Einzelbild herunterladen
 

23. Jahrgang

Montag, den 13. Januar 1896.

uldaerMZeitiinft

mit Uutrrhaltrrrrgs-Seitage „Ktrrme und Flumen".

> Key*, aab Sturt«« MUgeaeutuua. — «ictteljllhrücher 86o»«emte-t»pteii ohne Bnvgerilchn nab Bestellgeld W Fulda *» auswärts 1 Mark 60 gafftet« Wen bie e«ch>Äg» Gmmwudzeile ob« der« Rmm 16 Pf., Reklamen die PEzeue 85 Pf., bei Wiedechslrmg« enHprechrrrder Sa Sait.

? Der Reichstag und die landwirth- schastlichen Fragen.

Die wichtigeren Vorlagen, welche in der begonne­nen Session den Reichstag beschäftigen werden, sind: das Börsengesetz, daS Margarinegesetz und die Abänderung der Zuckersteuer. Davon sind die elfteren beiden in der abgelauferen Woche zur Be- rathung gekommen.

Als Redner des CentrumS war für daS Börsen­gesetz Herr Fritzen-Düffeldorf, für daS Margarine- ges tz Herr Dr. B a ch e m-Crefeld bestimmt worden. Beide betonten in ihren Ausführungen die Wichtigkeit dieser Fragen für die landwirthschcstliche Erzeugung. Ins- besondere führte Abg. Dr. Bachem aus, welche Rach- theile der auf die Milchwnthschaft angewiesenen länd­lichen Bevölkerung in den Hauptabsotzgebieten für Butter (den größeren Stödten) durch die Verfälschung mit Margarine entstehen und begrüßte die dagegen vorgeschlagenen Maßregeln mit Genugthuung. Er fand solche jedoch noch nicht ausreichend genug, um einen wirksamen Schutz zu gewähren und glaubte, daß man nicht blor für die Herstellung von Butter und Margarine, sondern auch für deren F e i l h a l t u n g völlig getrennte VerkaufSgr schäfte bezw. Räume ver­langen müsse und daß nach dieser Richtung das Gesetz zu ergänzen sei, um Abhilfe zu schcfftn. Auch andere Verschärfungen will er in Betracht ziehen, um der Fälschung mit Margarine ein Lude zu machen und dal urch der reinen Naturbutter wieder besseren Absatz zu schaffen.

Den Börsengesetz'Entwurf beleuchtete Abg. Fritzen gleichfalls vom Standpunkte der landwirthschastlichen Interessen aus und erklärte sich bereit, dahin zu wir- ken, daß die durch die Getreidespekulationen herbeige­führten PreiSdrückereien verhindert werden. Er er- wähnte jedoch auch, daß es noch nicht zu übersetzen sei, ob man daS Zeitverkaufs-Geschäft gerade in Rücksicht darauf, daß die Ernte und Produktion der landwirthfchastlichenErzeugniffe: Zecker, Spiritus und Getreide alljährlich innerhalb einer kurzen Zeitraumes falle, während sie doch erst allmählich im Laufe des Jahre» zum Verbrauch gelange, ganz verbieten könne. Vielleicht könne ein solches Verbot der Landwirthschast mehr Schaden als Nutzen bringen; würde jedoch der Beweis vom Gegeutheil geliefert, so würde er sich keinen Augenblick bedenken, den Terminhandel ganz abzufchajfen, denn damit wäre auch da»Differenz- Spiel endgiltig beseitigt.

Auf alle Fälle würde letzteres jedoch schon durch die Einführung des Registers und die fchärfere Auf- stcht über die Börsen bebertenb eingeschränkt werden und dadurch der Preisdruck wohl nachlaffm. Sowohl das Börsen- als das Margarinegesetz gehen jetzt an die Kommissionen, um daselbst eingehend geprüft und so rasch al» möglich fertig gestellt zu werden. DaS

Um getilgte Schuld.

Erzählung von Anton Schott.

(12. Fortsetzung.)

.Da» hätte ich mir vom Karl nicht gedacht, daß der so ein Stücklein anfangen könnte/ meinte Sepp nach einer Weile. „Er war doch alleweil ein recht stiller und ordentlicher Bmfche. ES mag eine schlimme Geschichte werden. Einige Jährlein, billiger wird e» nicht gehen."

.Der Karl ist'» nicht gewesen: er kann e» nicht gewesen sein. Er wird nur durch sein unvorsichtige» Reden den Verdacht auf sich geladen haben," wider­sprach Bärbel mit vor Bewegung xitternber Stimme. Daß sie aber von der Unschuld der Burschen voll überzeugt war, sagten die Worte deutlich.

.Wie weißt Du denn daS?" forschte Sejp neu­gierig.

,6t hat mir vor einiger Zeit auch erzählt, er wolle die Beiden durä hauen, weil sie seinem Vater Geld abgespielt. Ich mein', e» war denselben Tag, wie Du das erste Mal in die Mühle auf die Ster ge­gangen bist. Ich hab' ihm daS cusgerrdet und er hat e» gesagt, er werde ihnen nichts in den Weg legen. Und ich hab' es ihm angemerkt, er redet die Wahrheit."

