23. Jahrgang
Donnerstag, den 16. Januar 1896.
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wahrt hatte.
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plutokratische Zuspitzung des Dreiklassen - Wahlsystems
Ä. V. befördert die Exped. der
Fuld. Ztg.
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der Sepp.
„Bringen?" lachte der hart auf. „Bringen? Was kunnt denn der Simmerl bringen? Roth, Elend vielleicht. sonst nichts. . . . Wollen thät' ich was. Ich
namentlich bei den Gemeinderaths-Wahlen geschaffenen Verhältnisse anerkannt hat. Das vollständige Schweigen der Thronrede über diesen Punkt muß Befremden erregen. Zweifellos wird bei der Etatsberathung darüber ein ernstes Wort geredet und der Regierung in Erinnerung gebracht werden, daß auf diesem Gebiete noch ganz bestimmte Zusicherungen früherer Thronreden einzulösen sind.
Die Zahl der Vorlagen ist nicht so groß, daß ihre ; Durchberathung nebst der Etatsberathung länger als bis Ostern zu dauern braucht. Es wäre sehr zu z wünschen, daß die Session nicht weiter ausgedehnt l wird. Arbeiten, nicht langes und vieles Reden ist eS, war das Volk verlangt.
* Der Kaiser und die Kaiserin haben gestern, am Sterbetage des Vaters der Kaiserin, weiland des Herzogs Friedrich zu Schleswig-Holstein, welcher vor 16 Jahren zu Wiesbaden Plötzlich am Herzschläge verschied, einen Kranz nach Primkenau für das Grab des EntsLlafenen gesandt. — Der Kaiser hörte heute früh den Vortrag des Chefs-des Civilkabinets Wirk- lichm Geheimen Raths Dr. v LucanuS und fuhr um lO1^ Uhr zur Jagd nach Britz-Buckow. — Der Kaiser wird am 17. Januar im hiesigen Schlosse die kapitel- fähigen Ritter des hohen Ordens vom Schwarzen Adler zur Aufnahme einiger Mitglieder und zur Ab- haltuag eines Kapitels versammeln. — Wie nach der ,Münch. Allg. Ztg? verlautet, wird der Kaiser bei dem Feste am 18. d. M. eine Nachbildung einer wichtigen Niederschrift seines Großvaters aus der Zeit vor fünfundzwanzig Jahren vertheilen laffen. — Morgen wird der Kaiser den Staatssekretär im Reichsjustizamt Nieder ding empfangen, um sich das bürgerliche Gesetzbuch überreichen zu lassen. Das Einführungsgesetz wird sich nicht dabei befinden — In unterrichteten Kreisen wird eS als möglich oder wahrscheinlich angenommen, daß anläßlich der am 18. Januar d. I. stattfindenden 25jährigen Ge- dächtnißfeier der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches ein Amnestie-Erlaß des Kaisers erscheinen wird, in welchem die Strafen wegen gewisser politischer Vergehen und wegen Majestätsbeleidigung erlassen werden sollen. — Wie verlautet, soll dem Fürsten Bismarck am 18. d. M. eine ganz be- sondere Kaiserliche Auszeichnung zu Theil werden. (Dieses Gerücht gewinnt an Wahrscheinlich.
Das Rad schnurrte so anheimelnd, im Ofen knisterten die dürren Holzscheite und draußen wirbelten die Schneeflocken hernieder, eine an der andern.
Da kam Jemand über die Gred herein. Im Vorhause stampfte er sich den anhaftenden Schnee von den Füßen, dann kam er herein.
Es war der Simmerl.
„Einen gut-n Abend!" grüßte er.
Einen guten Abend auch, Simmerl, sagten Sepp und Barberl schier zugleich. Der Alte stellte die Holz- schuhe in den Besenwinkel bei der Thüre und machte sich an Sepp heran.
„Was treibst Du denn da?" srug er. „Mw scheint, Du willst gar einen Herrgott schnitzeln, wie in der Kirche u;ten einer ist. . . . Nun fteilich. Wo hast Du denn das wieder ersehen?" Er setzte sich hart neben Sepp hin und verfolgte gespannt jede Handbewegung und jeden Schnitt.
