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Jg 40 Dienstag, den 18. Februar 1896. 23 Jahrgang.

mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen, — Viertelsährlicher LbonnementsvreiS ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig, Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeilc 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

[-] Aus Oftasien kommen neuerdings wieder Nachrichten, welche zeigen, welche Richtung die durch den chinesisch - japanischen Krieg angebahnte Entwickelung dort aller Voraussicht nach nehmen wird. Man erinnert sich wohl noch der scheußlichen Vorgänge, die sich im Oktober vorigen Jahres am Hofe des Königs von Korea abspielten, an die Ermordung der Königin auf Anstiftung deS Taiwonkun, deS Balers des gänzlich willenlosen und schwächlichen Königs. Man beschuldigte damals gleich den japanischen Gesandten Miura der Mitschuld an dem Verbrechen und in der That wurde Miura mit noch einigen andern in die Sache verwickelten Japanern alsbald darauf nach Japan geschafft, dort vor Gericht gestellt und freigesprochen. Gleichwohl oder gerade in Folge deffen erhielt sich die Nachricht, daß die Japaner bei der Ermordung der Königin auch ihre Hände im Spiel gehabt haben.

Die Königin war nämlich eine autgrsprochene Feindin der Japaner. Sie hatte den König mit lauter Mitgliedern ihrer Familie umg-ben und hielt ihn über­haupt vollständig unter ihrem japanerfeindlichen Lin- fluffe. Der Ta-wonkun ist zwar ebenfalls als Gegner der Japaner bekannt, zugleich aber lebte er mit der Königm in deftigster persönlicher Feindschaft, und der Haß de» Taiwonkun gegen seine Schwiegertochter steigerte sich um so mehr, je mehr ihm diese allen Eirfluß auf den König raubte. So mag es denn wohl sein, daß sich der Taiwonkun und der japanische Gesandte trotz ihrer politischen Gegnerschaft zusammengefunden haben, um die gemeinsame Feindin, die Königm, zu be­seitigen.

Jetzt beschuldigt man uun auf einmal in Peters­burg offen den betreff, japanischen Gerichtshof, Miura freigesprochen zu haben, obwohl seine Unthat sich er­wiesen habe. Gleichzeitig wird auS Aokohama gemeldet, daß russsische Truppen, alleroingS zunächst nur 200 Mann, in der koreanischen Hafenstadt Tschemulpo gelandet worden seien und daß in Söul, der Haupt­stadt Koreas, neuerdings eine blutige Revolution auSgebrochen sei, die den König zwang, sich mit dem Kronprinzen in die jetzt von den 200Ruffrnmit einem Geschütz bewachte russische Gesandtschaft zu flüchten, wo auch der Taiwonkun sich aufhält. Nähere Nach­richten fehlen noch. @8 ist also noch nicht recht er­sichtlich, ob die Revolution von den Japanern oder von ihrer koreanischen Gegenpartei bezw. von den Russen angezettelt ist. Jedenfalls befinden sich König und Kronprinz sammt deS gefährlichen Taiwonkun jetzt in der Hand der Russen und find jedem japanischem Einfluß entrückt.

Diese Thatsache gewinnt eine erhöhte politische Bedeutung zunächst dadmch, daß die Russen durch ihr selbstständiges Vorgehen und die Landung von Truppen abermals zu erkennen gegeben Haber», daß sie die Art von Oberherrlichkeit, welche Japan über Korea beansprucht, nicht anzuerkennen gewillt sind. Man weiß

(0 Pier Wochen Ferien!

Original-Novelle von C. Borges.

12) ------ (Nachdruck verboten.)

Nun reiften meine Mutter und ihr 8ruber mit mir von Stadt zu Stadt. Hatte mein Oheim doch leider in mir ein brauchbares Medium entdeckt; es war ihm ein Leichtes, mich in einen andauernden lethargischen Schlaf finken zu kaffen, und somit wurde ich chm unentbehr­lich für seine Vorstellungen. Da starb im Spätherbst meine Mutter. Ich war nun frei und wollte zu meinem Vater zurückkehren. Jedoch mein Oheim trat mir ent­gegen. Gr erzählte mir, daß mein Vater fich schon seit Jahren in unbekannten Ländern aufhalte und daß er vielleicht schon gestorben sei. Um mich zu Überzeugen, reifte er mit mir nach meiner Heimathstadt, wo ich thatsächlich Fenster und Thüren meines väterlichen Hauses fest verschloffen fand. Ich erinnere mich, daß ich an jenem Abende wieder eingeschläfert wurde, und aus späteren Andeutungen erfuhr ich, daß ich in diesem Zustande unbewußt Fragen über den Aufenthaltsort der Werthpapiere, der Gelder und Juwelen meines Vaters beantwortet hatte.

