23. Jahrgang
Dienstag, den 14. Januar 1896.
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mit Untrrhaltnnsv-KeUage „Kterne und glumen“.________________
und Baftellfteld in Fulda und auswärts 1 Mark #0 Wenrrty äf., bei Mederhokunge» cn^prechenüer Rabatt.
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_nr-„ nfttnhtptt fiihrtp Die Entstebuna und Aus» Englands Weltmacht beruht zwe 1 leiioS ns
1 land nicht so reich und darum auch nie so mächtig
schon aus dem Predigtstuhle und seine Stimme schallte über die Gemeinde hin. Leise drückte der Müller die Thüre auf und zwängte stch durch, um keine Störung zu verursachen. Wie er die Rechte in den neben der Thüre hängenden Weihbrunnenkrssel tauchte und sich besprengte, fiel ihm ein, daß am vergangenen Sonn- tage der Pfarrer in der Predigt gesagt, dar Besprengen an der Kirchenthüre bedeute, daß der Mensch remen Herzens zu Gott hintreten und ihn frei von Haß und dösen Werken anbeten solle. Ein Schauer überlief ihn. da die kalten Wafiertropfen in sein Gesicht fielen Er redete von den guten Werken und den bösen Thaten.
Dem Müller war'r, als bezöge sich jeder Wort der Predigt auf ihn und fein Tyun, und er getraute sich kaum aufzuschauen, aus Furcht, er möge einem
nehmen, um alle diese Schifie zu bemannen? Schon jetzt gelingt eS den Engländern nicht, die volle, etatsmäß-gr Besatzung aller ihrer Schiffe zu erreichen; wo soll da erst die Mannschaft für die neuen Sch-ffe Herkommen? Mit Geld kann man ja vieles, aber doch nicht aller durchsetzen.
Danach begreift sich die nervöse Aufregung, die sich der englischen Presse auch jetzt wieder bemächtigt hat: Unter dem wildem Säbelraffeln verbirgt sich die bleiche Sorge und dir blasse Furcht um Englands Weltmacht.
Jetzt geht seine Mühl wieder/ muthmaßte diese.
Sepp »kam zu keinem Gebete. Wie er nur anfangen wollte, fiel ihm der Stegmüller und die Zwiesprach auf dem Wege ein und aller andern wäre et eher Ma gewesen, denn einer schlichten andächtigen GrbeteS. Er faltete die Hände und sah dem Pfarrer zu 6et seinen Handlungen am Altäre, dabei sann und dachte er an die gezahlte Schuld und den verloren gegang nen Empfangsschein. Als der Gottesdienst zu Ende war, bekreuzte et sich und ging als einer der Ersten hinaus.
„Kaufst Dir nicht ftührr eine Maß, khe Du heim- gehst?" fragte ihn der Nachbar Lenz.
„Ich hab' keinen Durst," lehnte Sepp ab, und machte sich auf den Heimweg.
Kaum war er noch eine Viertelstunde gegangen, holte ihn der MooSbauer ein. Der hatte sich vorge- nommen, aus den Schulden heraurzukommen, in die er den Hof durch Trinken und Spielen gestürzt.
Die Fässer vor der Schänken HauSthüre halten ihn gelockt. Bekannte hatten ihn überreden wollen, mitzu» kommen und seine Zunge war heiß und trocken ge- worden. Aber er hatte gesiegt über all' dir Lockungen und über sich selbst - dar erste Mal!
„WaS siehst denn gar so verzagt drein? redete er später den Sepp an. „Da schau' nicht einmal ich so finster wie Du, und ich . . . mir könnt' eS Keiner verargen."
Sinnend und Ränke schmiedend schritt er am Rande der Landstraße dahin. Zeitweise war eS ihm, als hörte er sein Weid sagen: „Thu' eS nichts Müller eS ist unrechte Sach'." Ein unerklärlick Etwas schlich ihm von Weitem um'S Herz herum. Er wußte nicht recht, war eS Reue oder Furcht. Ungefähr dasselbe hatte ihn angegangen, als er die erste doppelte Mauth genommen. Aber das war schon lange, lange Jahre her.
„Dummheiten dar," brummte er in stch hinein. „Ich kann nimmer anders. Und das Recht, wie eS geschrieben steht und bei den Gerichten gehandhabt
Handelsgesellschaft gegen ein geordnetes Staats- j wesen — das war doch sicherlich noch nicht dagewesen, ' ein Fall, der den Rabbi Ben Akiba Lügen strafte! -
In der That bietet auch die englische Geschichte - nichts, war diesem Vorgänge vollkommen ähnlich wäre; aber eine annähernde Ähnlichkeit ist dennoch gegeben in den Kämpfen und Kriegen, welche
Um getilgte Schuld Erzählung von Anton Schott.
(13. Fortsetzung.)
Deutsches Reich.
Berlin, 13. Januür
* Der Kaiser und die Kaiserin wohnten am Sonntag Vormittag dem Gottesdienste in der Gnadenkirche bei. Zurückgekehrt nach dem königlichen Schlöffe, gewährte der Kaiser dem Hofphotographen Schaarwächier in der Bildergallerie des Schlosses eine Reihe von Aufnahmen. Nachmittags unternahmen der Kaiser und die Kaiserin eine gemeinsame Spazierfahrt. Heute früh unternahmen der Kaiser und die Kaiserin einen gemeinsame« Spaziergang im Thiergarten. Zurück- gekehrt ins königliche Schloß, empfing der Käfter den Staatssekretär Dr. v. Bötticher, arbeitete darnach auf längere Zeit mit dem Wirklichen Geheimen Rath Dr. v. LucanuS und hörte dann die Marinevorträge. — Der Kaiser hat dem Geh. Kommerzienrath Grbsone in Danzig, der dem Gebote seiner Pflicht folgmd, als AufsichtSrath der Aktiengesellschaft „Weichsel" den eigenen Sohn zur Anzeige brachte, weil dieser durch betrügerische Machenschaften die Gesellschaft schädigte, in denselben Tagen den Rothen Adlerorden verliehen, als der junge Gibsone zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt wurde. . .
