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M 271 Montag, den 25 November 1895 22. Jahrgang

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mit Anterhattnirgs-Kettage »Ltrrme und Slumen".

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will ich Ihnen nun gestehen, daß ich diesen Platz deshalb ausgesucht habe, um eS recht zu genießen. Mich erfrischt ein solcher Anblick! Ich liebe eS, wenn die Jugend wirklich jung ist, wenn sie an Kleinigkeiten sich erfreut, wenn sie kindlich an harmlosen Späßen sich'S genügen läßt. Wie das dort rennt und springt und sich freut und lacht über ein Nichts!"

„Wie dar dort strebt und jagt und sich gegenseitig beneidet um das hohe Glück, am schnellsten an irgend einen Platz zu gelangen, oder der Erste zu sein, der einen alten Topf zertrümmert!" bemerkte der alte Herr beinahe giftig.

„Aber Herr von Wiederhold! Sie müssen Karls­bader trinken! Sie sind entschieden leberleidend," scherzte die Baronin. „Gönnen Sie doch der Jugend ihre harmlose Freude! Bedenken Sie, welche Mühe gibt sich oft das Alter — Ihr gepriesenes Alter —, um ein elender Stück Band, ein Sternchen, ein Kreuzchen zu erhaschen. Wie hastet man sich ab und opfert Seele und Seligkeit, um ganz andere Dinge zu zerschmettern, als bloß einen alten Topf. Wie stößt, wie drängt man sich da, um zuerst an das Ziel zu gelangen!"

„Sophismen, gnädige Frau! Eben um das Ziel handelt eS sich, und hier scheint dasselbe mir kein wür­diges." Trotz seiner abfälligen Bemerkungen über die kindischen Spiele hatte der alte Herr seinen Sessel doch

Lei-voll und freudvoll.

Novelle von L. v. Neidegg.

(19. Fortsetzung.)

Anna sprach die Absicht aus, mit ihrem Zögling sofort sich zurückzuziehen. DaS war jedoch nicht nach Martha'S Geschmack. Diese umschmeichelte ihren Vater, biS sie von ihm die Erlaubniß erhielt, eine Zeit lang daS Spiel mitmachen zn dürfen. Anna, der daran gelegen war, sich möglichst fern zu halten, suchte ein stilles Plätzchen ausfindig zu machen, von dem aus es ihr möglich würde, daS Kind zu beobachten, ohne selbst von der munteren Schaar gesehen zu werden. Unter mächttgen Buchen, am AuSgang deS Gartens in den Park, warm einige Bänke aufgestellt. Dort faß sie lange einsam und unbeachtet, die Entmuthigung zu be­kämpfen, die sich ihrer bemächtigen wollte.

Nahende Schritte weckten sie aus ihren Betrachtungen. Sie sah auf: Baronin BmkerSdorf kam in Begleitung eines als grämlich bekannten alten Herrn. Die Bei­den gingen an Anna vorüber; die Baronin nickte im Vorbeigehen Anna freundlich zu und forderte sie auf, fitzen zu bleiben, als sie sich entfernen wollte. Sie selbst nahm mit chrem Begleiter auf einem der länd- lichen Sitze Platz.

„Gott segne Sie für Ihren wohlthättgen Entschluß,

21. Kommunal-Landtag.

! Kassel, 23. November.

Der 21. Kommunallandtag wurde heute ge­schlossen. In der gestrigen und heutigen Sitzung standen folgende Anträge zur Verhandlung:

1. Antrag des Berbarids-Ausschufles der BerpflegungS- Stationen im Großherzogthum Hessen und der preußischen Provinz Heffen-Naffau um Gewährung eines Zuschusses zu den Kosten der Unterhaltung der Verpflegungsstationen.

Namens des Hauptausschusses berichtete Abg. Prinz Philipp von Hanau und stellte folgenden Antrag:

„Hoher Kommunal-Landtag wolle dem Landes-Ausschuß für das Etatsjahr 1896 einen Kredit bis zur Höhe von 15,000 Mark mit der Ermächtigung zur Verfügung stellen, denjenigen Kreisen, welche Verpflegungsstationen besitzen oder neu einrichten, zu den Jahreskosten derselben, soweit sie aus öffentlichen Mitteln bestritten werden, 1 s zu be­willigen, wenn die Kreise sich den vom Landesausschuß fest­zustellenden Bedingungen in Betreff des ganzen Stations­wesens einer Mitwirkung und Mitbeaufsichttgung des Landes- ausschuffes bei dem Betrieb der Stationen unterwerfen." Der Antrag fand Annahme.

2. Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben der Land­straßen- und Landwegebau-Berwaltung für das Jahr 1896.

Namens des Hauptausfchuffes erstattete Gutsbesitzer Bein- hauxr den Bericht und beantragt:

„Hoher Kommunallandtag wolle den Voranschlag der Ein­nahmen und Ausgaben der Landstraßen- und Landwegebau- Berwaltung für das Jahr 1896 genehmigen, und zugleich den Landesausschuß beauftragen, auf eine bessere Berwerth- ung der Obstnutzungen thunlichst einzuwitken."

