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Montag, den 17. Februar 1896.
23 Jahrgang.
iildaer
mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klnmen"
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Deutsches Reich.
Berlin, 15. Februar.
* Da» Staatsministerium trat unter dem Vorsitze deS Fürsten Hohenlohe am Samstag zu einer Sitzung im Reichstags-Gebäude zusammen. — Der Staatssekretär im Auswärtigen Amte, Staatsminister Frhr. Marschall von Bieberstein, hatte am Samstag eine Unterredung mit dem türktschen Botschafter Gali t Bey.
* Bon den linksliberalen Parteien ist zum Militäretat folgender Antrag (Antrag Augst) im Reichstage ein- gebracht worden: „Der Reichstag wollte beschließen, an die Reichsregierung das Ersuchen zu stellen, auf eine Abminderung der Zahl der Offiziers- pensionirungen hinzuwirken, und insbesondere Penfionirungen von Offizieren nicht aus dem Grunde emtreten zu lassen, daß ein Offizier, welcher sich für seine bisherige Dienststellung a;s genügend befähigt erweist, für die nächst höhere Dienststellung nicht geeignet erscheint.
K. Die Justizkommisfiort des Reichstages nahm heute den von der Zuständigkeit der Schöffengerichte handelnden § 27 und 28 des Gerichtsverfassungsgesetz es nach der Regierungsvorlage an. Derbei der ersten Lesung neu eingefügte § 63a, welcher dem Präsidenten der zuständigen Oberlandcsgerichts ein Einspruchsrecht gegen die vom Präsidium des Land- gerichrs vorgenommene Geichästsewteilung einräumt, wurde (heute nach längerer Debatte wieder beseitigt, da weder die Fassung der elften Lesung noch einer der gestellten Anträge eine Mehrheit auf sich vereinigte.
K. Die Abgeordnetenhaus-Kommission für das Lehrerbesoldungsgesetz setzte am Donners- tag die Berathurg der §§ 5—10 fort. Abg. Latacz (Sentit.) zog seinen im letzten Bericht mitgetheilten Antrag zu § 6 zurück. Die §§ 5—9 wurden mit einigen kleineren Abänderungen angenommen. Zu § 10 wurde ein Antrag Opfergelt (Sentit.) angenommen, wonach im vorletzten Absatz einzuschalten ist „oder an einer konfessionellen Privatschule in Orten, in welchen eine öffentliche Schule derselben Konfession nicht besteht." Außerdem wurde hierbei noch eine vom Abg. Winkler (kauf.) beantragte redaktionelle Aenderung „oder in den nach seinem Eintritt in den Schuldienst von Preußen neu erworbenen Landestheilen" angenommen. Hervor- Sehoben soll hierbei werden, daß von Seiten der iegierungStierttetei alles aufgeboten worden ist, um den im Jntereffe der (Missions-) Privatschulen gestellten Centrumsantrag zur Ablehnung zu bringen. Die beiden Minister Miquel und Bosse und Ministerialdirekwr Dr. Kugler und auch der Kommissar des Finanzministers griffen wiederholt gegen diesen Antrag mit Lebhaftigkeit in die Debatte ein; schließlich suchte man regierungsseitig den Antragsteller wenigstens insoweit zum Verzicht auf seinen Antrag zu bringen, als er denselben in den Absatz 8 der § 10 einschleben sollte, welcher Absatz die in dem-
c Vier Wochen Ferien!
Original-Novelle von C. Borges.
11) ------ (Nachdruck verboten.)
6. Kapitel.
Die Verlobung seines Sohnes mit Lydia erfüllte das Herz des Vaters mit Freude und Beruhigung. Die btständige Furcht vor Entdeckung feiner Schuld war nun von ihm genommen und sorgenlos konnte er in die Zukunft schauen.
Anders war iS mit dem Maler. Er stand erstarrt und glaubte feinen Sinnen nicht zu trauen, als er Lydia am Arme ihres Verlobten davon schrecken sah. Welche Schuld hatte er sich beizum- ssm, daß er in dieser Weise gekränkt, beleidigt werden durste? Er hatte keine Ahnung, daß seine kurze Unterredung mit der Dienerin bemerkt worden und die unschuldige Veranlassung zu diesem Benehmen war. Mißmuthig und verstimmt beschloß er seinen Aufenthalt in Italien abzukürzen; doch die Dacht sollte eben wieder die Tour nach Neapel ontreten, bis dahin mußte er wider Willen bei der Familie Roller aushalten. Dann wollte er sich wieder in seiner Heimcckh mit aller Kraft in die Arbeit stürzen, und im rastlosen Eiser die schöne, wanklmüthige Siice vergessen, an die er fein Herz verloren hatte.
selben behandelten Stellen der diskretionären Gewalt des Kultusministers unterwirft. Jedoch vergebens! Nachdem Abg. Knörcke (fts. Vp) erklärte, er habe diese Forderung des SevttumS immer als berechtigt betrachtet und werde dafür stimmen, wurde der Antrag Opfer gelt mit 13 Stimmen (Centrum 5, Kons. 7, Freis. 1) angenommen. — (Würde der Inhalt dieser Antrags definitiv in der Gesetzesvorlage bleiben, so würden den an Privatschulen angestellten Lehrern bei ihrem Uebertritt in öffentlichen Schuldienst die Jahre ihres Privatschuldienstes angerechnet werden behufs BeMesiung der Alterszulagen. D. Red.)