.Derweil kann ihm längst ander» worden sein," \ redete Sepp dagegen. .Leicht hat er sich geärgert -

dritte in Betracht kommende Gesetz, da» .Zucker gesetz", ist noch nicht so weit gediehen, daß es vorgelegt werden könnte, e» sc ll jedoch im Laufe des kommenden Monats an den Reichstag gelangen.

Man ersteht au» Allem, baß unter dem Reichs­kanzler Fürst Hohenlohe ernstlich daran gedacht wird, die bestehenden Mißstände zu beseitigen und Abhilfe zu fchaffen, so weit dies überhaupt möglich ist.

Auf ein Getteide - Staat»»Monopol oder ähnliche zweifelhafte Experimente ä la Kanitz werden sich jedoch die verbündeten Regierungen ebenfo wenig wie der Reichstag einlcffen. Die Getreidepreife dürften sich auch ohnedies, wenn auch nur langsam, heben, da der überseeische Getreid-bau in Folge der nicht mehr lohnenden Preise auf den europäischen Märkten im Abnehmen begriffen ist.

<Q Das Heimstättengesetz, ii.

Selbstverständlich handelt es sich bei der Prüsimg der Heimstättenvorlage nicht darum, jede einzelne ihrer Bestimmungen auf die Wage zu legen, sondern darum, wie sie wirken wird. Zunächst springt es in'S Auge, daß die Feststellung der Maximal- Md Minimalgröße der Heimstätte den Zweckhm, einen kleinbäuerlichen Stand in möglichst großer Ausdehnung zu schrffen und auch für die übrigen ArbeitSzweige eine ansässige Arbeiterbevölkerung heranzuziehen. Die Begrenzung der Verschuldung, die festgesetzte Amortisation, die möglichste Unkündbar kett der Schuld, die Untheilbarkeit des zur Heimstätte erhobenen Be- sitze», die erschwerenden Maßnahmen zur Verhütung des Besitzwechsels verbürgen den Zweck des Heim­stättengesetzes, die Stetigkeit des Besitze» zu sichern und die Familie mit der liebgewordenen heimischen Scholle verwachsen zu lassen.

In erster Linie betrachten wir da» Gesetz al» eine der uöthigsten Maßregeln, um die Landflucht der Arbeiter zu verhindern. Unzweifelhaft liegt in dem Armachfen der großen Städte eine große soziale Gefahr, und deshalb muß man freudig alle Maßregeln begrüßen, die das Zuströmen der ländlichen Bevölkerung in die Städte hemmen. DaS kann nur dadurch ge­schehen, daß man ihnen auf dem Lande daS gewährt, was sie in der Stadt suchen: eine bessere Lebershaltung, die Möglichkett, .bei Fleiß und Anstrengung zu einem kleinen Grundbesitze zu gelangen." DaS vorschwebende Ziel können wir in die Worte fassen: Empor heb en der Arbeiter in den Mittelstand. DaS Heim­stättengesetz verfolgt alfo den Zweck, den bäuerliche» Stand zu vermehren, ihn aufzubessern und auftecht zu erhalten. Der bäuerliche Stand ist daS Rückgrat de» Staatswesen»; wer feinen Besitz sichert, dient in her- vorragendem Maße dem Wohle deS Staates. Der Bauernstand pflegt feste und solide Sitten, Frömmig- über sie. Wir wissen überhaupt noch fast gar nicht- Gewisser. Was der Bub' gefugt hat? Du weißt ja, was Kinder ost reden . . . Hast bin Schein noch allweil nicht gefunden?"

.Rein."

.Merkwürdig!" Er schüttelte den Kopf und ging hinaus, draußen zu schaffen.

Gegen Mtttag kam der Nachbar Lenz auf ein Weilchen zu ihm.

„Hch die Geschieht' mit dem Moo-bauernkarl sckon gehört?" frag er. .Eine böse Sach' das, gelt!"

.Wohl. Wenn eS so ist, wie mir der Hütbub sagte, steht eS schlimm... Wie war e» denn eigentlich? Weißt Du nichts Genaues?"

.Genaue»?" Da» weiß fast keiner. Aber wie die Leut' so reden, soll es sein: Sie waren gestern Abend» im WirthShause beisammen, einige Bursche, einige Bauern und halt auch der Gregor und der Hanne». Wär' eine Hatz' gewesen. Der hat den geneckt, ein Anderer jenen. So haben der Gregor und der Hanne» zu spielen angefangen, zu fälbeln. Sie hätten noch Einen gebraucht Md da hat der Hannes zum Moos- bauernkarl gemeint, ob er nicht auch mitspielen thät', er türmt das Ochsengelb wiebergewinnen, bas sein Vater verspielt hätte. Dem ist bei ber Stichlerei gleich die Hitze aufgegangen und er hat gedroht, er würde eS ihnen noch vom Rücken herunterhauen. Bald nachher sei er gegangen. Der Hannes muß viel gewonnen

leit und Vaterlandsliebe, er vererbt sie bei der ge- wöhrleisteten Sicherheit des Besitzes auf die kommenden Geschlechter. Die Sicherstellung bei Besitzes wirb bet Anziehungskraft ber Städte und des Lebens den Boden zum größten Theile entziehen.