Der Voranschlag wurde genehmigt, desgleichen ein Anttag des Abg. v. Schwertzell-Ziegenhain, dahingehend, dem LandeSausschuß !zu empfehlen, bei den Gesuchen der Lokalbau­beamten um die Erlaubniß, ihren Wohnsitz außerhalb ihres eigentlichen Dienstbezirks aus persönlichen Gründen nehmen zu dürfen, vorsichtig zu verfahren und solche nur in dringenden Fällen und allein da zu bewilligen, wo daS ohne Schädigung der dienstlichen Jntereffen geschehen könne. Ferner wurde auf Antrag desselben Herrn beschlossen, dem Landesausschuß zu empfehlen, die Frage ins Auge zu faffen, ob die genehmigte Wohnsitz-Verlegung des Landesbauinspektors des Kreises Fritzlar von Fritzlar nach Kaffel und deS Landesbauinspektors deS Streifes Ziegenhain von Ziegenhain nach Marburg im dienst­lichen Jntereffe beibehalten werden könne.

3. Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben der Landes- kreditkasse zu Kaffel und des Reservefonds derselben für das Jahr 1896.

NamenS deS Hauptausfchuffes berichtete Geh. Justizrath, Profeffor Dr. Enneccerus, deffen Antrag:

„Hoher Kommunallandtag wolle den Voranschlag der Ein­nahmen und Ausgaben der Landeskreditkasse zu Kaffel und der Reservefonds derselben für das Jahr 1896 genehmigen," die Zustimmung erhätt.

4. Bericht deS Hauptausfchuffes zu dem Berichte des Landes- ausschuffes, betr. die Ausgabe 3 pCt. Schuldverschreib­ungen der Landeskreditkaffe und Anttäge deS HauptauSschufleS, betr. die Ausgabe 3*/» PCt. Schuldverschreibungen der Landes­kreditkaffe.

Die Anträge des Hauptausschuffes gehen dahin: Der Kom­munallandtag wolle:

a) den erfreulichen Bericht deS LandesauSschuffes betreffend die Ausgabe 3 pCt. Schuldverschreibungen der Landeskreditkaffe sich zur Kenntniß dienen laffen.

b) den Landesausschuß ersuchen, dafür Sorge zu tragen, daß neben den 3'/, prozenttgen und 3prozenttgen Schuldver­schreibungen der Landeskreditkaffe mit äußerster Beschleunigung auch 3'/. prozentige Schuldverschreibungen zum Zwecke der Be­willigung 3'/« prozentiger Darlehen zur Ausgabe gelangen,

37 grobe Sauen erlegt. — Aus Anlaß der 25jäh­rigen Wiederkehr des KrönungStageS deS ersten deutschen Kaisers zu Versailles wird am kom- menben 18. Januar Vormittags eine Parade der Garnison Berlins und am Abend eine Hofiestlichkeit stattfinden. Zu diesem Tage werden sämmtliche noch lebende Militärs, welche vor 25 Jahren zur Krönung nach Versailles abkommandirt waren, seitens deS Hof- marfchallamteS eingeladen werden. Zur Krönung vor 25 Jahren waren f. Z. nut solche Offiziere und Soldaten befohlen worden, die sich in hervorragender Weile vor dem Feinde ausgezeichnet hatten.

* Die beiden ältesten Söhne des Kaisers werden, wie der ,Voff. Ztg.' gemeldet wird, in der Kadetten­anstalt zu Plön (ProvinzSchleSwig-Holstein) ihre Aus­bildung empfangen. Der Kronprinz und Prinz Eitel Fritz werden mit dem Beginn deS Sommerhalbjahres in die Kadettenanstalt eintreten. Ein kleines im Schloßpark belegeneS Lustschloß wird mit Anbauten versehen, in welchem auch die Stallungen für 40 Pferde eingerichtet werden sollen. Die Prinzen selbst werden wie die übrigen Kadetten im Plöner Schloß wohnen, das neben der Stadt auf dem sogen. BischofSberg zwischen dem kleinen und großen Plöner See errichtet ist. Herrliche Park­anlagen umgeben den alten Fürstensitz, um welchen so viele blutige Kämpfe geführt worden sind. DaS jetzige Schloß ist vom Herzog Joachim Ernst 1636 erfmutj eS hat dicke, feste Mauern, drei Stockwerke, zwei Thürme, zwei nach Süden gerichtete Flügel, und zwischen diesen einen geräumigen Hofplatz. Von den Schlofi- thürmen und der daS Schloß umgebenden Schloßterrafle genießt man eine ausgezeichnet schöne und weite Aus­sicht auf das fee- und waldreiche ostholsteinische Land. Nach der Bereinigung der Herzogthümer mit Preuße» wurde eine königliche Kadettenanstalt im Schlosse unter­gebracht, dir sich stets der sorgfälttgsten Pflege und prächtigen Gedeihens zu erfreuen hatte.

