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Samstag, den 4. Januar 1896. 23. Jahrgang

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mit Untrrchaltrmgs-HeUage „Sterne und Klumen".

Erscheint täglich, Sone- aab Feiertage auSgwantmen. — Vierteljährlich« Abonuementspreis ohne Bringerlohn iwtb Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Preunig. Inserate kosten die «nspaMge Sarmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

§

I

□ Das Jahr 1895.

HI.

Mit dem Sturze des Herrn d. Köller kam eine . Krisis, die schon lange innerhalb der Regierung z bestand, endlich zum Ausbruch. Die Wiedervereinigung der beiden leitenden Staatsämter im Reiche und in * Preußen hatte nicht lange die Geschlcssenheit der , Regierung — dieses Wort im weiteren Sinne, sowohl ■ für das Reich wie für Preußen verstanden — zu . wahren vermocht. Es fehlte dem Fürsten Hohenlohe | besonders im prmßisckm Ministerium nicht an Oppo­sition, wie schon da§ Verhalten dreier preußischer । Minister bei der Umsturzvorlage zeigte. Dir Minister z Schönstedt und v. Bronsart sehen wir dann später s wieder iu Uebereinstimmung mit dem Fürsten Hohen- | Lohe, aber Herr v. Köller blieb ia der Opposition, z und er verschmähte eS nicht, in seinem Kampfs gegen i ihre mißliebige Kollegen (v. Bötticher, v. Bronsart) i aus vertraulichen Belastungen des Ministeriums ein- | zelne Mitthettüngen in polemischer Form in die Presse l zu bringen und auch andere Mitte! zu gebrauchen, ) die schließlich einen völligen Bruch zwischen ihm und $ seinen übrigen Kollegen herbeiführen mußten.

Es gab allerdings auch sachliche Meinungsver- । schiedenheiten, besonders in Sachen der Militärprozeß, s reform, die Köller lebhast bekämpfte, aber die Haupt- « fache waren doch seine persönlichen Wühlereien i gegen einzelne Kollegen. Offenbar hat Herr v. Köller geglaubt, sich auf die Gunst des Kaisers so fest ver- ' lassen zu können, daß bei einem Krach seine Gegner, nicht aber er, aus dem Sattel fliegen würden. Darin hat er sich nun doch getäuscht, aber daß er thatsächlich beim Kaiser noch jetzt in hoher Gunst steht, ist nicht zu leugnen und wird durch die überaus huldvolle « Form seiner Entlassung bewiesen. Es hat ja auch volle achstTage gedauert, bis der Kaiser sich entschloß, aus der „vorläufigen Beurlaubung" des Herrn v. Köller eine definitive Entlassung zu machen. Danach muß man annehmen, daß der Kaiser in mancher Beziehung auf dem Köller'schen Standpunkte steht, ein Umstand, der nicht geeignet ist, den Krisengerüchten, die auch jetzt noch immer nicht verstummen wollen, ein Ende

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Hierzu eine Beilage

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zu bereiten und von Herrn v. d. Recke, dem Nach- folger Köller's, eine völlige Abkehr von der Köller'schen Politik erwarten zu lassen.

