288 Samstag, den 14. Dezember 1895. . 22’
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mit ynterliitltuiigs-ytilnge „Sterne und Slmnrn".____________________
* Der Kaiser begab sich beute Vormittag in vier
O!fiziers-Waarenyaus geyon oaym. L-u» urup z 'er beabsichtige den Eindringling zu
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viel vom Gegentheil. . i
Es ist eine unleugbare, offen zu Tage liegende [ Thatfache, daß sich die einzelnen Volksschichten immer mehr von einander trennen und Zwischenwände errichten, über welche sie einander kaum zu erblicken ver- mögen. Am augenfälligsten tritt dies zunächst m der Scheidung zwischen „Civil" und Militär hervor. Mit den stets vergrößerten Heeren mehrt sich die Mit- qliederzahl des berufsmäßigen Militärstandes stetig; aber man macht auch die Erfahrung, daß letzterer sich mehr und mehr vom sonstigen Volke absondert, vom Unteroffizier bis zum General hinauf sich als etwas vom Bürgerthume ganz Verschiedenes betrachtet. Daß eine gewisse Absonderung für ein Heer, tote wir es nörhig haben und glücklicher Weise auch besitzen, noth- wendig und unentbehrlich ist, kann man vernünftiger Weise nicht in Abrede stellen; auch ist jeder gerechte Beurtbe'ler selbstverständlich weit entfernt, dem einzelnen Berufsmilitär auS der Abfonderung vom „Cwil einen Vorwurf zu machen und ihm deshalb nur eine irgendwie geringere Achtung zu zollen: was hier betont werden foll, ist einzig und allem das System, welches entweder darauf hinausgeht oder fo verstanden wird, daß Militär und „Civil" miteinander möglichst aar nichts zu thun haben dürfen. So ist es entschieden zu weitgehend, wenn in Offizierskreifen die Anschauung Platz greift, daß z. B. in einer Restauration, wo Offiziere verkehren, dieselben nur ganz unter sich am getrennten Tische sein dürfen und höchstens noch unter Umständen mit dem Referve-OsfizierScharakter Behaftete zu Massen seien. Das wird durchaus mcht überall ge- handhäbt, aber vielfach ist es der Fall; und tote m dieser Einzelheit, die Jeder zu beobachten Gelegenheit hat. so ist ts in manchen anderen Dingen, auch das Offiziers-Waarenhaus gehört dahin. Dies System muß
spännigem Jagdwagen vom L------ ... - . ,
Rendezvousplatzr in der Nähe von Pichelsberge und hielt im Grünewald eine Hofjagd auf Damwild. >
Schichten eine -------------- _ - ■ • , - .
bildet die das Verständniß für das Fühlen und Denken anderer Steife mindestens sehr erschwert. EL wäre dies nun gerade für den Beruftmilttärstand am wenigsten bedenklich, wenn dieser stets in seinen Kreisen bliebe und somit seinen Anschauungen stets ungefährdet nachleben könnte, da Ehrgefühl und Pflichttreue die zwei Tugenden sind, die vom Militär in allererster Lime verlangt werden. Jndeß geht ein sehr bedeutender Theil des BerufsmilitärS in den späteren Jahren, wenn sich Lebens- und Weltanschauung sestgesetzt hat, in bürgerliche Berufe über, fei es zur Bewirthschaftung von Grundbesitz, sei es zur Bekleidung amtlicher oder nichtamtlicher Stellungen. Die Zahl der unteren Beamtenstellen, welche den Militäranwärtern ganz oder zu hohem Prozentsätze Vorbehalten sind, ist eine ausgedehnte und geht sicher nicht zurück, sondern erweitert sich fortwährend. Aehnlich steht eS mit den höhern Beamtenstellen, welche pensionirte Offiziere nach kurzem Vorbereitungsdienste erhalten. Muß man nun nicht . zugeben, day es zu Bedenken Anlaß geben muß, wenn fönst in jeder Hinsicht achtungswerthe und wohlwollende ! Personen kraft ihrer militärischerseits gepflegten An- ? schauungen von einer eigentlichen Fühlung mit dem Volke kaum etwas an sich haben? Werden diese m der Lage sein, sich im reiferen Alter, wenn das Haar sich lichtet und bleicht, diese noch immer in erforder- « lichem Maße anzueignen? Gerade für unser Berufs- militär, welches zum großen Theile auf spätere „Civil- 6
Dieselbe ist unter außerordentlich zahlreicher Beih-'.li- auna bei schlechtem Wetter vor sich gegangen. Aach der Reichskanzler nahm an der Jagd thett. Der Kaiser erlegte außer zahlreichem kleineren tastlD Schaufler. ES waren nur 300 Stück Damwild frei- gelassen worden. Das Frühstück wurde rm Jagdzelte eingenommen. Nach der Jagd fuhr der Kaiser mit dem Prinzen Georg von Sachsen vom Grünewald nach Berlin und besuchte Abends das Theater. — Morgen reist der Kaiser bekanntlich nach Kiel. Am Moniag wird er sich von Kiel nach Altona begeben. Doft beabsichtigt er, nach dem Hafen zu fahren, um die Schiffswerfte von Blohm und Boß zu beuchen. Alsdann wird der Kaiser bei dem General Graf Walderfee das Frühstück einnehmen und nach Kiel Weiterreisen.
