jg 23 Mittwoch, den 29. Januar 1896. 23. Jahrgang
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* Die Frage des Postzeitungstariss ; wurde cm 20. ds. Mts. von dem Abg. Schädler- ! Landau bei Berathung des Postetats im Rrrcbstage berührt. Derselbe sagte nach dem amtlichen Steno- '< gramm:
Nach den jetzt geltenden Bestimmungen wird von den Zeitungen ; eine Abgabe von 20 Prozent des AbonnementspreiseS erhoben, | «enn fie wenigstens viermal monatlich erscheinen, und 10 Proz., ; wenn sie nicht so häufig erscheinen. Nun geht die Meldung . um, daß in Zukunft statt der jetzt vorgeschriebenen 20 bezw. i 10 Prozent erhoben werden sollen 10 Prozent vom Abonnements« • preis und 0,25 Mk. Jahresabgabe für jedes Erscheinen inner« i halb einer Woche bezw. bei weniger als viermal monatlich er« !• scheinenden Zenungen innerhalb eines Monats. Sollte damit x die Anschauung der Postverwaltung richtig wiedergegeben sein, 5 so würde daraus eine erhebliche Mehrbelastung des Zeitungs« > gewerbes folgen, und diefem Gewerbe würde unter allen Um« s ständen ein großer Schaden zugefügt werden. Aus den beteiligten Kreisen von Interessenten und Sachverständigen mußte für eine ; Reform des Posttaxgesetzes für Zeitungen vielmehr der Satz i aufgestellt werden: jede Zei ung bezahlt nur nach den An f o r« ! derungen, die fie in Bezug auf Häufigkeit des Er« ! scheinens, Gewicht des zu befördernden Papiers, Ent« ; sernung der einzelnen Poftorte und endlich Verpackung, • an die Post stellt. Heute ist das nicht der Fall, und wenn das 1 Mirgetheilte die Anschauungen der Postverwaltung richtig ! wiedergibt, so würden gerade diejenigen Zeitungen am wenigsten ! betroffen werden, welche durch Häufigkeit des Erscheinens und l Gewicht des Papiers die größten Anforderungen an die Post ? stellen. Der „Deutsche Buchdruckeivercin" hat in einer Denk« j schrift eine interessante Berechnung aufgestellt, in welchem Ber« i haltniffe die jetzigen Gebühren zu der von der Post zu leistenden ! Arbeit (stehen. Er theilt die Presse in vier typische Gruppen : «in und kommt danach zu folgendem Ergebniß: Preffe A (Große - Preffe) kostet jährlich 25 Mk., erscheint 12 Mal wöchentlich, um- f saßt 25 Kilogramm Papier und hat für die Beförderung an die ’ Post 5 Mk. zu zahlen. Die Preffe B (Jnferatenpreffej kostet jährlich 10 Mk., erscheint 12 Mal wöchentlich, umfaßt 31 Kilogramm Papier und zahlt nur 2 Mk.; Presse C (mittlere Pro« vinzialpreffe) kostet jährlich 10 Mk., erscheint 12 Mal und umfaßt bei kleinerem Format nur 11 Kilogramm Papier, muß ober dafür auch 2 Mk zahlen (Hört! hört!); Preffe D endlich (kleine Preffe) kostet 10 Mk., erscheint nur 6 Mal und umfaßt nur 6 Kilogramm Papier und muß gleichfalls 2 Mark zahlen. (Hört! Hört!) Die Frage schwebt auch schon seit langer Zeit, und ich werde mir daher erlauben, auch hier einen Antrag «inzubringen, daß diese beabsichtigte Umgestaltung des bestehenden Portotarifs dem Reichstag thunlichst bald vorgelegt wird, daß zu diefem Zwecke eine eingehende Prüfung vorgenommen wird, und daß vor allem die Vorschläge berücksichtigt werden, die aus Sachverständigen- und Jntereffentenkreisen heraus gemacht worden sind, und dabei auch das Gewicht der zu befördernden Zeitungen berücksichtigt wird. Auch diese Frage hat das Haus schon lange genug beschäftigt, fo daß fie wohl zu einem Abschluß gelangen dürfte, so daß auch auf diesem Gebiete wieder die reformatorische Thätigkeit des Herrn Generalpostmeisters sich in dem Lichte zeigen kann, wie das auch Abg. Singer anerkannt hat, auS einer Zeit, die aber vor der von ihm berührten letzten Zeit gelegen haben soll!
