M 288 Samstag, den 14. Dezember 1895. 22. Jahrgang
mit Unterhaltungs-Beilage „Sterne und Klumen".
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* Die jüngsten Vorgänge im Rheinischen Bauern-Berein.
Von mehreren Theilnehmem der letzten Generalversammlung deS Rheinischen Bauernvereins geht uns die folgende Darlegung zu:
Von Tag zu Tag wächst die Zahl derjenigen Mitglieder des Rheinischen Bauern-VereinS, welche mit der Art und Weise, wie seit längerer Zeit einige leitende Persönlichkeiten deS Vereins auftreten, in steigendem Maße unzufrieden sind. Die Vorkommnisse auf der letzten Generalversammlung zu Neuß am 3. Dez. haben zur Erhöhung der Mißstimmung wesentlich bei» getragen.
Vor einiger Zeit hatte der Vorsitzende deS Vereins darüber Klage geführt, daß die CentrumS- p resse es an einer ausführlichen Berichterstattung über die Versammlungen des Bauern-VereinS habe fehlen lassen. Als dann kurze Zeit darauf seitens der Presse geeignete Berichterstatter unentgeltlich angeboten wurden, lehnte Frhr. v. Loö dieser Anerbieten dankend ab und erklärte, selbst für die Berichterstattung auf den Versammlungen Sorge tragen zu wollen.
WaS geschah nun auf der Neußer Versammlung? AIS der Redakteur der ,Niederrh. VolkSztg/ sich dem Herrn BereinSvorsitzenden vorstellt, wird ihm die merkwürdige Mittheilung gemacht, daß seine Anwesenheit im Saale nicht erwünscht sei; auch werden die übrigen anwesenden Vertreter der Presse aufgefordert, sich zu entfernen, da ein offizieller Bericht an alle Zeitungen geschickt werden würde. Während früher die Betheiligung der Vertteter der Presse an den Vereinsversammlungen gern gesehen wurde, scheinen sich in der letzten Zeit Verhältnisse herausgebildet zu haben, welche das Licht der Oeffentlichkeit vielleicht weniger ertragen können.
Allerdings sendet dann am Tage nach der Versammlung nicht etwa der Herr Vereinsvorsitzende, sondern der Sekretär deS Vereins, Herr Schreiner, den in Aussicht gestellten „offiziellen Bericht" an die verschiedenen Redaktionen ein. Ob der Berichterstatter selbst geglaubt hat, daß dieser Bericht auch nur ein annähernd getreues und richtiges Bild der Verhandlungen darstellt, lassen wir dahingestellt sein; so viel ist aber sicher, daß eine große Anzahl von Theilnehmern an der Versammlung in diesem Berichte eine objettive Darstellung oder auch nur das Bemühen, eine solche zu geben, nicht zu erkennen vermocht hat. Wenn eS das Recht der Vereinsmitglieder ist, über alles das, was auf den wichttgeren Versammlungen vorgeht, genau wlterrichtet zu werden, so ist in dem vorliegenden „osfiziellen Bericht" dieses Recht gröblich verletzt worden.
Der Neußer Versammlung haben Fragen von größter Wichtigkeit und Tragweite zur Berathung vorgelegen. Um so mehr durfte man erwarten, daß die Vereint leitung chre Pflicht, der ungeheuer« Mehrheit der nichtanwesenden Mitglieder einen allen auf der Versammlung geäußerten Meinungen gleichmäßig gerecht werdenden Bericht zugänglich zu machen, in gewissenhafter Weise erfüllt hätte. Obgleich der Vorsitzende selbst den „offiziellen Bericht" in Aussicht gestellt hatte, trägt der eingereichte Abzug folgende Ueberschrist: „Einer geehrten Redaktton stelle ich nachstehendes Referat unentgeltlich zur Verfügung. Hochachtungsvoll Schreiner." Es ist also nicht ersichtlich, wer für diesen Bericht die Verantwortung trägt.
