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276 Samstag, den 30. November 1895. 22. Jahrgang

FiiIdlikrWZkitliiiß

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E. Zur Handwerkerfrage.

Bon einem Handwerksmeister.

II.

Bekanntlich stellte auch der H-rr Staatssekretär v. B ö t t i ch e r am 15. Januar 1895 im Reichstage unter dem lebhaften Beifalle der Fraktionen Richter- Bebel die Behauptung auf, daß ein sehr großer Theil der Handwerker von obligatorischer Innung, Bekähi- gungSnachweis rc. nichts wissen wolle, weil er im Elsaß und am Rhein Handwerker getroffen haben wollte, welche ganz entschiedene Gegner des Befähigungsnach­weises seien. Wir wollen nun allerdings nicht in Ab­rede stellen, daß es nicht nur im Elsaß und am Rhein, sondern in allen Bundesstaaten und Provinzen Deutsch­lands hier und da Handwerker gibt, welche weder obligatorische Innung noch Befähigungsnachweis wollen, weil sie sich davor scheuen, in den Geruch eines Zünftlers zu gerathen. Aber daS kann für uns niemals als Maßstab in dieser Frage gelten, wenn Nachbeter Richter-Bebels, deren es ja leider auch im Handwerke einige gibt, von falschen Voraussetzungen geblendet, eine andere Stellung einnehmen, als die große Maffe deS Handwerks. Wir haben fiir untere Be­hauptung, daß die deutschen Handwerker in all' ihren Forderungen einig sind, die schlagendsten Be­weise, und nur Böswilligkeit oder Blindbeit können drese Beweise anzweifeln. — Im Jahre 1882 wurde nach Magdeburg ein Allgemeiner deutscher Handwerkertag einberufen, welcher aus ganz Deutschland, auch auS Süddeutschland, zahlreich be­schickt wurde. Damals gab es unter den Handwerkern noch viele liberal angehauchte Gegner der obligatorischen Innung und des Befähigungsnachweises; denn die dies­bezügliche Resolution wurde mit 352 gegen 5 2 Stimmen angenommen. Vor dem Handwerkertage harten sich die Gegner, hauptsächlich die Berliner

△ Taufend Jahre.

In Budapest erscheint aeqenwärtig ein Prachtwerk mit dem Titel: „Das 1000jährige Ungarn und die MilleniumSausstellung" (komplet in 12 vierzehntägigen Heften ä 40 Kreuzer). Das Vorwort dieses Pracht- werkeS lautet: Tausend Jahre! Ein kurzer Abschnitt in dem nimmer ruhenden Strome der Zeit, und doch welch' ein riesiger Zeitraum in der Entwickelungs­geschichte einer Nation! Tausend Jahre stürmten vor­über, seitdem daS edle Ungarnvolk unter der Füh­rung des Helden ArpLd sein altes Vaterland ver­ließ und die Gemarkungen dieses waldigen, felsigen und strahlenden Landes überschritt. Die Herzen von Millionen und Adermillionen jubeln jetzt dem viel­bedeutenden Jubiläumsjahre entgegen. Denn siehe da! Völker und Nationen entstanden und starben in diesen tausend Jahren; im Schoße der Vergangenheit sind manche tragische Schicksale großer Völker begraben. Revolutionen und Bruderkriege sah man erstehen und gar viele Stämme stürzten herab von der glänzenden Höhe, die sie erklommen. An den Ruinen der Zeiten, am Grabe der Völker erhoben sich neue, um neuen Kämpfen entgegenzugehen; doch Ungarn stand fest in­mitten dieser Kämpfe und Stürme. Wohl ist es wahr, daß seit AipLd dieses schöne Vaterland erobert, fortwährende äußere und innere Kämpfe das Land durchwühlten. Bruderkriege erschütterten seine Völker, doch der Ungar wahrte mit heiligem Eifer seinen nationalen Charakter, stand treue Wache über dem Kultus hehrer Vaterlandsliebe und ward groß, trotz femer zahlreichen inneren und äußeren Feinde. Diese

