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JE 298 Samstag, den 28. Dezember 1895. 22. Jahrgang

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mit N»trrhi,itimg»-KrUage „Sterne und j!!mnen".

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* Die Beisetzung der Leiche des Kardinals Melchers.

Köln, 27. Dcz.

Unter ungeheuer großer Betheiligung fand heute Vormittag im Kölner Dome die Beisetzung der Leiche des Kardinals Melchers statt. Um 8 Uhr bewegte sich vom Dome auS, der bereits von Gläubigen aus Köln und der ganzen Erzdiözese anzefüllt war, der Trauer­zug noch der Kirche St. Gereon, wo in der Krypta die Leiche vorläufig aufgebahrt war. Nachdem dort die vorgeschriebenen Ceremonien und Gebete verrichtet waren, setzte der Zug sich unter dem Geläute aller Glocken wieder in Bewegung nach dem Dome, wo er gegen 10 Uhr eintraf.

Dem zwischen zwei Akolythen getragenen Kreuz folgten die Knaben und Mädchen der beiden Asyle an Gereon und der Schulen von Dom und St. Andreas, die Bruderschosten und mehr als zweihundert mit ihren Fahnen erschienene Abordnungen hiesiger und aus­wärtiger Vereine und der neun katholischen Studenten- Korporationen von Bonn, Münster und Aachen, dann die Ordensgeistlichen Köln'S, eine stattliche Anzahl auswärtiger Weltgeistlicher im Röchet, die Kölner Pfarrgeistlichkeit mit den Kirchenvorständen, die Äon» viktoristen der Kollegiums Albertinum in Bonn, die Alumnen de- hiesigen Priester-Seminars. Hinter dem umflorten Kapitelkreuz schloffen sich ferner an: die Domsänger und Domvikare, die Professoren der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn, die Mitglieder des Aachener Stiftskapitels, dar Kölner Metropolitan-Kapitel sowie die mit Pluviale und Mitra bekleideten Aebte und Bischöfe mit je einem Kaplan. ES waren erschienen: der Cistercienser-Abt Willi von Marienstadt, der Benediktiner-Abt Benzler von Maria- Laach und der Trappisten-Abt FranziSkuS Strunk von Oelenberg; ferner die Hochwürdigsten Herren: Bischof Korum von Trier, Bischof Dingelstad von Münster, Bischof Fritzen von Straßburg, Bischof Haffner von Mainz, Bischof Komp von Fulda und Weihbischof Graf Galen von Münster, denen sich die beiden Kölner Weihbischöfe Fischer und Schmitz anreihten. Als Ver­treter des Bischofs von Limburg war Domdechant und Generalvikar Dr. Walter, als Vertreter der Bischofs von Paderborn Domprobst Dr. Schneider und als Vertreter des Erzbischofs von Utrecht Pro­fessor Dr. Schaepman anwesend. Auf dem Kiffen mit den Ordens-Insignien des Verblichenen sah man das Großkreuz des hannoverschen Welfen-Ordens, welcher Kardinal Melchers als Bischof von Osnabrück er­halten hatte, urd des preußischen Rothen Adler-OrdenS 1. Klasse, welcher ihm König Wilhelm I. im Jahre 1869 verliehen hatte. Ferner wurden dem Sarge die Abzeichen der erzbischöflichen und Kardinals-Würde: Pettoralkreuz und Stab, Mitra und Kardinalshut, vorangetragen. Der sehr einfache, als matt polirtem Nußbaumholz hergestellte und nur mit einem Metall-

Um getilgte Schuld.

Erzählung von Anton Schott.

(1. Fortsetzung.)

Hinter der Mühle stand ein großes, roth ange­strichener Kreuz. Der auS Blech geschnittene und vom Dorstischler roth gemalte Christus klapperte im Winde an dar Holz und eS gab Manchen, der ein großes Kreuz schlug und die Schritte urn'S Doppelte verlängte, wenn er spät Abends vorüber kam. Ein böser Gewissen fürchtet überall Unheil.

Bor dem Kreuze zweigte ein Weg von der Straße ab und führte in vielen Windungen und Krümmungen den Hang hinan. ‘ Den gingen die Zwei. Fast eine halbe Stunde schritten sie bergan. Dann tauchte ein kleines Gehöft vor ihnen auf, dem schritten sie zu; eS war ihre Heimath, ihr Vaterhaus.

AuS roh behauenen Baumstämmen war eS gefügt, wer weiß, vor wie vielen Jahren. Wind und Wetter hatten dar Gezimmer rothbraun gefärbt und der Holz­wurm mancher Loch darein gebohrt. Aber eS kotzte noch allem Sturm und Unwetter. DaS flache Dach belasteten eine Menge großer Steine und der Rauch­fang ragte hoch über den First hinaus. Der kleine Stadel und der Backofen, welche je zu einer Seite des Hauses standen, hatten auch flache Dächer mit schweren Steinen darauf.

kreuz geschmückte Sarg wurde von zwölf Alexianer- brüdern getragen. Professoren der katholisch-theologi­schen Fakultät in Bonn hielten die vier Enden des Leichentuches. Zu beiden Seiten der Leiche wurden je ein Rauchfaß und sechs brennende weiße Fackeln getragen. Hinter dem Sarge gaben wohl noch weitere hundert Geistliche in der Soutane dem Verstorbenen das letzte Geleite. Unter den übrigen Leidtragenden sah man auch mehrere höhere Staatsbeamte in Uni­form sowie eine größere Anzahl Offiziere.

