge der Gas-Kommission (Müller- Bellinger) wesentlich erweitert werden, um dem Kon­sum ferner genügen zu können und noch vortheilhaster zu arbeiten. ES wird hierfür eine Aufwendung von chca 50000 M. nothwendig werden, welche für eine produktive Anlage gut aVgewendet sind. Eine weitere produktive Anlage ist daS Wasserwerk, welches in Ein-

„ES ist Zeit, eiuzusteigen, Tante Marie," mchnte sie endlich, „der Schaffner wartet."

„Muß eS denn sein, mein Ellachen?" schluchzte die alte Dame. „So leb' also wohl, mein Kindchen! Gottlob, da sitzest Du recht bequem allein in Deinem Coups" — sie unterbrach sich, als sie des Staalsan- walteS ansichtig wurde. „Ach so, ein Herr! Auch gut; er kann für Dich Sorge tragen beim Umfteigen."

„DaS fehlte gerade noch!" dachte Rodenflüh.

„Ich kann sehr wohl für mich selbst sorgen, ich bin eS gewohnt, auf eigenen Füßen zu stehen." Ein etwas herbes Lächeln umspielte ihren Mund.

„Ach ja, Du armes Kind!" Aus'S neue strömten die Thränen der alten Frau. „Höre Ellachen!" Sie hielt die junge Dame fest, die eben ihren Fuß auf das Trittbrett fetzen wollte, und flüsterte ihr ein paar Worte in'S Ohr. Diese stutzte, erröthrte und schien einen Augenblick zu zaudern. Immer eindringlicher redete die alte Frau in sie hinein, bis endlich die N-chte zustimmend nickte; rasch stieg sie dann in den Wagen, und der Schaffner schlug die Thüre zu.

„Adieu, Ellachen! Lebe wohl, goldenes Kind!" rief die Tante und reichte die fleischige Hand hinauf. „Grüß mir auch Deinen Marn."

Der Staatsanwalt sah auf. „Also nur Eine, und diese verheirathet! Immer noch beffer als so ein