jg 11 Mittwoch, den 15. Januar 1896. 23. Jahrgang
FuldaerMZcitllng
mit UnterhattnrrgK-Kettage „Sterne und Klumen".
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x Zur Frage der Gleichstellung der katholischen und protestantischen Psarrer hinsichtlich des Gehaltes.
Gegenwärtig circixlirt in der Diözese Trier unter den Pfarrgeistlichen eine Petition an das bald zusammentretende Abgeordnetenhaus um Gleichstellung mit den protestantischen Pfarrern bezüglich des Einkommens, der wir folgende Ausführungen entnehmen, da sie von allgemeinem Interesse sind.
DaS Einkommen der katholischen Pfarrer beginnt nach fünfjähriger Dienstzeit in Preußen mit einem Betrage von 1800 Mk., das der protestantischen Pfarrer mit 2400 Mk. Das Gehalt der katholischen Pfarrer steigt alle fünf Jahre um 150 Mk. bis zur Höhe von 2400 Mk., das der protestantischen Pfarrer alle fünf Jahre um 300 Mk. bis zur Höhe von 3600 Mk
Die Begründung dieses zu Gunstenderprotestantischen Pfarrer gemachten GehaltSunteischiedes soll bekanntlich, in dem Umstande der Verheiratung detselben liegen. Zunächst ist aber auch dem unverheirathrten Prediger ein um ein Drittel höheres Einkommen, als eS der katholifche Geistliche bezieht, gesetzlich garantirt. In diesem Falle ist denn doch der Gehaltsunterschied offenbar unbegründet.
Weiter ist der protestantische Pfarrer durch kein Gefetz genöthigt, zu heirathen. Die Heirath ist durchaus Sache seines freien Willens. Bei keiner Beamten- kategorie wird denn auch nach dem Umstande der Verheirathung oder Nichtverheirathung das Einkommen bemessen. Und dementsprechend zahlt die Heeresverwaltung den Militärgeistlichen beider Konfessionen dasselbe Gehalt.
Ferner ist nicht zu übersehen, daß die Frau des Predigers durch das Privatvermögen, welches sie in die Ehe mitbringt, zur Bestreitung des Haushaltes beiträgt, so daß schon aus diesem Gmnde eine finanzielle Besserstellung des protestantischen Geistlichen nicht angängig sein dürfte.
Dann werden an die Mildthätigkeit des katholischen Pfarrers durchweg weit höhere Anforderungen gestellt als an die Freigebigkeit des protestantischen Geistlichen. Die Armen einer katholischen Pfarrei erkennen in ihrem Seelsorger in Folge seines Amtes den natürlichen Helfer in jeder Noth, während der protestantische Pfarrer selbstredend hauptsächlich für den engeren Kreis der Familie zu sorgen hat.
Unzählig sind auch die Fälle, daß katholische Pfarrer ihre dürftigen Angehörigen unterstützen müssen. Wie viele katholische Geistliche gewähren ihren betagten Eltern im Pfarrhause Obdach und Unterhalt, eine Belastung, die die verheiratheten Geschwister eines katholischen Pfarrers al« diesem obliegend für selbstverständlich erachten! Und wie häufig verleben mittellose oder kränkliche Geschwister ihre Tage bei dem geistlichen Bruder! So darf denn kühn behauptet
Um getilgte Schuld.
Erzählung von Anton Schott.
(14. Fortsetzung.)
Er war Winter geworden.
Tiefer Schnee deckte Berg und Thal, und die Gehänge hatten einen Eispanzer angelegt. Die Wasser waren über Wiese und Anger dahingeflossen wie im Lenz und Sommer, und der Frost hatte sie in spiegelglatter Eis verwandelt. An den Bäumen und an dem Gesträuche hing schwerer Reif und die Eiski ystalle starrten wie Nadeln von dem Gezweige. Auf den Arsten der Tannen und Fichten lagen schwere Lasten Schnees, und der ganze Hochwald sah aus wie der Kopf eines hochbejahrten Greises. . . ganz weiß.
Seppl schnitzte den größten Theil des Tages an seinem Christurbilde. Das Getreide war ausgedroschen, und die Wartung des BieheS machte die einzige Arbeit aus auf Wochen. Zu dreser Zeit hat der Bauersmann seine Ferien. DaS ganze Jahr über muß er sich schinden und plage», aber im Winter nach dem AuSdrufche vermag er einige Wochen zu rasten.
Seppl schnitzte. Der Körper und die Fußpartien waren fertig, und er war zufrieden mit feiner Arbeit. Er waren nur noch Arme und Kopf auS dem Holze hervorzuarbeiten. Erstere machten ihm nach dem bereits Geleisteten keine großen Sorgen, dafür aber dachte er
werden, daß fehr viele katholische Geistliche eine Haushaltungslast zu tragen haben, als ob sie verheirathet wären, wobei aber noch zu bedenken ist, daß der katholische Geistliche der Woblthat der Mitgift entbehrt, die dem protestantischen Prediger von seiner Frau zur Führung der Haushaltung zugebracht worden ist.
