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Donnerstag, den 20. Februar 1896.

23 Jahraang.

FnldaerMZkitiliig

mit Unterhattnngs-Keilagr „Sterne und Ktumen".

Erscheint täglich So«»- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzcile oder deren Kaum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Kritisches aus Frankreich.

Der Südbahnskandal, dem das radikale Mini­sterium Bourgeois seine Existenz verdankt, wäre jetzt beinahe die Ursache seine» Sturzes geworden und kann es auch jetzt noch immer werdm, wenn Herr Bourgeois oder Präsident Faure nicht einen Ausweg aus dem Wirrsal finden, das der Justizminister Ricard verursacht hat. Herr Ricard hat nämlich dem Unter­suchungsrichter Rempler, welcher die Untersuchung in der Südbahnsache zu führen hatte, plötzlich diesen Auf­trag entzogen, angeblich weil Herr Rempler zu langsam vorging. Die gemäßigten Republikaner und auch wohl noch andere Leute meinten dagegen, in Wahrheit habe Herr Ricard der Untersuchung eine andere Wendung geben wollen, bei der statt un­parteiischer Verfolgung aller Schuldigen die einsei­tige Vernichtung politischerGegner der gegen- Märtigen radikalen Regieruug das Ziel und der Be­weggrund gewesen wäre. Zugleich erklärte man das »Verfahren, während des Ganges der Untersuchung mit jber Person des Untersuchungsrichters gegen den Willen des ersten Beauftragten zu wechseln, für ungefetz- lich, und diefer Vorwurf scheint in der That nach den französischen Gesetzen begründet zu sein.

Herr Ricard beeilte sich deshalb, öffentlich zu er­klären, die Enthebung Remplers sei gar nicht gegen dessen Willen ersolgt, da dieser keinen Einspruch da- gegen erhoben habe. Nun aber besaß der Senator Tristan die Abschrift eines Briefes Remplers an den ihm vorgesetzten Oberstaatsanwalt Atthalin — Tristan ist nämlich ein Oheim Rempler'S, — eines Briefe», in welchem Rempler gegen den Befehl der Justiz- Ministers protestirte und die juristischen Gründe aus- «inandersetzte, warum er dem Befehle nicht Folge leisten könne. Und von diefem Briefe machte der Senator Moni» im Senate Gebrauch. Veranlaßt war er dazu durch die verletzende Art, in welcher Ricard in der Kammer gegen ihn als den Urheber des ersten TadelSbefchluffeS des Senats zu F- lde zog. Die Folge war, daß der Senat mit großer Mehrheit diesen Tadels­beschluß erneuerte, wie sehr sich auch Bourgeois und Ricard bemühten, ihre Hände in Unschuld zu waschen. Herr Bourgeois wollte nämlich nichts von der Maß­regel seines Kollegen Ricard und Herr Ricard nichts von dem Briefe gewußt haben, von dem der Ober­staatsanwalt ihm, weil er chn für gleichgiltig gehalten, keine Mittheilung gemacht habe. Ob der Senat diefe Versicherungen nicht glaubte oder ob er auf jeden Fall dem Ministerium eine Schlappe bringen wollte — ? genug, das Tadelsvotum wurde erneut mit J starker Mehrheit angenommen und dadurch zu- t gleich der Gegensatz zur Kammer, die dem Ministerium - soeben erst ihr Verträum bekundet hatte, bis zum offenen Bruche getrieben.

Dieser Streit zwischen Kammer und Senat wird besonders intereffant, wenn man bedenkt, daß eigentlich -ebenso gut in der Kammer wie im Senate die o p p o r-

(0 Uier Machen Ferien!

Original-Novelle von C. Borges.

14) ------- (Nachdruck verboten.)

So vergingen lange, angstvolle Tage und Herrn Rollers Muth sank mehr und mehr. Er und sein Sohn wußten allein, wie eL mit seinen Geldverhälmissen stand, wußtm, daß sie die geforderte Summe nicht auf­bringen und nur durch ein Wunder gerettet werden konnten. Endlich kehrte der Bote zurück. Herr Roller wurde leichenblaß, als er seiner ansichtig wurde; jetzt hatte sich da» Schicksal der Gefangenen entschieden. Angsterfüllt beobachtete er die Züge der Sprechenden; doch zu seinem Erstaunm sah er daS Antlitz des Haupt­manns sich erheitem; er sah, wie der Bote einen Beutel Geld seinem Herrn übergab.

„DaS Lösegeld ist bezahlt. Die Reisendm können sofort ihre Rückkehr antreten," theilte der Chef seinen erstaunten Gefangenen mit. „aber da eS spät am Abend und der Weg gefährlich ist, bitte ich meine werthen Gäste, noch für eine Nacht meine Gastfreundschaft an­zunehmen. Ich hoffe, Sie werdm nie vergessen, wie gut Sie von uns behandelt worden sind."