„Was bringst denn, Simmerl?" fragte ihn nachher
Der preußische Landtag wurde heute (Mittwoch) im Weißen Saale des königl. Schlosses durch den Ministerpräsidenten Fürsten Hohenlohe mit Verlesung folgender Thronrede eröffnet:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtages!
Se Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Eröffnung des Landtages der Monarchie zu beauftragen geruht.
Die Finanzen des Staates haben sich in dem abge- icklossenen wie in dem laufenden Rechnungsiahre wesentlich günstiger gestaltet, als bei Aufstellung der Voranschlags an- zunehmen war. Jnsolge unerwarteter Steigerung der Ertragnisse der Staatseisenbahnen und einzelner anderer Staatsbetriebe sowie erhöhter Ueberweisungen aus den Einnahmen des Reiches hat die Rechnung des Jahres 1894/95 mit e,nem erheblich ge- nnqeren als dem im Etat vorgesehenen Fehlbeträge abgeschlossen. Ein gleich günstiges Ergebniß darf das laufende Jahr erwartet werden. Auch der Entwurf des Staatshaushaltsetats für das Jahr 1896 97, welcher Ihnen alsbald zugehen wird schließt mit einem geringeren Fehlbeträge ab, als der Etat für das laufende Jahr. Insbesondere haben in Folge des Aufschwunges des gewerblichen Lebens die Erträge der staatlichen Betriebsverwaltungen, namentlich der Eisenbahnverwaltung, höher ver-
Deutsches Reich.
Berlin, 15. Januar.
Um getilgte Schuld.
Erzählung von Anton Schott.
(16. Fortsetzung.)
Seine Schwester hatte die V-ränderung in seinem Wesen wohl bemerkt, aber sie vermied jedes Wort, das biete berühren konnte. Was die Ursache war, darüber konnte sie nicht klar werden, aber sie fragte und forschte auch nicht. Vielleicht war die Geschichte mit dem Stegmüller schuld daran, vielleicht auch etwas Anderes. Daß Rofel nicht so war mit ihr wie früher, daß sie ihr auSwick, und wenn sie doch einmal zufammentrafen, kaum ein Wort redete mit ihr, fand sie ganz erklärlich. War doch der unseligen Geschichte wegen Haß und Feindschaft entstanden zwischen den beiden Familien. Sie sagte auch ihrem Bruder kein Wörtchen davon, eS war ja doch selbstverständlich.
Nach einiger Z-it aber schien Sepp wieder der Alte zu sein. Er schien es nur, denn in seinem Herzen war doch eine Kluft entstanden, weit und klaffend.
lungsgütern, der die Erhaltung dieser Güter bezweckt, wird nunmehr ungesäumt Ihrer Beschlußfassung unterbreitet werden.
Außerdem werden Ihnen Vorschläge gemacht werden, welche eine finanzielle Unterstützung der genossenschaftlichen Errichtung von Kornhäufern betreffen.
Meine Herren! Indem ich Sie im Allerhöchst«! Auftrage begrüße gebe ich der Zuversicht Ausdruck, daß m,t Gottes Hilfe Ihre Thätigkeit auch in der bevorstehenden Tagung dem Vater- lande zum Segen gereichen werde. . . .
Ganz Deutschland schickt sich an, die fünfundzwanzigfahnge Wiederkehr der Neubegründung des Reiches festlich zu begehen. Möge die Erinnerung an jene große Zeit auch für uns eine ernste Mahnung fein zu einträchtigem Zufammenwirken m fruchtbringender, vaierländischer Arbeit. . =
Auf Befehl Se. Majestät des Kaisers und Königs erkläre ich den Landtag der Monarchie für eröffnet.
