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Beilage Mv Mulösev Zeitung.

23. Jahrgang

Samstag, den 1. Iebruar 1896.

^Noch^ün^zweiter Punkt ist sehr wichtig: Rußland wird vermöge der sibirischen Eisenbahnrnchtbloßauf China, sondern auch auf alle europäisch en Macht einen starken Druck, wenn auch nur wirthschastücher Art ausüben können. Denn es ist zweifellos dai dl- sibirische Eisenbahn den Passagier-, Post' und Handels­verkehr nach Ostasien großentheils, ,edenfalls aber den Passagier- und Postverkehr nahezu aus-

Um getilgte Schuld.

Erzählung von Anton Schott.

RostN" stöhnte er und arbeitete sich nach der Strömung fort. Weiter unten sand er die Ge­suchte an einer Staude. Krampfhaft packte er sie und nach langem Ringen mit dem Wildwasier gewann er eMich die Landstraße. Er spürte keme Müdigkeit mehr und keinen Frost. In wildem Laufe eilte er die Land­straße entlang und nachher den Gang quer hinauf.

schließlich, an sich reißen wird —eine Leistung, ! die Rußland bei Zollkämpfen, im Kriege usw. lederzett verweigern, also schon mit der bloßen Androhung dieser a£S Sn stark» D-»ck °»! Sarapa «"»»«" tarnt. Daß die sibirische Bahn wirklich fast den ganzen Passagier- und Postverkehr zwischen Europa und Ost- Ken an sich ziehen muß, ergibt sich leicht, wenn man Lst"dch di- B-h» »M

viel billiger und drittens wert sicherer als Ms Schiff befördert. Während z. B. die Tour Bremerhaven- Shanghai zu Schiff mindestens 47 Tage m Anspruch nimmt und in den drei Klassen 1570, OoO und 440 Mark kostet, wird man von Moskau «ach Wladiwostok in 7 bis 8 Tagen für 226,50 Mk. erster, für 135,90 Mk zweiter und für 9O,6O Mk. dritter Klasse fahren . (Rußland führt nämlich einen sehr billigen Zonentarif ein.) Danach läßt sich ermessen, welche ungeheure wtrth- schastliche und politische Bedeutung der sibirischen Eisen­bahn beigemessen werden muß. _____

ß Die große sibirische Eisenbahn.

Wir haben vor einiger Zeit — bei Gelegenheit des deutfch-russisch-sranzöfischen Eingreifens m die ckmesisch iapamschen Friedensverhandlungen — die große Poll- tische und wirthschastliche Bedeutung der sibirischen Eistnbahn, die sich im Baue befindet, Hervorgehoden. Eine interessante Bestätigung unserer damaligen Aus- sührungen finden wir jetzt in einem St. Petersburger Briefe der .Post', der eingehend die internationale politische Wichtigkeit der großen sibirischen Bahn dar­legt. Ewiges aus dieser Darlegung sei zur Ergänzung unserer frühere« Beweisführung im Folgenden hervor-

(Schluß.)

Oberhalb der Landstraße setzte er seine Bürde ab. „Führe Deine Mutter zu mir hinaus! trug er dem Ferdi auf. Ohne die gewohnte Widerrede nahm d "auch die jammernde und weinende Mutter unter dem Arm und zog sie den Hang hinauf. Sepp kehrte zur Mühle zurück, Rosrl zu holen.

6 Da er die Stiege emporklomm, zitterte er fast em Weniges. Das eisig kalte Wasser die Anstrengung und Aufregung trugen zu gleichen Theilen dazu bei. Aber nur noch einmal brauchte er durch die Fluthen hin­durch, dann . . . war Alles gerettet. .

„Sind sie alle in Sicherheit?" fragte ihn Rosel mit bebender Stimme. , . .

Sollte er lügen. Nein, er wollte eine Antwort geben, welche sie mißverstehen konnte.

„Zum großen Theile," sagte er.

Rosel dachte auch nicht weiter darüber nach; sie ! verstand, was sie hoffte.

