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JK 44

Samstag, den 22. Februar 1896.

23 Jahrgang.

FilldacrWZeitilNg

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Q Bismarck's Rache.

Man wird sich noch des Kesseltreibens erinnern, da» innerhalb der „Deutschen Kolonialgesell­schaft" gegen den Vorsitzenden der Abtheilung Berlin dieser Gesellschaft, den Prinzen Arenberg, veran­staltet wurde, als dieser vor nunmehr fast einem Jahre mit dem ganzen Centrum dem Versuche der BiSmärcker, den Reichstag zu einer politischen Demonstration für dm Herzog von Lauenburg zu mißbrauchen, wider­standen und fo dazu beigetragen hatte, den Reichstag vor dieser Selbsterniedrigung vor seinem Verächter zu bewahren. Die Sache hatte damals weiter keine Folgen, da die Mehrheit des Vorstandes der Abtheilung dem Treiben sich entgegenstellte und Prinz Armberg den Herren nicht dm Gefallm that, freiwillig den Vorsitz viederznlegen. Aber eS war zu erwarten, daß die Bis- märcker dachten: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben" und ihre Rache nicht aufgaben, sondem nur auf eine Selegenere Zeit vertagten. Denn wie Fürst BiSmarck — aS haben ihm feine Verehrer selber nachge—„rühmt" — gut zu hassen versteht, so sind auch seine Getrmm allzeit eifrig bemüht, auch in diesem Punkte ihrem Herrn und Meister nachzueifern und damit zugleich ihm einen Gefallen zu thun.

Am Montag Abend hatte nun die Abtheilung Berlin der deutschen Kolonialabtheilung ihre diesjährige ordmtliche Hauptversammlung, in welcher nach Erstatttmg deS Jahresberichts für fünf statutmmäßigauSfcheidendeVorstandSmitglieder,darunter Prinz Arenberg, Neuwahlen vorzunehmen waren. DaS war die langersehnte Gelegenheit, um Bismarck's Rache an dem Prinzen Armberg zu vollziehen. Prinz Arenberg wurde nämlich nach längerer erregter Debatte über die Frage, ob er würdig sei, noch ferner diesm Posten zu versehen, nicht wiedergewählt. Er theilte dieses Schicksal mit den Herren Selberg und v. Bülow, deren besondere Verbrechen uns unbekannt find; wiedergewählt wurden nur die Herren Dr. D o v e und Dr. Grosse, die 131 bezw. 128 Stimmen er-

c Wer Wochen Ferien!

Vriginal-Novelle von L. Borges.

16) ------ (Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

„Sie wollm uns also wirklich verlasim," unter­brach Lydia die peinliche Pause.

„Ja. Ich war vier Wochen bei Ihnen und sehe meine Pflichten sowohl wie meine Ferimreise für be­endet an."

„Warum so bald?"

„Diese Frage von Ihnen, mein Fräulein, scheint mir überflüssig. Ich kehre in die Heimath zurück, ent­täuscht, mit einem Stachel im Herzen. Wir werden uns nie wiedersehm. Doch ehe wir scheiden, bitte ich um Aufklärung Ihrer Benehmen-. Sie ermuthigten mich in meiner Liebe zu Ihnen, dann stießen Sie mich rauh zurück. Glaubten Sie etwa, ich strebte nur nach Ihrem Vermögen?"

„Durchaus nicht," stammelte verwirrt da- er» röthende Mädchen. „Aber ich hielt Sie für Laura'S Geliebten. Augusta Roller behauptete cS — der Ge­danke war mir ganz unerträglich."

Der Maler betrachtete mitteidig das zitternde Mädchen an feiner Sette. „Laura?" fragte er lang­sam. „Ich habe nie ein Wort von Liebe mit ihr ge­wechselt, und werde eS auch niemals thun. Ehe ich sie au Bord der Dacht traf, hatte ich sogar noch nie ein Wort mit chr gesprochen."

hieltm. Nmgewählt wurden mit 78 bis 80 Stimmen die Herren Dr. PeterS, Direktor HanS Lange und Hauptmann a.D. v. Liman. Auf den Prinzen Aren­berg waren etwas über 50 Stimmen entfallen, also immerhin eine starke Minderheit. dDMD

Die Debatte, welche dieser Abstimmung voraufging, war in mehrfacher Beziehung interessant. Zunächst hatte der frühere Minister v. Hofmann die Wieder­wahl aller ausscheidenden Herren und besonder- deS Prinzen Arenberg empfohlen, indem er betonte, daß eS nothwendig fei, an der Spitze der Abtheilung Berlin einen Reich-tagSabgeordneten zu haben, und daß Prinz Arenberg stet- ein warme- Interesse für die Abtheilung bewiesen und sich auch durch seine Thätigkeit im Reichstage große Verdienste um die koloniale Sache erworben habe. Dagegen erhob der „Bi-rnarck Ostaftika'S", Dr. KarlPeterS, Einspruch.