Von auswärtigen Vereinen, welche zu der Trauerfeier Abordnungen mit ihren Bereinsfahnen ent­sendet hatten, zählt die ,Köln. Bolkrztg.' auf: 4 Vereine auS Styrum bei Duisburg, je 1 aus Alstaden, Viersen und Elsen, 2 aus Caternberg bei Essen. 1 aus Elber­feld, 2 aus Brühl, 6 aus Aachen, 1 aus Bürgel, 3 aus Düsseldorf, je 1 aus Werden und Düren, 2 auS Esten, 1 auS Wald, 2 aus Neuß, je 1 aus Mühlheim, Sonnborn, Wipperfürth und Siegburg, 5 aus Krefeld, je 1 aus Niedeggen, Oberhausen, Wor­ringen und Glesien. Von Studenten-Korporationen waren durch Aboronungen verketen: Alsatia, Arminia, Bavaria, Novesia, Ripuaria und UnttaS aus Bonn, Germania und Saxonia aus Münster und Carolingia aus Aachen. Der Vorüberzug des ganzen Trauer- zugeS dauerte eine volle halbe Stunde.

Beim Einzug in den Dom nahmen die Studenten- Korporationen vor dem Pfarraltar, die übrigen Vereine in der Vierung und im Mittelschiff der Domes Auf­stellung. Das Chor war für die hochw. Geistlichkeit refervirt. Se. Eminenz Kardinal-Erzbifchof Krementz, welcher dem Todten-Offizium in St. Gereon beige­wohnt hatte, nahm nicht an dem Trauerzuge Theil, sondern fuhr mit Rücksicht auf feine schwankende Ge­sundheit mit dem Wagen nach dem Dom und nahm i aus dem Throne im Chor die Leiche in Empfang.

Das Innere des Domes hat eine sehr reiche Trauerdekoration erhalten. Die sechs Wandflächen im Innern der Chores hinter den Chorstühlen sind schwarz behangen und mit Draperieen an den Seiten umgeben. Die Mitte der einzelnen Felder trägt die Abzeichen der bischöflichen Würde und deS Priester- thums. Die beiden Eckpfeiler des Chores bezw. der Vierung enthalten auf schwarzem Behang dieKapitelS- wappen. Pfarraltar und Kommunionbank sind eben­falls schwarz behangen und drapirt. An den Pfeilern des HochchoreS sind auf schwarzen Draperieen silberne Armleuchter angebracht. Hinter dem Hochaltar erhebt sich eine große Trauerpycamide, die in ihrem ober» Theile ein großes weißes Kreuz und darunter die Inschrift trägt: In cruce sola salus (Im Kreuze allein ist Heil). Der Sarg wurde vor dem Hochaltar aufgebahrt, umgeben von 24 silbernen Leuchtern.

Gegen 10 Uhr begann das Pontifikal-Re- quiem, welches Se. Eminenz Kardinal-Erz­bischof Krementz persönlich celebritte, wobei Herr Dompwpst Prälat Dr. Berlage assistirte und die

Eine Anzahl größerer und kleinerer Obstbäume standen in Gruppen um dar Gehöft herum und lohn- ten die Pflege reichlich. Auch ein kleiner Bienenstand war zur Morgenseite an den Backofen angelehnt.

Es war ein traulicher Heim und der Besitzer konnte seine Freude daran haben. Und der war der Sepp.

Zu anderer Zeit hatte er auch wirklich seine helle Freude daran gehabt an dem kleinen Besitzthume. Da ist er oft an Sonntag Nachmittagen stundenlang im Birkenbusche drüben gelegen und hat immerfort sein Heim angeschaut.

„Mit keinem Kaiser tauschte ich/ hat er dann alle- mal gesagt und an einem Stücklein Holz geschnitzelt. Oder er ist mit seinem seligen Vater vor dem Bienen- : stände gekauert und hat den kleinen, fleißigen Thierlein \ zugeschen. I

Heute aber kam kein solcher Gedanke in sein Herz, s Heute hatten sie seinen Vater zu Grabe getragen und ’ er und seine Schwester kamen gerade von der Beerdi- ; gung zurück. Düster und trübe waren seine Gedanken ' und all' sein Sinnen, düster wie die Wolkenmassen, \ welche über dem Thale hingen.

Als sie sich dem Gehöfte näherten, vernahmen sie ; das Murren der Rinder im Stalle.

