JI3. 38 Samstag, den 15. Februar 1896. 23 Jahraang.
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mit Untrrhaltimgs-Keilagr „Sterne und Kl«me»".
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Hierzu eine Keiiuge.
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um Sammlung von Material.
die Katholiken Deutschland- am besten fahren, diese Anträge wurde Antrag Piacke-Paasche (2) anqe» sie behufs Begründung von Bolksbibliotheken sich I nommea mit 12 Stimmen und auch Antrag Placke (1)
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Bei aller Bedeutung, welche den BolkSbibliotheken beizumessen ist, muß man doch die größten Zweifel hegen, ob die Gemeinden die berufenen Faktoren find, um solche zu begründen. Unserer WiflmS gibt eS gemeindliche Volksbibliotheken auch nur sehr vereinzelt. Wie die Bibliothek des Einzelnen nach seinem Bedürfnisse und Geschmacke zugeschnitten ist, so muß eS auch mit der Bibliothek sein, welche für bestimmte Kreise berechnet ist, oder richtiger, eine Bibliothek, die allen Volkskreisen gerecht werden will, wird Keinen befriedigen, vor Allem nicht, wo religiöse Fragen hineinspielen. Neben den Gemeinden erwähnt der Re- gierungS-Prästdent die Vereine und die kirchlichen Körperschaften, und damit hat er die Organe benannt, welche in der That berufen find, durch Bibliotheken in die BolkSkreise eine geistige Nahrung zu tragen, welche diesen frommt und von diesen vertragen wird.
Mit der Organifirung de- Volksbibliothekenwesens ist dar katholische BereinSwesm schon vor langen Jahren vorangegangen und mit sehr bedeutendem Erfolge, nämlich im BorromäuSverein, der seinen Sitz in Bonn hat. Derselbe verfolgt eine katholische, aber keine politische Tendenz, deshalb ist selbstverständlich die politische Lektüre aus seinem Kataloge auSge- schlofien. Seine Aufgabe ist, durch belehrende und unterhaltende Lektüre katholischer Richtung den Bedürf- uifien des Volkes im weitesten Sinne entgegenzukommen, indem er sowohl gegen ein sehr bescheidener Entgelt Bücher anSleiht, alr den Mitgliedern deS Vereins Gelegenheit gibt, fich zu besonder« billigen Preisen gute Bücher als Eigenthum zu verschaffen, zudem er noch Jahr für Jahr jedem Mitglied« ein Werk nach Wahl auS dem Kataloge umsonst zÄommen läßt. Der Verein hat fich auf daS Segensreichste bewährt und bewiesen, daß er zur Begründung einer gediegenen VolkSbibliothek für katholische Kreise sowohl die Krast wie die Kennt- niffe und Erfahrungen besitzt. Im Allgemeinen werden also die Katholiken Deutschlands am besten fahren,
mit dem BorromäuSverein in Beziehung setzen; die Sache wird dann zehnmal leichter und entsprechender, als durch Gründung einer besonderen Bibliothek, z. B.
gehenden Lektüre nahe bringen. Solche politischen BereinSbibliothekeu find BolkSbibliotheken im besten Sinne der Wortes.
Deutsches Reich.
Berlin. 14. Februar.
* Der Kaiser erlegte gestern Vormittag in der Umgegend der Jagdschlosses Hubertusstock einen starken Bierzehnender und einen ebenfalls starken Damfchaufler. — Am 17. Februar beabsichtigt der Kaiser zur Beleidigung der Marinerekruten in Wilhelmshaven einzutreffen.
* Äertreter aller Parteien der Reichstages haben
(*)7„Bolksbibliothekeil."
Es ist eine «war auffällige Erscheinung, daß die Sozialdemokratie, welche sonst vorgidt, auf daS Allgemeine im Gegensätze zum Besonderen hinzu- streben, so wenig Bestreben zeigt, Bibliotheken zu begründen, in denen die „Genoffen" die Lehre vom ZnkuistSstaate und sonstige» Schöne auS Utopien erfass!» lernen könnten. Wenn man näher zusieht» kommt hier da» GeschäftS-Prinzip in Frage: der Genosse soll keine geliehenen Bücher benutzen, sondern sie selbst kaufen, damit die Parteikasse und die parteiseitig geaichten Autoren ihren größeren B ortheil haben. Wenn also eine Verführung des Volker durch sozialdemokratische BolkSbibliotheken, welche jedem offen stehen, nicht zu befürchten ist, so bleiben solche d-nnoch ein ausgezeichneter Mittel, um dem Einschmuggeln sozialdemokratischer „Volk»-Lektüre", die ja von rother Seite in den letzten Jahren besonders eifrig, wenn auch nicht gerade mit hervorragendem
beschlossen, vom 22. Februar behufs Förderung der Kommisions-Arbeiten, besonders de» Bürgerlichen Gesetzbuches, im Reichstage eine etwa zehntägige Panse eintreten zu lassen und bis dahin, wenn möglich, den Etat in zweiter Lesung zu erledigen. Daher wird aller Wahrscheinlichkeit nach die Zuckersteuer-Vorlage erst nack der Pause zur Berathung gelangen.