„Komm!" mahnte er. . c M

Sie lehnte sich an ihn und fteudig leuchtenden Auges blickte sie in sein ruhiges Gesicht. »Sepp, em Mörtel!" lispelte sie. „Ich hab Dir Unrecht gethan selbiges Mal; verzeih' es mir, es ist m gutem Glauben geschehen. Ich hab' Dich gehaßt lange Zeit, weil ich Dich für einen Andern gehalten hab, als Du bist. Aber jetzt nimmer. Verzeih' mir; ich hab Dich lieb, I

l ,Komm !" unterbrach er sie. „Wenn Du in Sicher- I beit bist, nachher reden wir davon, gelt."

Er hob sie auf den Arm und trug ste hinunter. Fest hielt sie sich an seinem Halse, während dte Wasser um sie beide herumrauschten.

Sepp, ich bin so glücklich M," memte sie nach einem Weilchen. „Ich möchte sterben, aber nicht alle m

Erschrocken zuckte er zusammen. „Nenne daSUa- beil nicht, derweil wir mitten m ihm stehen, verwies er sie und mit Anspornung all' seiner Kraft strebte er vorwärts. Da kamen Holzscheite, Aeste und dergleichen daber aefchwommen. Sepp wehrte mit der freien Hand ab so gut es eben ging. Ein kleiner Holzklotz prallte an' ihn, so daß er wankte und fiel. Schnell war er wieder auf den Beinen, schier stockte sem Herzschlag, Roiel hielt er- nimmer am Arme.

. | Rosel, Rosel!" schrie er und in fortwährendem , Schreien sah er weiter unten ihren Kopf emportauchen über die grauen, schäumenden Fluthen. Wie er vor- wärtS kam? Er wußte es selbst nicht, aber bald war sie nur mehr einige Armeslängen von ihm entsernt. @t ^Rosel^Ä gehörst mir; ich muß Dich hinauf- bringen in Sicherheit," keuchte er, aber da faßtt ihn eine mächtige Welle und schleuderte ihn zur Seite. Seine Sinne drohten zu schwinden und dunkel wurde er vor seinen Augen. Er spürte einen heftigen An­prall. Unwillkürlich haschten seine Arme nach etwas Feststehendem. Es war eine Erle. Mühsam richtete n sich auf, wischte das Wasser aus den Augen und fpähte umher. Schwarzerlen und Pappeln ragten aus den Fluthen auf und hier und da lugte em Busch i Alpenerlen oder eine Haselstaude hervor. Holzscheite und andere leichte Gegenstände trieben auf den Fluthen,

@efi*®«nn Bertel A- H-chi-il HE-»?' .

"Wann? Sobald Du ganz gesund bist und dabn fein kannst. Seppl, er kommt mich hart an, daß ich von Dir gehen soll; aber es muß ja sem. Gelt, daß Du mir nicht zürnst deswegen?" „«.Dir

Laß' die Rede!" wehrte er ab. „Ich gönne Du Dein Glück ganz. Unddaß Ihr gleich em^ Hnm habt, ich überlasse Dir die Wirthschast. Ich hab so wie so keine Freude mehr daran.

Barberl schaute unverwandt auf die Erdeund einige Thränlein rollten über ihre Wangen herab. Sie fragte nicht nach dem Grunde, sie sagte gar nichts darauf, um nicht unachtsamer Weise an semer wunden Stelle zu tasten. Sie hatte sich die langen Tage her I seinen Kummer und sein Weh nach AerWeffe zu­rechtgelegt und mmges Mitleid füllte ihr Herz.

^Nach einigen Tagen machte er sich wieder an seme Schnitzarbeit. Stumm saß er den ganzen Taguber am Tische und arbeitete emsig darauf to8. Als er fertig war und musternden Blickes die Statue ansah und ^betrachtete, ging Barberl hinaus undwemte bittere Thränen. Die Statue hatte das Gesicht der Rosel, wie sie dalag leblos und kalt.

Still und fast wehmüthig war der Hochzeitstag der beiden jungen Leute. Von allen aber war Seppi bet stillste. Keiner verdachte es ihm; war er doch erst vor Kurzem schier dem Tode entronnen. Nur

I feine Schwester wußte, was ihm am Herzen lag.