Führer, große Mühe gegeben, ihre Anhänger nach Magdeburg zu bringen, und nur diesem Umstande war es zu danken, daß man überhaupt 52 Gegner zusammen­brachte. Ein Jahr später in Hannover, wo die deutschen Handwerker wieder zusammentraten, wo Gegner wie Freunde der obligatorischen Innung und des Besähi- gungSnachweises eingeladen wurden, sind diese 52 Gegner von Magdeburg auf ganze — Zwei zusammen­geschmolzen. Man hatte schon die bittere Erfahrung gemacht, daß die Hoffnungen, die man auf die „freien“ Innungen gesetzt hatte, sich niemals erfüllen würden. Seitdem haben Handwerkertage stattgefunden in Frank­furt a. M., Köln, Kösen, Dortmund, München, Ham­burg, Berlin (drei) und Halle, und auf allen diesen Handwerkertagen, insbesondere auf denen 1892 und 1894 in Berlin und in diesem Jahre in Halle sind alle Forderungen der Handwerker, namentlich die beiden Kardmalpunkte: obligatorische Organisation, wie schon näher ausgeführt, und Befähigungsnachweis einstim­mig angenommen worden. Wie man Angesichts solcher Einmüthigkeit in den Beschlüssen die Behauptung aufstellen kann, neun Zebntel der deutschen Handwerker seien Gegner dieser Forderungen, ist uns in der That unerfindlich. Nach parlamentarischem Brauche sind solche Beschaffe maßgebend, welche in loyaler Weise mit absoluter Mehrheit gefaßt werden, und diese Mehrheit war in der Handwerkerfrage dock sicher in Magdeburg 1882 schon eine glänzende, bei 352 gegen 52 Stimmen. Diese Gegner haben sich aber nach und nach Alle davon überzeugt, daß es mit der „freien“ Innung und ohne Befähigungsnachweis niemals gelingen wird, den Auflösungsprozeß im Handwerke aufzuhalten und Jeder, der Standerbewußtsein und Opferwilligkeit genug besitzt. Jahrelang ohne nennenSwerthen Erfolg in einer solchen Innung (Taubenschlag) mit großen Pflichten und wenig Rechten thättg zu sein, wird dem Minister eine andere Antwort geben, als jene Gewährsmänner im Elsaß und am Rdrine, die allem Anscheine nach auch eben keinen Ueberfluß an Staudesbewußtsem haben und sich nur noch zum Handwerke rechnen, wenn ein Minister sie mit solchen Fragen beehrt. Wir können dem Herrn Staatssekretär v. Bötticher nur rathen, selbst einmal einen großen allgemeinen deutschen Handwerker­tag in der Reichshauptstadt zu veranlassen, in der Ein­ladung ausdrücklich hervorzuheben, daß er großes Ge­wicht darauf lege, alle Gegner der obligatorischen Innung und des Befähigungsnachweises — freilich foweit sie selbständige Handwerksmeister sind — ins­besondere auch vom Rheine und aus dem Reichslande, vertreten zu sehen. Wenn er dann nicht neun Zehntel, wie er behauptet hat, nein, nur die absolute Mehrheit auf seiner Seite hat. bann wollen wir ihm Recht geben

Kämpfe hinderten lange Zeit die Entwickelung der Kultur. Industrie, Handel, Kunst und Literatur blieben weit zurück hinter jenen der anderen europäifchen Kulturstaaten. Doch aller dar holte Ungarn in den letzten Dezennien ein. Seit der großen Zeit seiner nationalen Wiedergeburt ging das Land mit riesigen Schritten und selbstbewußt seinen hohen Kulturauf­gaben entgegen und stolz kann es sich heute mit den anderen Völkern meffen. @8 erreichte sozusagen mit einem Sprung, was andere Nationen erst im lang­samen EntwickelungSprozeß thaten.

Der Herausgeber dieses Prachtwerkes war zehn Jahre abwesend von Ungarn; in dieser Zeit bereiste er die wichtigsten Punkte der Welt; er sah die groß­artige Entwickelung der modernen Kulturstaaten und siehe, als er nach zehn Jahren wieder zurückkehrte, welche Ueberraschung ward ihm zu theil! Auf jener Höhe fah er seine Ration, wo die anderen standen, die er bereiste; er sah es, daß sich dieselbe mittelst ihrer eigenen injtern Kraft, ihrer nationalen Tüchtig­keit und ihres schwungvollen Temperaments zu be­deutender Höhe erhob unter der glorreichen Regierung unseres geliebten Königs Franz Joseph. DaS wunder­bare Aufblühen der Hauptstadt, ihre Bauten und Paläste und alles, was ein Land groß, glücklich und reich macht, sind heute zu finden in diesem Lande. DaS alles hat den Verfasser dieser Zeilen dazu be­wogen, dieses Prachtwerk herauSzugebm anläßlich der denkwürdigen Ausstellung, wo die Nation alles ent­falten wird, was sie Großes produziren konnte. Er gibt dieser PrachtwerL heraus unter der Aegide der königlich ungarischen Handelsministeriums sowie der

und getrost Wester arbeiten, bis auch diese Gegner be­kehrt oder bis wir mit Ehren untergegangen sind

Wir wiederholen: Das gesummte deutsche Handwerk ist in seinen Forderungen einig! Daran kann die Einrede des Herrn v. Bötticher nichts ändern. Daran ändert auch der persönliche Zwist zwischen dem Centralvorstande in München einerseits und ben Herren Faster—Schulz andererseits kein Jota, wenn dies die fteistnnige und sozialdemokratische Presse auch gern glauben machen möchte. Hier ist nur der Wunsch der Vater des Gedankens.

