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4 Dienstaa, den 7. Januar 1896. 23. Jahraana

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mit AnterhaitnngsLeiiage„Sterne »ad Kiumrn"._____

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Dieselben Kreise, welche nicht genug darüber Nagen : können, daß das Präsidium in der Hand eines „Klerr- - kalen" des deutschen Reichstages unwürdig ei sind sich doch selbst der Rechte und der Wurde des Volkes ; und seiner Vertretung so wenig bewußt, daß sie srch ■ in offener wie geheimer Wühl- und Hetzarbeit gegen das allgemeineReichstags-Wahlrecht mcht genug thvn können. Fast noch mehr als das Kampfgeschrei argen den .Umsturz" beschäftigt die Verunglimpfung jenes Grundrechtes unseres Volkes die mischmaschlichr Presse und ihre Hintermänner ä la „König Stumm . Es kann danach Nicht bezweifelt werden, daß ein Reichs- tag, in welchem die ehemaligen Kartellparteien wieder die Mehrheit haben würden, alsbalv die Axt an das allgemeine gleiche Wahlrecht legen würde. Darum ist es Pflicht der Wähler, die Kartellparteien m ihrer jetzigen Ohnmacht zu erhalten. ,

Durch die augenblickliche Feindschaft zwischen den Konservativen und den Mirtelparteien dar? sich Niemand darüber täuschen lassen, daß beide Streiter sehr bald wieder einig würden, sobald sie dadurch die Mehrheit im Reichstage erlangen könnten. Auch sind gewisse konservative Kreise durch denFallHammer- siein und die Stöcker hetze in der mitttlpartettichen und offiziösen Presse doch sehr eingeschüchtert worden. Der Fall Hammerstein dürfte demnächst durch d'.e ge­richtliche Aburtheilung des betrügerischen Ex^ Chefredak­teurs der ,Kreuzzig.' seinen Abschluß finden, dagegen wird der nur nothdürftig verkleisterte Riß zwischen den Anhängern Stöcker'S und der vstelbischen Großgrund­besitzer-Gruppe innerhalb der konservativen Partei zweifel­los bald wieder aufbrechen und schließlich zur völligen Trennung der beiden Richtungen führen, wenn Nicht die Großgrundbesitzer-Gruppe eS vorzieht, Herrn Swcker keine Steine mehr in den Weg zu werfen. Der Aus­tritt des christlich-sozialen Abgeordneten Hüpeden aus der konservativen Reichstags-Fraktion konnte dieser als Mene Tekel gelten. Wenn die Veröffentlichung von Briefen aus der Hammerstein-Mappe, insbesondere des Siöcker'schen Briefes, gegen den ersten Reichskanzler den Zweck hatte, die Ausstoßung Stöcker's aus der konservativen Partei zu veranlassen, so ist dieser Zweck bis jetzt jedenfalls nicht erreicht worden, so sehr sich auch die offiziöse und Helldorffianische .Norddeutsche noch fortwährend in dieser Richtung bemühte.

So kritisch es auch in der konservativen Partei aus- fieht und so sehr einerseits die Mischmaschler, anderer­seits die Naumannianer und obendrein die „Landwirth- schasisbündler" an ihrem Bestände zerren, so wenig brauchen sich die Mittelparteiler Hoffnung zu machen, die Erbschaft der konservativen Partei demnäM antreten zu können. Denn mit ihnen geht er erst recht abwärts, wie die verschiedenen Reichstags-Ersatzwahlen deutlich bewiesen, und dabei fehlt er auch ihnen nicht

an inneren Gegensätzen, besonders in der Agrarfrage. Die nationalliberale ReichstagS-Fraktion hat zwar im Bewußtsein ihrer ohnehin geringen Mitglieder­zahl den von einem ansehnlichen Theile ihrer Partei­presse verlangten Ausschluß der Kanitzer Frhr. v. Hehl, Hosang, Graf Oriola, Schwerdtfeger abge- lehnt, der Gegensatz in dieser schwerwiegenden Frage ist damit aber nicht auS der Welt geschafft.

Von den Reichstags-Ersatzwahlen htt die Nationalliberalen ganz besonders nächst der m Wal­deck, wo der „Umsturzbekämpfer" Böttcher emem Anti­semiten unterlag, die Wahl in Dortmund geschmerzt, die ihnen in der Stichwahl an die Sozialdemokraten verloren ging. Ueber das Centrum, welches mit Recht sich geweigert hatte, den nationalliberalen Kulturkampfern Wahlhilfe zu leisten, ergoß sich die Schale ihres Zornes, aber zu ihrem großen Kummer gaben selbst offiziöse Blätter der CentrumSpreffe Recht, als diese auf die so ost schon vorgekommmen nationalllberal-sozialdemo- kratifchen Wahlbündnisse hinwies. Em süßer Trost war es ihnen, daß in dem oberschlesischen Wahlkreise P l e ß - Rybnik der osfizielle Centrums-Kandidat Frhr. von Huene dem von polnisch sprechender Seite, aber gleich­falls als Centrums-Kandidat aufgestellten Rechtsanwalt Radwanski erlag. So bedauerlich dieser Vorgang

! zweifellos war, so hat er doch gar keine Aehnlichkett mit den nationalliberalen Wahlniederlagen, denn die i Wähler des Abg Radwanrki halten fest am Centrum, ; und dieser selbst ist in die Centrums - Fraktion des Reichstages ausgenommen worden.