Endlich fei noch einer Erwägung Ausdruck gegeben, die zur Beurtheilung der beregten Sachlage nicht überflüssig fein könnte. Der Staat garantirt den Geistlichen beider Konfessionen gewiß vornehmlich deshalb ein bestimmter Einkommen, weil er in der Religion, deren Diener jene sind, eine Hauptgrundlage seiner Existenz erblickt. Nun dürsten die katholischen Geistlichen für die Wohlfahrt des Staates ebensoviel als die protestantischen Pfarrer leisten. Wir wollen uns hierin eines eigenen Uriheils begeben und zuerst als sicher unverdächtigen Zeugen den nichlkatholischen ,Reichsboten' reden lassen. Dieser schrieb noch jüngst, daS Schwinden alles Autoritätsgefühls habe überhand genommen, lange könne es so nicht mehr fortgehen, die Katastrophe müsse kommen; „das katholische Volk werde in Deutschland noch durch die Autorität seiner Kirche zusammengehalten, aber im evangelischen Volke habe der Liberalismus alles zersetzt, so daß die Kirche keine Autorität mehr besitze." Sicher ein schönes Zeug- niß für die katholischen Geistlichen, durch welche die katholische Kirche so günstig auf das Volk einwirkt! Und aus dem letzten sozialdemokratischen Kongr-sse zu Breslau bemerkte ein Redner, die „Sozialdemokratie erziele darum bei der protestantischen Landbevölkerung viel größere Erfolge, als bei der katholischen, weil der protestantische Geistliche seine Schäflein lange nicht so in der Gewalt habe als der katholrsche." Auch dieses Zeugniß möchte aller Beachtung wmh sein.
Es liegt uns selbstredend durchaus ferne, mit der Feststellung dieser Thatsachen irgend jemand kränken zu wollen. Indessen dürfte sich aus derselben doch ergeben, daß schon die Billigkeit erheische, die katholischen Pfarrer hinsichtlich des Gehaltes nicht hinter den protestantischen zurückftehen zu lassen.
Hoffentlich wird sich kein objektiv denkender Abgeordneter, zu welcher Fraktion er auch gehören mag, vorstehenden Erwägungen verschließen.
Deutsches Reich.
Berlin, 14 Januar.
* Der Kaiser fuhr nach der gestrigen Frühstückstafel zu dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe- Schillingsfürst, um mit demselben längere Zeit zu konferiren. Heute Vormittag empfing der Kaiser den zum General-Konsul in Kapstadt ernannten vortragenden Rath im Auswärtigen Amte, Wirkt. Legations-Rath v. Schuckmann, und arbeitete sodann längere Zeit mit dem Chef des Militär - Kabinets, General v. Hahnke. Nachmittags um 3 Uhr fand im Weißen Saale des König!. Schlosses die Vorstellung der in diesem Jahre mit Bangen an die Ausführung des Kopfes. Ob er das Gesicht wohl treffen, ob ihm der wehmüthig schmerzliche Zug gelingen würde? . . .
Der Müller hatte die Schuld bereits eingeklagt, sie machte ihm aber kein KopfzerbrechiN. Einige Zeit lang hatte er Tag und Nacht darüber gesonnen, dann aber wurde ihm die Sache immer mehr und mehr gleichgiltig, und schließlich dachte er kau« mehr daran.
„Das HauS wird'S nicht kosten," dachte er sich allemal, wenn ihm die Geschichte in den Sinn kam. „Wer weiß noch, wie es ausgeht. Das Recht ist auf meiner Seite; der Vater hat die Schuld schon einmal gezahlt."
Was ihm aber oftmals schlaflose Nächte bereitete, war ein Zwiegespräch mit der Rosel. Hatte er sie da eines Tages unterwegs getroffen, und es hatte sich gerade geschickt, daß sie ein Stück miffammen gehen mußten. Er hatte ihr wie gewöhnlich die Tageszeit geboten; sie aber hatte nur eine unwirsche, kurze Antwort darauf gehabt.
Er hatte darüber gestaunt und sich gewundert, daß ihr Benehmen anders sei als sonst. An sein Ser- hältniß zum Müller hatte er gar nicht gedacht.
„Hat Dir leicht Einer was in den Weg gelegt?" frug er sie nachher theilnehmend.
„Ich mein', Dir kunnt das wohl gleich sein," er-
' zum Ueberttitt in die Armee in Aussicht genommenen Kadetten vor dem Kaiser statt. — Prinz Friedrich j Leopold kam gestern Abend von Potsdam nach Berlin ! und fuhr sofort zum Kaiser in dar König!. Schloß.
