Mittwoch, den 8. Januar 1896. 23. Jahrgang
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mit Dlnterhattrmgs-Keilage „Sterne nud Klumen".
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lichen Groß-Grundbesitzes geworden und haben über dem Anträge Kanitz, an dem sie trotz seiner Abweisung durch den preußischen Staatsrath festhalten, und dem BimetallismuS die Fürsorge für die Arbeiter ganz, für die Handwerker größtentheils vergeßen. DaS Centrum ist in Wahrheit jetzt die einzige, wirklich sozial-reformatorische Partei in großem Stile, wie denn auch von katholischer Seite der Kampf gegen die Sozial-Revolution und für die Sozial- Reform am ernstesten, eifrigsten und erfolgreichsten geführt wird. Die Wirksamkeit des katholischen Volks- Vereins, der Arbeitervereine usw., die sozial-politischen Kurse, wie der großartige Kursus in Dortmund, die BolkS-Bureaus, die Wohlfahrts-Einrichtungen Seitens katholischer Industrieller und so manche Andere bezeugen es, daß die katholische Kirche die größte und schließlich letzte Gegnerin der Sozialdemokratie ist; und ihre Ueberwinderin wird sie auch sein nach der göttlichen Verheißung und der Erfahrung von 19 Jahr- Hunderten.
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Deutsches Reich.
Berlin, 7. Januar.
* Der Kaiser und die Kaiserin wohnten Sonntag Vormittag in der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche dem Gottesdienste bei. Hierauf empfing der Kaiser im Schlöffe den Professor Messel und den Chef des Geh. Civil- kabinets, Wirklichen Geh. Rath Dr. v. Lucanus, zum Vortrage. Nachmittags stattete der Kaiser gegen 3 Uhr dem Reichskanzler, Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, eisen längeren Besuch ab und kehtte dann mit der Kaiserin nach dem Neuen Palais zurück. Gestern Vormittag nahm der Kaiser die regelmäßigen Votträge entgegen. Mittag um 1 Uhr wurde der Staatssekretär der südafrikanischen Republik, Dr. W. I. LeydS, vom Kaiser in Audienz empfang«. Nachher unternahm der Kaiser eine kurze Pürschfahrt in den Wildpark. Heute Vormittag arbeitete der Kaiser mit dem Chef der Militärkabinet» und nahm militärische Meldungen entgegen. — In parlamentarischen Kreisen verlautet, der Kaiser habe die Absicht, die Feier am 18. Januar durch eine Thronrede zu eröffnen. — Der »Reichs- anzeigeri schreibt: Mit Rücksicht auf die bevorstehende Feier des 18. Januars im Weißen Saale des königlichen Schlosses ist in zahlreichen Fällen der Wunsch um Zulassung als Zuschauer geäußert worden. E» wird nun mitgetheilt, daß diesen Wünschen nicht wird entfprochen werden können, da nach den im Weißen Saale vorgenommenen Umbauten ein Raum zur Unterbringung von Zuschauern nicht vorhanden ist.
* Der Königliche Hof hat am SamStag für Seine Königliche Hoheit der Prinzen Friedrich Wilhelm Ludwig Alexander von Preußen die Trauer auf vier Wochen angelegt. Die Beisetzung der Leiche deS Prinzen erfolgt am SamStag.
* Mit dem Fürsten Bismarck hat der Kaiser
□ Das Jahr 1895.
v.
Auf die Arbeiten der verschiedenen Einzellandtage können wir hier nicht näher eingehen, weil unS dies zu weit abführen würde. Seiner grundsätzlichen Wichttgkeit wegen sei hier nur der im preußischen Landtage gestellte Antrag des Centrums auf Wiederherstellung der die Freiheit und Selbständigkeit der Religionsgesellschaften verbürgenden Verfassungsartikel. Der Anttag fand weder bei der Regierung noch bei den anderen Parteien Anklang, der beste Beweis, daß der Gedanke an einen neuen Kulturkampf keineswegs aufgegeben ist. Verwunderlich ist eS nur, daß auch die konservative Partei dem Anträge sich ablehnend gegenüberstellte, obwohl sie doch selbst für die evangelische „Kirche" «ne größere Selbständigkeit und Unabhängigkeit von der Staatsgewalt erstrebt. Wir können daher nicht glauben, daß die. Konservativen dauernd diese ablehnende Haltung einnehmen werden, und sind überzeugt, daß der Versassungsantrag Heereman schließlich doch angenommen werde. Jedenfalls wird der Antrag so lange wiederkehren, bis er vom Landtage wie von der Regiemng angenommen ist. Das Cent rum hat mit diesem Anträge von grundlegender Bedeutung würdig sein Jubiläumsjahr eingeleitet. Auch das Centrum feiert ja in diesem an Jubiläen so reich« Jahre sein 25jährigeS Bestehen im preußischen Landtage und bald darauf auch im derttfchen Reichstage. Es ist eine an Kämpfen, aber auch an Erfolgen und Ehren reiche Zeit, auf die unser Centrum zurückblicken stlnn. Seine alten Führer sind alle dahingeschieden — zuletzt nun auch Burkhard v. Schorlemer-Alst und August Reichensperger —, aber ihr Geist lebt in der neuen Generatton fort, in den Gewählten wie in den Wählern, die allzeit treu zusammengehalten und über vorübergehende Meinungsverschiedenheiten in Einzelheiten die großen, einigenden Zielpunkte und katholischm Grundsätze nie aus dm Augen verlieren werden.
