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23. Jahrgang
Freitag, den 3. Januar 1896.
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Zweifel darüber gelassen, daß eS in erster Reihe den
des Jesuitengesetzes mit starker Mehrheit ange
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setzen, denn sowohl die Regierung wie die Konser- vativen hielten sich von diesem Bestreben der Hetzer fern. Um so beklagenswerther ist es, daß andererseits die Regierungen doch wieder so viel Angst vor dem Lärme der Kulturpauker haben, wie sowohl der Rück- zug vor ihnen in der Sch ul frage, wie die Behandlung der Jefuit en frage und das eigentliche Verhalten einzelner preußischen Minister und der Konfer- vativen bei der Umsturzvorlage in der vorigen
der Ausbeuterschaft in der Glorie des Märtyrerthums zü erscheinen und damit ihre wankenden Schlachtreihen auf'S Neue zu befestigen. Gleichwohl erhob sich im Sommer 1895 auf's Neue in der Mifchmafch-Presfe das Rufen nach Gewaltmaßregeln gegen die Sozialdemokratie, besonders als die Schmähartikel der sozialdemokratischen Presse über Kaiser Wilhelm I. und die
Kämpfe und Siege von 1870—71 den Kaiser zu seinen geharnischten Septemberreden gegen die „vaterlandslofe Rotte" der Sozialdemokratie veranlaßt hatte. Den Sozialdemokraten kam auch da- „Umsturz- geschrei" dieser Sommers sehr zu statten; denn in ihrem Schooße herrschte Uneinigkeit genug, worauf wir später noch zurückkommen werden, und die Berufung auf die ihr angedrohte Verfolgung war der Sozialdemokratie das beste Mittel, um die Einigkeit wieder leidlich und vorläufig herzustellen. Indessen verzichteten die Regierungen auf ein neues gefetzgeberisches Vorgehen und befchränkten sich auf eine schärfere Handhabung der bestehenden Gesetze. Zahllose MajestätS- beleidigungsprozeffe bezeichnen diesen „Septemberkurs", der schließlich in der von Herrn v. Köller verfügten Auflösung der fozialdemokratischenPartei- organisation in Berlin auf Grund de« Vereins- gesetzes den Gipfelpunkt erreichte. Diese Maßnahme fand aber felbst unter den Umsturzbekämpfern mifch- maschlicher Observanz keine allgemeine Zustimmung, einerseits wer! ihnen die bessere Einsicht sagte, daß es doch nicht angeht, einen Parteivorstand, VerttauenS- männer u. dgl. als „Vereine" zu behandeln, andererseits aber und ganz besonders deshalb, weil man erkannte, daß dieses Vorgehen doch nur ein Schlag ins Wasser, ja der Sozialdemokratie sogar förderlich war. Herr v. Köller wurde alsbald darauf entlaffen, aber damit ist leider nicht gesagt, daß in dem Kampfe gegen den Umsturz seine Wege verlassen und die allein richtigen Wege eingeschlagen werden.
Wenn wir im Folgenden speziell die Verhältnisse in unserem deutschen Vaterlande ins Auge fassen, so ist zunächst festzustellen, daß die Lage der katholischen Kirche in Deutschland noch die gleiche ist, wie in den letzten Jahren des BiSmarck'schen Regiments : noch immer kann höchstens von einem Waffenstillstände, nicht von einem ehrlichen Frieden gesprochen werden. Zwar hat der Reichstag in der vorigen Session
Das Jahr 1895
11.
lbrikat und nen r Ga- [2301 ;hf.
kel.
werden
auf die
,IuIdcrer Zeitung'
werden noch fortwährend angenommen.
tu Uw getilgte Schuld.
Erzählung von Anton Schott.
(5. Fortsetzung.)
Zur Thüre kam ein Mann herein. Unterfetzt und dickbauchig war er und den Hut hatte er keck auf das eine Ohr geschoben. Seine Wangen und die Nasenspitze waren fo roth wie Karfunkel, aber die Augen waren matt und glanzlos.
„Guten Abend, Stegmüller," grüßte er.
„Guten Abend auch, MooSbauer," dankte der Müller. „Geh' halt weiter und fetz' Dich wo nieder! Er rückte ihm am Tische einen Stuhl zurecht. Daneben setzte er sich hin und stopfte feine Pfeife. „Was gibt'- neue- allweil?"
„Nicht viel. Es geht allweil alles fo im Alten fort. Gar nichts hört man", redete der MooSbauer drauf und schob den Hut auf'S andere Ohr.
„Wie steht's mit dem Viehhandel?" fragte der Müller weiter. „Hast Deine zwei Ochsen schon verkauft?"
„Welche meinst', die Schimmeln oder die Hirzer*)?"
„Die Hirzer doch; die hast ja allweil hergeben wollen."
„Die... hm! Ja." Das Ja kam aber recht . kleinlaut über die Lippen des Moosbauern.
*) Roth und weiß gesprengelte Milder.