Ob der Herr Abgeordnete positive Vorschläge machen will, läßt sich au$ seinen Worten nicht klar ermessen, man wird also seinen Antrag abwarten und prüfen müsien. lieber die AbanderungSfähigke't und Abände- rungsbedürftigkeit deS jetzigen TanfeS ist auch in den betroffen werdenden Kreisen eine Meinungsverschiedenheit kaum vorhanden, desto mehr aber über die Mittel und Wege, wie die Abänderung durchzuführen
Um getilgte Schuld.
Erzählung von Anton Schott.
(27. Fortsetzung.)
Die Märzsonne strahlte in goldigem Glanze vom hellblauen Himmel herab. Ueber die Gehänge flutete das Licht hin und über die Küpper, der Berge. Im Dhale flimmerte es über den Schneeflächen und da und dort lugte schon ein schneefreies Fleckchen nach dem Frühlingshimmel aus.
Bor der zunehmenden Kraft der Sonne schmolz der Schnee zusehends, die Mittagsseitm der Dächer waren schon ganz trocken und an den Abendseiten ging den ganzen Tag über die Traufe.
Die alte Bauernreg l aber hatte dieses Jahr nicht zugetroffen. Trotzdem es zu Lichtmeß gar gewaltig gestürmt und geschneit, baute im Thale nicht ein Einziger Märzenhafer. Der Winter hatte den Schnee schier klafterhoch angeworsen und in den Wäldern und auf den BergeSrückrn oben lag er noch tiefer. Die Sonne allein war nicht im Stande, diese Schneemassen in kurzer Zeit zu schmelzen.
Sepp hatte seinen Christus fertig geschnitzt Wie er ihm im Geiste vorgeschwebt, so war er nicht geworden. Besonders das Antlitz ließ zu wünschen Übrig. Aber im Grunde genommen, konnte er zufrieden sein
ist. Es stehen sich vier Interessengruppen gegen- . über: Erstens die Regierung bezw. die Reichs- ! post, welche das Bestreben hat, chren Kaffen aus der \ Postprovifion der Zeitungen eine neue ergiebige Einnahmequelle zuzuführen, ein Wunsch, den man von i h r e m ? Standpunkte gewiß erklärlich finden kann. Jndesfen ‘ wird man den Zweck der Zeitungen im Publikum und - doch wohl auch im Reichstage kaum dahin auslegen, ? daß fie bestimmt seien, in erster Linie zur Kasienfül- i lung der Post zu dienen. Wenn durch einen verbesserten Taiif die Einnahmen der Post sich erhöhen lassen, so ist das gerechtfertigt und erfreulich, aber nimmermehr » darf der Reichstag einem Gesetze zustimmen, welches i auf Kosten des zeitungslesenden Publikums die Geschäfte ■ der Postkaffe besorgt.
Die zweite Interessengruppe bilden die Verleger der „billigen" Ramschblätter, mit denen von Berlin j aus das Land überschwemmt wird und die mit ihrer £ Seichtheit so außerordentlich zur Verflachung beitragen. / Ihnen reihen sich in manchen Orten die „unparteiischen" : ,General-Anzeiger' an, die an negativer Gediegenheit den Berliner Machwerken die Stange halten können. I Diese Sorte von Blättern hat einen niedrigen Abonne- . mentspreis nach dem Grundsätze „Billig und schlecht", ' und da die Provision bis dahin sich einzig nach dem \ AbonnementSbetrage richtet, kommt bei ihnen ganz un- s streitig die Post zu kurz. Ebenso wenig wie man ein j Gesetz zum Schutze der Wucherer macht, kann mau auch e ein solches gutheißen, welches den Jntereffen dieser l Preßkategorie entgegrnkommt, sie müssen also aus dem Spiele bleiben oder besser, daS VerflachungShandwerk? der Ramschblätter - Fabrikanten muß entsprechend besteuert werden.