Am nächsten Tage durchlief die Kunde von einem großartigen Diebstahl die Stadt. Ein bedeutender Preis wurde auf die Gefangennahme der Thäter festgesetzt,

ja auch, daß die Russen selbst schon feit langer Zeit auf Korea spekulirt haben, weil dieses mehrere auch im Winter eisfreie Häfen besitzt, an denen es Rußland an seiner ostsibirischen Küste vollständig fehlt.

Der Konflikt zwischen Rußland und Japan, der in diesem beiderseitigen Verlangen nach dem Erwerb Korea's ichon im Keime gegeben ist, muß durch dar jetzige selbstständige Borgehm Rußlands, durch sein bewaffnetes Eingreifen in die neuerliche Re­volution erheblich verschärft werden. Gleichwohl glauben wir nicht, daß es deswegen schon zu einem kriegerischen Zusammenstoß zwischen dem russischen Koloffe und dem aufstrebenden jungen japanischen Reiche kommen wird, denn Japan ist von den Folgen deS letzten Krieges her noch zu erschöpft, seine Flotte ist der russischen nicht gewachsen und der Ausbau, welcher beschloffen ist, wurde durch den großen Schiffrbauer- Streck in England sehr verzögert. Auch die japanische Landmacht, welche inSgesammt, die Landwehr ein­begriffen, 252000 Mann beträgt, reicht kaum bin, um die langgestreckten japanischen Inseln selbst zu schützen, geschweige denn den Augriff auf sibirisches Gebiet zu übertragen. In dieser Erk-mntniß, daß Japan zur Zeit sich mit dem Erreichten zufrieden geben muß, hat es ja auch auf Verlangen Rußlands, Deutschlands und Frankreichs auf die Halbinsel Liaotong verzichtet; und auch die Thronr de, mit welcher am 18 Dezember vorigen Jahres das japanische Parlament eröffnet wurde, erk arte: „Jetzt müssen wir uns des Errun­genen freum, aber in ferner Zukunft w nkt uns noch ein großeSZiel, buS wir zu erreichen wünschen." Alles Weitere wird auf ferne Zukunft vertagt.

Augenblicklich haben die Japaner auch noch genug zu thun, um sich die entlegene große Insel Formosa vollständig zu unterwerfen und die noch immer zahl­reichen aufsässigen Elemente in Schach zu halten. Es wäre daher mehr al» unvorsichtig von Japan, wenn eS Rußland jetzt die Zähne zeigen wollte. Auf die Hilfe England» wird es sich kaum verlassen dürfen. So ist denn zu hoffen, daß trotz der neuerlichen Wirren auf Korea der Friede auch im fernen Ostasiien in nächster Zeit nicht gestört werden wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Februar.

* Der Kaiser nahm gestern auf Jagdschloß Hubertus­stock ben Vortrag de» Chefs des Militärkabinet» v. Hahnke entgegen. Die Kaiserin hat heute Vor­mittag Hubertusstock wieder verlassen und ist nach dem König!. Schlosse zurückgekehrt. — Die Vereidigung der Marine-Rekruten in Wilhelmshaven wird gegen Ende dieser Woche in Gegenwart deS Kaisers statt- finden. — Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe be­gibt fich zur Leichenfeier seines Bruders, des Oberhof- meisters Prinzen Konstantin, nach Wien. — Staats­sekretär Dr. v. Stephan wird in den nächsten Tagen eine Urlaubsreise nach Italien antreten, wo sich feine Familie bereit« seit einiger Zeit b findet.

und höhnend erzählte mir mein Tyrann, baß ich selbst die Ursache von dem geschehenen Verbrechen sei. Ich war nicht zurechnungsfähig zu jener Zeit, sonst hätte ich ihm nicht glauben können.

Die Aufregung war zu groß für mich gewesen; ein heftiger Nervenfieber warf mich Monate lang auf's Krankenlager. Da sandte mir Gott in meiner großen Roth einen Freund, der meine Aufnahme im Recon- valercmtenhause in Mailand ermöglichte, mit deffen Direktor er befreundet war."

„Wie hieß dieser barmherzige Samariter?" fragte der Künstler tbeilnehmend.

Dunkle Röthe färbte die Wange der erregten jungen Dame. — „Der Name hat jetzt kein weitere- Interesse für mich," versetzte sie eisig. „Zuerst war ich hier sehr glücklich, trotz meiner abhängigen Stellung; jetzt möchte ich lieber sterben, als noch länger mit der Familie Roller zusammenleben."

„Laura, Sie haben noch größeren Kummer; ver­trauen Sie mir, vielleicht kann ich Ihnen helfen," bat Siegfried.