, Zwar wollte er die Verdienste des Prinzen Arenberg nicht schmälern, aber er behauptete, dieser habe sich, indem er dem phantastischen Flottenver-

I mehrungS-Projekt, da- Herr PeterS neulich in einem Bortrage entwickelte, entgegengetreten, auf einen anderen Standpunkt gestellt, als die Gefammtheit der

i Kolonialgesellschaft, und darum sei seine Wiederwahl i nicht zu empfehlen.

I Wie Herr PeterS hier von einer „Gefammtheit" Ü der Kolonialgesellschaft reden kann, ist unerfindlich, da [ et selbst zugibt, daß sein Flottenprojekt noch andere i Gegner in der Gesellschaft hat, als nur den Prinzen i Arenberg. ES kann also gar keine Rede davon sein, 5 daß dieser sich in Gegensatz zur Kolonialgesellschaft ge­stellt habe. Die Stellung der letzteren stand damals ja noch gar nicht fest, sondern wurde erst nach jener Verhandlung durch Annahme einer im PeterS'schen ( Sinne gehaltene Resolution entschieden; Prinz Arem­berg blieb mit seinem Widerspruch in der Minderheit, weiter nichts. Wenn sonst irgendwo ein Vorstands­mitglied eines Verein- mit seiner Ansicht tm Verein nicht durchdringt, wird er deshalb sein Amt nieder­legen oder bei der nächsten Neuwahl beseitigt werden? j Prinz Arenberg wie- auch mit Recht darauf hin, daß er i gegen die außerordentliche Flottenvermehrung schon mit Rücksicht auf seine Parteigenossen und seine Wähler, die er nicht in Zweifel lassen durfte, hatte auftteten muffen. Aber dafür hatten die Freunde des Dr. PeterS , um fo weniger Verstäudniß, als ja gerade die An- gehörigkett deS Prinzen Arenberg zur CentrumS- partei und feine Abstimmung gegen die BiSmarck- huldigung im Reichstage der eigentliche Grund ihres Widerstande- gegen feine Wiederwahl war. Da- ging denn auch aus den weiteren Erörterungen klar hervor; ganz unumwunden erklärte nämlich Herr Dr. PeterS, wer dem Gründer deS Reichs und der Kolonieen, „dem Vater des nationalen Bewußtseins" die schuldige Hochachtung versage (?!), sei als Präsident der Av-

„DaS weiß ich jetzt, aber — an pnem Abend — hatten Sie eine lange Unterredung mit ihr. Augusta machte mich darauf aufmerksam und —“ Sie konnte nicht wettersprechen, Thronen erstickten ihre Stimme.

„Lydia, Geliebte, würden Sie mir eine andere i Antwort gegeben haben, wenn Augusta mich nicht ver­dächtigt hätte?"

Sie nickte zustimmend.

„Und jetzt sind Sie verlobt mit Andrea- Roller?" „Er liebt mich ebenso wenig, al- ich ihn. Um mich schadlos zu halten, bot er mir ein Heim an, denn sein Vater hatte mein Vermögen verloren. Wir haben un8 gegenseitig unser Wort zurück gegeben."

i „Der Verlust Ihre- Vermögens war mir bekannt." „Sie wußten das, und dennoch boten Sie einem armen Mädchen Herz und Hand an! O, wie edel!" „Lydia, Geliebte! Es ist noch nicht zu spät. Du bist mein, jetzt soll uns nichts mehr trennen!“ Arm in Arm verschwanden sie in der Rosenallee.

Mittlerweile gingen Laura und Andreas schweigend nebeneinander. „Sie haben mir früher Vertrauen ge- t schenkt," begann Andrea-, „verdiene ich er nicht mehr?" Die Angeredete sah ihn bittend an. — „Lasten Sie mich," flehte sie leise. „Sie haben dar Verttauen ' zu mir verloren--mich mit bitteren, ungerechten

• Vorwürfen überschüttet."

„Rur, weil ich Sie so heiß und innig liebte. Ich - hatte Ihnen Herz und Hand angeboten, doch bet Ge»

theilung Berlin bet Deutschen Kolouialgesellschist nicht am rechten Platze.

