M 288 Samstag, deu 14. Dezember 18W 22. Jahrgang
FuldilerWZkitilng
mit Unterhaltunga-Krilagr „Sterne und Klnmen«. ______
erscheint tSgttch, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher AbounemeutSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate feiten die einspaltige Karmondzeite oder deren Ranen 15 Pf., Reklamen die Petrtzerle ~o Pf., bet Wtederholnngen entsprechender Rabatt.
K* Drittes Blatt.
tcibuoll und freudvoll.
Novelle von L. v. Neid egg.
(36. Fortsetzung.)
Die Gräfin erschrak furchtbar, als einige Stunden später sich Anna bei ihr melden ließ und sie bat, ihr noch am selben Abend die Abreise gestatten zu wollen. Die Vorhersagung deS Polizeibeamten fiel ihr ein; forschend ruhten ihre Blicke auf dem Mädchen, das todtenbleich vor ihr stand. Tiefe schwarze Schatten lagen unter Anna's Augen; ihr Gesicht trug den Ausdruck heftiger Seelenkämpfe, die in ihr vorgegangen sein mußten. „Sollten es Gewissensbisse sein, die sie martern?" fragte sich die Gräfin.
Wieder blickte sie in Anna's Augen, in jene ehrlichen Augen, welche von Anfang an einen so eigenartigen Zauber auf sie auSgeübt hatten, und schnell, wie er gekommen, schwand der Verdacht. „Der Polizei- Kommissar hat mich angesteckt mit seinem Mißtrauen; ich werde doch nicht so thöricht sein, mich von ihm beeinflußen zu lassen!" sagte sie sich. „In Sp'tzbuben- seelen mag er zu lesen wissen — ehrliche Physiognomien vermag ich aber besser zu erkennen als er."
Unter diesem Eindrücke sprach sie Anna sehr liebreich zu, nicht abzureisen. „Sie handeln sehr unklug, wenn Sie gehen, mein Kind. Sehen Sie denn nicht ein, wie sehr Sie damit Denjenigen in die Hände arbeiten, die Ihnen übel wollen?"
„Ich kann — ich kann nicht hier bleiben!" stammelte Anna. „Was Sie mir davorstellen, Frau Gräfin, habe ich mir selbst gesagt. Ich kann es aber nicht aushalten, die Zielscheibe aller Blicke zu sein, zu sehen, wie Jedermann sich berechttgt glaubt, jede Linie meines Gesichtes zu studiren. Sie allein, Frau Gräfin, begegnen mir noch mit der gleichen Güte und Freundlichkeit; das Kind aber, das ich so sehr liebe, fängt sogar an, mich zweifelnden Blickes anzusehen. Ueberall, wohin ich schaue, entdecke ich nur feindselige oder mißtrauische Gesichter. Ich ertrage das nicht länger, Frau Gräfin!"
Ach hätte sie nur herauSfagen können, was sie sonst noch peinigte: die tödtliche Angst, deS Vaters Namen als den eines abgefaßten Verbrechers in der Zeitung zu lesen, und dann Robert! Nein, eS stand fest bei ihr, sie mußte fliehen, sie mußte sich verbergen; in tiefster Zurückgezogenheit mußte sie die unvermeidliche Katastrophe abwarten.
„Um Ihrer selbst willen sollten Sie das Alles zu ertragen suchen," mahnte die Gräfin fteundlich. „Sie sollten eS über sich gewinnen, den gekränkten Stolz n'ederzukämpfen. Was soll aus Ihnen werden, wenn Sie so urplötzlich aus meinem Hause gehen? Wie soll es Ihnen möglich werden, wieder eine Anstellung zu finden? Bleiben Sie hier, mein Kind, ich will Sie schützen."
Anna ließ sich auf die Kniee niedergleiten und erfaßte die Hände ihrer wohlwollenden Beschützerin. „O Frau Gräfin, machen Sie mir das Herz nicht schwer," flüsterte sie. „Ich muß gehen, ich muß verschwinden; ich bin eS . . . Robert Tiefenbach schuldig!"
Der Gräfin Gesicht verfinsterte sich; sie zog ihre Hände aus denen Anna's.