„Das Vieh murrt, wie mich däucht, vor Hunger," i sagte Barberl, endlich das Schweigen unterbrechend. ! „Es ist halt nichts, wenn Eins nicht daheim ist. Wer

Domkapitulare Herren Sic. Velten und Dr. Stiefel- Hagen als Ehren-Diakone fungirten.

Nach Beendigung der hl. Messe bestieg Herr Bischof Korum die Kanzel im Mittelschiffe und hielt die ein­stündige Gedächtnißrede. Zn Eingang derselben lieh der bischöfliche Redner dem Dank für die Genehmi­gung der Beisetzung in Köln Ausdruck. Auch dar katholische Volk werde seinem ritterlichen Kaiser dank­bar fein, daß er den tobten Kardinal in dieser Weise geehrt, wie einst fein Vater den französischen General Douai im Tode nach der Schlacht von Weißenburg. Weiter feierte er den Kardinal als Muster treuester Pflichterfüllung und heiligmäßigen Lebenswandels, als bett Mann, der den guten Kampf des Glaubens ge­dämpft, des Glaubens, durch den wir zur höchsten Wahrheit gelangen, wie durch die Liebe zur höchsten Güte Gottes und zur höchsten Tugend, indem wir die höchste Tugend nachahmen. Diesen Glauben hat er von frommen Eltern geerbt und bethätigt durch sein ganzes Leben. Daran schloß sich die Schilderung der äußeren LebenSganges. Die kirchenpolitischen SBirrett der 70er Jahre wurden nur angedeutet und zum Schluffe richtete Bischof Korum die Mahnung an die Diözesanen, stets eingedenk zu sein der geistigen Verwandtschaft, die den Verstorbenen mit seiner Diözese verknüpft. Für ihn beten sollten sie; so tief auch der Schmerz um den Verstorbenen in unserem Herzen lebt, trauern wollen wir nicht, wenn die Sieger Christi vor dem Heiland ihre Siegesfahne entfalten.

Am Sarge des hohen Verstorbenen hielten nun­mehr Se. Eminenz Kardinal Krementz sowie die hoch­würdigsten Bischöfe Dingelstad von Münster, Haffner von Mainz, Fritzen von Straßburg und Komm von Trier die Äbsolutto, worauf die Leiche in das Grab­gewölbe unter dem Domchore hinabgelassen und neben der Grabstätte des hochseligen Kardinals Johannes v. Geissel beigesetzt wurde.

Am Schluffe ihres Berichtes über die BeisetzungS- feier bemerkt die ,Köln. VolkSztg/ noch Folgendes: Biel besprochen wurde die Betheiligung der Be­hörden. Allgemein galt eS als ausgemacht, daß die Spitzen der Civil- und Militär-Behörden sich bethei­ligen würden. Kurz vor der Beisetzung ist gegenseitige Weisung erfolgt, wie folgendes Circular zeigt: „Köln, den 25. Dezember 1895. Der Präsident des Ober- landesgerichtS. Der Herr Justizminister hat mir gestern Abend auf telegraphischem Wege vertraulich mitgetheilt, daß aufAllerhöchsten Befehl bei der Beisetzungs­feier des Kardinals Melchers eine Betheiligung der Behörden nicht stattfinden soll. Den Mitgliedern deS OberlaudeSgerichtS, einschließlich der Hilfsrichter, gebe ich hiervon zur Nachachtung Kenntniß. Der Präsident des Oberlandesgerichts, Wirkt. Geh. Ober-Justizrath Dr. Struckmann." Danach wäre also ein allgemeines Verbot erfolgt, und wie wir hören, sind sogar die städtischen Beamten in diesem Sinne

weiß, ob die alteZeinerin an'S Füttern gedacht. Und wir haben ihr doch Alles gut aufgetragen, als wir fortgingen und ihrer Obhut das Gehöfte anvertrauten."

„Gefüttert mag sie am Ende schon haben," meint Sepp. „Leicht, daß sie nicht genug vorgegeben hat oder zu wenig Trank."

Sie betraten dar Haus. Die Alte, welche sie zur Bewachung und Besorgung des HauseS bestellt hatten, saß auf der Ofenbank und beschäftigte sich eben mit einer brodelnden Pfanne.

„Habt Ihr dem V:eh vorgegeben?" ftug Sepp und entledigte sich in Eile seiner schwarztuchenen FesttagS- gewandeS.

„Wohl, wohl!" nickte die Alte. „Was sie fressen konnten, die Viecher, haben sie gekriegt. Und Trank auch, eine ganze Butte voll."

Sepp wußte genug. Eine ganze Butte voll Trank für fünf Rmder! So viel saufen zwei. In der Kammer zog er schnell sein Wecktagsgewand an und ging in den Stall. Auch Barberl folgte seinem Beispiele.

Nachdem Aller in Ordnung war und die alte Zeinerin sich wieder entfernt hatte, setzte sich Barberl auf die Ofenbank und sann vor sich hin und der Sepp lehnte am Tische.

„Wie man Tins ahnten (vermissen) thut," Hub nach einer Weile Barberl an. „Ich mein' fcai, ich kann nicht bleiben im HauS . . . Vorgestern noch hat