Als am nächsten Tage die Sonne emporstieg über die breiten BergeSrücken, holte Seppl ein zerknülltes Napier aus seiner Truhe und zerriß e- ln Stücklem. ES wat der Empfangsschein, den der Müller emst seinem Vater ausgestellt. Nachher nahm er den CbristuSkörper und die Manenstatue und ttug sie hin­über gen den Birkenwald, wo er einlgeTagevorhn das Kreuzholz aufgestellt. Daran befestigteerJ>ebt Als er wieder zurückkam m S HauS, steckte er sein Schnitzwerkzeug zu sich und reichte der Schwester und dem Schwager die Hand zum Abschiede.

„Betet glücklich mitsammen und haltet mtr o» : Kreuz dort drüben in Ehren. Und mi gteitlge

। unten ist ein Grab, und noch emeS. Barberl, Du

weißt, welche ich meine, deS Vaters und noch emS, pflegt sie. Und Gott behüte Euch allweg.

Seppl, wo willst Du hin?" Ane Barberl auf und Thränen stürzten ihr au, den Augen.

„Fort. Die Welt ist grofeunb die Kunst . .. ist ewig. Ich muß fort. Behüte Euch Gott. Er ging. Am Kreuze drüben kniete er meder md betett eine Weile. Dann stand er auf, blickte nochmals nach seinem Vaterhause zurück »nb 'n S Thal hinunter. Ein tiefer Seufzer entrang sich semer Brust und nachher ging er fort ... tn die wette Welt hmauS, seine Kunst voll zu erlernen und ihr zu leben.

Da flieg die Sonne über den Bergen empor, hehr und prächtig, ein Meer von Licht nick rosigem Glanze ergießend über Berg und Thal. Die Morgenrothe spielte um da» bleiche Auttitz deS todten MadchenS, aber in das Herz Sepp - drang k-in Sttahl mehr

Stumm legte er die Leblose dahnm Nieder unv sank schwer in einen Stuhl. Die Müllerin schrie und jammerte und rang die Hände über dem tobten Kinde.

Barberl kam mit verweintem Gesichte an ihn heran. Seppl, was ist Dir denn? Geh, zieh doch das nasse Gewand aus, sonst kriegt Dich „eine Krank­heit . . . Was schaust Du denn so wild.

Er stand auf. „DaS ist Alles, wa» ich gerettet von meinem Glücke," stöhnte er uB zeigte nach ber Leiche. Darauf ging er tn die Kammer und kleidete । M um. Doch mußte er bald zu Bette, denn gewal­tiger Frost begann ihn plötzlich zu schütteln und Alles jä* -- *• tage»m,aSaa’oerghtl- ^ÄliSbm mi'. hänge wurden über Nacht grün ; er schlief ohne aus- zuwachen. Er wußte nichts davon, daß sie sem tobte» Glück zu Grabe getrogen; seme Gedanken be­wegten sich in einer anderen Welt . . . tm Fieber