Obwohl die Gegner deS PuntteS 6 der Kommissions- Vorschläge in ausführlicher Weise ihre Ansichten dargelegt haben, werden dieselben im vorliegenden Berichte mit einigen wenigen Zeilen abgefertigt. Ueber den Gang der Debatte schweigt sich der Bericht vollständig auS. Die Redner der Opposition hatten gerechte Ursache, sich dmch Unterbrechungen seitens des Vorsitzenden und Mahnungen zu kürzerer Fassung ihrer Darlegungen zurückgesetzt zu fühlen, da man die Freunde des Kom- missions-AntrageS ungestört auSreden ließ. Der verdiente CentrumS - Abgeordnete, Herr Rittergutsbesitzer v. Grand-Ry, der in ruhiger, sachlicher Weise auf die Tragweite der Beschlüsse aufmerksam macht und dieselben noch weiter von einer Kommission durch- bsrathen wissen will, muß sich von einem Vereinsbeamten Unterbrechungen wie: „Sind Sie doch ein
Mal ruhig," „ich komme gleich an Sie" (Stenogramm) gefallen lasten. Der Herr BereinSvorsitzende glaubt in dem Wunsche des Herrn v. Grand-Ry ein Mißtrauensvotum gegen die Jülicher Kommission zu erblicken.
Beim Schlüsse der Debatte lagen der Versammlung drei Anträge zur Abstimmung vor: 1. Antrag der Kommission, 2. Antrag Kallen, 3. Antrag v. Grand- Ry. Als man zur Abstimmung schreiten wollte, erhob sich Herr Gutsbesitzer Fell und fragte: „Wo bleibt mein Antrag?" Bei der allgemeinen Unruhe wurden Zwischenrufe laut „Welcher Anttag?" worauf Herr Fell erklärte: „Ich beantrage zunächst über den Kom- missions-Anttag abzustimmen." Nun ließ der Vorsitzende über den Antrag Fell abstimmen und erklärte, nachdem dieser Antrag angenommen war, mit dem Anträge Fell sei gleichzeitig der KommissionS-Antrag angenommen. Da in der Versammlung vielfach die Meinung herrfchte, es werde nach dem Anträge Fell der Reihenfolge nach über die drei Anträge abgestimmt werden, erhob sich unter großer Unruhe und Bewegung lauter Widerspruch. Rufe: „Mißverständniß! Gegen- probe!" wurden laut und gaben von dem Widerspruche und Unwillen eines großen Theiles der Versammlung Zeugniß. Der Vorsitzende verweigerte in großer Erregung jede Aufklärung und lehnte die Gegenprobe ab. Wie groß die allgemeine Unklarheit bei der Abstimmung war, geht daraus hervor, daß bei der Abstimmung über den Antrag Fell Hände sich erhoben und wieder fentten; die Leute wußten nicht, woran sie waren. Unter großem Tumult ging die Versammlung auseinander.
lieber alle diese Vorkommnisse geht der Bericht stillschweigend hinweg und schließt so die nicht anwesenden Mitglieder von der Kenntniß dessen, was im Vereine vorgeht, systematisch aus.
Daß die in letzter Zeit beliebte Praxis, die fub- jettiven Ansichten einzelner leitenden Persönlichkeiten, sowie diejenigen kleinerer Gruppen innerhalb deS Vereins der Gesammtheit der Mitglieder mit Hochdruck aufzuoktroyiren, ernste Gefahren für das Fortbestehen deS Vereins in sich trägt, liegt auf der Hand. Schon jetzt kann eine Vereinsmüdigkeit vieler Vorstandsmitglieder und vieler anderen Männer, die früher mit regem Eifer für den Verein gearbeitet haben, nicht geleugnet werden. Wird in dieser Weise weiter gewirthschaftet, so dürste ein rasches Zurückgehen, wenn nicht eine völlige Auflösung des Vereins in absehbarer Zeit zu erwarten sein. Wir würden eS schmerzlich bedauern, wenn der Rheinische Bauern- Verein, der in den langen Jahren seines Bestehens so herrliche Früchte gezeigt, gerade jetzt, wo die Roth- läge der Landwirthschast naturgemäß on seine LeistungS- fähigkeit erhöhte Anforderungen stellt, durch Uneinigkeit geschwächt würde.