Andere Krisengerüchte enstpringen dem Gegensätze, der in Sachen der Handwerkerfrage zwischen den Ministern v. Bötticher und v. Berlepsch besteht. Der Letztere bat bekanntlich einen Plan zur zwangs­weisen Organisation der Handwerker ausgearbeitet, der allerdings noch wesentlich vom Reichstags ver­bessert werden müßte, aber doch eine Grundlage zur Verständigung bietet. Anstatt nun aber diese Vorlage alsbald an den Reichstag gelangen zu lassen, hat Herr v. Bötticher im Bundesrathe eine andere Vorlage, die erst Handwerkskammern zur Befragung der Handwerker über definitive Organisation bilden will, durchgesetzt und dann vor den Reichstag gebracht, hat hier aber bei den handwerkerfreundlichen Parteien, dem Centrum und der Rechten, eine so entschiedene Abweisung er­fahren, daß kein Zweifel daran besteht, daß die Hand­werkskammervorlage in der Kommission abgelehnt und durch die vom Centrum ausgehende Resolution, welche die schleunige Vortage des Berlepsch'schen Planes fordert, ersetzt werden wird. Aus dieser Sachlage ist denn aufs Neue das Gerücht entsprungen, daß Herr v. Bötticher zurücktreten werde; indessen hat er sich doch schon bei der Berathung seiner Handwerkskammer- Vorlage in so entsagungsvollem Tone geäußert, daß nicht anzunehmen ist, er werde sein Schicksal mit dem seiner Vorlage verbinden.

Nachdem wir bisher schon mehrfach der Arbeiten und Beschlüsse des Reichstags gedacht habm, wollen wir jetzt zunächst seine übrigen Leistungen uns ver­gegenwärtigen. In der Session 1894/95 hat er durch die Schuld des Bundesrathe» nicht viel leisten können, weil dieser, anstatt die wirklich werthvollen Vorlagen gleich einzubrinHen, die Zeit des Reichstags fast völlig mit so bedenklichen und vergeblichen Vorlagen, wie der Umsturzvorlage und der Tabaksteuer- und der „Finanzreform"-Vorlage in Anspruch nahm. Alle diese Vorlagen sind gefallen, und das hat wenigstens die eine gute Folge gehabt, daß in diesem Winter weder eine Umsturz- noch eine Steuervorlage einge­bracht werden (die Zuckersteuerreform ausgenommen, die aber nicht fiskalischen Zwecken dient).

In diesem Winter sind dem Reichstage nützlichere Vorlagen, wie die Börsenreform, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, die Konsumvereinsvorlage, das Margarine gesetz, gemacht worden, von denen die beiden mittleren vor Weihnachten noch nebst dem Etat und der Handwerkskammervorlage die erste Lesung

(*) Der Zug des Todes 1895.

1. Aus Regentenfamilien.

Erzherzog Albrecht von Oesterreich, Oheim des Kaisers Franz Joseph, General-Inspektor der Armee, deutscher General-Feldmarschall, Sieger bei Custozza, am 18. 2. in Arco (Tirol), 77 I. — Großfürst Alexis Michajlowitsch von Rußland,der jüngste Sohn der Großfürsten Michael, am 2. 3. in San Remo, 19 I. — Ismail Pascha, 1863—79 Khedive von Egypten, am 2. 3. in Emirghian (am Bosporus), 64I. — FürstWoldemar vonLipve-Detmold, leit 1875 an der Regierung, am 20. 3. in Detmold, 71 I. — Prinzessin Friedrich von Anhalt, am 28. 7. in Dessau, 81 I. — Elisabeth, Erb- aroßherzogin von Oldenburg, eine Tochter des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, am 28. 8 in Adolfteck bei Fulda. 38J. — Ladislaus Philipp, Erzherzog vonOesterreich, Sohn des Erzherzogs Joseph, in Budapest in Folge Jagdunfalls am 6. 9., 20 I.

2. Staatsmänner und Diplomaten.

Lord Randolph Churchill, zweiter Sohn des 6. Herzogs von Marlborough, im Kabinet Salisbury erster Staatssekretär für Indien, später Schatzkanzler und Leiter des Unterhauses, zog sich 1886 ganz aus der Oeffentlichkeit zurück, am 24.1., 45 I. — Nikolaus v. Giers, seit dem Rücktritt Eortschakow's (April 1882) russischer Minister des Auswärtigen, am 26.1. in Petersburg, 75 I. — Fürst Richard Metternich, ein Sohn des bekannten Ministers, 1859—70 öster­reichischer Botschafter in Paris, am 1 3. in Wien, 66 I. — Dr. L. v. Müller, seit 1890 bayerischer Kultusminister, am 24. 3 in München, 49 I. —