Wahlen haben im rergangenen Jahre auch m vielen Einzelstaaten stattgefunden. In Württemberg ist die nationalliberale Kammermehrheit völlig zertrüm­mert worden. Abgesehen von den„Privilegirten" zählen die Nationalliberalen, Mischmaschler und Konservativen zusammen nur 15 Mann, das Centrum 18, die !Demo­kraten 31, die Sozialdemokraten 2, die .Wilden 4 Mann. Das Centrum und die Demokraten find die Gewinner, und das Centrum ist in der angenehmen Lage, nach rechts wie nach links eine Mehrheit herbei­führen zu können. Weniger günstig fielen die Ersatz­wahlen in Baden auS, wo das Centrum leider zwei Sitze an die Nationalliberalen verlor, welche jetzt wieder mit 31 von 61 Mandaten, wenn auch knapp, die Mehrheit haben. Bei den nächsten Wahlen werden die katholischen Wähler diese Scharte auSzuwetzen haben.

Gräslein mehr wachsen auf dem ganzen Grunde, der dem Müller gehört, und jeder Tag soll anderes Unheil bringen. Da ist mir das Dirnlein eingefallen, und ich hab nichts verwunschen. ... ES ist besser so."

„Da schaut nur den Müller an," wunderte Bärbel. Daß er grob und ungut ist mit den armen Leuten, daSselb' wissen Alle; aber da- hätt' ich mir nicht ge- dacht von ihm . . . Und dar Dimdl wird die Rosel gewesen sein. Dies ist die Gutheit selbst, und es be- ginge EinS eine Sünd', schaute es die ungut an."

„Wahr ist'S," bestätigte Kathl. „Aber der alte Wucherer! Wie der zu dem Dimdl kommt, weiß ich nicht. Die Moni ist auch so wie er und der FerM? Der ist mir noch um vieler lieber als der Alte. Bei dem dürst der Leibhaftige Gevatter gestanden sein."

„Mein, die Rosel gerieth halt ihrer Mutter nach " sagte Bärbel. „Die war in jüngeren Jahren auch so gut. Aber daS hat sie sich abgewöhnen müssen. Die Rosel hat aber einen festen Sinn und wird sich ihre Gutheit kaum abgewöhnm lasten."

So redeten sie, derweil sie MittagSmhe hielten.

Der Sepp hielt unten in der Stegmühle Mittags­ruhe. Nach dem Esten hatte der Müller mit den als Tagwerker herbeigeholten Leuten ein kleines Gespräch über Handel und sonstige Dinge angeknüpft. Das war nicht nach der Seppen Sinn und überdies widerte ihn die süßliche Redeweise des Müllers an. Er ging hinaus

□ Das Jahr 1895 IV.

Leute auf der Welt. Aber schlimme auch, recht schlimme .... Da bin ich da unten m die Muhl hinein und hab' angesprochen um etwas Essen., Ist Dir der Müller auf mich zugefahren! Er patt eh Leut' genug zu füttern, hat er gesagt. Wenn er leoem Hergelaufenen zu ess n geben wollte, brauche er einen Maierhof. Ich soll gleich schauen, daß ich weiter tarne- Ich hab' mir eh' nichts mehr verlangt von chm, aber gesagt hab' ich: Du, Müller, schau nur dazu, daß Du allweil genug zu essen hast. Der Herrgott kann Emen über Nacht den Bettelstecken in die Hand geben . . . Wre ich dar gesagt hab', ist er auf mich losgefahren wie ein Wilder, und hat mich vor die Hausthur hmauS- geworfen. Mit dem Kopfe b,n ich auf einen Mühl­stein ausgefallen, daß ich gemeint hab', mem letztes Stündchen ist's schon. Wie ich mich wieder aufgerafft hab ist ein Dirnlein gekommen and hat mir wollen ein Stück Brod zustecken. Aber ich hab'S nicht ge­nommen. Nein, hab' ich gesagt, Dirndl' behalt nur Dein Brod, kunnt'st es einmal brauchen. Da hat es gar traurig dareiugefchaut und ist wieder mS HauS gegangen. Heroben hab' ich mich auf einen Rain niedergesetzt und hab' geflennt und gejammert, weil Eins der Herrgott gar so arm und hilflos werden läßt. Der Kopf hat gesurrt und geschmerzt von dem Falle, und ich hab' die Hand schon erhoben gehabt zum bösen Wunsche, es sollt kein Hälmlein und kem

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lQi Um getilgte Schuld.

Erzählung von Anton Schott.

(7. Fortsetzung.)

Bärbel ging in die Stube und machte sich an die Bereitung des Mittagessens. Als das Glöcklem deS MitterhofeS feine bimmelden Töne über das Thal hmsandte und die Mittagsstunde anzeigte, stand daS Essen auch schon auf dem Tische und Bärbel, die Kathl und der Hüterbub' saßen herum und ließen sich's gut schmecken.

