jg 43 Freitag, den 21. Februar 1896. 23 Jahrgang.
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mit Untechaltunss-Krilase „Sterne uuir KInmen ".
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Deutsches Reich.
Berlin, 20. Februar.
♦ Der Kaiser nahm heute Abend wicder, wie alljährlich, an dem vom Oberpräsidenten von Achenbach für die Mitglieder deS Brandenburgischen Pro- vinziatlandtageS veranstalteten Essen theil und reiste dann um 11 Uhr Nachts nach Wilhelms- Haven zur Vereidigung b?r Marinerekruten ab. De Rückkehr soll am Samstag Abe-d erfolgen. — Nach- mittags hatte er einen längeren Vortrag der Reichskanzlers in dessen Wohnung entgegengenammen.
* Der Adg. Prinz Arenberg hat seinen Au», tritt auS der Abtheilunq Berlin der deutschen Kolonialgesellschaft erklärt.
* Der Bibliothekar des Abgeordnetenhauses Fatz ist am Mittwoch Abend plötzlich am Herzschlage gestorben.
* Zu der gemeinen Schmähung Windthorst'S durch den abgefallenen Priester Grafen Hoensbroech schreibt Herr Nicola Racke, Präsident der in Rede stehenden Katholikenversammlung in Köln, an die .Köln. VolS- z-itung': Gestatten Sie mir, zu der „feinfühligen" Verdächtigung WindthorstS feiten» des Herrn Grafen Paul Hoensbroech folgende Bemerkung: „Der Herr Graf behauptet, die ftivole Aeußerung, „da habe ich denn mit Gottes Hilfe wieder einmal recht kräftig gelogen", fei von Windthorst gethan worden „am Fuße der Redner- Trlllüne", also unmittelbar nach Schluß seiner Rede. Ich war damals Präsidmt der Versammlung und geleitete Windthorst sowohl auf die Tribüne, wie auch nach der Rede von der Tribüne herab, und da ich unmittelbar Windchorst zur Seite stand, habe ich jedes Wort vernommen, das derselbe gesprochen. Ich erkläre nun auf da» Allerbestimmteste, daß Windthorst einen solchen Ausspruch oder einen ähnlichen nicht gethan hat. Windthorst war damals, wie jeder , der ihn an dem betreffenden Tage gesehen oder gesprochen hat, bestätigen kann, so ernst, wie ich ,hn wenigstens ernster im Leden niemals geseh n habe. In einer solchen Stimmung ist man zu Frivolitäten nicht aufgelegt. Ich kann aber auch außerdem Wort für Wort wiederholen, war damals Windthorst thatsächlich gesagt hat. Auf meine und anderer Herren Glückwünsche hin wiederholte zunächst Windthorst die in seiner Rede gebrauchten Worte: „Von den Feinden niemals besiegt, von den Freunden verlaffen" und knüpfte daran die Frage: „Glauben Sie, daß man mich (d. h. diese Worte) verstanden hat?" Das war eS, wa.» Windthorst am Fuße der Rednertribüne damals gesprochen hat und nichts anderes. UebrigenS meine ich, man solle mit dem Grafen Hoensbroech nicht zu streng ins Gericht gehen. Wer so, wie Graf Paul Hoensbroech, das, was er ftüher mit Wort und Feder vertheidigte und hochhielt, heute nicht etwa bloß als irrthümliche frühere Auffaffung, sondern als moralisch verwerflich bezeichnet, verdient meines Erachtens nur psychologische-
Interesse. Ich stelle Ihnen anheim, von meinen Mit- theilungen entsprechenden Gebrauch zu machen."
ft Der Senioreukonvmt deS Reichstags hat beschlossen, zur Elinnerung an die erste ReichStaqSsitzung vor 25 Jahren ein Festmahl am Abend des 21. März zu veranstalten, zu welchen alle fühere Abg., diejenigen deS JahreS 1871 als Ehrengäste, eingeladen werden. Den Trinksp uch auf den Kaiser wird Präsident Frhr. v. Buol auSbringen, denjenigen auf den Reichstag der erste Wz'p-äfident Schmidt und einen weitern auf den Fürsten Bismarck der Abg v. Lrvetzow. Natürlich kann eS sich bei den letzteren nicht um eine Verherrlichung der ganzen AmtSthätigkeit der Fürsten Bismarck handeln, sondern nut um eine Ehrung seiner Verdienste um die Gründung des Reich». Das ist der wesemliche Unterschied »wischen diesem Trinkspruch und der von den ehemaligen Aartrllparteien betriebenen Huldigung zu BiSmarck» 80. Geburtstage im vorigen Jahre. Eine Wiederholung diese» Versuchs wäre auch heMe zurückzewiesen worden; da da» jetzt beschlossene Fest in innerem Zusammenhang mit der Gründung deS Reichs steht und die Verdienste de» Fürsten BiSmarck um diese von keiner Seite bestritten werden, so ist nichts dagegen einzawenden, daß bei der geplanten Feier auch dieser Verdienste deS Fürsten Bismark gedacht wird. — Der Smiorenkonvent beschäftigte sich außerdem mit der Anregung auS Interessentenkreisen, die Zacke rst eu erv or l agenochvorderfürden22.d.M. beabsichtigten Vertagung in erster Lesung zu erledigen. Eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt, die Entscheidung daher dem Plenum Vorbehalten.