„ES steht mir nicht zu. zurückkommen auf mein trauriges Geschick. Vor unserer Abreise von Mailand las ich in der Zeitung den ausführlichen Bericht über einen zweiten Diebstahl im Haufe meines Vater». Ich zweifle nicht daran, daß der Bruder meiner Mutter

* Dar Abgeordnetenhaus hat sich für die nächste Zeit solaendes Programm vorgesteckt: Donnerstag ift für Hmdel und Gewerbe bestimmt. Freitag und Sonnabend ev. noch Montag sind für den Eisenbahn- etat in Aussicht genommen. Am Dienstag würde dann die Berathung der Kultusetats folgen, womit die zweite Etatsberathung beendet würde. Alsdann würden, da das Lehrerbefoldungsgefetz noch in der Kommission ift, zunächst die vom HerrnhauS herüberkommenden und da­nach die von der StaatSregierung zu erwartenden Vor­lagen (HandelSkammergefetz, Eifenbahn-Garantiegeietz, Sekundärbahnvorlage u. s. w.) zur Berathung kommen.

* Der Entwurf eines neu en preußischen Eisen- bahngarantiegesetzes hat, wie die ,Post' hört, j-tzt die Zustimmung sämmtlicher Minister gefunden. Er dürste bereits in der allernächsten Zeit dem Abgeord­netenhause zugehen. Der Entwurf, der nur wenige Paragraphen zählt, bestimmt eine Verstärkung der obli­gatorischen Schuldentilgung und die Schaffung von Reserven, die gegenüber den schwankenden Ueberschüffen der Gsenbahnverwaltung ein Ausgleichungsmittel zwischen den guten und schlechten Jahren ermöglichen.

K. Der Abg. Spahn (Ctr) hat als Vorsitzender der Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch für die geschäftliche Behandlung desselben in der Kom­mission folgendeVorschläge ausgestellt: Wöchenikch sollen 4 S Hungen avg-halten werden. Das Bürger­liche Gesetzbuch und die entsprechenden Theile des Ein­fuhr ungSgesetzeS werden gleichzeitig belachen, zum Schluffe des Vereins- und GesellschastSrecht nach dem Gesetzbuch und davon die bis dahin noch nicht er­ledigten Theile de» Einführungsgesetzes. Es werden 2 Lesungen vorgenommen. Alle Artikel, zu denen weder Anträge noch Wortmeldungen vorliegen, gelten ohne Debatte al» genehmigt. Das Protokoll soll nur die Anttäge und Beschlüße enthalten. AIS Bericht­erstatter für den allgemeinen Teil wird Abg. Dr. E n- necceru» (natL), über das Sachenrecht Abg. Dr. v. Bnchka (kons.) bestimmt. — Zu diesen Vor­schlägen des Abg. Spahn bemerkt die ,Nordd. Allg. Ztg.': „Wenn die Kommission ihrer Arbeit dieses Programm unterlegt (thatsächlich ist kein Wider­spruch erfolgt) und außer dem guten Willen auch die That vorhanden ist, dann ist auch die Hoffnung berechtigt, daß die Kommission so rechtzeitig ihre Ar­beiten abschließt, um die Erledigung des großen Ge- setzgebung»werkes im Plenum zu ermöglichen." Diese B-merkung deS RegierungSorganeS bildet auch eine Widerlegung der mittelparteilichen Versuche, das Cen­trum der Verschleppung deS Gesetz lverkeS zu zeihen.

K. Die Abgeordnetenhaus - Kommission für da» Lehrerbesoldnngsgesetz fuhr am Freitag bei § 11 fort, welcher lautet: „Lehrer auf dem Lande sollen in der Regel eine freie Dienstwohnung erhalten. Wo sefther Lehrern freie Dienstwohnung gewährt wurde, ist die Einziehung der Wohnung nur nut Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde zulässig." Abg. Bartels (kons.) beantragte als ersten Satz: „Auf dem Lande

wieder der Thäter ist. Scheu Sie nun. ein, daß ei mir unmöglich ist, zu meinem Vater zurückzukehrm, da ich doch einen großen Theil der Schuld an seiner Beraubung trage!"

„Darin sehe ich gar leinen Grund," wandte der Maler ein. „Im Gegentheil halte ich es für Ihre Pflicht, diese Aussagen vor Ihrem Vater und vor dem Gerichte zu wiederholen. Nur dann wird es möglich sein, den Thäter der Gerechtigkeit zu überliefern und Ihrem Vater wieder zu seinem Eigenthum zu ver­helfen."

Sauro sah den Sprecher sprachlos an. Ihre krank­haft erregte Phantasie hatte daran nicht gedacht. — „Wie kann ich Ihnen danken!" rief sie bestürzt.

„Ich erwarte keinen Dank; aber Sie sprachen von einem Freunde, der Ihnen in Ihrer Rolh beigestanden hat, vielleicht kann er Ihnen helfen! Lebt er noch?"

Laura wandte sich ab. „Für mich lebt er nicht mehr," entgegnete sie tonlos, und langsam rollte eine Thräne über ihre bleichen Wangen.

Die Reisenden waren in Neapel angekommen. Der Maler sandte sofort eine Depesche an Laura'» Vater, bann schrieb er einen ausführlichen Brief, den er dem Wirth de» Hause- übergab, im Fall Herr von Walters­dorf in seiner Abwesenheit nach Neapel kommen sollte. Erst am Morgen deS folgenden Tage» benachrichtigte