alle derartigen Käufe von Klostergenossenfchasten als an gilt i g erklärt werden und die betreffenden Kaufsobjekte dem Staate anheimfallen sollen!
* Konstantinopel, 28. Dez. Allgemeine Entrüstung herrscht hier bei allen Ausländern über die großen Grausamkeiten, die von den Türken gegen armenische Gefangene verübt werden. Diese werden in Stambul eingeschifft und Niemand weiß, wohin sie geführt werden. Es kam bisher noch keine einzige Nachricht, daß diese Gefangenen in irgend eint m Hafen gelandet wären. Bei den anatolischen Metzeleien wurde jeder Nichtmuselmann niedergemacht. Die tückschen Behörden haben keine einzige Beschwerde der Europäer auch nur untersucht, geschweige die Mißstände abgestellt. Nachdem Zeitun gefallen ist, dürften schreckliche Grausamkeiten der Türken zu erwarten sein. „Ordnung herstellen" heißt auf türkisch nichts Anderes, als einen „Kirchhofsftieden" schaffen.
*Aokohama,28.Dez. HeutewurdedaSjapanische Parlament eröffnet. Die Thronrede spricht die Freude des Kaisers über die ruhmreiche Beendigung des Krieges mit China aus und erklärt, daß die Ordnung in Formosa wieder hergestellt ist, sowie daß die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten sich intimer gestalten. Ferner betont die Thronrede den hervorragenden Kulturfortschritt des Reiches; dieses habe jedoch noch eine große und schwierige Aufgabe vor sich. Schließlich werden Vorlagen zur Vermehrung der Ber- theidigungSwerke des Landes angekündigt.
Aus Kirche und Schule.
* Köln, 29. Dez. Die .Köln. Volkszeitung' regt dm Gedanken an, wie Windthorst sein Denkmal in einer LudwigSkirche erhielt, möge zur Erinnerung an dm hochseligen Kardinal Paulus Melchers eine PauluSkirche für den Osten Berlins gebaut werden. Die Kölner Erzdiözese wurde sicherlich den Hauptbetrag dazu aufbringen.
* Rom, 28. Dez. Der hl. Vater hat die Sonntage 12. und 19. Januar des kommenden JahreS bestimmt, um die Zeremonien der Seligsprechung zweier ehrwürdigen Personen vorzunehmen. ES sind ein Mitglied der Gesellschaft Jesu, Realini, und ein Mitglied des FranziSkanerocdens, Theophile de Corte. Die (Zeremonien werden in feierlicher Weise Natt finden und zwar in dem großen Saale über dem Porra! der Peterskirche.
Lokales.
Fulda, 31. Dezember.
± Den Bewohnern des Lioba-Siechmhauses, die auch bei Lichterbaum und Krippe ihrer Christ- bescheerung alljährlich froh werden, wurde am heurigen GeburtSfeste der Herrn eine ganz besonders herzliche Weihnachtsfreude Bereitet. Denn das liebe Christkind selber war es, das unter ihnen seinen Einzug hielt, indem nämlich ein von einer angesehenen hiesigen Familie als Votivgeschenk dargebrachtes „Prager Jesuskind lein" in der im lieblichsten Blumenschmuck prangenden Siechenhauskapelle am zweiten Weihnachtsfeiertage seine kirchliche Weihe und Aufstellung erhielt. In Angst und Bedrängniß war diese Gabe gelobt worden: am Schmerzenslager eines tödtlich erkrankten Kindes, für dar von menschlicher Seite keine Hilfe mehr zu erhoffen war. Da wandten sich die Angehörigen voller Vertrauen an das göttliche Kind, in einer neuntägigen Andacht sein Erbarmen anstehend, und siehe — dieses Gebet wurde erhört. Gar rührend und ergreifend wirkte er, die nun wieder ganz gesunde Kleine frisch und blühend, im weißen Kleidchen, mit einem Kränzlein im Haar und der brmnenden Kerze im Händchen die Weihegabe darbringen zu sehen, und tiefer wie sonst empfand man dabei, daß man, um daS Jesuskindleiu mit rechtem Herzen anzubeten, vor ihm selber wieder zum Kinde werden muß. Der hochw. P. Max vom Kloster Frauenberg erzählte zunächst die Geschichte jenes altberühmten Gnadenbildes, das vor mehr als dreihundert Jahren eine fromme Fürstin dem Karmeliterkonvente zu Prag in schweren Zeitläuften geschenkt und an daS sich seitdem zahllose wunderbare Gebetserhörungen knüpften. Von dieser Prager JesuS- statue ist die