Gemeinnütziges.
* Im Winter ist die Zeit, alte« Bäume« die nöthige Sorgfalt zu widmen. Mit Ausnahme deS Nußbaumes, der unter allen Umständen im September ausgeputzt werden muß, längstens im Ottober — nach der Nußernte, kann man alle die nöthigen Operationen in den Ruhemonaten vornehmen, sofern nicht die Kälte zu groß ist, also nicht über 2—3 0 K. steigt. Man entfernt erst einmal alle trockenen und alten Zweige vorsichtig, ebenso ganze Hefte, wenn es nothwendig und hüte sich, daß größere Astpatthien durch ihr Gewicht nicht abfchlitzen und so nur größere I Verwundungen verursachen. Die ausgefaulten Löcher, die Vertiefungen, in welche sich daS Wasser einsetzt, werden Sorgfältig gereinigt bis auf das junge resp. lebende Holz, dann folgt em Anstrich mit heißem Stein» ; kohlentheer und hierauf werden erst die Tiefstellen mit " Cementbrei ausgefüllt, und der der Wetterfeste zuge- s kehrte Theil sorgfältig nochmals mit heißem Theer \ überstrichen. Kalter Steinkohlentheer hat keinen großen ■ Werth, er haftet zu wenig und läßt Näsie und Pilze • einbringen. Bei alten Säumen ist in den meisten Fällen \ eine völlige Erschöpfung des OberbodenS, Undurch- ‘ drmglichkett und NahrungSlosigkeit des Untergrundes zu konstatiren. Sehr oft treten diese Mängel vereint z auf. Es ist nur nothwendig, den Bäumen neue Nahrungsquellen zu eröffnen. Man untersuche auf weitere i Strecken den Boden, wo faule oder fonstige schlechte Wurzeln sind, müffen dieselben auf gesundes Holz zu-
rückgefchnitten werden. In dm meisten Fällen wird es sich darum handeln, genügenb Nahrungsstoffe in den Boden zu bringen, was ja jetzt mit den Nährsalzen mittelst Pfahleisen und Bohrer leicht geschehen kann. Andernfalls werden mit dem Spaten gegen die Kronentraufe hin, aber auch über dieselbe hinan-, viereckige 50—60 Gentimeter tiefe Gruben gemacht, diefelbm mit altem Dünger und Erde gefußt und dann einigemal gejaucht. Dieses gilt mit dm Obstbäumen. Alte Zierbäume des Gartens ober des Parkes verlangen eine abweichende Behandlung, wenn sie nicht mehr lebenskräftig sein sollen; da müssen die Wurzeln sorgfältiger untersucht werden, verpilzte Wurzeln müffen entfernt werden. Der verbrauchte ausgesogene Bodm muß entfernt werden, soweit dies geschehen kann, ohne den Bäumen zu schaden, woraus man die Löcher mit guter verrotteter Erde, Kompost oder Lauberde ausfüllt und die guten Wurzeln mit der Hand sorgfältig wieder ausbreitet. Koniferen lassen sich leicht dadurch wieder Herstellen, daß man auf die Baumscheibe kräftige Erde 12—20 Centimeter hoch ausbreitet; gute Walderde mit altem Kompost gemischt, thut hierbei treffliche Dienste, auch Straßenabraum, mit sandiger Lehmerde gemischt, ist sehr zu empfehlen. Will man ein Mehr thun, so grabe man Drameröhrm unter dem Boden ein und lasse dieselben längere Zeit offen; auch einfache Bohrlöcher von circa 60 Zentimeter Tiefe, die einige Monate im Spätjahr und Vorwinter, ober im Frühjahr offen stehen, leisten treffliche Dienste.