* Die Feier am achtzehnten Januar tm König- ließen Schlosse zu Berlin wird Vormittags 10 Uhr durch Gottesdienst in bei Kapelle des Königlichen Schlosses und in der St. HedwigSkirche eingeleitet. Dem Gottesdienste in der Schloßkapelle wohnen der Kaiser und die Kaiserin und die Mitglieder des kaiser- ließen Hauses bei. Nach beendigtem Gottesdienste tft die Versammlung im Weißen Saale. Die Reichstags- Mitglieder stellen sich dem Throne gegenüber auf, die Generalität an der Kapellenseite, die Minister und die sonst eingeladenen Personen gegenüber an der Fenster- feite, der BundeSrath links vom Throne. Dre Kaisenn Auguste Viktoria, die Kaiserin Friedrich, die Prinzessinnen deS Kgl. HauseS und die Fürst!. Damen nehmen die Tribüne auf der Kapellenseite em. Sobald die Versammlung im Weißen Saale geordnet ist, macht der Reichskanzler dem Kaiser davon Meldung. Der Kaiser begibt sich alsdann unter großem Vortritt nach dem Weißen Saale, wobei die Ordnung folgende ist: die Schloß-Garde-Kompagnie, die Fahnen und Sta- barten, welche zur Feierlichkeit Allerhöchst befohlen
bisher für England gefpielt hat und — mehr lange spielen wird. ,
Wie die ostindische Kompagnie, so gehen auch die englischen Kolonialgesellschaften in Afrika gegen die Eingeborenen und gegen ihre europäischen Kon- kurrenten, ohne wählerisch in ihren Mitteln zu sem, vor; mit List und Gewalt wird die Eroberung und Ausbeutung aftikanischer Reiche auf Aktien be- trieben. Die Regierung deS Mutterlandes findet es bequemer, sich im Hintergründe zu halten, um der Verantwortung für die oft sehr angreifbaren Thaten der Gesellschaften enthoben zu sein und dabei doch davon mitzuprofitiren. Trotzdem gibt es wenige Engländer, die niLt durchaus die Sache dieser Handelsgesellschaften mit der Sache Englands gleichsetzten. Daher auch jetzt wieder daS verrätherische Zetergeschrei über daS Telegramm deS deutschen Kaisers, daS sich doch keineswegs gegen England, sondern allein gegen den Uebergriff der südafrikanische Gesellschaft richtete.
England muß aber auch in diesem Falle wieder die Erfahrung machen, daß dem Vorrheile, der m der geringeren Verantwortlichkeit des Mutterlandes für die Handlungsweife der Kolonialgefellschasten be- steht, auch schwerwiegende Nacht heile gegenüber» stehen, ja daß daS Mutterland sich auch keineswegs immer der Verantwortung für daS Vorgehen der Ge-
intereffen in Gegensatz gerathen ist. Die weitaus größte Gefahr aber besteht dann, daß Englands ganze politische und wirthfchastliche Maschinerie ganz auf seinem Kolonialbesitze beruht, so vollständig, daß eS völlig r uinir t wäre, wenn es seine größeren Kolonien verlöre. England hat ja in erster Linie gerade wegen der Bedürfnisse seiner Kolonien seiner Industrie eine solche Ausdehnung gegeben, stch so sehr zum Jndustrie- staate gemacht, daß eS der Industrie alles andere, vor Allem seine Landwirthschaft opferte. England ist darum in einem Kriege auf die Getteideausfuhr aus dem AuSlande fo abfolut angewiesen, daß es ohne dieselbe verhungern müßte. Und waS soll aus diesem deS Getreidebaues entwöhnten Volke werden, wenn auch seiner Industrie durch den Verlust der Kolonien in Verbindung mit der wachsenden Konkurrenz Deutschlands und Amerikas die Lebensader unterbunden würde?
Die Engländer wissen selbst sehr wohl, wie gefährdet ihre Weltstellung ist. Daher auch der nervöse Eifer, mit dem sie immer neue, stets größere Kriegsschiffe bauen. Die Flotte ist ja ihre einzige Hoffnung für die Erhaltung ihrer Kolonialmacht, den Schutz ihres Handels und die Zufuhr der Brodfrucht. Aber in demselben Maße, in dem sie ihre Flotte vermehren, erwächst ihnen eine neue Sorge: woher die Menschen
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Als er zur Kirchenthüre kam, stand der Pfarrer - andern zu.
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[§] Englands Weltstellung. - völlig unabhängig von der Centtalregierung in London,
Der Freibeuterzug der englischen südaftikanischen - sondern unterstehen der Aufsicht derselben. Die Re»
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WH hi» erfte Melduna von jenem unverschämten Rechts- ' selben sich überhaupt als unfäyig eiwelsen, die ihnen Meisten die diese seltscme Kunde vernahmen, starr « eigene Verwaltung an deren Stelle $u ttfcen. @rgtmt6 »°.tt°M«: -m.ta'st-- «»griff*., feit«« «ta | tm
pagnie, deren ungeheures Gebiet, nachdem sie den Mißbrauch ihrer Privilegien, die Unterdrückung und Äurlaagung deS indischen Volkes gar zu arg getrieben, nach dem Aufstande d-S indischen Heeres (der Scapoys) im I. 1858 endlich von England selbst übernommen trutbe; so war dB auch bei der brit sch-ostasrikanischen