Möchte daher der BundeSrath endlich dem ein- müthigen Drängen des deutschen Handwerkerstandes die gebührende Beachtung schenken, ihm in ongebeuteter Weise eine feste, auf Selbstverwaltung beruhende Organisation und als eine widerstandsfähige materielle und moralische Grunblage zu seiner Hebung unb Er- Haltung den Befähigungsnachweis in einer Form schaffen, welche den Errungenschaften der Neuzeit, aber auch dem Wohle eines so großen und wichtigen Standes voll und ganz Rechnung trägt! Dann würde auch im genossenschaftlichen Sinne bald zum Segen des Hand­werks aufgebaut werden können, was in den heutigen ,Taubenschlägen, „Innung“ genannt, und ohne den Schutz des Befähigungsnachweises nicht möglich ist, weil die zügellose Konkurrenz des großkapitalistischen Magazinbetriebes alle Anstrengungen der ehrlichen soliden Arbeit vereitelt. Nur durch gesetzlichen Schutz der ehrlichen produktiven Arbeit wird man der Ver­blutung der Mittelstände Einhalt gebieten und denselben neues, gesundes Blut zuführen können! Frage man doch nicht immer so ängstlich: Was wird daS Groß­kapital dazu sagen? <68 ist die höchste Zeit, daß seiner alles aufsaugenden Thätigkeit ein Ziel gesetzt wird. Allzulange schon hat die Gesetzgebung Großindustrie und Großkapitalismus zum Schaden des Handwerks, der Landwirthschast und des Kleingewerbes bevorzugt, und nun muß endlich auch an diese, den Mittelstand bildende Produktivstände die helfende Hand angelegt werden. Geschieht dies nicht bald und gründlich, dann wird dem sichersten Hort für Thron und Altar auch der letzte Halt genommen und die Revolution wird siegen. Nur durch eine Neubelebung, Festigung und Stärkung des Bauern- und des Handwerkerstandes wird man dem revolutionären Anstürmen der Gegen­wart und der Zukunft einen festen, unüberwindlichen Wall entgegenzusetzen im Stande sein. Bei diesen ist noch wahres Christenthurn, Sitte, Religion und Ord­nung, sowie wahrer Patriotismus zu finden, während die goldene Internationale ebenso schmählich das Kreuz verhöhnt, als auch die rothe! Und die Kreuz- zerbrecher brechen auch die Königskronen.

ungarischen Staatsbahnen und der MilleniumS-Aus- stellungs-Direktion, damit eS, da die Sprache hierzu zu arm ist, mit Hilfe von getreuen Abbildungen dem Auslande zeigen soll, was eine Nation im Stande ist, wenn sie sich in so kurzen Dezennien aufrafft. Sie mögen kommen, die Amerikaner, Deutschen, Engländer, Franzosen, Italiener und alle, die mit Recht stolz auf ihre alte Kultur sind und urtheilen über die Wunder der Milleniums-Ausstellung und die gewaltige Be­gabung der Nation, die sie ins Leben gerufen.

Julius Saurencic.

Gemeinnütziges.

* Tintenflecken verschwinden auS bunten Woll- und Baum­wollstoffen durch Einreiben mit Glycerin und Nachwaschen in warmem Wasser mit etwas Seife. Tintenflecken in weißen Stoffen behandelt man mit Citronensäure, indem man denselben einige Zeit darin weichen läßt und eventuell das Verfahren wiederholt. Der zurückbleibende gelbe Flecken wird in gleicher Weise mit Kleesalz präparirt.

* Anstrich für feuchte Kellerräume. Gegen feuchte und modrig gewordene Mauern benutzt man in neuester Zeit folgenden Anstrich mit Erfolg: 93 Theile gepulverter Backstein mit 7 Th eilen Bleiglätte werden in einer genügenden Menge Leinöl verrührt. Beide Theile sind getrennt zu pulverisiren, dann zu­sammenzumischen und mit dem Leinöl in eine Att Teig zu ver­arbeiten. Di» auf die Wände gebrachte Maffe verhärtet nach 3—4 Tagen und läßt dann keine Feuchtigkeit mehr durch- dttngen.

* Fensterscheibe« zu reinigen. Durch Anwendung von Bürsten oder kräfttges Scheuern mit groben Lappen werden die Glasscheiben leicht zerkratzt; wenn man sie aber mit scharfem Essig oder verdünnter Salzsäure benetzt, so werden die grauen, matten Stellen, welche sonst gar nicht weichen wollen, ver­schwinden, und nach Abspülen mit reinem Wasser wieder rein und durchsichtig erscheinen.