In wiefern trägt Graf Tiefenbach die Verantwortung für Ihren Entschluß?" fragte die Gräfin ernst.
„Er hat mir geschrieben, daß er mich zur Frau haben wolle," antwortete Anna kaum hörbar.
Die Gräfin legte beide Hände auf Anna'S Schultern, ihr rundes Gesicht verklärte sich vor Freude. „So fagen Sie doch Ja und machen Sie damit aller Noch ein Ende!"
„Das kann — das darf nicht sein!" antwortete Anna, und feste Entschlossenheit lag auf ihren Zügen. „Das verarmte Eoelfräulein hätte er zu feiner Frau machen können, meine heiße Liebe hätte feinen Edelsinn gelohnt; die . . ." — sie hielt das Wort zurück, daS auf ihren Lippen schwebte — „die Tochter eines Diebes, die deS Diebstahls Verdächtigte, darf ihr Geschick nicht mit dem seinen verbinden. Mein Entschluß fällt mir schwer — sehr schwer!" fuhr sie schmerzlich bewegt fort. „Aber wenigstens trage ich mein Leid allein."
Die Gräfin fing an, den Zusammenhang zu er- rathen; sie war keine begabte Frau, aber in gar manchen
Fällen sieht daS Herz weiter als der Verstand. „WaS haben Sie dem Grafen geantwortet?" fragte sie und zog deS Mädchens Kopf zärtlich an sich.
„Daß er mich als eine Todte betrachten und jede Nachforschung nach mir aufgeben solle. Unübersteig- liche Hindernisse trennten mich von ihm."
„Glauben Sie denn, daß ihm, der Sie liebt, diese Antwort genügen wird?"
„Sie muß es, sie wird eS; ich verheimliche ihm meinen künftigen Aufenthaltsort. Ich werde weit weg fein, wenn er den Brief erhält. Heute Abend, wenn ich zur Bahn fahre, schicke ich denselben ab."
„Und gesetzt, ich fragte Sie, wohin Sie sich begeben, und verriethe eS ihm?" sagte die Gräfin und blickte ihr forscher d in'S Gesicht.
„Liebe Frau Gräfin!" — und Anna umschlang die Gräfin mit beiden Armen — „das werden, das können Sie nicht thun! Selbst Ihnen verweigere ich jede Auskunft über meine Pläne. Sollten Sie etwa eine Ahnung haben, wohin ich mich begebe — o so flehe ich Sie darum an, bewahren Sie mein Geheimniß. Ersparen Sie dem Grafen und mir schwere Kämpfe, bittere Seelenpein! Ich liebe ihn zu sthr, um ihm nicht jede- Opfer zu bringen : aber ich ertrüge es nicht, ihm eine Schande zu sein!"
„O Anna! Sie eine Schande?"
Anna erhob den Kopf, und ein jammervoller Blick aus ihren Augen verrieth der Gräfin, war in ihrem Innern vorging.
„Armes, armes Kind! Warum sollen Sie aber für Andere leiden? Offenbaren wir Allen die Wahrheit?"
„Um GotteSwillen, Frau Gräfin," rief Anna halb verzweifelnd aus. „Dringen Sie nicht weiter in mich, lasten Sie mich ziehen. Mein Entschluß ist gefaßt, und meine einzige Bitte ist, daß Gott mir die Kraft gebe, ihm treu zu bleiben. Die Pflicht erfüllen, das muß allem vorgehen . . . auch meiner Liebe. Was auch ferner geschehen möge, o nicht wahr, Sie edele, theuere Wohlthäterin, Sie werden meiner fteundlich gedenken?" bat sie und drückte der Gräfin Hände an ihre Lippen.
Die Gräfin nickte mit dem Kopfe, Thräne um Thräne fiel von ihren Augen. „So gehen Sie Ihren dornenvollen Weg, Sie treue Tochter! Gott wird Sie nicht verlassen. Martha und ich, wir wollen für Sie beten, daß Er Ihren Pfad erhelle." Sie fuhr liebkosend Über Anna's Scheitel und sah ihr theilnehrnend mit unaussprechlich wohlwollendem Blicke in die Augen. Dann zog sie deren Kopf nochmals an sich und drückte einen heißen Kuß auf ihre Stirne. Mühsam ihr Schluchzen unterdrückend, erhob sich Anna und ging langsam aus dem Zimmer. In Thränen aufgelöst, blieb die Gräfin zurück.