K In der Justizkommission des Reichstages wurde heute die Berathung der Novelle zum GerichtS- verfassungSgesetz fortgesetzt. § 73 bestimmt, daß die Strafkammern zuständig sein sollen für daS Verbrechen deS Meineids in den Fällen drr §§ 153, 154, 155 deS Strafgesetzbuches. Nachdem in erster Lesung diese Abänderung deS bestebenden Gesetzes genehmigt worden, wurde sie heute mit 12 gegen 9 Stimmen ab gelehnt. Der Meineid soll also auch ferner den Schwurgerichten zugewiesen werden. — Den Strafkammern wird nach der Novelle ferner zu- gewiesen da» Verbrechen der Unzucht in den Fällen der §§ 153, 154 und 155 deS Strafgesetzbuchs Auch diese Aenderung deS bestehenden Gesetzes wurde heute mit 9 gegen 9 Stimmen abgelehnt. Im Uebrigen wurde nach dem Anträge v Buchka die Regierungsvorlage wieder hergestellt.
K. Die WahlprÜfvvgSkommissio« des Reichstages beschloß, dem Plenum zu empfehlen, die Wahl deS Adg Dr. Meyer-Halle (frs. Bgq) für nngiltig, dagegen die Wahl deS Abg. Hüpeden-Kassel für giltig zu erklären.
* Ueber bie Aussichten des Lehrerbesoldungsgesetzes wirb offiziös geschrieben: M,t bei Feststellung bet auf bie Dienstwohnungen bezüglichen §§ 11 unb 12 de» Lehrerbrsoldungszesetzes sind bie materiell wichtigsten Punkte be8 LehrerdesolbunqtwrsenS in bet
Kommission unb zwar in einer Weise erlebigt, welcher wie immer im Emzelnerr bie Beschlüsse verbess-rungS- fähig sein mögen, einem gründ ätzlichen Widerspruch der Regierung nicht begegnen. Die Hoffmng auf ein befriedigende» Endergebniß verstärkt sich daher. Die folgenden Paragraphen bis zu dem Haupt- streitp rnfte de» § 25 enthalten Einzelbestimmungen von minder großer Bedeutung als die vorherg henden Abschnitte der Vorlage, über welche die Verständigung nach Wiederaufnahme der Sitzungen der Kommission am 22 d. M nicht allzulange Z-it in Anspruch nehmen wird. Daneben wird sich hoffentlich eine Verständigung über den § 25 und zwar auf einer Grundlage, bei welcher die sich gegenüberstehenden Meinungen einen befriedigenden Ausgleich finden, anbahnen lassen.
* Der Streik tu der Berliner Herren- und Knabenkonfektiou ist am Mittwoch in später Nacht- stunde bu ch einen Vergleich deenbigt worden. Die Konfektionäre gestanden eine 121/a prozentige Lohnerhöhung zu, die nach dem Versprechen der Z vischen- meister voll den Arbeitern zukommen soll. Auch in der Damenkonfektion ist der Streik durch einen Vergleich beendigt, Über den die Berliner Abendblätter aber noch nickt» Nähere» enthalten.
* Freiburg t. B., 20. Febr. Herr Domdekan Prälat Weickum ist heute Nachmittag 2 Uhr nach längerer Krankheit gestorben. Prälat Weickum war einer der hervorragendsten Geistlichen der Erzdiözese Freiburg, der sich um bie Wiebererneuerung des kirchlichen Geiste» unb Leben» in derselben bleibende Verdienste erworben hat. Karl Franz Weickum, geboren den 1. Juli 1815 zu Boxberg als Kind reformirter Eltern, trat während seiner Studienzeit im Jahre 1834 zur katholischen Kirche zurück und widmete sich an der Universität Würzburg der Theologie. Im Herbst 1839 trat er in'» Priesterseminar der Erz- diözese Freiburg ein und empfing nach einem Jahr die Priesterweihe. Im Jahre 1861 wurde Weickum in'» Freiburger Domkapitel berufen, in welchem er bis zur Würde des DomdekanS emporstieg. Große Verdienste erwarb er sich um die Sache der katholischen Stsellenvereine. Er war lange Zeit Diözesan- präseS. Sr war aber nicht nur ein tüchtiger Seelenführer, sondern auch ein gewandter Kanzelredner. Außerdem leistete er auch Ausgezeichnetes als geistlicher Schriftsteller und als gernülhvoller Dichter. Der hl. Vater hat ihn durch Verleihung der Würde eines apostolischen Notars und päpstlichen HauSprälaten geehrt.
Ausland.