„Wie viel hast kriegt, wenn man's wissen darf?" Mir kannst eS schon sagen. Ich thu' nicht mit beim Viehhandel. Zwei ein halb?"
„Richt ganz. Zwei dreißig."
„Nun schau. Auch em schönes Geld für die Hirzer. Jetzt wirst Dir halt zwei andere taufett. WaS? Wohlfeilere gelt? Nun ja, der Mensch muß ja schauen, daß er war aufsteckt. Wofür zieht denn eins das Vieh groß, als daß ein Nutzen herauSfchaut. . . . Du, kennst meine zwei Schecken, die kleinen?"
„Ja, nein. Nur so von wettern. Ich hab' sie im Sommer einmal auf der Weide gesehen. Ich könnt mir sie aber nimmer recht vocstellen."
„Sie sind gewachsen seither; ein paar brave Oechfeln sind's. Ich gäbe Dir sie wohlfeil. Und tn einem Jahr sind sie dasfelb' werth, wie Deute zwei Hirzer. Wo- meinst, daß sie werth fern könnten? Thu' ein Bot!" , _ . „
„Was kann ich bieten? Ich kenn sie yx nicht, wich der MooSbauer au- und rückte verlegen auf dem Stuhle umher. , , .
„Geh' schau Dir sie an. Ste stehen ja unten tm Stalle und da- Anschauen kostet nichts, keinen Heller. Gefallen sie Dir, ist'» recht, fehen sie Dich ntcht an, ist'S auch nicht aus", nöthigte der Muller.
Salb gezwungen, halb neugierig besah sich der Moosbauer die Ochsen. „Was möchtest denn nachher dafür?" fragte er.
seierfaae auSoonommen. — VierteljSHAlch« AbonuementsvreiS ohne Brmgsrloh« und Bestellgeld m Fulda nnb auswärts 1 «wt 50 Wmmg. fcfcemt oder d^u Skum 15 Pf., Reklamen die P-titzeile 25 Pf, bei Wrederholung«. entfprnchender Rabatt.
ReickStagSfefsion beweis:«. n
Auch damals hat daS Geschrei der Kutturkampfer gegen die nur angeblich „klerikalisirte" Umsturzvorlage genügt, um diese Aktion der Regierung zu vereiteln. ; Die Umsturzvorlage ging ja nicht vom Centrum aus, ! sondern die Mittelparteiter haben sie durch ihr Ge- t schrei im Sommer 1894 veranlaßt, und Fürst Hohen- ■ lohe hatte es übernommen, sie im Reichstage zu vertreten, weroen war qai oer meiu^uu ui u» ..... Das Centrum ist mit den allerschwersten Bedenken an
wi-d-mm d°n antrag M «rum» auf «uf jebung ÄEteS
«eld. 105 80 104 60
99 60 105 50 104 40
99 60
105 60 102 — 101 — 102 40 102 40 104 50
83 90
98 —
86 40
100 70
66 — 101 53
103 90 104 — 104 80 100 30 101 —
10.3 80
I 92 —
89 60 84 —
16 15
20 34
4 13
20 36 Zeleihuug ibert Be : Wechfel =Sorrent
Deutsches Reich.
, Berlin, 2. Januar.
* Der Kaiser hat beim Neujahrs - Empfang der Generäle diesmal, soweit bis jetzt bekannt ist, keine politische Ansprache gehalten. In seiner Ansprache an die kommandirenden Generäle verweilte er eingehend bei der Frage der vierten Bataillone, deren Ausgestaltung ihm besonders am Herzen liege. Dann kam er auf die Kaifermanöver und theilte mit, daß auch in diefem Jahre wieder solche in größerem Stile abgehalten werden sollen; der Kaiser berührte schließlich noch verschiedene militärische Angelegenheiten von geringerer Bedeutung. — Nach der Parole-AnS- gabe besichtigte der Kaiser daS Neujahrs-Geschenk der Königl. Porzellan-Manufaktur und sprach dann den Direktor der Reichsdruckerei. Um IO1/» Uhr Abends kehrte das Kaiferpaar nach dem Neuen Palais zurück. Heute Bormittag hörte der Kaiser im Neuen Palais die regelmäßigen mllitärischen Borträge. Abends um 7 Uhr findet in der Jaspis-Galerie des Neuen PalaiS das übliche Mahl für die kommandirenden Generäle statt.
,* Die Winterfeste am Hofe sind wie folgt fest- gefetzt worden: Frettag, 17. Januar: Fest des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler; Sonnabend, 18. Januar:
„Ich mein halt so ein Hundett siebzig." „Savperlot, Du bist geschmolzen damit", fuhr der MooSbauer auf und kraute sich hinter den Ohren. Die OechSlein waren nicht mehr wetth als hundett- zwanzig Gulden. Sie waren recht klein und hager. Aber der MooSbauer hatte kein «eld, sich andere zu kaufen. Er war zum Müller'gekommen, etwelches zu borgen, und nun wollte ihm der mit Gewalt die OechS- lein verhandeln. WaS follte er thun? „Da mußt' schon ein anderer Wort reden, Stegmüller, wenn wir handeln sollen." _ „ r
„Schau Dir die Vieher an; sie sind 8 wetth, sag ich Dir," rebete der Müller darauf. „Und keinen Kreuzer Geld brauchst derweil, nicht einen, fag ich Dir."