Als am Abend desselben TageS alles im Salon sich gesammelt hatte, deS Augenblickes gewärtig, wo man zum Abendessen sich begeben sollte, fand es sich, daß Gräfin Hollerbrunn und Martha fehlten. Der Graf führte seine Gäste in'S Speisezimmer, entschuldigte die Abwesenheit seiner Frau und sagte, sie würde über ein Kleines erscheinen. Nach kurzer Zeit kam sie denn auch; sie war sehr bewegt, an ihren Wimpern hingen Thränen. Neben ihr ging Martha mit von Weinen geschwollenen Augenlidern.
„Ich bitte recht um Verzeihung, daß ich warten ließ," sagte die Gräfin. „Martha und ich sind eben erst zurückgekommen; wir haben Fräulein Groshoff ein Stück Weg'S begleitet. Sie ist nach dem Bahnhofe gefahren."
„Siehe da!" sagte Elisabeth höhnisch.
Gräfin Hollerbrunn wandte sich nach ihr um; die feuchten Augen blitzten. „Was bedeutet Dein Ansmf, Elisabeth?"
„Ich wundere mich nur über diese sonderbar rasche Abreffe," gab diese ttocken zur Antwort.
„Fräulein GraShoff begibt sich zu ihren Verwandten," fuhr die Gräfin gelassen fort.
„Ihren Verwandten?" wiederholte Elisabeth gedehnt.
„Ja so!" versetzte die Gräfin mit ganz außergewöhnlicher Schärfe. „Ich vergaß, daß fie, seit sie im Unglück ist, keine Verwandte mehr hat. Um mich ganz korrekt auszudrücken: sie suchte treue Freunde auf, die ihr in schweren Zeiten beigestanden haben. Der Abschied von ihr ist mir sehr schwer gefallen; sie
ist ein vortreffliches, achtungswerthes Mädchen, und ich erwarte, daß in meinem Hause Niemand eS fich heranSnehmen wird, ihren Charakter anzugreifen."
Eine peinliche Pause entstand. Die Gräfin hatte in ihrer zornigen Aufwallung den Muth zu dieser energischen Zurechtweisung gefunden und erschrak nun über die eigene Kühnheit. Erröthend setzte sie sich an ihren gewohnten Platz. Der Graf strich sich den Bart und bemühte sich, ein beifälliges Lächeln zu verbergen, das die Tapferkeit seiner kleinen Frau ihm entlockte. Elisabeth gab sich alle Mühe, unbefangen drein zu schauen, während ihre Cousinen vor Erstaunen über die entschiedenen Worte ihrer sonst so nachgiebigen Stiefmutter förmlich erstaunt waren.
Die wenigen Gäste, die noch anwesend waren, brachten schnell einige interessante Gegenstände zur Sprache, und anscheinend wenigstens war die Erzieherin bald vergessen. Als aber cm späten Abend Gräfin Hollerbrunn sich allein mit ihrem Manne befand und» die Ereignisse der Tages ihm berichtete, rief sie energisch aus: „So fest ich an Gott im Himmel glaube, so gewiß hoffe ich, daß Anna Neudingen der- einst noch ihr Recht wird!"
„So möge es fein!" erwiderte der Graf, der sehr müde war und mühsam ein Gähnen unterdrückte. „Und auch Dir möge Dein Recht werden, Du herzhafte kleine Fran, indem Du Deine Perlen wieder erhältst! Gute Nacht, Marie."
(Fortsetzung folgte
Literarisches.