Die Minister waren zu dec.Eröffnungsfeier des Landtages mit Ausnahme des Land wirthschaftSm mstirS Frhrn. v. Hammerstein-Loxten vollzählig ers Hl-new Bon den Abgeordneten (ca. 150) wurde die Thronrede stillschweigend bis zu Ende angehört. Nachdem der Reichskanzler mit erhobener Stimme den Schluß, m welchem auf die Jubiläumsfeier der Gründung des Deutschen Reiches hingewiesen wird, verlesen hatte, brachte der Präsident deS Abgeordnetenhauses v. Koller em Hoch aus den Kaiser aus, in welches die Anwesenden begeistert emstimmten. Wenige Augenblicke ■ nur noch hielten sich die Minister und Abgeordneten / in lebhafter Unterhaltung im Saale auf, dann zer- streute sich die Versammlung, die nur kurze Znt at- t
Seine Erholung, seine Zerstreuung fand er im Schnitzen. Wenn er das ChristuSbild fertig haben
gesucht. Gefl. Offerrcu umer ■ ’ * --------- ---- ■
Vorräthgj a Stück 50 Pw. *) In manchen Gegenden ist es der Brauch, daß bei entern । Joseph Giee und joh. Oehler, fall Brode gebacken werden, die nur dazu bestimmt lind, [76 I Kanalstraße, Fulda. [1397 die armen Leute vertheilt zu werden, wöbe, als Gegen-
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mit Unterhaltnnss Srilnge .Sterne und Kinrnen"._________________
Bemerkenswerth ist an der Thronrede das Herrn Miquel gewiß nicht leicht gewordene Gfftändniß, daß die Finanzlage sich immer günstiger gestattet; neue Reichssteuern zur Aufd°sseru«g der preußr- schen Finanzen — Herrn Miquels Ideal — sind damit als gänzlich überslüssig dargeihan. Im Uebngen bringt die Thronrede nichts Besonderes; die Vorlagen, die sie ankündigt, waren alle schon vorher bekannt. Beachtenswerth ist höchstens der Nachdruck, mit welchem 5 von der Entschlossenheit der Regierung, der Land- -- auf aeiek- ' wirthschast zu helfen, gesprochen wird. Die Bor- Handel und; lagen, die in dieser Hinsicht angetdnbtgt werden, sind ; allerdings nicht gerade epochemachend. Die zweite, betreffs der finanziellen Unterstützung genossenschaftlicher Kornhäuser, begrüßen wir hauptsächlich deshalb mit Freuden, weil sie hoffentlich zur Bildung von Getreideverwerthungs(-Verkauf) - Genossenschaften vielfache Anregung und damit der genossenschaftlichen Organisation deS bäuerlichenBerufS- standes die Wege ebnen wird. Ernsten Schwier'g- keiten dürfte das Lehrerbesoldungsgesetz be- gegmn; wäre daS Zedlitz'sche Schulgesetz nicht zurück-
anschlaqt werden können. , ...
Die mit dem Beginne des laufenden Rechnungsiahres zur Einführung gelangte Neuordnung der staatlichen Elfen- s, bahnverwaltung hat sich nach den bisherigen Erfahrungen t im Allgemeinen bewährt und zu den günstigen Ergebnissen bei- ■ getragen. Wegen Erweiterung des Staatseisenbahnnctzes werden Ihnen auch in diesem Jahre Vorschläge zugehen, welche die Ent- Wickelung mit Schienenverbindungen noch nicht bedachter Landes- theile zu fördern bestimmt sind.
