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Mittwoch, den 19. Februar 1896,
23 Jahrgang.
uldllerWZeituiils
mit UnterhaLtrrngs-Kettagr „Sterne und KLumen".
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Aschermittwoch.
„Morgemoth, Morgenroth, leuchtest mir zum frühen Tod!* Diesen wehmüthigen Soldatengesang könnt man ein weltlicher Aschermittwoch-Lied nennen. „Gestern ncch auf stolzen Rossen, heute durch die Brust geschossen, morgen in bas kühle Grab." Das Lied beschränkt sich auch nicht auf die besondere Lebensgefahr des kriegerischen Berufs, sondern spricht allgemein von der Vergänglichkeit deS menschlichen Körpers: „Ach wie bald, schwindet Schönheit und Gestalt! Prahlst du gleich mit deinen Wangen, die wie Milch und Purpur prangen; ach, die Rosen welken bald." — Wenn in der Kirche die Asche auSgetheilt wird, so fällt sie auf Wangen von Milch und Purpur ebenso wie auf Runzeln, und den Jungen g;It der Spruch eben so gut wie den Alten: Tu bist Staub und wirst wieder zu Staub werden!
Wenn von Asche und Buße geredet wird, so erheben manchmal „weltweisi!" Krit ker den Einwand, man raube den Leuten die Lebenslust und Energie, man mache sie welrflüchtig und verdrossen u. s. w. Soldat-n haben bekanntlich wenig Neigung zur Weltflucht, und man hat auch noch nicht gehört, daß der Gesang von Morgen roth die Truppe faul und feige gemacht habe. Der Gedanke an Tod und Grab wirkt auf gesunde Naturen nicht lähmend, sondern leitend. Wenn der morgige Tag so unsicher ist, dann muß man heute die Zeit und die Kraft nach Möglichkeit auSnützen.
WaS ist Staub und wird Staub? Nicht die Seele deS Menschen, ine vom Allmächtigen in den materiellen Organismus gehaucht worden ist. Der Hauch GotteS ist untheilkar, unauflöslich, ewig. Nur die Hülle, die auS Lehm der Erde genommen ist, wird zu Staub und Asche wieder werden. Auch die Thaten, welche die Seele während ihrer Bereinigung mit dem Leibe vollbringt, gehören nicht zu dem vergänglichen Staube. Denn es strht geschrieben: ihre Werke folgen ihnen nach! Und auch die Vernunft kann aus der Geschichte und der täglichen Erfahrung erkennen, daß die Werke der Menschen fortwirken über ihr Grab hinaus. Es ist der Fluch der bösen That, sagt der Dichter, daß sie fortwährend Böses muß gebären. Die gute That hat ebenso den Segen, Gute- zu erzeug! n. Wenn der einzelne Mensch auch der Laune deS Todes allzeit ausgesetzt ist, so bleibt doch die Menschheit aus Erden bestehen bis zum jüngsten Tage, und jede Generation der Menschheit wurzelt mit ihrer Bildung und Gesittung in den fortwirkenden Thaten der vorhergehenden Generationen. Wenn wir, die zeittgen Pilger auf Erden, unsere bescheidenen Posten hier nach bestem Können auSfüllev, dann haben auch wir dauerhafte Bausteine mit eingefügt in den richtigen Thurm der menschlichen Cwilisation, und von ter Entwickelung dec wahren Kultur hängt wiederum ab, in wie weit tie Menschheit für das Reich Gott-s und die ewige Glückseligkeit reif wird.
Also der Gedanke an die Sterblichkeit mahnt unS,
O Wer Wochen Ferien!
Original-Novelle von C. Borges.
13) ----•— (Nachdruck verboten.)
„Fritz! Andreas! Woher kamen diese Männer? WaS wollen sie?" rief Augusta in Verzweiflung.
Der Wagen stand still. Einer der Räuber hatte sich der Zügel der Pferde bemächttgt; der Kutscher kletterte schnell vom Bock herab und trat auf Seite der Banditen.
„WaS bedeutet dieser 80t8?" rief Herr Roller zitternd vor Zorn und Aufregung . . . „AndreoS, frage doch die Schurken, warum sie den Wagen anhatten."
„Andreas, der Einzige in der Gesellschaft, der italienisch sprach, trat zu dem Anführer der Bande und vnterhandette lange mit ihm.
„Beim Himmel, es find wahrhaftig Banditen", erklärte er darauf seinem Vater, „sie fordern ein beträchtliches Lösegeld sür unsere Freiheit."