L. v. Hammerstei» 8. J., Son», und Festtagslesuuze« für die gebildete Welt.
Der Jesuitenpater v. Hammerstein, dessen apologetische Bolks- schristen schon zu einer ganzen Bibliothek herangewachsen sind, hat unter obigem Titel in der Paulinus-Druckerei zu Trier ein neues Volksbuch erscheinen lassen. Erbauliches und Belehrendes, Geschichte und Apologetik wechseln in den 72 Abschnitten angenehm ab, um in einer stillen Sonntagspause dem frommen Leser Ant- wort aus eigene und fremde Fragen zu geben, wie solche die moderne Zeit so vielfach aufwirft. Die Auswahl ist eine durchaus zeitgemäße und die Beweise durchweg den neuesten Forschungen entnommen. — Ebenso überraschend wie belehrend sind die Graphischen Darstellungen desselben Verfassers (Paulinus- Druckerei). Zwei Blätter enthalten: Die Darstellung 1) der hauptsächlichsten Religionen, 2) der bekannteren christlichen Kon- fessionen. Alter und Mitgliederzahl werden in eine Jahresreihe eingetragen durch einen horizontalen Strich, der mit der Zahl der Bekenner an Stärke zunimmt. Diese Formel sagt nichts An- deres, als die Statistik nachweist, beruht sie doch auf derselben:; aber sie wirkt berichtigend und packend auf das Berständniß. Das Nähere führt Hammerstein in seiner Schrift: „Das Christenthum und seine Gegner" aus.
Neueste, gute Schuellküche. Eine Anleitung zur schnellen, erleichterten und sparsamen Herstellung nahrhafter und wohl- schmeckender Gerichte für jeden Haushalt. Auf Grund eigener, langjähriger und bewährter Erfahrung verfaßt von Frau von Sz. Dritte verbesserte und vermehrte Auflage. Berlin, Verlag von Friedrich Schirmer. Preis elegant gebunden 5 Mark.
Schon die erste Auflage dieses neuesten Schnellkochbuches fand bei den berufenen Beurtheilerinnen derartiger Schriften, den Hausfrauen, eine überaus günstige Aufnahme und Beur- thcilung. So schrieb z. B. die .Allgemeine deutsche Hausfrauen- zeitung': „Die Verfasserin hat in ihrer gediegenen Arbeit das Zweckmäßigste aus den verschiedenen Küchen mit ihren eigenen reichen Erfahrungen und Erfindungen unter den beiden Gesichtspunkten des beschleunigten und rationellen Verfahrens vereinigt. .... Die Ausgabe für das Buch wird in kurzer Zeit reichlich gelohnt durch die vielfachen Erfahrungen, welche dessen eminent praktische Angaben lehren." Seitdem ist das Buch nun noch bedeutend verbessert und vermehrt worden; es gibt jetzt 1644 Rezepte, eine längere Abhandlung über Nahrungsmittel und ihre Zubereitung im Allgemeinen, sowie im Anhänge eine lehr- reiche Abhandlung über die Krankenküche mit zahlreichen Angaben über die Zubereitung angemessener Speisen für Kranke. Auf Grund einer eingehenden Prüfung von sachverständiger Seite können wir das Buch allen Hausfrauen auf's Wärmste empfehlen; dasselbe eignet sich auch in hervorragender Weise zum Fest- geschenk.
Hottesdienst-Hrdnirng in Aulda.
Sonntag, 15. Dezember. Dom. Um 51/«, 6, 6’/« und 7*/i Uhr heil. Messen, 6«/« Uhr hell. Meße und Kommunion der Schulkinder, 9 Uhr Umgang, Hochamt und Predigt, 11 Uhr Christenlehre, l1/* U. Nachmittagsandacht für die Jugend, danach Christenlehre, 2 Uhr LcSper, 4 Uhr Pfarrbruderschaft mit Predigt, 7 U. Andacht in der Merienkapelle. — Stadtpfarr- kirche. 51/« Uhr hl. Messe mit Predigt, 61/« und 7 Uhr hl. Meßen, 8 U. hl. Meße mit Predigt und Kommunion der Schulkinder, 91/? Uhr Hochamt mit Predigt, 11 Uhr hl. Meße, 11 und l1/» Uhr Christenlehre, 3 Uhr Bruderschaft vom hochw. Gute. — MichaelSkirche. 10 Uhr Gottesdienst. — Pfarrkirche zum hl. Geiste. 8 U. Hochamt mit Predigt, 4 U. Andacht zu Ehren des hl. Joseph mit Segen — Fraueuberz. 5 Uhr hl. Meße, 61/« Uhr Bruderschaftsmesse, 8 Uhr feierlicher Votivamt zu Ehren des hl. Joseph, 2 Uhr Fünf Wunden-Bruderschaft.