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22. Jahrgang

Montag, den 30. Dezember 1895.

uldlierWZkitiiiig

mH AntrrhalKmss-Keitag- „Sterne «ud Llumen'.________________

I

Daraufhin hatte der Alte die Arbeit übernommen und in einem halben Jahre klapperte die Aumühle

Der Seppl ist ein Mordskerl," hatte der alte Liefet gesagt, und feinen Buben wohlgefällig ange- staunt. „Wo er das nur herhaben mag? Bon mir lumtt’ er eS nicht lernen."

Aber er hatte es.

Da war einer TageS der Gemeindebote mit einem Zettel gekommen. „Für den ©epp," hatte er gesagt.

Der Hiefel fchaute verwundert drein. „Für den Seppd WaS konnte der für einen Zettel kriegen?" ES war die Vorladung zur Stellung. Mit der schwie- liarn Sand fuhr er sich an die Stirn. „Ich hätte gar nicht daran gedacht, daß der Bub' schon zwanzig Jahre auf dem Rücken hätt'. Aber eS ist so ... . Run werden sie mir ihn wegnehmen, und war fange ich allein an?"

Und sie nahmen ihn weg. „Zur technischen Truppe", stand auf seinem EinberufungSscheine. WaS das für eine Truppe war, wußte weder der Hiefel noch sonst Jemand im Thale; aber daß eS Soldaten waren, stand fest.

„Bleib' fein gefund und gib acht, daß Dir nichts geschieht," sagte der Alte beim Abschiede. „Und wenn Dir eine Maschine oder sonst ein Getriebe in der Welt draußen zu Gesichte kommt, schau sie Dir gut

tcy Uw getilgte Schuld.

Erzählung von Anton Schott.

(2. Fortsetzung.)

Barberl kleidete sich an und ging, des Jörgsteffen Kachl für morgen zu bestellen. DaS war ein muntere» Dirnlein und allweil aufgelegt. Leicht, daß der ihr Wesen und Gehaben die Schwermuth au» ihrem Herzen theilweife verscheuchte.

Wenn Du den Hüstbuben wo antteffen solltest, dann schick' ihn her!" trug chr Sepp noch auf, dann schnitzte er weiter. ,, ,

Er wollte einen großen Christus schnitzen. DaS nahm er sich fest vor und auch, daß er nicht früher aufhören und locker lafsen wolle, bis er ferttg wäre.

Der Sepp war eigentlich ein Geschirrhauer. Muhl­und Sägewerke bauen, dal war sein Fach, mid er stellte da feinen Mann. Das hatte er von Jemem Vater — Gott habe ihn selig - gelernt. Und der? Dir hatte er von sich selbst gelernt. Der war nur ein gelernter Zimmermann, nachher aber machte er sich an Tischlerarbeit und Windmühlen heran.

Da geschah er einst, daß in der Stegmühle unten das Kammrad in die Brüche ging. Und genau zwei Tage vorher war der alte Geschirrhauer verstorben. Da kam denn der ehemalige Stegmüller zu ihm.

„Hiesel," sagte er, „Du mußt mir das Lammrad bauen."

Stadt nicht einmal den Mund mehr aufthun Men, selbst « unseren evangelischen Versammlungen nicht! Was geschieht dagegen im katholischen Männerverem?! Ja, ja,es sind schöne Worte über religiöse Duldsamkeit und gegenseitige Toleranz aus dem Munde eines Bischofs bei Einweihung der katholischen Kirche hier gesprochen worden, weil abgelauscht aus dem Geiste des Protestantismus, der an die Stelle der Ketzergerichte der „heiligen Inquisition, der Scheiterhaufen der Autodafes, der ganzen römischen Intoleranz das Prinzip der Gewissensfreiheit gebracht hat und damit den Geist der Duldung m Sachen des Glaubens. Wenn wir nur nicht wüßten, daß der aus der Gedankenkammer des Protestantismus entlehnte Grundsatz des Bischofs römischer­seits immer nur so lange gilt, als man m der Minderheit ist; hat man erst die Majorität, dann tritt die Unduldsamkeit frech und frei zu Tage, wie das gestrige Eingesandt des Herrn -a- in Nr. 298 dieses Blattes schildert. Das ist nur em Fall der Intoleranz von Hunderten, die uns bekannt werden. Wollt ihr, daß wir jeden Fall von römischer Intoleranz und ultramon­tanem Fanatismus, der uns zu Ohren kommt, zur öffentlichen Kenntniß bringen, dann bitte, wünscht, und wir werden zu DiensteNrstehkai. vorliegenden Falle will eine katholische Minorität der protestantischen Bevölkerung unserer Stadt ver­wehren, ihrer religiösen Ueberzeugung Ausdruck zu gebem Ja, es wäre euch wohl lieber, wir blieben stumm rote die Fische, bis efnem nach dem anderen von euerem „Missionar" das Fell über die Ohren gezogen ist. Bis dahin könntet ihr aber wohl etwas vom faror protestantium spüren. — ... „ ,

