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Dienstag, den 17. Dezember 1895. 22. Jahrgang
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mit Unterhaltungs-Keilagr .Ltrrnc und Klumrn«.
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nisse der Erhebung über die Berhältuisse im Hand- ; Wert sind dem Reichstage zugegangen. ?
eingetrossen und begab sich alsbald nach dem Exerzir>
Grundlage der „Grundzüge eines Gesetzes betreffend die Er- ttchtung von Handwerkerkammern" des Preußischen Ministers für Handel und Gewerbe, Herrn Frecherrn von Berlepsch,
(SrfAeint täafttfi ®one- und Feiertage asSgeuommen. — Bierteljährlicher AbonuemeutSpreiS ohne Bringerloh« und Bestellgeld m Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig- (er, Inserat« koste» die einspaltige Garmondzeile oder bereu Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 26 $f., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
(Volkspartei) 3289, Schmid (antis. Agrarier und Äon» servattver) 2277 und Kloß (Sozialist) 110 Stimmen. Der Wahlkreis hat etwa 21,000 Wahlberechtigte, wovon rund 77 Prozent abgestimmt haben. Gröber hat die Hälfte der Stimmen aller Wahlberechtigten erhalten. Das Wahlergebniß ist daher überaus glänzend und für die Katholiken ehrenvoll. Im Wahlkreise stehen 62,000 Katholiken 35,000 Protestanten gegenüber. Letztere haben getreu nach der Parole: nur kein CentrumSmann! gestimmt. Der aus München herbeigeholte Verfasser der Caligula-Broschüre war den der Demokratie zuneigenden Wählern gut genug, und die deutschparteiliche« Wähler schreckten nicht davor zurück, Herrn Schmid, dem Kanitzianer, Antisemiten und Mitarbeiter der konservativen .Deutschen Reichspost' in Stuttgart, ihre Stimmen zuzuwenden. Die Mahnung der demokratischen ,Ulmer Zeitung': „Möge nun die evangelische Bevölkerung alle Nebenrücksichten bei Seite lassen", wurde pünktlich befolgt. Es hat aber aller nichts geholfen. Um den Blaubeurer Liberalen seine Demokratie mundgerecht zu machen, war Herr Galler als Vorreiter Quiddes nach Blaubeuren gekommen und hatte dort erklärt: er habe als Demokrat im Reichstag nicht für die Jesuiten, sondern nur für die Abschaffung von Ausnahmegesetzen gestimmt; für Württemberg gebe er keine Möglichkeit, die Jesuiten zuzulassen, dafür sei schon gesorgt. Dann fügte er an: „Wenn die Jesuiten im Deutschen Reiche je zugelassen würden, so würde seine Partei (also die Demokraten!) sofort einen Antrag stellen, daß ihnen jegliche Lehr- thätigkeit und Seelsorge entzogen würde." Was mit dem Jesuitengesetz gleichbedeutend wäre. Und das soll demokratische Freiheit für das katholische Volk sein! Quidde selbst sagte in einer Wahlrede, seine Hauptaufgabe wäre im Reichstage die Bekämpfung des CentrumS. Die katholischen Wähler haben ihm nun ihre Meinung darüber kundgegebe«. Zahlreiche katholische Gemeinden wählten Gröber einstimmig oder nahezu einstimmig.
„Gelingt er der sozialistischen Partei auch bei dieser Gelegenheit, den Sieg an ihre Fahne zu heften, dann steht die sozialdemokratische Partei in Mainz auf der
gangen. L- -- -— „ „
heißt es: „Unter den Abänderungsvorschlägen sind? einige von so hervorragender Wichtigkeit, daß es sich [ empfiehlt, dieselben, abweichend von der Ordnung der t Gesetzesparagraphen, vorweg im Zusammenhang zu b erörtern. Dies sind namentlich: 1. Die Einführung? der Berufung gegen die Urtheile der Strafkammern f in erster Instanz; 2. die Entschädigung un- - schuldig Verurtheilter und in Verbindung damit ( die Einschränkung des Wiederausnahme- - Verfahren»; 3. die Aufhebung einiger der zum? Ersätze für die mangelnde Berufung eingeführten söge- nannten Garantien deS Verfahrens; 4. die Ausdehnung des Kontumacialverfahrens; 5. veränderte Vorschriften über die Beeidigung der Zeugen; 6. die Einführung einer abgekürzten 's Verfahrens für gewisse, eine schleunige Behänd- t lung erheischende Strasthaten; 7. Veränderungen in der sachlichen Zuständigkeit der Gerichte."
* Die Resolution, welche dar Centrum tn der Handwerkskammer-Kommission beantragen wird,
Keidvoll und freudvoll.
Novelle von L. v. Neid egg.
(38. Fortsetzung.)
In seinem Zimmer angelangt, gab er dem Vetter genauen und rückhaltlosen Bericht über daS Vorge- sallene. Ohne ein Wort zu äußern, hörte Tiefenbach ihn an. Auf's tteffte schien ihn die Erzählung zu bewegen — aber Mitleid war es und nicht Zweifel, waS dadurch in ihm erweckt wurde. Er athmete tief auf, als Graf Hollerbrunn geendet hatte, und vor die Gräfin hintretend, sagte er vorwmfsvoll: „Und Sie haben die Verzweifelnde auS Ihrem Hause gehen lassen, Cousine? Sie, so gut, so mitleidsvoll, hielten 'sie nicht zurück?"