Da kam ein Bettelweib hereingehumpelt.

„Thät' Dich recht schön bitten. Bäuerin, wenn Du mir waS zu essen gäbest. Von Mittag, war WarmeS, wenn'- sein timnt," bat eS und fing gleich zu beten an.

„Setzt Euch derweil wo nieder," mahnte Bärbel und füllte dem Weibe etwas Effeu in eine Schüssel. „So, da esset. Golt gesegne eS Euch!" Damit stellte sie die Schüssel vor das Weib hin, das sich auf der Ofenbank niedergelassen. ,

Mit einem Wolfshunger verzehrte diese daS Dar­gereichte. „Vergelt Dir'S Gott tausendmal!" dankte rs, als es fertig war. „Gelt, sitzen bleiben kann ich auch noch ein Weniger. Ich bin müd' und draußen ist'S doch schon recht herbstlich. End ein alteS Leut friert allweil."

„Wohl, wohl. Bleib nur sitzen."

„Schau, wie gut Du bist. ES giebt halt auch gute

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Januar.

* Der Kaiser arbeitete gestern Vormittag von 10 Uhr ab längere Zeit mit dem Chef des Miütär- kabinetS, General v. Hahnke, und empfing dann den Herrn v. Hanneken, welcher bekanntlich m chinesischen Diensten gestanden, zur Entgegennahme einesBe- richteS über das Verhalten der chinesischen Flotte im letzten chinesisch-japanischen Kriege. — Eme Zu-

sammenstellung der Reisen deS Kauers für 1895 ergibt, daß der Kaiser im verflossenen Jahre während 159 Tagen fern von Berlin und Potsdam weilte. Von den zum Theil sehr strapaziösen Reisen verwandte er zu Jagden in den verschiedenen Revieren 52 Tage, zu Besuchen bei den fürstlichen Höfen in Wien, Schweden, England, Oldenburg, FriedrichSruh, Weimar, Strehlen, Darmstadt und Karlsruhe 38 Tage, für Militär- und Marmebestch- ligungen, Manöver rc. 27 Tage. Der Rest wurde in verschiedenen Städten und Schlössern zugebracht.

* Zwischen dem Kaiser und dem Prinzen Friedrich Leon old soll es zu ernsten Differenzen gekommen sem. Veranlassung zu den Differenzen soll ein Unfall der Prinzessin Friedrich Leopold, einer Schwester der Kaiserin, gegeben haben, der sich am Freitag voriger Woche auf dem Griebmtzsee ereignete, wo die Prinzessin beim Schlittschuhlaufen einbrach und in große Lebensgefahr gerieth. Kurze Zeit nach diesem Ereigniß soll eine ziemlich heftige Aikemander- setzung zwischen dem Kaiser und dem Prinzen Fr ed- rich Leopold erfolgt sein, und nach einer Meldung der „Vosfischen Zeitung", welcher wir die Verant­wortung hierfür überlassen, waren die Differenzen so ernster Natur, daß der Kaiser sich zu disciplmaclschm Maßregeln veranlaßt gesehen hat. Thatsächuch soll

I Prinz Friedrich Leopold weder bei der Neujahrscour im Schloß noch bei der darauf folgenden Parole- AuSgabe int Zeughause erschienen fein. Das Fehlen des Prinzen soll bei diesen festlichen Gelegenheiten schon vielfach besprochen worden sein. Gegenwärtig bekleidet Prinz Friedrich Leopold die Stellung eines Generalmajors und Commandeurs der 4. Garde-Jn- fanterie-Brigade. Nach der Meldung eine« andern Berliner Blattes soll der Prinz von jenem Unfall dem Kaiser nicht rechtzeittg oder nicht in geeigneter Form Mittheilung gemacht haben und infolge der darüber stattgehabten AuSeinanderfetzungen dürfe der Prinz für einige Zeit feine Gemächer nicht verlafsen. Der Kaiser hat als Chef des Königlichen Hanfes über dessen sämmtliche Mitglieder Rechte, die sich ähnlich tunbgeben können wie die eines militärischen Vorge­setzten, der den ihm untergebenen Offizieren zeitweilig daS Berlaffen ihrer Wohnung verbieten kann. — In Potsdam erzählt man sich über den Conflikt allerhand tolle Geschichten. Die Stellungnahme deS Publikums ist im Allgemeinen dem Prinzen wenig günstig. Zwischen dem Letzteren und seiner Gemahlin soll eS unmittelbar nach dem Unfall auf dem Eise zu einem heftigen Austritt gekommen sein. Der Kaiserin, die bald darauf auf Schloß Glienicke einttaf, wurde der Bescheid, daß ihre Schwester sie nicht empfangen könne. Von der Kaiserin sei nun der Kaiser tele­phonisch herbeigerufen worden, der mit seinem Adju­tanten sofort vom Neuen Palais nach Potsdam hin­überritt. Das, was über die Begegnung des Kaisers , mit dem Prinzen verlautet, ist so abenteuerlich, daß