Was hat denn eigentlich A. Eimer m fernem Prologe ge­sagt? Er hat Bezug genommen auf Zustäiwe der Kirche vor Luthers befreiender That, und da kann wohl selbst der fana- tiickste Katholik nicht widerlegen, daß wegen der satanisch grauenhaften Mißstände selbst aufrichtige Anhänger des Papst- thums nach Reformation an Haupt und Gliedern schrieen. Worüber haben denn gute treue Katholiken wie Pelagms, Alvarus Peter d'Ailli, Gerson, Erasmus Rotterodamus Niko­laus von Cusa und Hundert andere damals ihr Klagelied an- stimmt’ De planctu ecclesiae, d. h. über die Bersunken- üeit der Kirche. Wohin wollten denn ine großen Reform- konzilien von Pisa, Costnitz und Basel? Wer hat ihre Be- streoungen edelster Art zunichte gemacht? Was nrarenberut das für Päpste kurz vor Luther und während semer Lebenszeit? -. Alerander VI. Julius II., oder Leo X., berüchtigt durch sein Wort: „Die Fabel von Christo hat uns viel genützt." Pfm! — Setzte nicht der ganze Ablaßkram, der nächster Anlaß zu Luthers gottaesegneter That wurde, an Stelle des remen Evangeliums von der vergebenden Batergnade Gottes geradezu teuflisches Höllenwerk des Luges und Betruges? Luther wußte, warum er die Schrift schrieb: „Wider das Papstthum, vom

6 h°at^Herr Ermer im Auge gehabt. Aber ihr seid wohl zu den Jesuiten in die Schule gegangen, daß ihr seine Worte so aus dem Zusammenhänge reißt und verdreht, daß ihr sre nicht Geschichtsbettachtung bleiben laßt, was sie sind, sondern sie aus die Lehre des gegenwärtigen ultramontanrsirten Batikan-KatholizismuS bezieht! Nun, meinetwegen sei s. Der Name Wemdingen oder Mariaberg offenbart ja uoch heute euren TeufelSlug und -Trug, euer Fegefeuer ist unS Hüllenwerkes genug - und wenn der Graf Pecc» als euer jetziger Unfehl, barer bloß bei der alten Sitte bleiben wollte am Neujahrstage alljährlich fämmtliche Ketzer, unfern allergnadigsten Landesherrn eingeschlossen, feierlich zu verfluchen, so wäre uns das deS Fluchens schon übergenug! Und so was will uns ^^"^iische"" Geschichtswerke hätte A. Ermer zu Rathe ziehen sollen? Euren Majunke, Janssen und Konsorten? Deren Geschichtslügen und-Fälschungen sind längst entlarvt von prote- stantisch gründlich gewissenhafter Wisftnschastlichkeit, davon man freilich in einem Jesuitenkollegmm nichts zu lernen kriegt. Nein, wir lassen unS von den Majunken und -Genossen die großen

Q Kathotikenhetze i« Thüringen.