Von Freisinnigen und anderen Gegnern der Prinzips de» Heimstättengesetzes wird besonders die wirthschast- liche Unfreiheit der Heimstättenbesitzer in's Treffen geführt. Diese besteht darin, daß der Besitz nur bi« zur Hälfte verschuldet sein darf. Dieser Einwurf ist bei Lichte betrachtet gegenstandslos. Zunächst hat her Besitzer volle Freiheit, ob er diese Bedingung auf sich nehmen will; er legt sich diese Fessel selbst an, in der Ueberzeugung, daß sie ihm und seinen Nachkommen zum Heile dienen wird. Dazu gehört jedenfalls ein größeres Maß moralischer Tüchtigkeit, als zu ber Freihaltung von jeder bindenden Verpflichtung, die nur zu oft auf den Wunsch hinaus läuft, ohne Rück- I' sicht auf kommende Gefchlechter zu wirthschasten. Wer die Statistik der ländlichen Verschuldung kennt und weiß, in welchen Händen der Grundbesitz ist, kann über die Phrasen von wirthschaftlicher Unfreiheit nur । lächeln. Jedenfalls können diese nicht ins Gewicht i fallen bei dem wichtigen Zweck, den landwirthschast- i lichen Stand zu erhalten und zu vermehren, ber, je I mehr er Starb, b. h. stänbig ist, um so.sicherer den l körperlich unb sittlich kräftigsten unb gestähltesten - Theil te8 Volke» liefern wirb.

Auch darf nicht außer Acht gelaffm werben, baß ? wir bahin kommen müssen, bie zur Ernährung unseres ! Volkes nöthigen Getreibemengen selbst zu erzeugen. Unter den heutigen Verhältnissen erzeugen wir selbst etwa neun Zehntel bes BebarfS. ES ist ober keine Frage, daß der Landbau in manchen Theilen des Reiches noch intensiver betrieben werden kann. Und dazu bietet bie dichtere Besiedelung deS platten Landes, der schwach bevölkerten Gegenden ein handgreifliche» Mittel.

Für die Industriearbeiter würde da» Heimstätten- gefetz die Möglichkeit bieten, aus dem Elend der WohnungSnoth herauSzukommen. ES bedarf wohl keines Nachweises, daß bie Wohnungsverhältnisse ber großstädtischen Arbeiter sehr viel zu wünschen übrig lassen. Würben in bem »eiteren Umkreise ber Groß­städte Heimstätten errichtet, in deren Besitz ein spar- samer unb fleißiger Arbeiter in kurzer Zeit gelangen könnte, so würbe in biesim Zusammenwirken von In- buftrie unb Landwirthschast die Möglichkeit einer materiellen Sicherstellung und moralischen Hebung der Arbeiterschaft ohne Frage gegeben sein.

Pater LehmkuhlS. J. äußert sich in den .Stimmen aus Maria-Laach" (1895, 3. Heft) über die Wirkung des Besetze» auf die Arbeiterschast: Der Arbeiter, der im Besitze einer solchen Heimstätte wäre, .würde mit ganz anders zufriedenem Herzen den Feierabend und bie Sonn- unb Festtage im Kreise seiner Familie zu- bringen, mit weit gesunberem Körper unb ftenbigerer

haben, unb heute früh haben sie ihn gefunben al» einen Tobten. Bei beS Rainers Kreuz foll er gelegen fein. So sagen bie Leut'. Ob eS wahr ist? Ich kann Dir'S nicht anberS sagen. Aber ben Karl haben sie in Verbucht. Der Gregor hat gesagt, er hätte sich zu ihm einmal verlauten lassen, ber Hannes müsse binnen Jahreszeit noch eine Leich' sein. Unb barauf hi» haben ihn die Landsoldaten fort heut um den halben Vormittag herum .... Ich möcht' nicht in seinen Schuhen sein."

„Ich auch nicht," versicherte Sepp. .Wie e» eine Weil' her zugeht im Thule, da» ist nimmer schön."

„Recht hast, Sepp. Arn Besten ist e», man geht gar nicht vor bie Thüre hinan». Daheim ist man doch sicher, baß einem keine Widersach' zustößt."

Er ging wieber heimwärts. Sepp arbeitete weiter. 1 Er wußte nicht, sollte er an ben verlorenen Empfaug»- l schein, an bie Entdeckung, bie er heute an seiner Schwester l gemacht, ober an bie Geschichte mit dem MooSbauern- 5 larl denken. Er konnte auch nicht autschließlich an i eine dieser Sachen denken. Wirr wallten und flogen - die Gedanken durcheinander, wie vor einiger Zeit die j gelben und braunen Blätter im Herbstwinde. Und ! bann tauchte plötzlich das Gesicht der Rose! unter dem | ©erobere auf.

Einmal erwischte er sich, daß das Handbeil sammt i der Hand, die e» geführt, lässig auf dem Hackfiocke