Auf dem Gebiete der Schule wird Ihre Zustimmung zu einem Gesetzentwurf erbeten werden, welcher den Zweck hat, ut Erfüllung der durch Artikel 25 der Verfassung dem Staate auf- erleaten Pflicht, das Dienst ein ko mm en der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen gesetzlich derart zu regeln, daß ihnen überall ein festes, den örtlichen Verhältnissen angemessenes Einkommen gesichert ist. Ferner wird die gesetzliche Aenderung einzelner Bestimmungen des Penstons- aesetzes vom 27. März 1872 beabsichtigt, durch welche Schwierigkeiten und Zweifel beseitigt werden sollen, die bei der Anwend- ung dieses Gesetzes auf die nicht im unmittelbaren Staatsdienste stehenden Lehrer und Beamten an den höheren Unterrichts- ' anstalten hervorgetreten sind. ,
Der Wunsch nach Stärkung und Erweiterung der auf gesetzlicher Grundlage beruhenden Vertretungen von Je“1'"' Industrie bewegt die betheiligten Berufsstände feit längerer Zeit. Er ist neuerdings dringlicher geworden, seitdem in dem Gesetze über die Landwirthschaftskammern der Boden für «ne kraftvolle Vertretung der Landwirthschaft geschaffen und eine korporative Organisation des Handwerks durch die Reichsgesetzgebung m Angriff genommen ist. Die bestehenden Organe des Handels und der Industrie haben sich in ihrer großen Mehrheit für «ne, das ganze Staatsgebiet umfassende Vertretung ausgesprochen. Demgemäß wird Ihnen ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, durch den die Organisation der Handelskammern über das ganze Land erstreckt und durch Ausstattung dieser Weiterung ihres Geschäftskreises gekräftigt werden soll
Die andauernd ungünstige Lage der Landwirthschaft nimmt fortgesetzt die volle Aufmerksamkeit der Staatsregierung in Anspruch. Sie ist entschlossen, alle Mittel in Anwendung zu bringen, welche zur Abhilfe geeignet find und eine Besfcrung der Lage dieses für unsere wirthschaftlichen Verhältnisse so hoch- wichtigen Gewerbes gewährleisten
Der im vorigen Jahre angekündigte Entwurf eines Gefetzes betreffend das Änerbenrecht bei Renten- und Anfieve-
gewaen worbenTfo hätten ’bie Lehrer heute mehr, al8 I leit, wenn man bedenkt, daß FürstBiSmarck die einzige Sbu»gig.H bitten tarn ! »°ch leb* PerstMPM ist, --Icht « lener bentoür-
Man vermißt in bei Thronrebe stbe AvILnbignng ; bigen Zeit vor 25 Jahren eine hervorragende Reit- einer Wahlreform-Novelle, obwohl sogar die j gespielt hat.) — 3ur (Sebentfeier am 18. Januar flreuMeitunq' die Unhattbarkeit der durch die weitere l hat dem Vernehmen nach auch der frühere Reichs- nttttokratiiche »usvitzunq des Dreiklassen - Wahlsystems j kanzler Graf Caprivi eine Einladung erhalten.
gebacken habt, und da thät' ich halt auch recht schön bitten um ein Laib'i. Und wenn vielleicht ein oder das andere Trumm altes Gewand vom seligen Geschirrhauer da wär, ich könnt eS brauchen. Der Winter ist gar ein so grober Gesell' und alte Leut' hat der Fnerer allweil beim Kragen. . . . Nichts für ungerade!"
„Wohl, wohl," nickte Bärbel und schob das Rad bei Seite. Sodann ging sie in die Kammer und band zwei große Laibe Brod in ein Tuch. Auch altes Gewand von ihrem Vater suchte sie zusammen und band e8 dazu. ES war ein ziemlicher Bündel, daS sie zum Vorschein brachte, aber der Simmerl war auch einer der Aermsten im ganzen Thale.
Ein Lächeln glitt über daS Gesicht deS Alten, da er das Bündel erblickte. „Vergelt Dir'S Gott tausend- mal, Dirndl," dankte er. „Du bist gut mit den armen Leuten, Gott wird Dir'S lohnen. Schau, Deine Mutter und Dein Vater, Gott schenke ihnen alle zweien die ewige Ruhe, die haben eS auch allweil so gehalten. Zur selben Zeit habe ich freilich noch kein Almosen zu nehmen brauchen, aber gehört hab' ich es. / Und schau, sie haben von ihren wenigen Gründen allweil so viel gehabt, als sie zum Leben gebraucht haben. Gelt, Sepp," wandte er sich an diesen. „Sepp, Hal gäbe em Gebet für den Verstorbene« vorausgefetzt tüt:\ f
. Art der Almosen heißt „Spende".