K. Die Börsevkommtssion setzte am Freitag die Berathung de» BörsengesetzeS bei den dm Terminhandel betreffenden §§ 45, 46 ff. fort. Es wurde be- schloffen, zunächst den Effekt en termin handel zu be- rathen und zwar die hierfür vorgesehenen Beschränk- ungeit. ES logen Anträge vor von den Abgg. Fritzen und Müller-Fulda (Ctr.): „Der Börsmtermin- handel in Anthnlen und Schuldverschreibungen einer inländischen ErwerbSgesellschaft ist durch die Börsenaussichtsbehörde von einem näher zu bestimmenden Zeitpunkt ab zu untersagen, wenn der Vorstand dieser Gesellschaft auf Grund Beschlüsse« der Hauptversammlung der AntheilSeigner, diese Untersagung beantragt. Die Wiederzulaffung kann auf demselben Wege erfolgen, jedoch nicht vor fünf Jahren beantragt werden," ferner Abg. Dr. Bachem (Ctr.): „Der Börsentermstrhandel in Antheilm und Schuldverschreibungen von Erwerbsgesellschastm ist untersagt. Der BundeSrath ist befugt, für Antheile und Schuldverfchreibungen einzelner Erwerbsgesellschastm dm Börsenterminhandel zu gestatten, wenn diese Antheile und Schuldner- schrerbungm mindestens an einer außerdeutschm Börse gehandelt werden und das Kapital betreffender Gesellschaft mindestens 50 Millionen Mark beträgt." Abg. Placke (natl.) sprach fick für den Antrag Bachem auS, beantragt aber, statt 50 Millionen zu sagen: 20 Millionen. ES wurde ferner beantragt von dm 86gg. Placke und Dr. Paasche (natl.): „Der Börsentermm- handel in Bergwerk»- und Jndustriepapierm ist untersagt." Rach einer schr eingehenden^ Diskussion über
I für die Pfarre.
Auch andere Vereine haben zum Theil ihre besondere Bibliotheken, so z. B. vielfach die Bincenz- Konfermzen, die Gesellenvereine und in neuerer l Zeit die katholischen Arbeitervereine. Bei • den speziellen Aufgaben solcher Vereine ist eS ein Be- dürfniß, daß sie sich Büchersammlungen sckaffen, in ; denen sich das findet, was speziell für ihre Mitglieder- kreife berechnet ist. ’ ää« '•l '■
In größeren katholischen Städten findet man manche bedeutende politische Vereine, bei denen er in keinem Punfte schlechter bestellt ist, als im Bibliothekenwesen. Einige Zeitungen und Zeitschriften werden gehalten, aber Broschüren, Bücher, namentlich auch Nachschlage- | und Auskunftswerke sucht man vergebens. ES wäre ] wohl zu wünschen, daß unsere katholischen politischen Vereine dieser Sache etwa» mehr Jnrereffe zuwendeten, eS würde dadurch daS V-rständuiß und Interesse für politische und kirchliche TageSftagen bei Manche» ge- ■ hoben oder sozusagen geweckt werden, namentlich die reiche Broschüren - Literatur über TageSftagen könnte dazu wesentlick beitragen. Je mehr von einer gewissen Seite unserer Gegnerschaft die Parole auSgegeben wird: „Politik ohne Partei!" desto mehr müssen wir dahin arbeiten, daß dieser politische JndifferentiSmuS in unseren Kreisen nicht um sich greife, und dazu können die politischen Vereine viel Mitwirken, wenn sie ihrm Mitgliedern die TageSftagen nickt bloß in Vorträgen,
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Geschicke produzirt wird, entgegenzuwirken.
In der letzten Zeit hat der Regierungspräsident von Liegnitz an die ihm unterstehenden Landräthe eine Bersügung erlassen, in welcher er Bericht darüber ein- „ „ , „ _ _
fordert, war bisher im Regierungsbezirke geschehen sondern auch in der über daS ZeitungSblatt hinaus sei, um namentlich den ländlichen Bewohnern gute geistige Nahrung zuzuführen. Speziell wünscht er Auskunft über die von Gemeinden, Ver- einen und kirchlichen Körperschaften eingerichteten Volk»- bibliotheken, sowie auch über die Schülerbibliotheken. Dieser Verfügung liegt ohne Zweifel die beste Absicht zn Grunde; es wird speziell darin gesagt, daß ft» durch die Bedeutung veranlaßt ist, welche die Beschaffung guter Leftüre für dar Volksleben, insbesondere den religionS- und vaterlandsfeindlichen Agitationen gegenüber, hat. Besondere Vorschläge für ein zukünftige» Vorgkhm, Förderung der Sache u. s. w. werden nicht gemacht. eS handelt sich offenbar zunächst
angenommen mit 11 gegen 7 Stimmen. Dafür stimmten die Abgg. Bachem (Ctr.), v. Strombeck (Crr.). Sinqer (Soz.), die Nationalliberalen, Konservativen, Antif-m.; dagegen di- Abgg. Fritz? (Ctr.), Müller-Fulda (Ctr.), Wendert (Ctr.), Szmula (Ctr.), Fürst Radziwill (Pole), die Freisinnigen und Abg. Schönlank. In demselben Stimmenverhältniß wurde der so abgeänderte Antrag Dr. Bachem angenommen. Der Antrag Fritzen-Müller (Fulda) war damit erledigt.