* Madrid, 20. Febr. Fünf Petarden kxpEdikten gestern Abend in der nächsten Umgebung deS Königlichen Palais. Menschen find mcht zu Schaden gekommen, nur ein Kandelaber auf der Straße ist zerstört.
* Sofia, 20. Febr. Die aus den Greifen de» abtrünnigen Fürsten verbreitete Nachricht, die Fürstin
(0 Uier Wochen Ferren!
Original-Novelle von C. Borges.
15) ------ (Nachdruck verboten.)
8. Kapitel.
„Es ist mir gelungen, fast bie Hälfte de» Kapitals zu retten, Lybia Ehrenfeld ist also nicht völlig ruinirt; doch laß Dich nicht wieder mit frembem Gelbe in gewagte Spekulationen ein!"
Diese» Telegramm kam von einem Anwalt, Herrn Roller'» Vetter. Lydia la» die wenigen Zeilen. Das Blut stieg siedend heiß in ihre Wangen und wie Schuppen fiel es von ihren Augen, als fie daran dachte, wie sehr Herr Roller eine Verbindung zwischen ihr und seinem Sohne gewünscht hatte. Sorgfälttg barg fie da» Papier in ihre Tasche, bann folgte sie ben Anderen, um an dem Souper bei Herrn von Waltersdorf theilzunehmen.
„Ich bin Ihnen noch einige Aufklärungen schuldig," begann der glückliche Vater, „denn mein armes Kind hat bei Ihnen Schutz gefunden, obgleich Sie weder tyren Sternen noch ihre Stellung in der Welt kannten." In kurzen schlichten Worten erzählte er darauf von seiner unglücklichen Herrath, von seiner Gattin, welche ihm das Kind entführt hatte. Er schilderte seinen Zuhörern ferner den Besuch in der Kunstausstellung, die Unterredung mit dem Maler und besten Versprechen,
ihm zur Ausfinbung seines Lieblings behilflich zu sein. „Herr Bergheim, ber fie an Bord der Dacht unverhostt wiedersab, gewann ihr Vertrauen," schloß der alte Herr seine Erzählung, „er theilte mir in einem ausführlichen Berichte alle Einzelheiten mit unb hinterließ den Brief für mich in Neapel."
„Da» wußte ich nicht einmal," schaltete Laura ein.
„Mein arme», liebes Kind! Hätte er nicht so klug und ehrenwerth gehandelt, werweiß, ob Deine Leiden»- zeit schon jetzt beendet wäre."
„Ich erfüllte nur ein gegebene»Versprechen," wehrte ber Maler brscheiben jeben Dank ab. „Jetzt liegen mir keine weiteren Pflichten ob, daher trete ich morgen meine Rückkehr nach Deutschland an."
„Schon so bald?" riefen Herr von Waltersdorf und Augusta wie au» einem Munde.
Lydia Ehrenfeld schwieg; Thränen verschleierten ihren Blick, sie wagte nicht, ihre Augen zu erheben. O l ES war ihre eigene Schuld, daß ihr kurzes Lieberglück so bald Schiffbruch gelitten hatte. Warum hatte sie Augusta's Anschuldigungen Glauben geschenft? Jetzt wußte sie, daß der Maler nie vorher mit Laura ge- sprachen hatte, ehe er sie an Bord der Dicht sah. Sie hatte ihm Unrecht gethan und ach! e» war zu spät!
„Wir bedauern, einen treuen Freund schon so bald zu verlieren, nachdem wir ihn eben erst gefunden haben,
nicht wahr, mein Kind?" wandte sich der Vater an seine Tochter.
„Wir sind Herrn Bergheim vielen Dank schuldig," ! gab die Angeredetr zurück, sich fester an ihren Vater i schmiegend, „aber auch einem andern Herrn großen ! Dank. Ihm verdanke ich meine Aufnahme in dar Re- \ konvaleScent-nhauS in Mailand. Er war eS, der mich • au» den Händen meines unwürdigen Onkel» befreite, s Aber," fügte sie hinzu, ihr Haupt stolz erhebend, „viel- - leicht liegt ihm nicht» an unserem Dank und et achtet ? den Dienst zu gering, den er einem verlassenen Mädchen s angedeihen ließ."
j „Warum?" forschte der Vater. „Für jeden Dienst, i- der meiner Tochter geleistet ist, bin ich dankbar. Du I hast mir aber den Namen des Freundes noch nicht ge» | nannt, Laura."
„ES ist mmöthig," versetzte fie mit zuckenden Lappen.
Andreas Roller wandte sich plötzlich um.—„Fräu- I lein Laura legt zu großen Werth auf einen ganz geringen Dienst," sagte er etwa» bitter.
„Ich hatte keine Ahnung, daß Du mit Fräulein Lama bekannt warst," bemertte der Vater. „Du hast in meiner Gegenwart ja nie von ihr gesprochen."
„Mir gegenüber ebenso wenig," warf Lydia jetzt ; scharf ein.
„Als ich im vorigen Herbst in Deutschland war,"