Der Führer der Bande lud seine Gefangenen höflich ein, den Wagen zu verlassen und ihm zu folgen. „Ich führe Sie jetzt in mein armselige- R ich", sagte er, „aber ich muß aus meiner Hut sein, damit Sie, wenn dar Lösegeld gezahlt ist, Ihre Frei- h-it nicht zu meinem Rachcheil benutzen."
zu arbeiten für die Unsterblichkeit. Der Körper ist Staub und wird Staub; aber wenn der Leib nicht für sich, sondern als Werkzeug der Seele für die Pflicht arbeitet, dann schafft er Werthe, die nicht Rost noch Motten freffen können. Darum predigt die Asche: Nichts sind die leiblichen Genüsse; suchet eure Freude und eure Lust in etwas Besserem, war Bestand hat: in der Pflichterfüllung
Einer der berühmtesten Lehrsätze der modernen Naturwiffenschaft ist dar Gesetz von der Erhaltung der Kraft. ES geht kein; Kraft verloren; wenn wir sie „verbraucht" haben, so ist sie nicht vernichtet, sondern nur um geformt. In anderer Form besteht sie weiter und wirtt weiter, so lange überhaupt der Schöpfer die Naturkräste spielen läßt. Man könnte das Gesetz von der Erhaltung der Kraft auch auf die menschliche Thättgkeit anwenden. Was wir an Arbeits- und Schaffenskraft bethätigen, das kann nicht verloren gehen, sondern muß weiter wirken, so lange die Erde steht, ja mittelbar bis in alle Ewigkeit der Jenseits hinein. Als Napoleon I. mit seinen Soldaten an den alten ägyptischen Pyramiden stand, suchte er ihren Ehrgeiz zu reizen mit den Worten: „V:er Jahrtausende sehen auf Euch herab!" Regen wir unser Ehr- und Pflicht- gesühl an mit der Erwägung: die künftigen Jahrtausende werden zurückschauen auf uns, denn unser Thun und Lassen beeinflußt das zeitliche und ewige Geschick unserer Nachkommen! — Welch' ein Ansporn zum tüchtigen Wirken liegt z. B für einen Vater und eine Mutter in der Erwägung: Unsere Kinder werden wieder Kinder haben, der Stamm wird in immer größerer Breite sich foripflanzen bis zum jüngsten Tage, und wenn wir nun die jetzt Heranwachsenden Kindlein gut erziehen, dann dürfen wir hoffen, daß auch sie gute Eltern werden und gute Kinder erziehen werden und daß sich der gute Einfluß fori pflanzt in die Breite und in die Jahrhunderte und Jahrtausende hinein.
Staub ist dein Le»b, o Mensch, aber du kannst Großes, Erhabenes, Ewiges mit dem vergänglich °n Werkzeug wirken. Wer den Gelüsten der sterblichen LeibeS sein Leben widmet, der versinkt in Staub und Schmutz; aber wer der Pflicht lebt, der ist weise; denn er erlangt nicht bloß Ehre vor Gott und seinem Gewissen, sondern auch Glück. Denn eine beseligende Zufriedenheit kann der Mensch nur erlangen, wenn er dar Bewußtsein hat: „Ich bin mehr als Staub und schaffe mehr als Staub; ich erfülle meine Pflicht als ein Glied der menschlichen Gesellschaft und des Reiches Gottes!"
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Februar.
* Der Kaiser empfing gestern Vormittag m HubertuSstock den Chef der Geheimen EivilkabinetS, Dr. von Lucanus, zum Vortrage und arbeitete dann längere Zeit mit dem General von Hahnke.
* Der „Bund -er Landwirthe" trat am Dienstag
Mit diesen Worten verband er den Reisenden die Augen und führte sie eine Strecke Berg auf, Berg ab, an plätschernden Bächen und an brausenden Wasserfällen vorüber.
Etwa eine Stunde weit ging es so, bann gelangte man über einen beschwerlichen Felsenpfad in eine luftige Höhle. Der Eingang war so unscheinbar und versteckt, daß er selbst bei genauer Untersuchung nicht leicht gefunden werden konnte. Jetzt wurden die Gefangenen von ihren Binden befreit. Sie sahen sich ängstlich um An der einen Seite brannte ein Helle- Feuer, über dem verschiedene Kessel hingen und da- den ganzen Raum erleuchtete. Wollene Decken und Thierfelle bedeckten den Boden, auch mehrere Tische, Stühle und Bänke standen in diesem wild-romantischen Raume umher. Andreas trat zu seinem Vater.
„Eh; er uns freigibt, fordert der Schurke ein Lösegeld von hunderttausend Mark", begann er mit gedämpfter Stimme; „für jede der drei Damm zwanzigtausend, für jeden der vier Herren zehntausmd Mark."
Der Vater sank verzweifelnd auf einen Stuhl nieder, dann sah er sich hilfesuchend im K-eise umher. — „Sage ihm, daß wir nicht im Stande sind, die enorm hohe Summe zu zahlen", stieß er sodann mühsam hervor.