Dar Lösegeld war bezahlt! wer konnte er gethan haben? Sie hatten weder reiche Freunde noch Ver­wandte, die eine so große Summe vorstrecken konnten.

tunistisch-konservative Opposition in der Mehrheit ist. Der Unterschied ist nur der, daß in der Kammer derjenige Theil dieser Opposition, der seiner Zeit, um als rein und makello» zu erscheinen, mit den Radikalen und Sozialisten das „gemäßigte" Kabinet Ribot gestürzt hat, auch jetzt noch aus dem gleichen Grunde in der Südbohnsache sich auf Seite der Radikalen und Sozialisten stellt und diesen und der Regierung hierdurch zur Mehrheit verhilft, während im Senate die Regierung keinen solchen Zuzug aus dem „gemäßigten" Centrum und der Rechten erhält.

Was soll nun geschehen, um au» dieser Verwick­lung h »rauszukommen? Dm Gefallen, mit seinem ganzen Kabinet zurückzutreten, will Herr Bourgeois der Senattmehrheit nicht thun, indem er sich auf das ihm von der Kammer ertheilte Vertrauensvotum beruft. Am liebsten möchte er wohl Herrn Ricard über Bord werfen; aber es ist fraglich, ob dieses Opfer dm Senat beschwichtigen würde, der vielmehr die ganze radikale Regierung zu stürzen bt strebt scheint. Den MißtrauenS- ; beschluß des Senats ganz außer Acht zu lassen, gebt z nach französischen verfassungsrechtlichen Begriffen nicht ; an. Vielmehr wird vielfach geltend gemacht, nach der ■ Verfassung gebe es für solche Fälle nur zwei Aus- wege: entweder die Kammerauflösung oder die ' Verfassungsrevision. Für die erstere scheint man | sich allerseits zu bedanken, bleibt also nur die Ver- | fassungsrevision. Und in der That fordert auch die radikale Presse mit großem Eifer die Revision der Verfassung in dem Sinne, daß dadurch der Senat r ganz ab geschafft oder doch zur Bedeutungslosigkeit ; herabgedrückt würde. Nun aber kann eine Verfasiungs- j änderung nur mit Einwilligung des Senats vollzogen t werden, dieser aber wird sich hüten, einen derartigen : Selbstmord zu begehen. Man weiß also in der Thal - nicht, wie die Verwickelung gelöst werden soll, und I rechnet daher bereits mit einem „Machtworte" de» ? Präsidenten als dem einzigen Auswege. Und das ge­schieht im republikanischen Frankreich!

Deutsches Reich.

Berlin, 19 Februar.

* Der Kaiser empfing gestern Vormittag im Jagd­schlösse HubertuSstock den Vizeadmiral Hollmann und den Contreadmiräl Frhrn. v. Senden-Bibran zum Bor­trage und gedachte Nachmittags eine Pürschfahrt zu unternehmen. Heute Abend gedenkt der Kaiser von Hubertu»stock in Berlin wieder einzutreffen. — Nach den bisher getroffmen Bestimmungen begibt sich der Kaiser morgen Abend nach dem Diner bei dem Oberpräsidenten von Achenbach im Englischen Hause mittels SonderzugeS nach Wilhelmshaven zur Vereidigung der Marine-Rekruten, welche daselbst am Freitag, den 21. d. M- ftaattfindet. Der Kaiser dürfte am SamStag Abend in Berlin wieder eintreffen und voraussichtlich, wie in den Vorjahren, auf der Rückreise kurzen Aufenthalt in Bremen nehmen.

Die Banditen zeigten sich jetzt ihren Gästen gegenüber äußerst zuvorkommend. Nachdem die Damm sich zurück­gezogen hatten, luden sie die Herren ein, mit ihnen Wein zu trinken. So verbrachten die Räuber und die Gefangenen eine ftöhliche Stunde, denn der Wein war vorzüglich, ebenfo die Cigarren. Früh am folgenden Morgen traten die Reisendm den Rückweg an. Die Augen wurden ihnen verbunden und drei bt8 vier ge­schwärzte Gesellen führten den einen Zug bis zum Eingänge des Hohlwege».

Dort empfing die Befreiten ein alter Herr mit silberweißen Haaren, feine dunklen Augen leuchteten in freudiger Erwartung. Der Künstler erkannte ihn sofort, aber ehe er ein Wort hervorbringen konnte, stürzte Miriam Heron hervor, und mit dem Jubelruf: „Vater! mein lieber Vater!" lag sie an der Brust des alten ManneS.

„Laura! Mein Kind! Gott fei gedankt, daß ich Dich wieder habe," klang eS bewegt zurück.

Herr von Waltersdorf zitterte vor Freude. Er drückte sein laut schluchzendes Kind fest an fein Herz und küßte es auf Stirn und Wangen, ohne auf die Umstehenden zu achten, welche stumme Zeugen dieser erßreifenben Scene waren. Vater und Tochter warm vereint.

