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Dienstag, den 31. Dezember 1895.

22. Jahrgang

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WlttffWZkitiiU

_______ mit Untrrhaltunss^eUage „Sterne und KLumen".

fern hält von dem politischen Kampfe für Christi Reich, der ist ein Feind Christi so gut wie der Kulturkämpfe! und der Sozialdemokrat. Auch die Lenker der Staaten sollten das bedenken und darum bei jeder Maßregel, jedem Gesetzes-Vorschläge eingedenk bleiben der Lehren und Gebote des göttlichen Meisters. Auch für sie, und für sie ganz besonders muß Christus der erste und letzte Gedanke sein; und wenn der moderne Staatsgedanke dem widerspricht, dann fort mit diesem falschen Staats­begriff!

christlichen, insbesondere bet katholischen Presse. — Und wie bet Name Jesus das Ende des alten wie

Es kann nicht immer so bleiben wie heute. Staaten werden und vergehen, alte Ordnungen und Verfassungen werden durch neue ersetzt, sei es durch Gewalt oder durch friedliche Entwickelung. Sache der Völker und der Staatenlenker ist es, dafür zu sorgen, daß der Uebergang ein friedlicher sein wird. Das ist aber nur möglich auf Grund der christlichen Gebote und Prin­zipien. Wie uns Jefus Christus von einem Jahre zum andern hinüberleitet, so muß auch er der Führer von jeder alten zu jeder neuen Ordnung sein. Er führt die Menschheit ihrem Ziele zu wie den einzelnen Menschen. Möge er uns ein gnädiger Rich­ter sein, wenn wir aus diesem in ein neues, ewiges Leben übergehen, und möge uns die Spanne Zeit, die das neue Jahr umschließt, eine Zeit rechter Vorberei­tung für das große, ewige Neujahr amEnde der Zeiten sein! In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern und Leserinnen

ein glückseliges neues Jahr!

den Anfang des neuen Jahres beherrscht, so soll er, : sein Beispiel und sein Wort, sein Leben und sein Tod, allezeit unser erster und letzter Gedanke sein. Sein Vorbild und sein Wort müssen der Prüfftein für alle unsere Bestrebungen, Entschlüsse und Handlungen werden. Das gilt nicht nur für daS private, sondern auch für das öffentliche Leben. Es ist ein bei allen Halben und Lauen sehr beliebtes Wort, daß die Politik den Charakter verdirbt; jawohl, eine Politik, die weder l bei ihren Zielen noch bei ihren Mitteln danach fragt, i ob sie mit dem göttlichen Sittengesetze und den Geboten - Jesu Christi im Einklänge steht, nicht aber eine im , Ziele wie in den Wegen wahrhaft christliche Politik. . Und ist die Unterlaffung des gebotenen Guten nicht etwa weniger unrecht, als die Begehung des verbotenen s Bös-n? Die sogen. „Unparteiischen", die Lauen und

Halben sind also gerade so gut auf falschem Wege, wie f die Vertreter einer unchristlichen Politik. Waren nicht dem Heiland ganz besonders die Lauen zuwider? „Wer

® Zum neuen Jahre.

Als der göttliche Heiland im Stalle zu Bethlehem geboten wutde, da war das Ende des Alten Bundes herangekommen, mit dem menschgewordenen Gottes­sohne war eine neue Zeit geboren, in der Gott einen Neuen Bund mit der entsühnten Menschheit schloß. So ist denn auch das hochheilige Weihnachtsfest das letzte hohe Kirchenfest des alten Jahres; ihm folgt alsbald der erste Tag des neuen Jahres im Namen desselben Jesus Christus, deffen wunderbare Geburt wir soeben gefeiert haben. So leitet uns Jesus Christus von einem Jahre zum andern hinüber.

Darin sind mannigfache Lehren enthalten, für den Einzelnen wie für die Gesammtheit eines Volkes und der Menschheit. Wie Christi Geburt vom Alten zum Neuen Bunde überleitete, so jetzt noch fort und fort in ihrem Feste von jedem alten zu jedem neuen Jahre. Erinnern wir uns also, daß in Christus der Mittler geboren wurde, der herabgekommen ist, um einen neuenBund zwischenGott und der sündigen Mensch- _______ ________________0_______