K. Die liberale »Preutz. Lehrerztg/ möchte das Centrum auch jetzt bei Berathung des Lehrer- befoldungsgesetzes den Lehrern gegenüber als „lehrerfeindlich" anschwärzen. Sie schreibt in ihrem KommissionSbericht in Nr. 35 ihrer Zeitung folgende Sätze: „Da auch dar Centrum sich ängstlich zeigte, die Gehälter möchten zu hoch bestimmt werden" — ferner: „Bei der Berathung über Absatz 1 des 8 2 machte daS Centrum den Versuch, durch Streichung der Worte „in besonders billigen Orten" das Grundgehalt von 900 Mk als Regel hinzuftellen", und zwar Aller in Sperrdruck. Diesem unwahren Berichte gegenüber stellen wir folgendes al» Wahrheit fest: DaS Gentium hat nie die Absicht gehabt, das Grundgehalt von 900 Mk zur Regel zu machen und hat auch nie einen darauf abzielenden Versuch gemacht. — Vom Centrum (Abg. Dittrich) wurde der Antrag gestellt, die Worte „auch in besonders billigen Orten" zu ersetzen durch: „auch unter dm ungünstigsten Verhältnissen nie unter" und Abg. Hodler (Centn.) wünschte die Worte „in keinem Falle" (wie in § 6) hierzu gesetzt zu sehen. Also daS Gegentheil von dem, was die ,Preuß. Lehrerztg/ behauptet, ist wahr, und mit andern Worten, die »Preuß. Lehrerztg/ hat wieder einmal — wie schon so oft — sich durch ihren Haß gegen daS Cmtrum zu einer Unwahrheit, zu einer Verleumdung hinreißen lassen. Und doch giebt eS noch katholische Lehrer, die auf die Worte dieses Blatte» schwören. Auch die „Kath. Schulztg. für Mitteldeutschland" verbreitet daS Lügen-Märchen, allerdings in etwas abgeschwächter Form.
* Der Streik unter dm Konfettionsarbetteriunm Berlins ist vorläufig noch int Wachsen begriffen. ES mögen jetzt 10—12000 Personen daran theilnehmen von insgesamt ca. 60000 Arbeitern; „allgemein" kann der AuSstand also immerhin noch nicht genannt werden.
* Nürnberg, 14. Feb. Das ,B. Baterld.' schreibt: DaS gute Nürnberg scheint vom Justizministerium zum Jerusalem für Juristen erkoren zu sein. Bei dem letzten KönigsgotteSdienste wurde zum Staunen der Bevölkerung festgestrllt. daß bereits mehr jüdische als katholische Richter in Nürnberg find. Zur Synagoge zog eine Schaar Jünger der Themis mit Schiffhut und Degen, während zur Liebftauenkirche sich nur ein kleines Häuflein begab. Am Amtsgerichte Nürnberg sind z. Z. unter 22 Richtern — 2 Katholiken, die übrigen sind Juden und Protestanten. Dabei sitzen alle Bureaus voll von jüdischen RechtSprakti- kanten. Der Vorsitzende des nächsten Schwurgerichts ist ein Jude, OberlandeSgerichtsrath Stell». Als Staatsanwälte hat auch bereits das Landgericht zwei Juden; die Sekretäre find meisten- Juden; die Advokaten find mit wenigen Ausnahmen Juden. Wo will das binaur? Der Landgerichtssprengel hat etwa 190,000 Protestanten, 65,000 Katholiken und — 4000 Juden!!!
♦ München, 14. Febr. Der ehemalige CentrumS- führer Kreisarchivar Dr. Edmund Jörg auf der Trausnitz bei Landshut a. d. I., der im 76. Lebensjahr steht, erlitt am Sonntag einen Schlaganfall; doch ist nach ärztlicher Aussage Gefahr ausgeschlossen. Der Kranke ist wi-d-r bei Bewußts-w.__
Ausland.
* Paris, 14. Febr. Eine Protesterklärung deS Herzogs von Parma, des Schwiegervaters des Fürsten von Bulgarien, wird in der ,Gazette be France' veröffentlicht. In derselben wird unter Hinweis auf das Manifest de» Prinzen Ferdinand festgestellt, der Herzog von Parma habe alle» gethan, um die Apostasie be« Prinzen Boris zu verhindern; er habe immer gehofft, diese» ihm so schmerzliche Ereigniß werde nicht eintreten, da er hinreichende Bürgschaften gehabt habe, welche jeden Gedanken daran auSgeschloffm hätten.