„Was hätte ich thun sollen, Robert?" entschuldigte sich die Gräfin. „Sie bat, sie beschwor mich, ihr schwere Kämpfe zu ersparen; um jeden Preis wollte sie fort ... auS Ihrer Nähe. Und... ." — die Gräfin stockte — „ich fragte mich, ob nicht auch Sie etwa in Anna'r Verschwinden die beste Lösung erkennen würden."
„DaS tonnten Sie von mir glauben? O Cousine!"
„Anna sagte mir, sie habe Ihnen geschrieben, um Sie von ihrem unabänderlichen Entschlüsse in Kenntniß zu setzen. Sie hat einen eisernen Willen, — von
’SWiiftipa r schuppen zur Vereidigung der Rekruten der Marine,
^eUlfkyeS NNky. i sicher die gesummte Admiralität, daS OffizierkorpS
Berlin, 16. Dezember. * unb Deputationen der Mannschaften beiwohnten. Nach
* Der Buudesrath wird in dieser Woche die letzte - bet Rebe deS protestantischen und deS katholischen
Plenarsitzung dieses Jahres halten, in welcher ihm die > Marinepfarrers Dr. Rogge und Wiesemann über die
Novelle zur Jnvaliditäts- und Altersversicherung zu- Bedeutung der Eides hielt der Kaiser eine Ansprache gehen soll. S an die Rekruten, in welcher er die Rekruten er-
• Die Justiznovelle ist dem Reichstage zuge- ? mahnte, den Eid heilig zu hatten, der Alle verpflichte, In der Einleitung zu ihrer Begründung | sich einem Willen unterzuordnen, um das aufrecht zu ‘ erhalten, was die Väter geschaffen. Se. Majestät erinnerte an die vor 25 Jahren errungenen Siege, gab dem Vertrauen Ausdruck, daß die Rekruten bereit sein würden, Gleiches zu leisten, und sprach seine Freude aus über das Verhalten der Marine im Auslande und im Jnlaude, auch bei der Kanalfeier. Die Marine möge so fortfahren. Nach Beendigung der Rede dankte der Stationschef Vizeadmiral Thomsen für die hohe Gnade, welche der Marine wiederum durch die Anwesenheit deS Kaisers zu Theil geworden sei und schloß mit einem dreimaligen Hurrah auf Se. Majestät. An die Vereidigung schloß sich ein Frühstück im Offiziers- kasino. Nachmittags um 5 Uhr war Diner im Schloß und Abends ein Bierabend in der Marine-Akademie. Morgen begibt sich der Kaiser von hier nach Altona, um den Grafen Waldersee zu besuchen. Wie der ,@erm.' gemeldet wird, soll auch ein Besuch beim Fürsten Bismarck in Aussicht genommen fein. Abends kehrt der Kaiser ins Neue Palais zurück.
* Köln, 15. Dez. Wie die.Kölnische Volkszeitung' hört, sind einleitende Schritte geschehen, um die Beisetzung des in Rom verstorbenen Herrn Kardinals Melchers im hohen Dome herbeizuführen. — Die ,Köln. Ztg.' erfrecht sich, den verstorbenen Kardinal in einem Nachrufe aufs schmählichste zu beschimpfen. Und das nennt sich „Organ für Bildung und Besitz!"
* Mainz, 16. Dez. Bei den Stadtver ordneten- wa hlen am nächsten Mittwoch wird die Frage entschieden werden, ob Mainz sozialistisch verwaltet werden soll oder nicht. Den Kandidaten der Sozial-
Ausland.
* Madrid, 16. Dez. Aus Havanna traf gestern Abend folgende telegraphische Meldung hier ein: Ein Trupp von 800 Aufständischen unter dem Befehl von Rodriguez Lopez und Recio überraschte eine Kolonne von 72 Soldaten, die von dem Hauptmann Borrego und dem Lieutenant Ardieta geführt wurden, bei dem Dorfe MinaS zwischen NuevitaS und Puerto Priuzipe. Die Spanier verloren einen Lieutenant und 29 Mann; acht Mann wurden verwundet. Dem Hauptmann und 4 Soldaten glückte e», zu entkommen. Der Rest der Kolonne wurde gefangen genommen. Die Rebellen verhindern die Erntearbeiten in Camaguey.
* Koustanttuopkl, 16. Dez. Aus Kreta wird gemeldet: drei türkifcheBataillvne haben am 9. d.M. das Reform-Komitv in Apvkorona angegriffen. Der Kampf erstreckte sich auf die Dörfer Prosnero, glauben Sie es mir! Tragen wir Beide als Christen dasjenige, waS Gott uns auferlegt. Werden Sie glücklich mit einer Andern, und seien Sie versichert, daß ich bis zum letzten Athemzuge nicht aufhören werde, für Sie zu beten, Ihnen zu banken für ben Sonnenschein, ben Sie in mein Leben gebracht haben. Anna."