Jedenfalls hat Herr Peter» erreicht, in den Bor- stand der Abtheilung Berlin gewählt zu werden. Ver- muthlich tritt er nun auch als Vorsitzender an die Stelle des Prinzen Arenberg. Und wenn Herrn.Hof­mann betont?, ein Reich-tagSabgeord ne ter müstr an der Spitze der Abtheilung stehen — nun, an Herrn P-terS wird eS nicht liegen, wenn er nicht bald auch diese Bedingung erfüllt. Redlich bemüht hat er sich ja schon lange um ein ReichstagSmandat. Wir wünichen ihm schon im Voraus alles Glück in diesem Bestreben, wenn wir ihm auch leidet nicht in Aussicht stellen können, daß ein katholischer Wahlkreis ihn dem­nächst zu seinem Vertreter machen werde.

Den Prinzen Arenberg aber dürfen wir mit noch größerem Rechte zu feinem Ausscheiden auS dem Vor­stände einer in ihrer Mehrheit von solchen Gesinnungen erfüllten Gesellschaft beglückwünschen. Die Veran­lassung hierzu gereicht ihm durchaus zur Ehre. Wenn er — wie wir bereits gemeld t haben — nunmehr ganz auS der Abtheilung Berlin b zw. der Kolonial­gesellschaft mit noch einigen anderen Her n ausge­treten ist, so mögen diejenigen, welche der Gesellschaft einen einseitigen politischen Charakter geben wollen, sich selbst die Verantwortung für die Folgen ihres hetzerischen Treibens zuschteiben, das der kolonialenSache gewiß nicht zum Nutzen ge- reichen kann.

O Die schöne Seite des neuen Stempel­steuer-Gesetzes.

Jede- Ding hat zwei Seiten, und so enthält denn auch das neue preußische Stempelsteuer-Gesetz, welche- am 1. April d. I. in Kraft tritt, einzelne Bestim­mungen, welche für unseren Staat-säckel einträglich und dem steuerzahlenden Bürger nicht ursympathisch sind. Eine Durchsicht des StempeltarifeS belehrt unS, daß dasselbe im Gegensatz zu dem alten Gesetze für eine Reihe von Genehmigungen und Berechtigungen eine Steuer ansetzt, die einer Abgabe für vergnügliche Augen­blicke deS menschlichen Dasein- ziemlich gleichkontntt.

Wir lesen da, daß Genehmigungen der Ortspolizei- Behörde zur Veranstaltung von Musik-Aufführungen, Singspielen, Gesang»- und deklamatorischen Vorträgen, theatralischen Vorstellungen, sowohl öffentlicher wie Privat- oder geschlosiener Gesellschaften 1.50 Mk. Stem­pel kosten (natürlich neben der an einzelnen Orten be­stehenden städtischen BergnügungS-Steuer). Sind diese Lustbarkeiten geringfügiger Art, so beträgt der Stempel nur 50 Pfennige. Wer also noch etwa- Derartige» für die vergnügungsgeplagte Mitwelt in petto hat, der rücke schleunigst vor dem 1. April heraus damit. Zur Vermeidung von Unkosten bleiben in der ZeitungS-An- dauk«, daß der Maler die Stelle in Ihrem Herzen ein­nahm, die mir rechtmäßig zukam, machte mich fast wahnsinnig."

„Das hat er nie gethan," versicherte sie. „Er war mir ein treuer Freund, weiter nichts. Doch Sie zwei- feften an mir, zogen Fräulein Ehrenfeld, eine reiche Erbin, vor. Da wagte ich nicht, Ihnen meinen wahren Namen zu sagen."

Andreas schwieg. Laura sah fragend zu ihm empor: sie hatte gehr sic, er würde sie v rtheidigeu, von Neuem ihre Liebe erflehen, doch er sagte kein Wort.

„Andrea», Du mußt mir Laura einen Augenblick überlassen," rief eine silberhelle, fröhliche Stimme, und Lydia umschlang bei diesen Worten die zitternde Laura, für welche sie innige Freundschaft hegte. „Laß unS wie aufrichtige Freundinnen reden, Laura. Ich habe schlecht an Dir gehandelt, vergieb mir. An Bord der Dacht schöpfte ich ungerechten Argwohn gegen Dich."

„Du hast Dich meiner liebend angenommen, a!S ich ein armes, heimath!ofeS Kind war," entgegnete Laura sauft, „ist e» denn möglich, baß Du —"

„Sprich nicht Wetter. Ja, eS ist wahr, ich mißbentete Dein Berhältniß zu Herrn Bergheim; eS thnt mir sehr feib."

Laura schluchzte laut.

„Weine nicht," bat bie Freundin, „eS ist meine Schuld, daß Du jetzt nicht glücklich bist. „Siehe, ich war sehr eifersüchtig auf Dich; mein Stolz empörte sich. Darum nahm ich Andreas' Arttrag an. Der arme,