hier gestiftete ein ganz getreues Abbild, m>d ist sie auch an jene angerührt worden. Nachdem die kirchliche Weihe vollzogen war, wurde das Bildwerk neben dem Altäre in ein schönes Gehäuse auf» ^stellt und sodann vor ausgesetztem hochwürdigen Gute eine Andacht zum göttlichen Kinde gehalten; jubelnd erklangen dabei aus allen Kehlen die alten schönen WechnachtSlieder, welche das neugeborene Jesuskind so üwrm und herzinnig grüßen. — Und so ist denn die ichone Kapelle des Lwda-SiechenhauseS wieder um eine oter, und zwar um eine sehr kostbare, reicher geworden; , _toaren doch den Spendern nur die edelsten und Vesten Stoffe gut genug zu ihrer Weihegabe; und wie 01 j. c- bret Könige auch Gold dar brachten, so würbe auch hirx dar Bild der Jesukindleins mit einem edelste mfunkelnden Krönlem von lauterem (Selbe geziert, bad jperr Domgoldschmied Rauscher mit bekannter Meisterschaft angefertigt. Auch dienen hie herrlichsten, mtt reicher Goldstickerei versehenen Seidenstoff- (aus Lyon beschafft) zur Gewandung für den Wettenkönig
in KindeSgestalt, der nun mit der segnend erhobenen Rechten an der Heimstätte menschlichen Elends thront. Möge das Gnadenbild dem Lioba-SiechenhauS und seinen armen Bewohnern den reichsten Segen bringen; möge eS aber auch in vielen anderen gläubigen Christenherzen die Liebe zum göttlichen Kinde heißer entflammen, damit alle, die dasselbe im Geist und in der Wahrheit demüthig anbeten, dann auch in Roth und Bedrängniß immer seine machtvolle Hilfe erfahren!
5^ Zur Besprechung der Festfeter zur Erinnerung an die Neuerrichtung des deutschen Reiches hatten sich am Sonntag auf eine Einladung des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Antoni hin die Vertreter von etwa 30 hiesigen Vereinen in der „Harmonie" versammelt. Nachdem der Herr Oberbürgermeister die vom Stadttath vorläufig entworfene Fest- ordnung vorgetragen, wurden die einzelnen Punkte zur Diskussion gestellt und nach eingehender Berathung wie folgt beschlossen: Am 18. Januar findet Abends 5 Uhr in der städtischen Turnhalle eine Festversammlung statt, in welcher der Herr Oberbürgermeister die Festrede halten wird. Nach dieser Rede werden die sämmtlichen hiesigen Gesangvereine und Gesang- abtheilungen gemeinschaftlich ein patriotisches Lied fingen, worauf daun noch eine weitere Ansprache folgen soll. Gleich nach dieser Versammlung, um 6 Ühr, wird vom Viehmarkt aus ein Fackelzug sich zunächst nach dem Kriegerdenkmale und dann durch die'Straßen der Stadt bewegen. Die Fackeln sowie die Musik werden auf Kosten der Stadt gestellt. Gleichzeitig soll eine allgemeine Illumination der Häuser veranstaltet werden. Bon 8 Uhr ab halten dann die einzelnen Vereine in ihren Lokalen Festcommerse ab, da leider zu einem allgemeinen Commerse kein genügend großer Saal in der Stadt Fulda vorhanden ist.
□ Der Kathol. Kaufm. Verein veranstaltete gestern Abeno im großen Saale der „Harmonie" eine Weihnachtsfeier, an welcher sich außer den Mitgliedern und der LchrüngS - Abtheilung des Vereins auch eine größere Anzahl von Ehrenmitgliedern beteiligten. Der Präses des Vereins, Herr Domkapitular Breitung, legte in der Festrede Die hohe Bedeutung des Weihnachtsfestes dar und wies dann darauf hin, wie schön und herrlich im Mittelatter die Dichter und Sänger, speziell die proven^alischen Dichter, das Geburtsfest des Welterlösers besungen haben. Der übrige Theil des Abends wurde durch Musikpiöcen auf dem Klavier und durch Vorträge von Gesängen für Männer- und Knabenchor aus dem „Heliand" von Müller in schönster Weise ausgefüllt. Den Schluß bildete eine Verloosung, bei welcher Jeder einen Gewinn davontrug. Nach dec offiziellen Feier wurde die Lehrling? - Abtheilung entlassen, während die Uebrigen sich noch zu einer gemütlichen Sitzung zusammenschlofsen, deren Verlauf sich in würdiger Weise der Hauptfeier anreihte.