Ivan Wyschnegradski, 1887—92russischerFinauz- minister, am 6. 4. in Petersburg, 65 I. — Dr. Heinrich v. Friedberg, 1876—79 Staatssekretär im Reichs­justizamt, 1879—89 preußischer Justizminister, hervor­ragender Jurist, am 2. 6. in Berlm, 82 I. — Ruiz Zorilla, Führer der spanischen Republikaner, während der provisorischen Regierung (1868—1870) und unter dem König AmadeuS (1870—1873) mehrere Male Minister, am 13. 6. in Burgos, 61 I. — Stephan Stambulow, der berühmte bulgarische Staatsmann, 1886—87 Regent, dann bis 1894 Ministerpräsident, am 18. 7. in Sofia, in Folge eines Attentats, 42 I. — Karl Schenk, schweizerischer BuudeSrath, sechsmal Bundespräsident, am 18.7. in Bem, 72 I. — Ruggero Bonghi, bekannter italienischer Politiker und Ge­lehrter, früher Profrffor der Philosophie und klassischen Pdiloloaie, Verfasser zahlreicher geschichtlicher Werke, 1874—76 Unterrichttminister, eifriger Förderer der Friedensbestrebungen, am 22. 10. in Torre del Greco, 69 I. — Jules Barthelemy Saint-Hilaire, französischer Gelehrter und Staatsmann, 1880—81 Minister des Auswärtigen, Verfasser verschiedener Werke ; über griechische und altindische Philosophie, am 24.11.

in Paris, 90 I. — Dr. Clemens Busch, deutscher I Diplomat, Gesandter in Bern, früher in Bukarest und ? Stockholm, am 25. 11. in Bern, 61 I.

3. Parlamentarier.

Pfarrer Adam HauS, seit 1886 ReichStagsabg. (Gentram), am 17. 3. in Wörth a. M., 59 I. — Rittergutsbesitzer v.Schalscha, seit 1889 Landtagsabg., früher ReichStagsabg (Centr), am 18. 3. in Frohnau, 59 I. — Rentner Scheden, seit 1873 LandtagSabg. (Centr.), am 14. 4 in Köln, 83 I. — Peter Haupt- ‘ mann, Verleger der Bonner .Deutschen Reichsztg/,

passirt und dabei im Ganzen eine freundliche Auf­nahme gefunden haben. Das Börsengesetz und das Margarinegesetz aber bedürfen noch weitgehender Ver­besserungen, ehe sie für uns annehmbar sind. Der Etat zeigt im Allgemeinen das Bestreben, mit den vorhandenen Mitteln auszukommen, veranschlagt aber wiederum die Einnahmen absichtlich zu niedrig, um einen Mehrbetrag der von den Einzelstaaten aufzu­bringenden Matrikularbeiträge über dir vom Reiche ihnen zu zahlenden Ueberweisungen herauszurechnen. Der Reichstag aber wird diese sogenannte Spannung zweifellos beseitigen. Die Etatsdebatten bildeten im Ue6rigen ein zweckloses Wortgefecht zwischen den ehe­maligen Kartellparteien und dem Bundesrathstische einerseits und den Sozialdemokraten andererseits.