Im Großherzogtbuw Sachjen-Weimar wird i« bald irnaemütblich für die Katholiken. Wenn gewisse FanatLr mit ihrer Auffassung von rettgiöser Freiheit durchdringen - sie verstehen darunter s<4pffrei- heit auf Alles, was den Katholiken heilig ist —, dann dürsten die Katholiken bald für vogelftei gelten

Von den Aufzügen der Jenaer Studenten und deren Verspottung von Papst, Bischöfen und OrdenSleuten rc., - eine Komödie, welche, nebenbei bemerkt in jed em Jahre in ebenso gehässiger als geistloser Weffe wird er kehrt, ist in den katholischen Blättern beuch­tet worden. , , M _

Fast zu gleicher Zeit wurde m Apolda das Jubiläum derGustav-AdolphS-Vereme des Großder-ogthums Sachsen - Weimar begangen. Man unterhielt sich bei dieser Feier weniger über die An­gelegenheiten und Vorgänge im eigenen Lager, sondern katholischer „Aberglaube" mußte saft aurschtteülich den Str ff zur Unterhaltung abgeben. Ern Redner schilderte r. B. im Anschluß an das gemeinsame Mittagsmahl die Echternacher Springprozession, „bei welcher viele Tausende von Menschen wie Besessene umheripringen . Rach dem Referat der Zeitung spendete die Versamm­lung stürmischen Applaus. Der Redner beim Fest- \ gotteSdienste — an letzterem mußten auch die Schuler i mit ihrern Lehrern theilnehmen (die Sckule fiel < aus) — sprach u.A. vom unfehlbaren Papste, der sich ■ in Rom „etablirt" habe rc m .

Doch das Gehässigste m der gegen die Katholiken inscenirten Hetze leistet ein im .Apoldaer Tageblatt' vor Weihnachten erschienener offener Brief de» H. Archr- diakonuS Neumärker zu Apolda. ZurBeurtherlung derselben fei Folgendes vorauSgeschickt:

Am 15. Dezember feierte der evangelische Männer- und Jünglings-Verein zu Apolda sein 4. StistungSfest. In der Festversammlung, der welcher Herr Hofprediger Dilthey von Weimar und Herr Bezirks - Schulinspektor Stier von Apolda An- sprachen hielten, trug Herr August Eimer, Lehrer an der Bürgerschule zu Apolda, den von ihm selbst verfaßten Prolog vor. Dieser, im .Apoldaer Tageblatt abgedruckt, leitete nach der BegrüßungS - Sttophe tote folgt ein:

Wieder tönen Friedensklänge in das wilde Weltgetnebe: Laut verkünden Weihnachtsglocken uns'res Gottes Vaterlrebe rc. und enthielt dann folgende Kraststellen:

Doch desPapstthumS Machtgelüste, Roma'S Teufel^Lug und Wandelten die reine Lehre um in Höllen wert und Fluch. Dunkel deckte bald die Völker, Finfterniß der Menschen Herzen, Nicht mehr fanden Schuldbelad'ne wahren Trost in Sündenfchmerzen, Ablaß gab es für den Reichen, doch für einen Armen nicht : Wer nicht reichlich konnte spenden, sah nicht Gottes Angesicht rc.

Die Zeitung berichtete, daß die Festversammlung ihr Einverständnis mit dem Gehörten^und^chre

Anerkennung durch Bravorufen und lautes Hände­klatschen ausdrückte.

Es erschien dann in der nächstfolgenden ZettungS- Nummer folgende Erwiderung:

Eingesandt.

Motto: „Wieder tönen Friedensklange In das wilde Weltgetriebe."

Herrn August Ermer, dem Verfasser des in Nr. 295 des Taaeblatt abgedruckten Prologs, sei Folgendes erwidert: ' @inem Dichter werden poetische Llcenzen gern zugestanden, doch taktlos und gehässig ist, um das Mindeste zu sagen, was sich in genanntem „Prolog" findet, z^B.:

„Doch des Papstthums Machtgelüste, Roma s Teufelslug und-Trug, Wandelten die reine Lehre um in Hollenwerk und Flwch -c.

Demnach bezeichnet Herr August Ermer d,e katholische Lehre die Ueberzeugung vieler Millionen deutscher Katholiken, als Höllenwerk und Fluch. Im Papstthum, zu dem fick mehr als 200Millionen bekennen, sieht er Teufelslug und-Trug. Die weiteren antikatholischen Ergüsse, welche Herr August Ermer sicherlich verschmäht hätte, falls er unpartensche Geschichtswelke zu Rathe gezogen, übergehe ich. Nur eme Frage: Glaubt Herr August Ermer durch solche Gehässigkeiten die eigene Sache stützen zu müssen? Jeder rechtlich denkende Protestant wird diese Kampfes- weise verabscheuen, am meisten unser allerqnädigster Landesvater, der obwohl summus episcopus der Landeskirche, trotz treuem Festhalten am angestammten Glauben erst in letzter Zeit wieder den Vertreter des oben geschilderten Papstthums besuchte und einer kirchlichen Feier beiwohnte. Sapienti sat. Dies mein erstes und letztes Wort in dieser Sache.