Der übrigen Parteien haben wir schon in anderem Zusammenhänge gedacht. Nur bei dem Gegenpole des CeutrumS, der Sozialdemokratte, müssen wir hier noch einige Augenblicke verweilen. Es hat der Sozialdemokratie auch in dem vergangenen Jahre nicht an mancherlei äußeren Erfolgen gefehlt. Er ist ihr insbesondere gelungen, eS im Reichstage auf 47 Mann zu bringm, zuletzt noch durch ihren Sieg in Dortmund über die Nationalliberalm (wo sie aber hoffentlich demnächst durch das Zentrum verdrängt werden), und sie haben auch sonst durch die Ungeschicklichkeit ihrer „bürgerlichen" und obrigkeitlichen Gegner manchen billigen Triumph errungen. Ganz besonders rechnen wir dazu jene Akte polizeilich - staatsanwaltlichen „Kampfes gegen dm Umsturz", die nur dazu dienen, die Führer in dm Augen der Genossen zu Märtyrern
Um getilgte Schuld.
Erzählung von Anton Schott.
(8. Fortsetzung.)
Es war einige Tage nachher und Sonntag.
Gleich nach dem Essen machte sich Sepp an seine Schnitzarbeit. Er holte das Holz herbei und begann zu schneiden und zu stechen.
„Heul' ist Sonntag," mahnte Barberl. „Heut' sollst nichts arbeiten."
„Das ist keine Sünd'," wehrte er ab. „Es ist nur die knechtische Arbeit verboten, die Arbeit um Lohn. Was soll ich sonst anfangen? <81 wird doch besser und verdienstlicher sein, ich schnitz' da au dem Holz hemm, als wenn ich im WirthshauS säße und dort die paar Groschm verschleudette, die ich mir die Woche über verdient hab'. Meinst nicht auch?"
„Deshalb schon."
Und er arbeitete weiter. Bald aber legte er die angtfangene Arbeit weg und holte ein anderes Brett.
wollte das ChristuSbild in halber Lebensgröße schmtzen. Mit dem Bleistifte zeichnete er sich die Umrisse auf das Brett vor, aber als er damit fertig war, hobelte er sie wieder weg. Die Zeichnung war nicht nach seinem Sinne gelungen.
Er ging auf den Boden hinauf und suchte auS einer alten Truhe eine biblische Geschichte hervor, die
| zu stempeln und dadurch die Opferwilligkeit der „G> « noff en" unb ihre Anhänglichkeit zur rothen Fahne zu verstärken. Ohne diese Fehler hätte das Jahr 1895 der Sozialdemokratie leicht verhängnißvoll werden können. Denn in ihrem Innern gährte und kochte eS bedenklich. Die Gegmsätze zwischen Süd und Nord, zwischen dm agrarisch sich geberdendm Bauernfängern * ä la Bollmar und dm offenen Feinden auch der I bäuerlichen Eigmthums, zwischen den hellrothen „Stegmüllern" und dm knallrothen Bekennem revo- I lutionärer und internationaler Gesinnung sind noch in i seinem Jahre so heftig auf einander geplatzt wie im - Jahre 1895. Auf dem BreSlauer Partei- < tage kam eS zu einer äußerst scharfen Aussprache ? besonders zwischen den Urhebern und Anhängem des „Agrarpr ogramm-Entwurfs" und dessen „ziel- bewußten" Gegnem. Der Entwurf wurde, obwohl selbst Bebel und Liebknecht für ihn eintraten und die Gegner leidenschaftlich bekämpften, abgelehnt. Wenn der Parteitag in Südwest- oder Süddeutsch- I land abgehalten worden, so wäre das Ergebniß jedenfalls ein anderes gewefm.'Haben sich die bayerischen Sozialdemokraten doch sogar offen gegen den Beschluß s des Parteitages, also gegen die oberste Autorität der ? Sozialdemokratie aufgelehnt und int bayrischen Land- | tage feierlich verkündet, daß sie auch den Bauern ? helfen wollten; natürlich nicht aus Liebe zu den j Bauern, sondern nur der Bauernfängerei halber. Auf ; dem BreSlauer Parteitage kamen auch wieder die | Klagen über die hohen Gehälter der Führer und i Agitatoren, sowie mannigfache persönliche und sachliche : Streitigkeiten zum Ausbruch, wie der Streit unter dm „Genossen" in Danzig und ganz besonders der Bruderkrieg in der badischen Sozialdemokratie.