Das Centrum, das fitzt auch äußerlich, durch die Besetzung des Präsidiums, die führende Partei im Reichstage ist, betheiligte sich an diesem öden Gezänke nicht. Daß das Centrum die führende Partei und im Besitze des Rerchstagspräsidiums ist, gereicht besonders den Mittelparteien zum schwersten Kummer, der nicht gemildert wird durch die Einsicht, daß sie selbst durch ihr Verhalten am 23. März das Centrum zur Uebernahme des Präsidiums geradezu gezwungen haben. Verblendet durch ihre Leidenschaft, mit der sie die Reichstagsmehrheit unter das kaudimsche Hoch einer Bismarckhuldigung zwingen wollten, warfen sie, als die Mehrheit fest blieb, ihre Aemter in der Reichs­tagsleitung nieder, zum Zeichen, daß sie mit „diesem Reichstage" nichts mehr zu thun haben wollten, und bejubelten die bekannte „Entrüstungsdepesche" des Kaisers an den Fürsten Bismarck. An Stelle des konservativen Herrn v. Levetzow wurde nunmehr Frhr. v. Buol-Berenberg, ein hervorragendes Centrums­mitglied aus Baden, zum Präsidenten, der Freisinnige Schmidt-Bingen zum ersten, der Centtumsabgeordnete Spahn zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. Und es ging auch so, und zwar sehr gut. Das Präsidium wurde vom Kaiser empfangen, Herr Frhr. v. Buol leitete mit Umsicht die Geschäfte und verstand eS auch bei der öffentlichen Repräsentation deS Reichstags, zumal bei der Nordostseekanalfeirr, die in groß­artigster Weise unter Theilnahme der Flotten fast aller seefahrenden Nattonen stattfand, den rechten Ton zu treffen. Auch Kartellblätter haben dies, wenn auch widerwillig, anerkennen müssen, und als zu Beginn der jetzigen Session das Präsidium wiedergewählt wurde, da stimmten selbst die Konservativen für Herrn v. Buol.

seit 1885 Landtagsabg. (Centr.), am 28. 5. in Bonn, 70 I. — Rentner OttenS, feit 1870 Landtagsabg. (natlib.), am 3. 6. in Eimsbüttel, 70 I. — GutSbes. Conrad, Reichstags- und Landtagsabg. (Centr.), am 15. 6. in Buchwald, 69 I. — FabiÄbes. Burghardt, Landtagsabg. (natlib.), am 3. 7. in Berlin, 67 I. — SanitätSrath Graf-Elberfeld, 2. Bizepräs. des Abge­ordnetenhauses (natlib.), am 20. 8. in Konstanz, 66 I. — LandgerichtSpräs. Kiefer, Führer der badischen Nattonaüiberalen, seit dreißig Jahren Mitglied deS badischen Landtag», früher auch ReichStagSabgeordneter, am 1. 9. in Freiburg i. B., 65 I. — LandgerichtS- rath Greiß, feit 1885 Mitglied der Reichstages, seit 1890 des Abgeordnetenhauses (Centr.), am 11. 6. in Köln, 66 I. — GutSbes. Dr. Hugo T Hani sch, seit 1893 Landtagsabg. (Centr.), am 21. 10. in Bernkastel, 42 I. — Pfarrer Neumann. ReichStagSabg. seit 1890 (elsässischer Protestler), am 31. 10. in Diedenhofen, 59 I. — MagistratSrath Biehl, Mitglied des bayer. Landtages 1884—93, auch des Reichstages (Centr.), Vorkämpfer der Zwangsinnungen und des Befähigungs­nachweises, am 13. 12. in Märchen, 50 I.

4. Ehemalige Parlamentarier.

Geistlicher Rath Müller in Berlin, 1871—93 ReichStagsabg. (Centr.), am 6. 1. in Neiße, 76 I. — GutSbes. Kersting, während mehrerer LrgiSlaturp. (bis 1893) Reichstags- und Landtagsabg. (Centr.), am 23. 1. in Lippstadt, 62 I. — Kaufmann Haanen, lange Zeit Reichstags- und LandtagSadg. (Centr.), am 18 2. in Köln, 82 I — ReichSgerichtSrarh Bähr, 1867—80 ReichStagSadg. (natlib.), am 18. 2. in Kassel, 78 I. — Dr. Friedrich Hofmann, ftüher Berliner ; Stadtschulrath und Direktor des Gymnasiums zum ' Grauen Kloster, 1873—79 fortschrittl. ReichStagsabg.,