heft zu schließen! Denken auch wir daran, unfern Bund i nicht für mich ist, der ist wider mich!" Wer also sich mit dem Allmächtigen zu erneuern durch denselben Mittler, seinen eingeborenen Sohn, indem wir unsern Heiland im Gebete anrufen und in den heil. Sakra­menten uns seiner Gnadenschätze versichern. Und wenn in unserer Zeit der böse Geist Macht über die Mensch­heit und selbst über die christlichen Völker erlangt zu haben scheint, wenn die Seuche deS Unglaubens, der Hab- und Genußsucht sich immer weiter auSbreitet, wenn erscheinen möchte, als ob eine neue Scheidewand sich zwischen der Menschheit und ihrem Schöpfer er­hoben hätte: dann sollen alle Wohlgesinnten sich ver­einigen, um in ihren Volksgenossen wieder das Ver­trauen aus den göttlichen Mittler zu beleben, damit sie seine mächtige Hilfe gegen das schleichende Verderben anrufen und durch ihn mit dem König der Könige den Bund erneuern. Möge so mit seinem Beistände eine neue Zeit erstehen, nicht wie sie von sonderbaren Schwärmern erträumt und von bewußten VolkSverfüh- rern ihren armen Bethörten vorgegaukelt wird, sondern jener Friede auf Erden, der allen Gutwilligen, welche Gott ehren, in der heiligen Nacht verheißen ist. Wir dürfen überzeugt sein, daß dieses unser Sweben nicht vergeblich sein wird. Dafür bürgt uns Jesus Christus selbst und wir sehen auch bereits, wie in gleichem Schritte mit der sozialdemokratischen Verirrung auf Kosten der gleichgiltigen Masse in der Mitte der christ­liche Reform-Gedanke sich ausbreitet und immer neue Anhänger wirbt. „Jetzt," so sagte der hl. Vater in ;

einer Weihnachts-Ansprache an die Kardinale, „geschieht es durch den Rathschluß der Vorsehung, daß die Völker in Folge der Enttäuschungen, der Unglücksfälle und der i wachsenden moralischen und sozialen Gefahren wieder i erwägen und erkennen, wie thöricht es war, sich über \ das Reich Gottes hinwegzusrtzen oder gar eS zu ver- achten." Diese Erkenntmß immer weiter zu verbreiten i ist Sache der christlich denkenden Bolkskreise und der ‘

Um getilgte Schuld.

Erzählung von Anton Schott.

(3 Fortsetzung >

Ehe er auf Urlaub heimging, kaufte er sich ein gutes Messer und verschiedenes Schutz zeräthe, wie er es bei dem Manne gesehen. In der Stadt war es wohl zu hoben; bei ihm daheim im Waldthale nicht. Kaum daß er einen Tag daheim war, suchte er sich ein Stück reinweißen Lindenholzes und Hub zu schnitzen an.

Verwundert schaute sein Vater dem Gehaben zu. »Was willst daraus wachen? Hast leicht draußen in der Welt ein Getriebe gesehen, das Du jetzt im Meinen nachmachen willst?"

»Ich will einen Herrgott schnitzen."

„Einen Herrgot? . . . Bub'hast denn schon einmal gehört, daß ein Geschirrhauer einen Herrgott gemacht halt?" Und aus einem Holzklotze? Die haben doch wem Lebtag die Tischler aus Blech geschnitten und ^gestrichen. Bub', ich mein', die Welt draußen hat Dir allerlei in den Kopf gesetzt, was in unser Thal nicht hereinpaßt."

Aber der Seppl hat sich nicht irre machen lassen. Eeschmtzt und gestochen hat er, daß ihm der Schweiß aus der Stirne gestanden ist in dicken Tropfen.

Deutsches Reich.

Berlin, 30. Dezember.

* Der Kaiser wobnte Wstrn mit der Kaiserin dem ■ Gottesdienste in der FriedenSkirche bei. Heute empfing

Am zweiten Tage hat's schon etwas ähnlich ge­sehen. In fieberhafter Eile arbeitete er fort.

„Es wird wirklich ein Herrgott," meinte Bär­bel, und betrachtete das schon ziemlich ausgearbettete Holz.

Der Alte sagte nichts. Er sah dem Sepp unver­wandt zu bei seinem Schaffen.

Endlich war er fertig.

„Schau, schau, Seppl! Auch das hält' ich nicht gesucht an Dir," sagte sein Vater und schlug ihm auf die Achsel.

Der sagte nichts dazu. Er hielt die Figur vor sich hin und betrachtete sie aufmerksamen, fvrichenden Auges. Je länger er aber musterte, desto finsterer wurde sein Blick. DaS war kein Christuskörper. Ihm schwebte er als denkbar schöner Menschenleib vor mit schmerzhaft verzogenem Gesichte und doch Geduld und Ergebung darauf. Das Holz, daS er in der Hand hielt, war kein Christuskörper. So einen Körper hatte nicht einmal der ungestaltetste Men,ch, und von einem Ausdrucke im Gesichte war gar nicht die Rede. Es war eine Fratze.

Mit wuchtigem Griffe brach er das Holz entzwei und steckte die Stücke in den Ofen.

„Seppl, Seppl? Was hast Du gethan?" fuhr bet Alte auf. „Das Bilb bes Herrgottes hast Du zer-

der Kaiser beit Chef bei CivilkabimtS v. Lukanus und nahm darauf die üblichen Vorträge entgegen.