K Die Budgetkommisfion des Reichrtag-S setzte heute die Berathuna über das DienstalterSstufen- System der Beamten fort. Einstimmig wurden zwei von dem Berichterstatter Dr. Enneccerus beantragte Resolutionen angenommen, von denen die erste eine Erhöhung des Meistgehaltes der Landbriefträgrr bis auf 1000 Mk. durch Anstellung einer weiteren Gehaltsstufe mit dreijähriger AufrückungSzeit für den nächsten Etat fordert, wehrend die zweite verlangt, daß die Bestimmung über die Berechnung der Militärdienstzeit bis zu einem Jahr auf die vor dem 1. Januar 1892 angestellten Beamten ausgedehnt werde. Ferner wurde eine Resolution angenommen, welche lautet: „In Anbetracht der durch E nführung deS Dienst- alterZstufenfystemS bei einzelnen B.amtenklasien eintretenden Ungleichheiten empfiehlt er sich, mit Gehaltserhöhungen für diese Beamtenklassen vorzugehen, insoweit sie von-den allgemeinen Gehaltserhöhungen im Jahre 1890 auSgeschlessen waren." Eine Petition um Festsetzung eine» Höchstgehalts der Oberpostiekretäre wurde dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen.
K. Die Unterrichtskommisfiou des Abgeordnetenhauses berieth in erster Lesung über den Lehrer- Pensions-Gesetzentwurf. Wie bei der Beratbung im Plenum, wurde auch in der Kommission die Tendenz dieses Entwurfs gebill'gt und dies Gesetz im wesentlichen angenommen. Nur wenige Aenderungen toinben beschlossen. Um die Aufführungen der einzelnen Lehranstalten im Art. 1 noch zu vervollständigen, wurde beschlossen, für die zweite Lesung auS den Ministerien der Landwirthschast, deS Handels und de» Innern Kornrniffarien hinzu zu ziehen.
K. Der Abg. Herold (Stt.) beantragt, unterstützt von 38 Mitgliedern der CentrumS- und der konservativen Partei aus dem Westen, beim Abgeordnetenhause, die Petition des landwirthschafttichen Provinzialvereins für Westfalen und Lippe, welche Aufhebung deS am 1. Oktober 1895 zur Einführung gelangten Viehstaffeltarifs beantragt, der Staats- regierung zur Berücksichtigung zu überweisen.
* Auch die Berliner Schneidermeister, welche für die Großkonfekttouäre arbeiten laffen, haben befchloffen, in dem Ausstande tbeilzunehmen
* Sämmtliche »rganifirte Brauer des ringfreien „Münchener Brauhauses" haben gestern die
Sein Stolz hinderte ihn, offen vor sie hinzutteten, um eine Erklärung zu fordern. Auch war 'fortan ihr Verhalten gegen ihn so förmlich und kalt, daß jeder Versuch einer Annäherung nutzlos gewesen wäre. Selbst Andreas Roller, sein glücklicherer Nebenbuhler, hatte sein Benehmen dem Künstler gegenüber sehr geändert. Die frühere Vertraulichkeit war geschwunden und hatte einer peinlich berührenden Zurückhaltung Platz gemacht, auch vermied er den Künstler so viel wie möglich; wenn er nothwendig mit ihm reden mußte, klangen seine Worte kalt und unfteundlich. Unter diesen Umständen sehnte sich der Maler nach Neapel, dem Ziel der Reise. —
Doch er war nicht der einzige Unglückliche an Bord der Dacht. Lydia sowohl wie Andreas schienen ebenso gedrückt zu fein, wie er, und hatten ihre frühere sorglose Munterkeit eingebüßt. Sie vermieden ängstlich jedes Zusammensein, und wenn der Zufall sie zusammenführte, so hatten sie sich wenig oder gar nichts zu sagen. Das war kein glückliches Brautpaar. — „Sie leidet", dachte der Maler oft, wenn er sie beobachtete und den herben Zug in ihrem bleichen Antlitz bemerkte. „Sie liebt Andrea» nicht, aber warum hat sie bemt eigentlich seinen Antrag angenommen? Ich möchte gern ben Grund ihrer Sinnesänderung wiffen."