Den dritten Kreis bilden die Verleger der großen Leitungen zu hohem Preise. ES sind dieS zumeist ernste Blätter mit reellem Geschäftsbetriebe und dem Interesse des Volkes nach bestem Wollen zu dienen bestrebt. Naturgemäß wendet sich diese Preffe aber nur an einen engeren Kreis von Abonnenten , nämlich an diejenigen, welche vermöge ihres Einkommens in der Lage sind, jährlich 30 Mark — fei es etwas weniger oder mehr — sür ihre Zeitung auszugeben. Der gewöhnliche Mann kann das nicht, deshalb ist er darauf angewiesen, diese Blätter entweder im Wüthshause sich zugänglich zu machen ober auf andere Blätter zu abonniren. Eine Bevorzugung der großen Preffe zu Ungunsten der kleineren ist aber aus den verschiedensten Gründen unberechtigt, wie sehr auch zur Zeit die große Presse bestrebt ist, eine solche zu erhalten.
Besondere Beachtung verdient der vierte Inter- kssenkreiS, welcher die große Maffe des zeitungslesenden Publikums, also deS Volke- im eigentlichen Wort- sinne, umfaßt. Durch rastlose Bemühungen von Privaten und Parteien ist es gelungen, in Deutschland eine mittlere und kleinere Presse zu schaffen, welche beim Preise von 1.50 bis 3 Mark vierteljährlich eine Leistungsfähigkeit und Gediegenheit auf- mit seinem Erstlingswerke. Nun wollte er auch noch eine andere Statue machen: Maria unter dem Kreuze. Er hoffte zuversichtlich, daß er auch diese so ziemlich gut treffen werde, zumal ja das erste Werk so gelungen.
Schon hatte er die Rumpfpartie grob ausgearbeitet, aber eS wollte mit der Arbeit nicht recht weiter gehen.
War da vor etwa drei Wochen der Moos bauer gekommen. Der war ein seltener Gast beim Geschirr- Hauer. Sepp gedachte keiner Zeit, wo der zu Besuche bei ihnen war. Den ganzen halben Tag ist er gesessen und hat geredet von dem und jenem, und als ihn Sepp nachher doch fragte, ob er etwas wollte, hat ec so seltsam gelächelt und gtmeint, für sich wollte er nichts, aber für seinen Karl.
Sepp hatte hin und her gesonnen, was der brauchen könne, auf das Nächstliegende verfiel er einmal nicht.
„Und waS war' denn daS nachher?" hatte er gefragt.
„Nun, wie Du eS halt nimmst; viel und wenig .... Die Barderl wär'S."
Warum er darauf nicht gleich verfallen? Er hatte ja ichon einmal bemerkt, daß irgend etwas los fein müsse bei den Leutchen, bei seiner Schwester wenigstens.
„Dann müßt Ihr schon bei der Barber! nachftagen," gab er als Bescheid. „Ich kann nicht Ja sagen und auch nicht Rein. Wenn ihr Wille so ist, ich habe I nichts dagegen einzuwenden.