Mittag im Cirkns Busch in Berlin zu seiner britten Generalversammlung zusammen. Im ganzm mochten sich 5006 Personen eingefunben haben, darunter bte Abg. Graf Kan tz, Liebermann v. Sonnenberg, v Eichel, Kropatschek, v. Langen, Hauff-, Sachse; außerbem natürlich Herr. v. Plötz als erster Vor- sitzeaber. Herr v. Plötz hielt auch bie einleitende Rede, die ganz in dem üblich n Stil gehalten war und an- kündigte, daß die zwei „großen" Forderungen, Antrag Kaw'tz und Doppelwährung, immer wieder kommen würden. Der geschäftSführenbr Direttor Dr. SuchS- lanb erstattete Bericht. Aus seinen Mitteilungen heben wir die auf die Agitation bezüglichen hervor, wonach die .Korrespondenz' deS Bundes in einer Auflage von 2000, dar .Wochenblatt' in 16000 und die.Deutsche Tageszeitung' in einer Auflage von 36 000 Exemplaren verbreitet wird, ferner eine Fülle von anderen Drucksachen. — Bon 18 Beamten seien über 700 Versammlungen abgkhalten worden. Herr SuchSland theilte ferner mit, daß der Bund 187 796 Mitgli der zähle. 24000 hätten gestrichen werden müssen, weil sie ihren Verpflichtung rr nicht nachkommm konnten (oder wollten?), dagegen seien 2500 nm aufgenommen worden. 99000 wohnten östlich, 89000 westlich der Elbe. Die weiteren Verhandlung n haben für u rs bis j-tzt kein Interesse.
* Im deutschen Landwirthschastsrath ist jürgst darauf hinaewiesen worden, daß im Handelsgesetzbuch ben Interessen ber Lanbwirthschaft nicht genüg nb Rechnung getragen sei unb ber Wunsch aukg-sprochen worden, daß bei der in Aussicht genommenen Revision deS Handelsgesetzbuchs auch landwirthschaftliche Sachverständige zu Worte kämen. Wie mitgetheitt wird, hat der Landwirthschaftsminister Frhr. v. Hammerstein in Berücksichtigung dieser Anregung eine Konferenz von landwirthschaftl. Autoritäten veranlaßt, welche demnächst zusammentteten soll, um Vorschläge für die Revision beS Handels^ sitzbuches auSzuardeit n.
* In ber Berliner Konfektion ist am Dienstag ber Streik auf ber ganzen Linie auSgebrochen. Die Avlieferungen feiten- ber Zwischenmeister sind so gering, baß sie überhaupt kaum in Betracht kommen. Die Einigungsverhanblungen bauern fort.
* München, 18. Febr. Der britte bayerische Pilgerzug nach Lourbe- wirb am Dienstag ben 14. April 1896 von München über Ulm-Stuttgart- Sttaßburg-Parl- nach LourbeS abgehen unb auf bem Rückwege Toulouse-Cette-Lyon-Paruy le Monial berühren. Die Reise bauert bis 24. Apr-l inkl. Auch Richtbcyern können sich bethliligen. Der Fahrpreis beläuft sich für die ganze Strecke in 2. Klasse circa 115 Ml. unb 3. Klasse circa 80 Mk.
Ausland.
* Sofia, 18. Febr. In ber katholischen Kirche zu Sofia wurde am Sonntag ein Hirtenbrief deS römisch- katholisch! n Erzbischofs Menini verlesen, worin der
„Er behauptet", fuhr Andreas fort, „daß alle Reisenden, die nur auS Vergnügen eine solche Reise unternehmen, reich sein mäffen, und wenn wir die geforderte Summe nicht zahlen, steht unser Leben auf dem Spiel."
Der Künstler warf einen besorgten Blick auf Lydia; ihr Schicksal kümmerte ihn wehr wie das seine. — „He! wovon ist die.Rede? WaS wollen bie Schurken?" schrie Onkel Fritz, mit seinem langen Hörrohr auf bie schwarzen Gesellen beutenb. „Zehntausend Mark verlangen sie als Lösegelb für mich? Andreas, sage ihnen doch, daß ich alter Mann keine zehn Mark Werth bin!"
„DaS wären unnütze Motte, Onkel Fritz."
„Ich habe gar kein Geld," gestand ber Künstler mit traurigem Lächeln, „eS müßte benn fein, bie Herren Banditen nähmen als Löfegeld für mich meine unverkauften Gemälde, auch bin ich bereit, sie mit ihren geschwärzten Gesichtern in Lebensgröße zu Por- traitiren. Willigen sie nicht ein, so mögen sie mir mein Leben nehmen, es hat ohnehin keinen grofjen Werth mehr für mich."
Lydia Ehrenfeld schaute den Sprecher dieser Worte überrascht an, bann trat sie zu Herrn Roller. — „Machen Sie boch ber Sache ein Ende, geben Sie