i Der Parteitag hat in dem Streite zwischen den ; Rüdt'schm und dm DreeSbach'schen für die letzteren * Partei ergriffen, indem er dm Dr. Rüdt ausschloß, \ aber die fanatischen Anhänger deS Letzteren wollen » von ihrem Häuptlinge nicht lassen und habm daher I eine von der Pattei unabhängige sozialdemokratische Vereinigung gebildet. Ohne den „Septemberkurs" wäre es wohl in BreSlau schon zu einem Krache 5 innerhalb der Sozialdemokratte gekommen. So aber S kommt diese durch die Fehler in ihrer Bekämpfung ? immer wieder über ihre inneren Schwiettgkeiten hinweg.
Dazu kommt, daß in der Sozialpolitik ein ? beklagenswerther, die Sozialdemokratie verstärkender <! Stillstand eingetreten ist. Ueberaß zeigt sich eben der Einfluß des „Königs Stumm". Das Centrum hat eS in der tiorigen Reichstagssession nicht an Anträgen und Anregungen fehlen kaffen, um die sozialpolitisch: Gesetzgebung wieder in Fluß zu bringen, \ und es ist auch in der gegenwärtigen Session wiederum in diesem Sinne tiorangegangen, aber sowohl bei der * Regier ung wie bei dm anbtren Parteien ist der sozial- i politische Eifer sehr geschwunden. Die Konservativen | find zu einer einseitigen Jnteressen-Vettretung des öft
er als Schulbub so und so oft mal durchgelesm. Dort war ein Bild des gekreuzigten Heilandes und nach dem wollte er die Zeichnung machen und bann schnitzen.
Er legte das Buch vor sich hin unb begann von Neuem bie Umrisse zu zeichnen. Sie geriethen aber | auch noch nicht nach seinem Geschmacke, aber er hobelte ! nicht mehr bie ganze Zeichnung weg. Nur bie fehler- 8 haften Stellen schabte er au8 und besserte nach.
Barberl war schon längst fort, als er mit bet i Zeichnung so Halbwegs im Seinen war unb wieder zu ■ schneiden anfing. Sie war zu einer Jugendgespielin auf SonntagSbesuch gegangen und Sepp war allein daheim.
Während des SchmtzmS und Schneidens tummelten sich feine Gedankm in der Stegmühle herum. Aber nicht bei dem Wafferrade waren sie in der Radstube, sondern bei der Rosel.
Die kannte er schon seit jeher. Sie waren mitsammen in die Schule gegangen unb hatten mitsammen
i* i gehütet. Freilich war er schon einer bet ältesten Schüler, als Rosel bas erste Mal mit Namenbuch und Schreibtafel in bie Schule kam. Aber bas änberte nichts an I ihrem guten Einvernehmen. Sie waren emanber gut, zankten und stritten mitsammen, und Rosel verhalf ihm des Oesteren zu einer Tracht Prügel. Aber daß er | sich gerächt hätte dafür? Daran war gar nicht zu ’ denken! Mit Weiberlmten sich zu streiten, fand er
unter bet Würbe eines erwachsenen Schulbubm; er taufte nur mit Seinesgleichen.
Als endlich die Schnlthüre sich hinter ihm das letzte Mal geschloffen, war eS mit der Kameradschaft schier ans. Er mußte mit seinem Vater ins Tagewerk und Sonntags scherte er sich auch nicht um kleine Schulmädchen, sondern trieb sich mit seinen Altersgenossen in Wald und Flur herum.
Und dann kamen die Soldatenjahre. Er war in der Welt draußen und lugte nach Maschinen und Getrieben aus und dachte nicht ein einziges Mal an die kleinen Mädchen im Thale, auch an die großen nicht.
Als er bann heimgekommen, war Rosel zur Jung- frau erblüht. Er wunberte sich darüber, daß sie schon so groß unb stark geworden, da sie doch bei seiner Abreise noch ein halb erwachsenes Dirnlein war. Das war aber auch das Ganze. Nicht, daß er sich darob gefreut oder geärgert hätte! WaS ging eS ihn an? Es war schon seit jeher so, daß aus den kleinen Dirnlein große, und auS diesen Weiber unb Großmütter würben.
Bei bet Musik tanzte er ab und zu ein Tänzle« mit ihr, neckte sie ein Weniges, kein anderer Gedanke war ihm je gekommen. Nicht, daß er sie lieber gehabt hätte als all' die andern, nicht umgekehrt. Sie war ihm gleichziltig wie alle.
Unb nun plötzlich, er wußte nicht, wie eS gelohnten, war sie ihm nimmer gleichgllttg unb er haßte