Derselbe soll in den nächsten Tagen mit seiner Gemahlin nach der Riviera (nach einer mtbent Version beabsichtigt das prinzliche Paar eine Reise nach Egypten anzutreten) reisen und auf ein Jahr beurlaubt fein. Die »Dresdener Zeitung' nimmt von einem Gerüchte Nottz, wonach der Prinz feinen Abschied als Offizier nachgesucht habe — er ist Brigade-Kommandeur —, der ihm aber verweigert worden sei.
* Eine offizielle Betheiligrmg der deutschen Fürsten bei der Feier am 18. Januar findet nicht statt, und die Meldung eines Münchener Blatter, daß aus der Mitte der Fürsten heraus dem Gedanken näher getreten worden fei, zu Feier in Berlin zu er» t scheinen und es könne versichert werden, daß eine Anzahl deutscher Fürsten bei dem nationalen Feste in i der Reichshaupfftadt anwesend sein werde, wird in i einem Theil der Presse dementirt mit dem Bemerken: „Ohne besonders und feierlich geladen zu sein, kaun kein deutscher Fürst an einer so intimen Feier im » königlichen Schloß zu Berlin Theil nehmen, wie sie $ die vom 18. Januar sein will. Und ein Anlaß, die ! regierenden Häupter zu laden, lag um so weniger vor, als eS sich um keine Staatsaktion, keine historische Begebenheit, sondern um eine der persönlichen Initiative des Kaisers Wilhelm entsprungene Erinnerungsfeier > handelt. Vor 25 Jahren huldigten die deutschen regierenden Fürsten dem greifen Heldenkaiser. Konnte eine Einladung, bei der Feier am 18. Januar gegenwärtig zu sein, nicht dahin aufgefaßt werden, daß eine Wiederholung der Staffage veranlaßt und damit der Feier der gleiche Hintergrund und Inhalt gegeben werden follte, den sie damals als geschichtlich epochale Thatsache besaß?"
* Die diesjährigen Kaisermanöver zwischen dem ; 5. und 6. Korps einerseits (unter dem Befehl des Grafen Waldersee) und dem 12. Korps ({gl. sächsischen) und der 8. Division andererseits (unter dem Befehl deS Prinzen Georg von Sachfen) werden sich zwischen Bautzen und Görlitz abspielen und zwar möglichst , kriegsgemäß. Viel Besuch von hohen Fürstlichkeiten ist t dazu nicht zu erwarten.
I * Bon den Mitgliedern des norddeutschen Reichs- | tags im Jahre 1870 sind, abgesehen von denjenigen Abgeordneten, welche dem gegenwärtigen deutschen : Reichstag angehören, unter anderen noch folgende am Leben: Ackermann, Aegidi, Dr. Blum, v. Böckum- Dolffs, v. Bunsen, Camphausen, Dietze (Barby), Frhr.
: v. Eckardtstein, Graf Frankenberg, Hänel, Dr. Mox Hirsch, Herzog von Ujest, Professor Höffer (Bonn), ; Fürst Lichnowsky, Frhr. v. Loe, Dr. Lucis (v. Ball» : hausen), Botschafter Graf Münster, Konsul H. H. i Myer (Bremen), Fürst Pleß, Graf v. d. Schulen- x, burg-Beetzendorf (Mitglied des Herrenhaufes), der
hielt er darauf zur Antwort. „Wohl. Aber einbrennen thät' ich es dem doch."
„Du?"' Sie war vor ihm stehen geblieben und hatie ihn mit herausforderndem Blicke gemessen von oben bis unten. „Du? Hättest leicht ein Recht dazu. Ich meine nicht. Und danken thut' ich Dir's auch nicht ... mit keinem Gedanken. Wenn einer so ist wie Du, mit dem will ich nichts zu thun haben. Ich hätt' Dich für einen anderen Menschen gehalten. Und meine Seel' hätt' ich verwettet darauf . . . Gelt, dem Vater willst Du sein Recht abstreiten und ihn in den Mäulern der Leute noch ..." schlechter machen hatte sie sagen wollen, aber sie wurde dessen noch rechtzeitig gewahr. Jählings schoß ihr das Blut in's Gesicht; aber gleich verbesserte sie sich; „und ihn schlecht machen. Und mir gegenüber bist Du der Scheinheilige. Geh', daß ich nicht rauSspucke vor Dir?"
In großen Sätzen eilte sie auf und davon, einen Vorsprung zu gewinnen und nicht mit dem gehen zu müssen, der ihr als der verworfenste Mensch auf der Welt vorkam. Sie haßte ihn, weil sie ihn für einen Mann gehalten, auf den mau ein Haus bauen konnte. Und nun hatte sie sich in ihm getäuscht. Deshalb lastete ihr ganzer Haß auf ihm.
Wie sie dazu gekommen?
Sie hatte die Sache von ftemden Leuten erzählen gehört, und daraus deutlich wahrzunehmen vermocht,