Ein Leser des ,Tageblatt.

So wett daS „Eingefandt". — In demfelben war ! absichtlich nicht erwähnt, daß der Prolog in einem ! evangelischen Verein voigetragen worden war, auch war der Name deS Herrn ArchidiakonuS Neumaerker nicht genannt. Als Antwort folgte ein offener Brief des ebengenannten Herrn, der in Bezug auf die nobele Form wie auf die Kraft der Ausdrücke einer anderen bekannten Schrift, auf bte ftch llk. beruft, „Wider daS Papstthum, vom Teufel gestiftet , Kon­kurrenz macht. Man höre:

Offener Brief

an den Herrn Verfasser deS Eingesandts m Nr. 297 deS Apoldaer Tageblatt und an Alle, bte es angehl!

(Eingesandt.)

------------------— ■ .... ___und Bestellgeld m Fulda und auswärts 1 Mark 50 Bftiuüg.

Motto:

„Doch des Papstthums Machtgelüste, Roma's TeufelSlug und -Trug Wandelten die reine Lehre um tu Hollenwerk und Fluch!

Holla he! Wer da?! Es ist nicht ritterlich mehr am Ausgange des neunzehnten Jahrhunderts, mit geschloffenem Bistr zu kämpfen und sich bei dem „rauchlosen Pulver in der Tarn­kappe der Anonymität zu verstecken. Warum, Galrlaer, da sich doch deine Sprache verräth, nicht auch heraus, wenn er ehrlich ist, mit dem ehrlichen deutschen Namen?

Wir kämpfen nicht gegen namenlose Leute, aber der boS- haste Angriff auf Herrn A. Ermer, für dessen Prolog wir die volle Verantwortlichkeit übernehmen und deffm Worte wir in allen Stücken als der nackten, ungeschminkten Wahrheit ent- sprechend ausrecht erhalten, veranlaßt uns das Machwerk m Nr 297 dieses Blattes doch einer eingehenden Kritik zu unter- ziehen zur Wehr für uns und zur Aufklärung des Publikums, weil wir 'darin zugleich einen hinterlistig versteckten, schlangen- artigen Angriff auf die Sache unseres Vereins, ja auf die ge- summte evangelische Bürgerschaft unserer Stadt erblicken müssen. So weit ist es also auch in Apolda schon gekommen, daß rott Evangelischen in unserer seit Alters durchaus protestantischen

jBin denn ich ein Gefchirrhauer?" gab der ver­wundert zurück. ,

„Dar nicht. Aber ich mein, Du kannst eS. Ver- fuch'S nur, eS wird fchon gehen ... Wo fallt ich ein Kammrad kriegen? Der Gefchirrhauer ist tobt, und Kammräder wachfen nicht im Walde draußen. Thu mir ben Gefallen unb verfuch'S!"

DeS anbetn TageS war bet Hiefel, fein Vater, in die Stegmühle gegangen und hatte sich über da» Kammrad gemacht. Und eS war geglückt. DaS Rad that feine Dienste, und das war die Hauptfache. Von der Zeit an war er Gefchirrhauer.

Alz der Seppl heranwuchs und bei der Arbeit halbwegs zu brauchen war, mußte er mit. Der wat ein findiger Kopf, und nach zwei, drei Jährlem hatte er daS Ganze des MühlenbaueS im kleinen Finger.

Wie eines TageS in der Aumühle drüben tm an­deren Thale der Mühlftein während dem Gange fprang, und alle Räder und Rädchen kurz und klein fchlug, wollte sich fein Vater nicht an die Arbeit herau- wagen. Er fürchtete, es könnte ihm doch nicht ge­lingen, ein ganzes Mühlenwerk zu bauen. Da war S der Seppl, der ihn dazu aneiferte. -Es wird schon gehen," jagte er und entwarf in rohen «reidchnchen daS ganze Werk auf dem Ttt'che.

„Wo hast da» gesehen?" fragte der Alte ver­wundert. ... _ . , „

„Nirgends. Aber ich mein’, fo muß es gehen.