weist, wie in keinem andern Lande der Welt. Diese vom ernstesten und redlichsten Streben beseelten Blätter find längst nicht alle auf Rosen gebettet, sie arbeiten selber unermüdlich an ihrer Vervollkommnung, die Ansprüche der Leserwelt steigern sich, und mit Recht, denn die Zeitverhältniffe sordern es; die Ausgaben werden höher und die Konkurrenz stärker. Dabei hat sich aber ein Uebelstand für die großen Blätter nicht ergeben. Mit wenigen Ausnahmen stehen letztere finanziell geradezu glänzend da; je mehr sich die kleinere und mittlere Presse entwickelt hat, haben sie sich auch ge- hoben. Die kleinere und mittlere Presse aber hat die Ausgabe, die zeitbewegenden Ideen in die weitesten Kreise zu tragen und fo auf die Massen zu wirken; und gerade sie ist eine Existenzfrage für jede Partei, keine kann ihrer entrathen. Deshalb handelt eS sich hier auch um keine Parteifrage, sondern jede Partei im Reichstage wird empfinden, daß ihr LebenSintereffe hier berührt wird. Oder würde z. B. ein Wahlaufruf Erfolg haben, wenn er bloß in großen Blättern erschiene, also zumeist nur an solche L ser käme, die doch schon ihr feste- Urtheil haben, an eine kleine Minorität der Wähler? Es sind früher schon unsererseits mehrere Tarisentwürfe mitgetheilt worden, aber allesammt krankten sie mehr oder minder an dem Fehler, daß sie zweifellos einem großen Theile der mittleren und kleinen Preffe die Existenz untergraben würden, dafür aber zum Theile der großen Preffe Bortheile zuwenden müßten, von bereit Berechtigung wir uns ebensowenig überzeugen können, wie die große Masse der Leser, denen es doch sicher nicht gleich- gütig sein kann, wenn ihnen einer, wenn auch sehr einflußreichen, Minorität zum Vortheil die tägliche Zeitung stark verthenert oder gänzlich unzugänglich gemacht würde. ES handelt sich also um ein wesentliches Interesse deS Publikum-, und damit wolle jede- Reichstagsmitglied rechnen, bevor es einem Anträge zur Umänderung deS PostzeitungS- tarifs seine Zustimmung ertheilt.
Deutsches Reich.
Berlin, 28 Januar.
* Der Kaiser hat an seinem Geburtstage den Sanitätsoffizieren die Erlaubniß ertheilt, statt deS bisher für fie vorgeschriebenen Degens das sonst bei der Armee eingeführteOfsizierSseitengewehr zu tragen. — Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern Nachmittag eine gemeinsame Au-fahrt nach dem Grünewald. Nach 6 Mr fand im Rittersaale deS kgl. Schlosses Familientasel zu 60 Gedecken und gleichzeitig in der Bildergalerie Marschalltafel zu etwa 130 Gedecken statt. Nach der Abendtafel begaben sich die Majestäten mit den fürstlichen Gästen zur Festvorstellung nach dem königl. Opernhause.
* Dem verstorbenen amerikanischen Botschafter Rnvyon widmet der ,Reichsanzeiger' einen warmen Nachruf, der betont, daß dieser „hervorragende Staats-
Und der Moosbauer fragte bei Bärbel nach. Die wurde über und über roth bei der Rede. Sie sagt; nicht Ja, nicht Nein. Eine Welle spann fie mit solchem Eifer wie noch nie, nachher wandte sie sich an ihren Bruder. „Wie meinst Du, Sepp?" fragte sie den.
„Ich habe meine Meinung schon gesagt. Anders kann ich nicht reden."
Wenn er doch zugesagt hätte! Er konnte es sich ja denken Sie nahm ihm die Rede fast übel. „Ich weiß es noch nicht; ich muß mir die Sach' erst überlegen," gab sie dem Moosbauer nach einer Weile als Bescheid.
„Da wird halt der Karl selber kommen muffen," schmunzelte der. „Er hätte eigentlich gleich gehen können. Nun, ist ja nichts verspielt bei dem Gange."
EixeS TageS war nun der Karl selber gekommen. Der hatte daS Jawort viel früher erhalten. Als Sepp von ungefähr aus der Stube ging und nach einigen Minuten zurückkam, hatten sich die beiden geeinigt.
Md nun gab eS zu thun und zu werken mehr als hinlänglich. Bald war ein Gang dotthin zu machen, bald dahin, verfchiedene kleinere Sachen wollte er selbst zur Aussteuer anfertigen, denn die Hochzeit sollte schon bald nach Ostern sein.
So kam es denn, daß er sehr wenig Zeit fand, an der angefangenen Statue weiter zu arbeiten.