Augusta Roller jedoch schien diese Verlobung sehr
Arbeit Medergelegt und sich mit ihren entlaflene Kollegen solidarisch erklärt. Der Hauptgrund der Streikes liegt in der schlechten Behandlung der Arbeiter durch den Direkwr Arendt. Die sozialdemokratische Gewerkschafts-Kommission, sowie öffentliche Volksversammlungen werden sich mit dieser Angelegen- beit befassen. Die erste Versammlung der Streikenden findet am Sonntag statt.
* Würzburg, 15. Febr. Geradezu auffallend ist an der Unwersilät Würzburg die beseitige Besetzung bet juristischen Fakultät: fünf Protestanten, zwei Katholiken. Drei Berufungen in ganz kurzer Z it, ein Privatdozent aöarcirt zum ordentlichen Pro- f-ssor, ba;u kommt bie Berufung des Herrn Professors und Kirchenrath-s Dr. Oetker von der stiftungSgemäß protestantischen Universitätstadt Rostock und des Herrn Professors Schollmeyrr von Halle, allwo, wie man sagt, Katholiken nur mit königlicher Dispens angestellt werden sollen: alle drei Berufenen — P r o t e sta n t e n. Simple Menschenkinder, wie wir sind, sagen wir uuS, daß doch bei diesen Berufungen etwas Anderes als der bloße Zufall feine Hand im Spiele gehabt haben muß. In dem überwiegend protestantischen Lande Preußen nennt man da» „Parität"; in dem überwiegend katholischen Lande Bayern gibt eS keine parlamentarische Beze-chnunq dafür
* Koburg, 15. Febr. Die vom Herzog Alfred am 18.Januar ang-ordnete bedingte Aussetzung der Strafvollstreckung ist heute in der Gesetzsammlung publizirt worden. Hauptsächlich soll sich die AuSfttzung auf erstmalige Verurthrilte erstrecken, welche das 18. Lebensjahr noch nicht überschritten haben und nicht böber als mit 6 Monaten bestraft sind.
* München, 14. Febr. Der gestrige Festabend anläßlich deS 25jährigen Abgeordnetenjubi- läurns Dr. Dallers ist unter großer Betheiligung hervorragender GesinnungSgenoffen glanzvoll verlausen. Die deutsche Centrumsfraktion übermittelte brieflich ihre Glückwünsche. Auch von anderer Seite lief eine große Menge von Glückwünschen ein, u. A. auch vom ÄugustinuSverein zur Pflege der katholischen Preffe in Deutschland.
Ausland.
* Wien, 15 Febr. In der vergangenen Nacht ist Prinz Konstantin Hohenlohe-SchillingsÄrst, der erste österreichische Oberhofmeister, in Folge von Herzläh- mang gestorben. Er war der jüngste Bruder unseres Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe. Am 8. September 1828 geboren, hat der Heimgegangene ein Alter von nahezu 68 Jahren erreicht. Als erster Oberhofmeister nahm er den vornehmsten Rang unter dm Hofbeamten des Kaisers Franz Joseph ein; er war General der Kavallerie. Bon ben Brüdern des Reichskanzlers lebt somit jetzt nur noch der Kardinal Prinz Hohenlohe in Rom.
• Sofia, 15. Febr. Bestem ift an dem Prinzen zu erfreuen. Der Künstler war frei und noch einmal wollte sie ben Versuch machen, ihn für sich zu ge- toinnen. Das harmlose Spiel, baS er mtt ber Zofe trieb, wollte sie ihm gern verzeihen, bemt ernst konnte ein Berhältinß zwischen ihr und ihm nicht gemeint fein. Sre verwendete größere Sorgfatt auf ihre Toilette, gab ihm bei jeder Gelegenheit Zächen der Ermuthigung, doch der Künstler blieb blind und taub für all' ihre Bemühungen. Die ganze Reise war ihm zuwider, und nur der Gedanke, daß eS ihm gelingen würde, Laura von Waltersdorf mit ihrem Vater zu vereinen, hielt ihn auftecht. Er hatte wohl das Vertrauen der jungen Dame gewonnen, aber noch wenig von den letztm Jahren ihres Lebens gehört. Sie betrachtete ihn als ihren Freund und Rathgeber, und er wünschte sie wieder zu sehen; aber eine günstige Gelegenheit bot sich zu selten.
So vergingen zwei Tage. Da trat sie gegen Abend zu ihm auf Deck, und er erschrak über die geisterhafte Bläffe in ihrem Antlitz. „Wie krank und leidend sehm Sie aus!" rief er theilnehueud aus. „Sie müffen stch unter allen Umständen schonen ober Sie werden dm Tod davon tragen!"
„Ich bin nicht wohl und sehr unglücklich," gestand sie, „aber ich werde nicht so bald sterben. Drr Tod