* Gegen Würmer bei Pferden, an welchen diese so häufig leiden, empfiehlt sich mit Erfolg nachstehendes Mittel: 3 Gramm stinkendes Tbeeröl, 60 Gramm FarrnkräMerwurzel, 30 Gramm Altheewurzel- pulver. Aus dieser Arznei wird durch Zugießen von Wasser eine Latwerge hergerichtet. Man füttert das Pferd einige Tage knapper, möglichst unter Zugabe von gelben' Wurzen (Möhren) und gibt nun die Latwerge Morgens nüchtern in zwei Gaben, innerhalb zwei Stunden gibt man dann ein gutes Abführmittel, und die Würmer werden dann massenhaft abgehen.
vermischtes.
* Heidelberg, 13. Dez. Am Mittwoch ritt auf dem Rücken eines stattlichen Esels ein Musensohn, sein in Frack und mit weißer Binde geziert, zur Universität, um eine ihm zudiktirte Karzerstrafe anzutreten. Aus einem mit Kühen bespannten Wagen gaben zwei ebenfalls in Fräcken steckende Kommilstonen dem Delinquenten das feierliche Geleite. Biel Geist verräth ein solcher „Ulk" gerade nicht!
Literarisches.
Heilige «nd selige Kinder. Eine kleine Legendensammlung von heiligen und seligen Kindern. Der lieben christlichen Jugend gewidmet von I. Hofmann, weil. Priester der Diözese Würzburg. Mit oberhirtlicher Genehmigung. Verlag von Andreas Göbel in Würzburg. Preis broschirt 15 Pfg., gebunden 20 Pfg.
Das handliche Büchlein enthält 33 kleine Beschreibungen heiliger Kinder, wahre Heiligenbilder, liebliche Miniaturgemälde der erzählenden Kunst, gemalt von alterprobter Hand; sie sind von unnachahmlicher Kürze, Anmuth, Kindlichkeit und Klarheit, so wie sie nur immer ein Kinderfreund, wie Herr Psr. I. Hofmann war, hinzuzaubern vermag. Sieben rasch vergriffene Auflagen verrathen bereits auf dem Titelblatte des Büchleins Werth. Die Legenden selbst fesseln aber auch jedes kindliche Herz und begeistern zur Nachfolge. Das ist es aber auch, waS der Seelsorger von solch' einem Büchlein erwartet; darum wird er nicht ermangeln, es als Fleiß- und Preisbüchlein, als Namenstags- und Neujahrs-Geschenk an seine Sonntagsschaler, Ministranten und Erstkommunikannten, ebenso an die Christen- lehrjugend und seine sonstigen kleinen Freunde zu Vertheilen, da- für aber auch einen vollen Chor und Flor herrlicher Tugend- blüthen und Blumen im Garten seiner Pfarrei erziehen und erzielen.
Katholische Zehnpfennigbibliothek. Verlag von Eberle &
R ickenba ch in Einsiedeln (Schweiz) und St. Ludwig (Elsaß).
Unter dem Titel „Nimm und lies" und unter der Redaktion eines hervorragenden geistlichen Schriftstellers find über hundert schöne Erzählungen erschienen, welche wir dem katho- lischen Volke nicht genug empfehlen können. Die Bändchen sind so ungemein billig, daß die Anschaffung auch dem Aermsten möglich ist, denn jede Nummer kostet, trotzdem sie solid gebunden ist und 64 Seiten enthält, nur 10 Pfennige, fo daß man für 10 Mark eine ganze Bibliothek von 100 Nummern und 6400 Seiten erhält. Dreißig Bändchen find von Christoph Schmid, die übrigen 70 von Bischof Egger, Wetzel, Laicus, Straub. Koch, Habicker und andern hervorragenden katholischen Schriftstellern. Bei der großen Masse der vergiftenden billigen sog. Volks- schristen ist dieses wirklich gut katholische und zum Staunen billige Unternehmen doppelt zu begrüßen. In jeder katholischen Gemeinde sollten diese Heftchen verbreitet werden. Seelsorgern, Lehrern und katholischen Vereinen empfehlen wir die Sache dringend zur Beachtung!