14 Samstag, deu 18. Januar 1896. 23. Jahrgang
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Ium 25. Heburtstcrg des Deutschen Meiches.
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1871
Gottwarm itiinsaufunsernWegeu, Er bleibe mit uns immerdar!
Mit diesem frommen Weihesegen Grüß ich mein Bolk zum Jubeljahr.
Ihr deutschen Brüder in der Runde, In Ost und West, in Süd und Nord, Schlagt ein die Hand zum treuen Bunde: Gott sei auch fürder unser Hort!
Er war mit uns im heißen Ringen Bon Weißenburg bis vor Paris — So mochten wir den Feind bezwingen, S» holten wir das goldne Vließ.
So führten wir die Heldenstreiche Und kehrten heim, lorbee» belaubt, So warben wir dem Neuen Reiche Was welfche Tücke uns geraubt.
Doch mit dem Frieden vor den Marken Führ' Gott den inuern auch zurück. In Eintracht einzig kann erstarken Das junge Reich zu wahrem Glück.
Gott schirm' die Kirche und die Hirten, Er halt' das Bolk in Glauben rein, Er führe heimwärts die Verirrten Und laß genug des Haders sein!
Und die der Armuth Loos getroffen, Gott spende Tröstung ihrem Leid! Zum Dulden stärke sie und Hoffen Der Glaube an die Ewigkeit!
Gott fülle alle — alle Herzen Mit Liebe, die durch Thaten spricht, Daß jeder fühlt des Nächsten Schmerzen Und gern sein Brod dem Bruder bricht.
Gott schirm' die Großen auf den Thronen, Lehr' sie verstehn den Ernst der Zeit, Daß sie des Volkes Treue lohnen Mit Milde und Gerechtigkeit.
Dem Kaiser unentwegt das Seine, Das walte Gott, du Bolk von Brüdern,
Doch auch das Seine Gott dem Herrn! Dann ist bein goldner Morgen da,
So reih'n zum innigen Vereine D ann ju belt in den schönsten Liedern
Sich alle deutschen Stämme gern. Die Welt dir Preis, Germania!
Frauenburg. Julius Pohl.
Die Kaiserproklamatio» im Schlosse z« Versailles am 18. Januar 1871.
DaS Jahr der Jubiläen, der Gedenkfeste, welche daS deutsche Volk in Erinnerung an die großen RuhmeS- tage der KriegSjahreS 1870/71 feiert, findet feinen Höhepunkt in der heutigen Jubelfeier, am 18. Januar, an dem vor einem Vierteljahrhundert in der Kaiserproklamation zu Versailles daS Deutsche Reich wiedergeboren wurde. Der denkwürdige historische Akt im Schlosse zu Versailler ist in vorstehendem Bilde nach dem berühmten Gemälde von Anton v. Werner dargestellt. (DaS Original befindet sich in der RuhmeS- halle des Zeughauses zu Berlin. Die Red.)
Wir haben von Anfang an die Auffassung vertreten, daß nicht sowohl der Krieg selbst, die Tage blutiger Schlachten sich zu Jubelfesten eignen, als vielmehr jene denkwürdigen Tage, welche unS die Früchte unserer Siege brachten: die Kaiserproklamation zu Versailles und den Franksurter Frieden, der unSEllaß- Lothrmgen wiedergab. ES mochte auch weniger empfindlichen Franzosen schmerzlich sein, daß Deutschland Freudenfeste an solchen Tagen beging, die für sie mit den traurigsten Erinnerungen verknüpft sind; derartige Bedenken bestehen aber nicht gegenüber der Feier der 18. Januar, der ihnen nichts genommen und unS doch so viel gegeben hat. Diese Feier kann Niemanden ver
letzen, sie kann von allen Deutschen ohne Nebengedanken und ängstliche Rücksichten mit ungetrübter Freude begangen werden.
DaS erste Gefühl, welches sich unS heute aufdrängt, ist daS Gefühl deS DankeS gegen Alle, welche dazu beigetragen haben, unser liebes deutsches Vaterland wieder einig und stark zu machen. Dieser Dank gebührt vor Allem dem großen Schlachtenlenker, der über den Wolken thront, Gott demHerrn, ohne deflenHilfe die Bauleute vergebens arbeitm. r@tn großer Erfolg unter GotteS Führung," schrieb König Wilhelm I. nach der Schlacht bei Sedan an seine erlauchte Gemahlin in der richtigen Erkenntniß der heutzutage leider so oft vergesfenen Thatsache, daß alles Menschenwerk nutzlos ist, wenn der Allmächtige nicht seinen Segen dazu gibt.
Sodann geziemt eS sich, heute in dankbarer Erinnerung zu gedenken der Männer, in deren Hand damals die Geschicke unseres Vaterlandes ruhten, vor Allem der beiden ersten Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III., jener Helden, die auf dem Schlachtfelde muthig die Krone erstritten haben, welche nachher ihr Haupt zieren sollte. Dankbaren Herzens legt heute das deutsche Volk eine frische Palme an Unter Ruhestätte nieder. Die großen Männer, welche damals im
Rathe der Krone und als Heerführer einen hervorragenden Platz einnahmen, find fast fämmtlich vom irdischen Schauplatze ihrer Thätigkeit abberufen worden; nur einer, Fürst Bismarck, weilt noch unter den Lebenden, und überall, wo deutsche Männer wohnm, gedenkt man seiner hervorragenden Verdienste um die Gründung deS neuen deutschen Reiches. Dank den Leitern jener Zeit wie den Streitern! Nicht weniger als 1113254 deutsche Soldaten überschritten während deS ganzen Krieges die französische Grenze und stellten Blut und Leben opferwillig in den Dienst des Vaterlandes. 40 743 blühende Leben raffte der furchtbare Krieg aus unferen Rechen in den mehr als 600 Schlachten und Gefechten, die geschlagen wurden. 88488 Verwundete zählt der Kriegsbericht auf, von denm viele noch an den erhaltenen Verletzungen starben, als sie kaum die Heimath wieder begrüßt hatten. Am Grabe dieser wackeren Männer muß der Fuß ruhen, da- Knie sich beugen und der Mund zum Himmel beten, daß Gott den bis in den Tod der Vaterlandsliebe Getreuen den Lohn verleihen möge. Ehre Md Dank den alten Soldaten aber auch, die einst mitgestritten und die wir mit dem Ehrentitel „Veteranen" heute in unserer Mitte feiern dürfen.