* Frhr. v. d. Recke, der neue Minister des Innern, wurde am Freitag vom Kaiser und von der Kaiserin empfangen. Diefe empfing später auch das Reichstagspräsidium.
* Herr v. Köller hat, wie fern Leiborgan, die Teusch. Tageszeitung' hervorhebt, bei dem Mmister- werden ein schlechtes Gelchäft gemacht. Seme Pension beträgt nur 14 800 M., während das Gehalt in Straßburg 22 000 M. betrug. — Aber Herr v. Kö4er ist doch noch recht arbeitsfähig, wenn auch nicht gerade als Minister des Innern. .
* Der .R-ichSanznger' veröffentlicht einen Be- I schluß des Staatsministeriums, der verföne- dene Bestimmungen über die Berechnung der Reise- «Nd Umzugskoste« der Beamten trifft in der Richtung einer Einschränkung derselben möglichst auf das Maß des wirklich Gebrauchten und Notbwendiqen.
* Eine Gesellschaft m. b. H. „Deutsche Kolonial- Ausstellung 1896, kommerzieller Theil" schreibt in den Blättern ihre Antheile von inszesammt 600 000 Mk. aus, wofür eine mehr als 100 prozentige Dividende versprochen wird. Nachdem bereits der Arbeitsausschuß derKolonial-Ausstellung sich gegen diese Grün- düng gewandt hat, erklärt nun auch der .Reichsanz., daß die Kolonial-Abtheilung des Auswärtigen Amtes nichts damit zu schaffen hat und alle Kosten ihrer Ausstellung selbst bestreitet. Demnach erscheinen die in dem Prospekte der Gründung gemachten Angaben, wonach z. B. die Hauptausgabe von 200 000 Mk. auf das Regierungsgebäude entfallen folle, geradezu als ein dreister Schwindel. Der,Reichsanz.', welcher diese Bezeichnung allerdings vermeidet, bemerkt schließlich: Unberührt von diesem Vorgänge bleibt das Interesse, welches die Kolonial-Abtheilung des Auswärtigen Amtes dem Gelingen der Kolonial-AuSstellung entgegmbrmgt, die sie in Gemeinschaft mit dem Arbeitsausschuß mit allen Mitteln zu fördern nach wie vor bemüht ist."
* Die Kommission für Arbetterstalistik beschäftigte sich, wie der ,Reichsanzeiger' heute wieder berichtet, in ihren Sitzungen am Dienstag und Mittwoch zu- nächst mit der Erhebung über Arbeitszeit, Kündigungsfristen und LehrlingSverhältniffe im Handelsgewerbe. Die Kommission hält eine Regelung der Arbeitszeit in den offenen Ladengeschäften für noth- wendig und durchführbar und befürwortet den Erlaß einer Vorschrift, wonach die Läden von vorübergehenden Ausnahmen abgesehen zwischen 8 Uhr , Abends und 5 Uhr Morgens geschlossen , ftin müssen und die Angestellten während dieser Zett i in der Regel nicht beschäftigt werden dürfen Die Kommission verlangt weiter für die Angestelsten Sicherung der Zeit zur Hauptmahlzeit und (bei Gehilfen und Lehrlingen unter 18 Jahren) der Zeit zum Besuche der Fachschule, ferner Bestimmungen zur Verbesserung der Ladenräume, Einführung einer monatlichen MinimalkündigungSfrtst u. A. Zu Punkt 2- Erhebung über die Arbeitszeit in Getreidemühlen" wurde die mündliche Vernehmung von 40 AuLkunftspersonen aus dem Müllereigewerbe
5 „Gesellschaftliche Kreise" und Gemeinsinn.
Es soll ein „demokratischer Zug" durch unsere Zeit geben. Das mag richtig feilt, kann aber auch für sehr unrichtig gehalten werden, je nachdem man das Wort Demokratie auffaßt. Gewiffe Leute fehen in der Demokratie nichts anderes als das Auflchnen gegen die hergebrachte und fchließlich gegen jede Autorität in diefem Sinne haben wir freilich „Demokratie genug ju unferen Tagen. Faßt man aber Demokratie als das gemeinsame Streben eines ganzen voll- tischen Gemeinwesens, mit Einschluß aller VvlkSkreise seine Angelegenheiten zu ordnen und sein materielles und geistiges Snteteffe zu ver- festen, so merkt man bei uns blutwenig von Demokratie oder von einem „demokratischen Zuge", aber sehr
Versorgung" angewiesen wird und dann mitten tm Bürgerstande stehen muß, ist es daher tm Volksinteresse । nothwendig, daß es den Pulsschlag des Volkes kennt und fühlt; der hermetische Abschluß muß eine nattonale Schädigung bedeuten ober legt mindestens die Gefahr derselben sehr nahe.