„Ich könnt Dir sie so nicht zahlen," meinte verlegen und zugleich aufathmend der MooSbauer.
„Hast halt Schulden weggezahlt von dem Ochfen- gelde?" forschte der Stegmüller und feine grauen Äugen schillerten fast stahlblau. „Oder was machm laffen in der Witthschast? Gelt?"
Ich fag Dir's gerade weg von der Leber: verspielt hab ich eS. Der Gregor und Zuttchter Hannes haben eS. Aber ich rühr' keinen Kattenbrief mehr an. Nimmer; ich hab'- verred't."
„Auf ein Jahr, gelt!" fügte der Stegmuller mtt : leisem Spotte. „Heuer hast eh' keine Ochsen mehr zu i verkaufen ..."
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und bis jetzt auch den Winter verstreichen lassen, ohne | schäft und die schamlose „Kunst bekämpft WM w -
berubiaen. Dieses Ausweichen deS Bundesraths vor > der Linken (bezüglich des DrEs) m oieser Nkchtung einer Entscbeiduna entsvttngt lediglich der ganz UN- f einige Verbesserungen an der Vorlage anzubringen, die berechtigten Angst vor dem Evangelischen Hetz- - aber längst nicht so weit unseren Wünschen entsprechen,
-Lich« B-L«g°,u dLB-La?.?dad man non «in«
baftren und den großen Wotten auf feinen Verfarnrn- ' sprechen durfte. Dennoch hat das Geschrei über diese lungen in gar krinem Verhältnisse steht. Sweifeao« h^ge6li^^f!
nähren ia die „Bündler" in einem Theile der prote- - sowohl, wie auch die preußischen Minister v. Koller, . r.antischen Bevölkerung den zunächst auf Unkenntmß I Schönstedt und v. Bronsatt zum Frontwechsel gegen der katholischen Lehre beruhenden Haß gegen die katho- | die Vorlage zu veranlassen — Md sie gabeni dieser lische Kirche, aber die große Masse der protestantischen j veränderten Gesinnung m einer Weise Aufdruck, datz Bevölkerung steht diesem Treiben doch, ebenso wie * der wurttembttgvche Centrnmssührer Grober den allen religiösen Fragen, gleichgiltig gegenüber. Zum s Herren gegenüber ,n energischster Weife die Wütt». d-s Beweise dafür verweifen wir auf den geringen Erfolg ; Reichstages wahren mußte. Fürst Hohenlohe ließ die der aus Anlaß des Mellage-Prozef seS gegen die | Minister entsagungsvoll, gewahren "r ^em Kamst Alexianer zunächst und weiterhin gegen daS ganze i »kgen stine Vorlage! Kem Wunder' sichf für diese katholische OrdenSwesen inscenirten Hetze. Wir leugnen i schließlich kaum noch "u Abgeordneter erhob^ llnS gar nicht daß in diesem Prozeße einige in einer ein- ' war eS sehr lieb, daß diese Vorlage siel, denn auch »flnen Snftalt »oraekommenen Ausschreitungen aufae» * die vom Centrum in der Kommission dnrchgesktzten deckt worden sind; aber zu einer Verallgemeinerung ; Besserungen reichten bei Weitem nicht hm, um uns eigneten sich diese ausnahmSweisen Mißstände ebenso daS Ganze annehmbar zu machen. Kul bttlagmwaren wenig, wie die bald daraus auch in manchen anderen \ allem die Um stände und die Mittel, mtt denen — Protestant., städtischen, provinziellen und privaten — j die Vorlage zu Fall gebracht ?urde^ und üb^haM Anstalten, zuletzt im Arbeitshause zu Brauweiler auf« das Einbringen der Vorlage an sich chon Der Sozial gedeckten Mißstände. Das Einzige, waS durch den • demokratte wurde auf diese Inst zu emern bllllgm Mellage-Prozeß wieder einmal bewiesen wurde, war | Triumphe verholfen und die Möglichkelt gegeben, vor die Reformbedürfügkeit unseres ganzen JrrenwesenS s**" m bet Glorie des Mattvrerthums
und — der blinde FanattSmus gewisser protestanttschen ;
und jüdischen Kreise. Zugleich aber zeigte sich auch, . daß dieser Fanatismus Nicht wett über die altbekannten । liberal - mischmaschlichen Kulturkämpfer hinauSreicht, denen eS im preußischen Landtage aus diesem Anlässe : nicht gelang, eine KulturkampfSdebatte in Scene zu ;
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mit Nnterhatt««s»-Keilage „Sterne und Hlumrn«.