Alle die vielfachen internationalen „Fragen" laufen I bekanntlich in letzter Linie darauf hinaus, welchem der modernen Kulturstaaten irgerd eines der vergleichs­weise ohnmächtigen Länder als Beute zufallen wird, die entweder noch gar kerne ober eme sehr zurück­gebliebene ober eine überlebt e Kultur besitzen. Zu den letzteren gehört auch bas riesige chinesische Reich , die „ostasiatische Frage" ist rjchts andererals die Frage, welcher modernen Macht schließlich der Löwen antbeil an diesem ungeheuren Gebiete zufallen Mrd. Es ist nun kein Zweifel, daß Rußland die sichere Absicht und Hoffnung N, Jem asiatische» Gebiet bis an die Küsten deS Gelben Meere» auSzudehnen, d. die wichtigsten Provinzen Chinas einzuverlnben Als Konkurrenten kommen sür Rußland nur England und Japan in Betracht, aber auch nur so lange, al» es Rußland unmöglich ist mit überlegenen Stteitkmsten und rechtzeitig bei lebent Anlasse sessie Interessen m China geltend zu machen. Diese Unmöglichkeit hört m dem Augenblicke auf, in welchem die große sibirische Bahn fertig ist Denn nach Vollendung dieses Riesen- werkeS — einer 7587 Kilometer langen Lrme! — wird man bei mäßiger Schnellzugsgeschwmdigkeit m etwa sieben Tagen von Moskau bis nach Wladiwostok (dem russischen Kriegshasen am Stillen Ozean) fahren kömien; rechnet man für die Mobilmachung noch eimge Tage, so ergibt sich, daß Rußland mit Hilfe der sibirischen Bahn ganz wohl in etwa vierzehn Tagen eme beliebig große HeereSmacht an Chinas Nordgrenze versammeln ""Nun aber soll an der Hauptlinie auch noch eine ' Zweigbahn durch die chinesische Mandschurei nach dem Gelben Meere gebaut werden. China hat sich dazu verstehen müssen, den Russen dieses wichtigeZuge' ständniß zu machen, weil eS dm PreiS für die An- I leihe bildete, die Rußland mit ftanzösischem Gklde den Chinesen bewilligt hat. Diese mandschurische Bahn wird bereits abgesteckt sie dürfte also mindestens gleich- zeitig mit der Vollendung der großensiblrl^enEffn. Lfan fertig werden. Die mandschurische Bahn wird ganz nahe an der chinesischen Hauptstadt Peking vorbei- führen, wahrscheinlich sogar durch eme Zweigüme mit Peking selbst verbunden werden. Rußland wird dann also im Stande sein, binnen zwei Wochen nach einer Kriegserklärung, ja - wenn es genügende Streitkräfte schon vorher an der chinesischen Grenze bereit halt in wenigen Tagen Peking besetzen können. DaS sichert ihm auch im Frieden schon einen unwiderstehlichen Einfluß auf den chinesischen Kaffer und es ist daher . gar nicht unwahrscheinlich, daß die Absicht Rußlands, I sich in naher Zeit zunächst der chinesischen Mandschurei zu bemächtige?, gar bald in die Wirk! Sk-tt umgef-tz werden wird. Rußland, das im Jahre 1858 schon fast die Hälfte der Mandschurei (845,000 qkm) von Chma bekommen hat, rechnet mit Sicherheit darauf, auch den Rest — 980,000 qkm — zu erhalten. Dieses Gebiet, 1 da« «Dölf Millionen Einwohner zählt, tst ftmchtbar und reich an mineralischen Schätzen, auch Gold, und hat ein gemäßigtes, gesundes Klima, eignet sich a s bei seiner verhältnißmäßig spärlichen Bevölkermig ganz ausgezeichnet zur Besiedelung durch russische Em wunderer. Chma hat sich daher, lndem eS den Ban ”ner russischen Bahn durch die Mandschurei, dar Stammland der chinesischen Herrscherfamilie gestattete, selbst in die Hände Rußlands gegeben, um so mehr, als eS auch an seiner Westgrenze demnächst sehr an­greifbar für Rußland werden wird, wenn nämlich die nordöstliche im Bau begriffene Nsitzung der russi­schen TranSkaSpi-Bahn (durch das Thal deS Syr Dar)a) bi» in die nächste Nähe der chinesischen Westp .ovmzen

"^AlS er dann nach langer Zeit wieder zu sich kam und ausbleiben konnte, führte ihn Barberl hruauS lN den warmen FrühlingrsonnenscheinzumBienenstande^ Froh und hurtig summten die Thierchen herum und tummelten sich um den Genesenen. , „ .

Schau, was dies für treue Thierlem sind, sagte Barber? „Wie sie sich freuen, daß Du wieder gesMd bist. Sie dachte der Sage, daß die Immen mit ihrem Herrn absterben müssen. Er setzte sich hm den Sonnenschein und redete mit demklemen Gethiere, bar ihm auf den Händen und am Gewände herum koch Plötzlich schaute er seiner Schwester voll tn»