X Die katholische Männer-Gesellschaft M. N. leiert am 6. Januar ihr Stiftungsfest iu üblicher Weise. Morgens 9 Uhr findet Festgottesdienst auf dem Frauenberge statt und Abends 6 Uhr Festessen im Vereinslokale. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, baß bei ber jüngst vorgenommenen Neuwahl beS Vor- staubes Herr Dr. Raabe zum Vorsitzeuben unb Herr Gymuasial-ReligionSlehrer Dr. Frye zum stellver- tretenben Vorsitzeuben bei Gesellschaft gewählt worden sind.
cP Am 27. und 28. Dezember fanden zu Fulda und Bedra die angekändigten Versammlungen der Landwirthe statt, zwecks Feststellung, welche Rübenmengen für 1896 zur Verfügung stehen würden, falls die Zuckerfabrik zu Hünfeld wieder in Betrieb gesetzt werden würde. Das Resultat war ein sehr klägliches, indem von den erschienenen Landwirten deS Kreises Fulda nur 414 Morgen Rübenanbau zugesagt worden sind. Als Mindestbetrag waren 2000 Morgen in Aussicht genommen, deren Erträgniß gerade hinreichen würde, um bei dem gebotenen Rübenpreise, dem absehbaren Preisstande deS Zuckers und denkbar billigsten Erwerbspreise der Fabrik, in einer kurzen Campagne mit sparsamstem Betriebe ohne größeren Schaden zu arbeiten, als wenn die Fabrik im Jahre 1896 gar nicht in Betrieb tarne. Zunächst werden nun die in den Versammlungen nicht erschienenen Landwirthe durch Rübenwerber persönlich aufgesucht und zur Betheiligung am Rübenanbau ausgefordert werden. Sollte es bis Anfang Februar nicht gelingen, Abschlüsse auf Rüben- lieferungen in erforderlicher Höhe zu erzielen, so wird von einer 1896er Campagne überhaupt Abstand genommen werben müssen. Dar Konsortium, \ welches auf den Ankauf der Fabrik vorberestet ist und l die erforderlichen Geldmittel für den Bettieb gesichert » hat, ebenso wie tüchtige Kräfte für die Leitung, wird ’ sich dann, falls eS die Fabrik nicht alsbald in andere s Hände gehen läßt, darüber zu entscheiden haben, ob ; es im nächsten Jahre seine Bemühungen erneuern, j ober alsbald daran gehen will, die Einrichtungen zu veräußern und die Gebäude für andere Zwecke nutzbar - zu machen. Im Jniereffe der Landwirthschast unseres ; Kreises wäre dies letztere sihr zu beklagen. Sollte es nicht Sache der größeren Landwirthe sein, welche die Existenz der Zuckerfabrik Hünfeld als einen so wichtigen Vorthul hingestellt haben, jetzt ihrerseits Alles aufzubieten, daß dieselbe unserer Gegend erhalten bleibt,
indem sie dafür sorgen, daß die nöihigm 2000 Morgen Rüben für die 1896er Campagne züsammenkommen?
* Für Pferdezüchter wird es von Interesse sein, zu erfahren, daß der Kaiser bei der letzten Hofjagd in Letzlingen dem Grafen Schulenberg-Beetzmsorf gegenüber geäußert hat, unser Pferdematerial sei zu laicht; es habe sich infolgedessen ein Mangel an guten Artilleriepferden fühlbar gemacht. Er könne daher den Landwirthen, die- nicht besonder- Remonte- ober Luxurpferdezucht trieben, nur empfehlen, sich der Zucht der schweren kaltblütigenPferdeS zuzuwenben, um später auS biesem Material ein starkes Artilleriepferb züchten zu können.
Aus dem Nach-arge-iere.
h. Hünfeld, 29. Dez. Am nächsten Samstag, den 4. Januar 1896, Nachmittags 3 Uhr, findet im Gasthause zum Engel hierstlbst eine Versammlung von Landwirthen statt, welche sich für den Zuckerrübenbau bezw. für die Erhaltung ber Zuckerfabrik Hünfelb interessiren. Bei der großen Bebeutung, welche biefe Frage für unsere ganze Gegerb hat, ist wohl eine recht starke Betheiligung an dieser Versammlung zu erwarten.