Aehnliche Ausführungen ließen sich über verschiedene Civilbeamten-Kreise liefern. Im Volke hat manthat- sächlich das wohl nicht grundlofe Gefühl, daß das Beamtenthum vielfach das Bestreben zeige, sich in ähnlicher Weise, wie das Militär, abzusondern. Unb in den verschiedenen Beamtenschichten selbst macht sich dies Bestreben wiederum in steigendem Maße geltend; überall wo das Beamtenthum an einem Punkte starker vertreten ist, macht man die Erfahrung, daß nicht nur Hoch und Niedrig sich trennt, sondern auch die einzelnen Kategorien den gesellschaftlichen Rang- und Klassifikations-Codex mit einem Erfolge beachten und studiren, daß die Berührung unter einander möglichst vermieden wird. Die Abfonderung vom „Publikum geht dann ziemlich generell nebenher. Das Volk ist ! nicht der Beamten wegen da, sondern der Beamte des Volkes wegen; diefer unbestreitbare Satz besagt nicht, daß der Beamte deshalb unter dem Volke steht, sondern der logische Schluß aus demselben ist einzig und allein, daß der Beamte im Volke stehen muß. Nur eine Beamtenschaft, speziell eine VerwaltungS- und Justizbeamtenschast. welche diesen Grundsatz hochhält, wird ersprießlich wirke,i und das öffentliche Wohl, getragen durch das Vertrauen des Volkes, vertreten und fördern können; wird der Grundsatz verlaffen, so stellt sich das öde Bureaukratenthum ein, die schlimmste Gefahr, die einem Beamtenthum überhaupt drohen kann. Ohne uns auf das hohe Pferd zu setzen, dürfen wir behaupten, daß wir bei uns im Reiche einen Beamtenstand besitzen, der in hoher Auffassung seines Amtes und moralischer Integrität semes- aleichen auf dem Erdenrund sucht - um so mehr wäre es zu bedauern, wenn derselbe durch den Verlust der Fühlung mit dem Volksleben an der hervorragendsten Wurzel seiner ersprießlichen Wirksamkeit steigende Einbuße erlitte. „ . , , , _ ,
Der von uns hervorgehobene Mißstand dehnt sich übrigens auch im Volke selbst in bedenklicher Weise aus Ein Beweis dafür, der Jedem in die Augen fällt: Wie steht es in manchen Städten mit den dortigen großen allgemeinen Bürgergesellschaften, die dazu bestimmt waren, bet gesammten ehrenwerthen Bürgerschaft einen Vereinigungspunkt zu bieten, um ohne Rücksicht auf Stanb unb Gewerbe sich gegenseitig aus- zufvrechen, sich kennen unb achten zu lernen? Fast überall steht ber Besuch derselben in schwindendem Mißverhältnisse zu der Mitgliederzahl, und diejenigen, welche erscheinen, bilden gesonderte „Tuche , an denen | ein „Neuling" scheel angesehen wird, da man das Ge-
------------—--- Bbannementsvreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig.
nur bei Festen ober ähnlichen Anlässen sehen, fitzen aber sonst keineswegs zu Hause hinter dem Herde, sondern haben ihre übrigen Cirkel, in denen sie „unter sich" sind, und wenn das nicht der Fall ist, fühlen sie sich nicht mehr zufrieden. Es ist ein stillschweigender „Grundsatz" geworden, möglichst nur mit „Seinesgleichen" zu verkehren; von diesem aus werden lächerliche Rangklaffen konstruirt, von denen aus nach oben mit Neid, nach unten mit Mißachtung geschaut wird. Auch unsere Frauenwelt ist in der Beziehung nicht ganz ohne Schuld. „Aber, wie kann ich doch mit der und der gehen, die (ober beten Mann) ist doch nur das und das!" hört man oft genug sagen.
Es wird wohl nicht nothwendig sein, die auf dem oben AuSgeführten sich ergebende Folgerung extra hervor- zuheben: in der Wahrung des Gemeinsinnes liegt ein hochbedeutfames Slück sozialer Frage, tm
। SXjarssMÄS - - amneS aus. _____________________________ . Verkehr mit Butter, Käse und Schmalz und deren
- ... „ r» .< | Ersatzmitteln", ist gestern vom BundeSrathe angenommen
Deutsches Reich. ; worden. Die .Berliner Korrespondenz' veröffentlicht
Berlin, 13. Dezember. i den Sntwnrs in seiner jetzigen Fassung. Danach hat
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Neuen Palais nach dem - änderungen erfahren. Nach dem § 4 sind zum Be
------' 1 ! treten der Fabrikattonsramue rc. nicht nur die Beamten der Polizei, sondern auch „die von der