* Das Staatsministerium trat heute Nachmittag 2 Uhr in feinem Dienstgebäudr am Leipziger Platz unter dem Vorsitz seine- Bicepräsidenten Herrn von Bötticher zu einer Sitzung zusammen. In dieser Sitzung dürften, wie herkömmlich, von den verschiedenen Ressorts die in Aussicht genommenen Beförderungen, Auszeichnungen, Ordensdekorationen rc. in Vorschlag gebracht und über die Liste Beschluß gefaßt worden sein, welche alljährlich Sr. Majestät bei Schluß des Jahres zu unterbretten ist.

* In der Angelegenheit des Ceremonienmeisters v. Kotze theilt die ,Kreuzztg.' „auf Grund zuverlässiger Informationen" mit, daß das bisherige Verfahren mit der endgiltigen Entscheidung abgeschlossen hat, daß ein neues ehrengerichtlichesVerfahren einzuleiten sei, welches sich gleichzeitig auf das Verhalten deS Ceremonienmeisters v. Schraders in dieser Angelegen­heit erstrecken wird! Das neu einzuleitende ehren­gerichtliche Verfahren soll bei einem in Hannover garntsonirenden Regiment stattfinden.

* Die Verhaftung des Fehrn. v. Hammersteiu bildet das politische Tagesgespräch. Die sich anscheinend widersprechenden Meldungen, nach denen die Ver­haftung zuerst in Athen und dann später in Brindisi erfolgt sein soll, sind leicht erklärlich. Da Griechenland mit Deutschland keinen Auslieferungsvertrag für Ver­breche abgeschlossen hat, konnte die Verhaftung dort nicht erfolgen, und man griff daher zu dem Auskunsts- mittel, den Freiherrn dort auszuweisen, um ihn nachher zu verhaften. Anfangs hieß es, v. Hammerstein fei als „Anarchist" ausgewiesen worden; viel wahr­scheinlicher ist folgende Darstellung Berliner Blätter: Freiherr v. Hammerstein hielt sich schon längere Zett (seit 12. Oktober) verkleidet unter dem Namen Wrlhelr t Herbert in Athen auf und gab sich für einen Zeitung « korrefpondenten aus. Als solcher beging er. die Unvo - sichtigkeit, „sehr beleidigende Artikel gegen Griechenland in den Münchener Neuesten Nach­richten' zu veröffentlichen". Das konnte freilich al- Grund oder wenigstens als Vorwand für die griechis^e Regierung gelten, ihn als „lästig" auSzuweisen- Noch unvorsichtiger war es vom Frhrn. v. Hammerstein, wenn er wirklich gewagt haben sollte, den deutschen General­konsul, Geheimrath Lüders zu besuchen. Dieser soll ihn kurz darauf aus einer Berliner Photographie er­kannt und feine Verhaftung bezw. Ausweisung Bei der griechischen Regierung angeordnet haben. Die deutsche Regierung soll der griechischen herzlichen Dank aus­gesprochen haben. Herr v. Hammerstein wurde, nach­dem er von der griechischen Polizei auf den Dampfer „Peloro", der die Verbindung von Athen nach Brindisi vermittelt, abgeschoben war, an Bord von dem Polizei- kommisfar Wolff überwacht, bis das Schiff in Brindisi anlangte, wo Herr v. Hammerstein durch den schon von der italienischen Regierung mit Anweisung ver­sehenen Unterpräfekten mit Hilfe zweier Polizeibeamten

brochen und in den Ofen gesteckt. Bub', Du bist schier der leibhaftige Antichrist! Bub' . . . Bub'! Ich weiß nicht, waS ich sagen soll zu solchem Thun. Wenn Dich die Welt schon io verdorben hat, fürchtest Du Dich denn nicht einmal vor der Strafe, die eine solche That nach sich ziehen muß? . . . Bub' . . . Bub', ... mit Dir ist'S rein aus der Art." Sv zankte und jammerte sein Vater, und Barberl ging zitternd zum Ofen, die Stücke zu retten. Aber die brannten schon lichterloh.

Sepp sagte nichts darauf. Vom Schüsfelkorb her­unter yahm er ein Stück Kreide und zeichnete mit einigen kräfttgen Strichen einen Mann auf der Tisch­platte, wie ihn die Schulbuben auf ihre Schreibtafel zeichnen.

„Ist das Euer Bild?" fragte er seinen Vater und wies auf den Mann.

„Wozu die Frag'?"

„Ist'S Euer Bild? Ja ober nein."

„Nein."

„Warum nicht?"

„Weil es mir gar nicht gleich sieht. So schau ich' boch nicht aus. Der könnt' der Runwuzel sein."

„Also, weil Euch bas Bilb nicht gleich sieht, ist'- nicht bas Eure," sagte ber Sepp ruhigen Tones. „Meint Ihr, ber Herrgott soll so auöschauen, wie das Holz,