* Kassel, 28. Dez. Ern Musketier vom 83. Jn- funteri Regiment, welcher sich ohne Urlaub von seinem Truppeutheil entfernt unb in ber Staat umhergetrieben hatte, wurde mit Hilfe eines Schutzmannes gestern arretirt. Es gelang dem Soldaten aber wieder auszureißen ; der Schutzmann D. stellte sich ihm entgtgen und versuchte ihn festzuhalten. Da zog der Soldat fein Seitengewehr und verletzte den Beamten derart am Kopfe, daß er nach seiner Wohnung verbracht werden mußte, wo er jetzt schwer krank barnieberiiegt Hinzuge kommens Civilorrsonen standen dem Schutzmann bn und gelangten dazu, den Wuthenden nach der Kasernenwache zu tranSportiren.
' Höchst, 29. Dez. lieber das Geschäftsergebniß der Farbwerke wirb berichtet: „So weit sich daS Resultat des Jahres 1895 schon jetzt übersehen läßt, wird die Dividende auf 28 pCt., wie im Vorjahre, geschätzt." — Ein gutes Geschäft!
* Gießen, 28. Dez. Die Handelskammer hat eine Anfrage ber hiesigen Bürgermeisterei, ob bei ber Errichtung eines städtischen Arbeitsamts, in dessen Tätigkeit, wie von einem Ausschuß ber Gießener Arbeiterschaft beantragt worben war, auch Angestellte im Handelsgewsrbe emzuschließen seien, ab» lehnend beantwortet.
Vermischtes.
* Dortmund, 28. Dez. Die Verhandlungen unserer Straf- kammer erlitten vor einigen Tagen aus einem eigenartigen Grunde eine plötzliche Unterbrechung. Dem Staatsanwalt und den Richtern fehlt die Tinte. Der Ruf: Kastellan, Kastellan, durchhallt bald die weiten Räume. Der Schuldige wird bald gefunden und wegen seiner Nachlässigkeit getadelt. Bestürzt eilt er zum Borrathsraum und holt die große Kanne; er gießt ein, und die Rechtspflege kann wieder ihren Lauf nehmen. Aber was ist denn das? Der Gerichtsschreiber will Protokoll führen, tauchte seine Feder in die dunkle Fluth und setzt an. Aber keine Worte zauberte er auf dem Papier hervor, nur Helle Flecke. Den Richtern ' und dem Staatsanwalt geht es ebenso. Die Tinte war weiß und gab nur Fettflecke, denn — sie war in der Eile aus der Petroleumkanne entnommen.
* Baltimore, 28. Dezember. Während der Vorstellung der hebräischen Oper im Frontstreet-Theater entstand gestern Abend in Folge falschen Feuerlärms eine Panik; Alles stürzte zu den Ausgängen. 24 Personen wurden int Gedränge 9 et übtet, 40 schwer verletzt.
Akikßk M.
Brindifi, 30. D-z. (Telegramm.) Der Post- bampfer Peloro ist heute ftüh 4 Uhr 20 Minuten hier eingetroffen. An Bord beSstlben befinden sich Frhr. v. Hrmmerstein unb ber Berliner Kriminalkommissar Wolff, welcher den flüchttgen Freiherrn in Athen verhaftet hat.
Brindisi, 30. Dez. (Tel-gr.) Frhr. v. Hammerstein würbe heute früh an Borb des Dampfers „Peloro" enbgiltig verhaftet.
Briefkasten.
A. S. Am 9. und 23. Januar in der „Harmonie."
In Erinnerung bringen wir bett geehrten Lesern ber ,§fu£öaer Zeitung" die sofortige
(Erneuerung des Abonnements
für das I. Quartal 1896.
Kein Gasheizhofe« entspricht in so hohem Maße allen in wirthsckastlicher und gesundheitlicher Hinsicht zu -stellenden Ansprüchen, als Original Houbens GaSheizofen, nachdem derselbe neuerdings wiederum verschiedene gesetzlich geschützte Berbefferungen erfahren hat, welche die an Gashetzöfen bisher noch beobachteten Mängel gänzlich beseitigen. Man verlange Prospekte von der Fabrik I. G. Houben Sohn Carl in Aachen. Von hocheleganten Majolika-Gasöfen für gute Zimmer, Salons re. werden auf Wunsch künstlerisch ausgeführte kolorirte Abbildungen zur Ansicht mitgefchickt. >3384