„Dieses Glück verdanke ich Ihnen," sagte endlich

fi. In der Abtheilung Berlin der deutschen Kor lonialgesellschast soll morgen die Wahl des Vor­sitzenden erfolgen. W le die .Berliner Neuest. Nachr/, selbst ein Bismarckblatt, aus parlamentarischen Kreisen erfahren, soll bei dm nationalliberalen Mit­gliedern der Abtheilung die Absicht bestehen, im Fall derWahl desDr. Peters auszutreten. Auch uns wird versichert, daß die älteren Mitglieder der Abtheilung, wie Dr. Hammacher, Herr v. Hofmann, Konsul Vossen u. a. sehr aufgebracht über das Vor­gehen des Dr. Peters mit seinem Anhang junger, un­reifer Leute sind und sich weitere Schritte vorbehalten. UebrigmS soll der Beschluß auch nur dadurch möglich gewesen sein, daß Dr. Peters die Versammlung mit seinem Antrag überrumpelte und so auch die Stimmen von Männern erhielt, die nachher bei näherer Ueberlegung und bei Erwägung der polittschm Folgen ihre Abstimmung zu Gunsten des Dr. Peters sehr bereut haben. — Zu diesen Vorgängen schreibt selbst die nationalliberale,Nat.-Ztg/: „ES ist dies (Ausscheiden des Prinzen Arenberg) daS Ergebniß einer Agitation, der eine große Anzahl hervorragender Mitglieder, so Staatsminister v. Hofmann, Staats­sekretär a. D. Herzog, Dr. Hammacher, Konsul Vohsm u. A., vergeblich entgegengetreten waren. Prinz Aren­berg, dessen werkthätigeS Interesse für die Kolonial- Politik zweifellos ist, hatte dm Bemühungen der Herren Peter« und Genoffen widersprochen, die Kolonial- gesellschaft zum Hauptquartier für „uferlose Flotten­pläne" zu machen. Derartige Agitationen ge­hören unteres Erachtens überhaupt nicht in die Kolonialgesellschaft; durchaus unstatt­haft aber ist eS, die Stellungnahme zu ihnm als Anlaß oder Bor wand zur Herbeisührung bedauer­licher Spaltungen zu benutzen." Der Ausdruck „Bor­wand" ist zutreffend; denn der tiefere Grund ist, wie an anderer Stelle auSgeführt — die Rache BiSmarck's.

K. Die Reichstagskommission für daS Bürgerliche Gesetzbuch nahm heute die bei § 101 am Montag abgebrochene Berathung wieder aus. § 101 blieb un­verändert, dergleichen die § 102—107. Nach § 108 ist der Minderjährige, der von seinem gesetzlichen Vertreter zum selbstständigen Betrieb eines ErwerbS- geschästeS ermächtigt ist, für alle Rechtsgeschäfte unbe­schränkt geschäftsfähig, die der GefchästSbetrieb mit sich bringt. Diese Ermächtigung kann nach dem Entwurf nur mit Genehmigung de» Vormundschaftsgerichts er- theilt oder zurückgmommm werden. Dessen Ge­nehmigung wird auch für die Ermächtigung seitens de» Vaters erfordert. Der Ermächtigung ungeachtet bleibt der Minderjährige unfähig zu Rechtsgeschäften, zu denen der Vertreter selbst der Genehmigung deS BormundschastSgericht» bedarf. Diese Bestimmung wurde nach längerer Debatte angenommen. Nach § 109, kann der gesetzliche Vertreter den Minder- jähngen ermächtigen, in Dienst oder Arbeit zu treten und denselben dadurch geschäftsfähig für solche Rechts­geschäfte zu machen, welche die Eingehung oder Auf-

der alte Herr, dem Künstler gerührt die Hand entgegen­streckend. „Mein edler, junger Freund, wie foll ich Ihnen danken?"

„Sie haben mehr für nnS gethan, als die einfache Schuld der Dankbarkeit abgetragen, entgegnete dcr An­geredete bescheiden, denn Sie find es ohne Zweifel ge­wesen, der das Lösegeld für uns bezahlt hat."

„Das ist ja höchst sonderbar," brach endlich Augusta daS Schweigen. „Wer hätte gedacht, daß Miriam Heron..."

„Nicht Miriam Heron, sondern meine Tochter Laura von Waltersdorf," unterbrach sie der Edelmann ernst. „Unglückliche Umstände veranlaßten mein liebes, thönch- te» Kind, unter falschem Namen eine abhängige Stel­lung anzunehmen. Herr Bergheim hier kennt die ganze traurige Geschichte; ihm verdanke ich auch die Wieder­vereinigung. Für alle Güte, die mein Kind empfange» hat, danke ich aufrichtig."

„Ist eS denn wahr, daß wir unsere Freilassung Ihnen verdanken?" fragte Andreas gespannt.

„Konnte ich denn anders handeln?" gab der alte Herr leutselig zurück. „Meine Tochter gehörte ja mit zu den Gefangenen; aber--die Schurken waren

noch lange nicht die schlimmsten, sie lassen mit sich handeln und begnügen sich mit der Hälfte der Summe."