Gräfin Hollerbrunn reichte ben Brief ihrem Manne. Sie beckte bie Hanb über bie Augen unb meinte leise.
„Sie können sich denken, was ich empfand, als ich diese Zeilen las, Cousine! Augenblicklich eilte ich hierher. Ich dachte nicht ander», als Anna sei noch hier, und hielt eS für undenkbar, daß man sie hätte abreisen lassen. Aus ihrem Munde wollte ich hören, was sie zu diesem schmerzlichen Scheidebriefe veranlaßt hatte."
„Ein schöner Brief, ein mutiger, kluger Entschluß!" bemerkte Graf Hvllerbrunn. „Da» Mädchen hat Chatakter, und ihr Gefühl leitet sie ganz richtig. Du thätest am besten, Robert, wenn Du Dich in ihren Willen ftigtest und die Sache hiermit als abgeschloffen ansähest."
Mit blitzenden Augen wandte sich Tiefenbach um und maß den Vetter mit einem entrüsteten Blicke. I „Weil sie edel ist und aufopfernd, meinst Du, ich
dem, was sie als recht erkannt, ist sie nicht abzu- bringen."
j „Allerdings hat sie mir geschrieben. . . arme I Anna, arme Seele! Hier ist der Brief; lesen Sie ihn, Cousine. Sie sind ja in diese Angelegenheit ein- geweiht und empfinden wahre Freundschaft für meine Anna . . . Sie sagen, ihr fester Entschluß sei gewesen, von hier zu gehen? Wille gegen Wille! Hätte ich sie nur sehen, hätte ich nur ein Wort mit ihr sprechen können — sie hätte sich gebeugt vor der Kraft meines entschiedenen Wollens." — Er reichte seiner Cousine da- kurze Briefchen, trat dann an das Fenster, lehnte den Kopf an die Scheiben und sah hinaus in den Park, wo der Sturmwind die Bäume bog. Dabei dachte er, wie in diesem Augenblick seine Anna, seine Braut, vielleicht obdachlos umherirren möge.
Der Brief lautete wie folgt:
„Ich kann Ihre Frau nicht werden, Robert! Versuchen Sie nicht, mich zu sehen und zu sprechen . . . Sie würden da» schwere Opfer, da» ich bringen muß, dadurch zu einem nahezu unerträglichen machen. Meinen festen Entschluß vermöchten Sie doch nicht zu erschüttern. Gräfin Hollerbrmm, meine Wohlthäteriu, wird Ihnen sagen, was sich hier ^getragen hat, was eine Ehe zwischen uns unmöglich macht. Mich selbst werden Sie nie mehr sehen. Es muß so sein, Robert,
und dem Reichstage vorzulegen." . ,
Das Zentrum hat mit diesem Anträge wieder be
wiesen, daß es der Erste auf dem Platze ist, wo eS
gilt, die Interessen des Handwerks zu vertreten. ; .
* Die vom Statistischen Amt bearbeiteten Ergeb- • liegt bekanntlich seit Jahren tn ihren Händen.
nisse der Erhebung über die Berhältuisse im Haud- $ * Stuttgart, 16. Dez. Dar Wahlresultat im
tnirf sind dem Reichstaae zugeaanaen. X 15. württemberglschen Reichstagswahlkreise stellt sich,
* Lfr iß Dez Der Kaiser ist heute früh hier nachdem nunmehr auS allen Gemeinden bie Ergebnisse ehtaeÄ M^d Lab sich alLw nach demExerzir- vorliegen, wiefolgt: Gröb-r(Centrum) 10,346,Quibbe
Partei im Stabtverorbneten-Kollegium unb wirb bort i zweifellos mit rücksichtsloser Energie ihre Jbeen zum ; Ausbruck bringen. Die Vertretung ber Stabt Mainz e im hessischen Landtage und im deutschen Reichstage
„Der Reichstag wolle beschließen:
In Erwägung, daß
1. eine ersprießliche Thätigkeit der Handwerkerkammern nur dann zu erwarten ist, wenn dieselben sich auf einen beruflich und örtlich gegliederten organisatorischen Unterbau aufbauen; daß
2. die gesetzliche Regelung deS Lehrlings-und Gesellenwesens und die Schaffung einer entsprechenden obligatorischen Organisation zur Durchführung derselben einerseits ohne vorherige Bildung und Anhörung von Handwerkerkammern erfolgen kann, andererseits dringendst nothwendig ist; daß (
3. eine Anhörung der Betheiligten, soweit eine solche zur l tzemottatie stehen diejenigen der verbündeten anderen ÄFÄ52 i Wri« jÄfa. y« s°-m°e rtstet Männer möglich ist, einen lebhaften Appell an die CentrnmSwahler, den
unter Ablehnung des Gesetzentwurfs betreffend die Errichtung 5 gemeinsamen Wahlzettel Mann für Mann abzugebeben, von Handwerkerkammern (Nr. 17 der Drucksachen) die ver- ; um Mainz bavor zu bewahren, baß auch dessen Stadt- »--w-lvmg °°° SetarWt wird.
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