* Das Arbeitspensum des Deutschen Reichstags in der kommenden Session wird sich einer offiziösen Mittheilnng ungefähr folgendermaßen gestalten: In erster Reihe steht der ReichShauShaltSetat, der zu einem großen Theile bereits vom Bnnderathe ge­nehmigt ist. Tr dürfte große Veränderungen gegen den laufenden Etat nicht aufweisen. Im Zusammen­hänge mit dem Etat werden die üblichen Rechnung-- fachen stehen, von denen die Uebersicht über die Reich S- AnSgaben und -Einnahmen des Jahres 1894/95 wohl die wichtigste fein dürfte. Unter den ersten Gesetzent­würfen, welche dem Reichstage vorgelegt werden, wird sich die Vorlage über den Verkehr mit Butter rc., dar sogenannte Margarinegesetz, befinden, ebenso der Gesetz­entwurf über die Handelskammern. Bon mancherlei Entwürfen, welche in der vorigen Tagung dem Reichs­tage von den verbündeten Regierungm unterbreitet, von diesem aber nicht erledigt waren, ist die Novelle zum GerichtSverfassungSgesetz und zum Strafgesetzbuch, welche die Entschädigung unschuldig Berurtheilter, die Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen und

c) den Landesausschuß ermächtigen, etwaige in Folge der Ausgabe dieser oder 3prozenttger Obligattonen entstehenden Härten in billiger Weise auszugleichen eventuell unter Zuhilfe­nahme des Reservefonds bis zum Betrage von rund 300,000 Mk.

Nachdem noch Abg. v. Pappenheim sich für die Anträge ausgesprochen im Interesse einer Verbilligung des Bodenkredits und der Landeskreditkaffe als eines Wohlfahrts-Instituts, nahm Herr Oberpräsident Magdeburg das Wort. Se. Excellenz führte etwa Folgendes aus: „Ich glaube, daß Jeder, welcher den Darlegungen der Vorredner gefolgt ist, annehmen muß, daß dieselben außerordentlich klar und erschöpfend waren. Ich meiner­seits bin den Vorttägen mit Aufmerksamkeit gefolgt, und habe die feste Ueberzeugung, daß die gestellten Anträge der gegen- wärttgen Sachlage durchaus entsprechen und die künftigen Ent­schließungen über etwaige Aenderungen in der Organisation nicht präjudictten (lebhafte Zustimmung). Ich muß anerkennen, daß in dem Umstand, der seine zwingende Grundlage findet, Dar­lehensschuldnern nicht Geld, sondern Obligottonen zu geben, ein größerer Zwang für die beschlußfassenden Organe liegt, so daß die Forderung nach Ermäßigung des Grundkredits eine sehr dringende ist, der hier Rechnung getragen wird. Für meine Person bin ich berett und in der Lage, Ihnen die Zustimmung der König!. Staatsregierung zu diesen Anträgen auszusprechen, sofern Sie sich denselben — wie sie von Ihrem Hauptausschuß gestellt worden — anschließend Nachdem Se. Excellenz mit leb- Hafter Zustimmung geendet, wurden die ftazlichen Anträge kurzer Hand angenommen. Weiter stimmte man noch einem Anttag zu, eine vom landwirthschastlichen Verein in Marburg gegebene An­regung, die erzielten Ueberschüffe der Landeskreditkaffe den Schuldnern zu Gute kommen zu lassen in der Gestalt der Herab­setzung der Zinsen, dem Landesausschuß als Matettal zu über­weisen.

5. Bericht des Landesausschusses über die finanzielle Wirkung einer Erhöhung der den Kreisen aus Grund des Beschlusses des Kommunallandtags vom 10. Dezember 1887 zur Unter» Haltung der Landwege aus Sätteln des Bezirksverbandes gewährten Beihilfen.

Namens des Hauptausschusses berichtete Landrath von Schwertzell und stellt den Antrag:

„Der Kommunallandtag wolle von dem Berichte des Landes- ausfchusses über die finanzielle Wirkung einer Erhöhung der den Kreisen auf Grund des Beschlusses des Kommunal­landtages Dom 10. Dezember 1887 zur Unterhaltung der Landwege aus Mitteln des Bezirksverbandes gewährten Beihilfen Kenntniß nehmen und gleichzeittg das Verfahren des LandesauSschuffes bei Berechnung der den Kreisen nach den Grundsätzen vom 10. Dezember 1887 zu gewährenden prozentualen Beihilfen dergestalt gutheißen, daß für deren Berechnung nicht die Unterhaltungskosten des Jahres 1887, sondern diejenigen deS dem Etatsjahre jedesmal vorher­gehenden Rechnungsjahres zu Grunde gelegt werden." Der Anttag wurde nach einer lebhaften Debatte genehmigt. 6. Bericht des Landesausschusses zur Petitton des Kreis­tages deS Kreises Hersseld um Uebernahme der Kosten der Unterhaltung der Landwege des Reg.-Bez. Kaffel auf den Bezirksverband.

Namens des Hauptausschusses stellt Landrathv. Schwertzell den Antrag:

„Der Kommunallandtag wolle die in den Eingaben der Kreistage der Kreise Frankenberg und Hersfeld vom 7. November 1894 und vom 30. März 1895 gestellten An­träge: „auf Uebernahme der Kosten der Landwegeunter­haltung im Reg -Bez. Kaffel seitens des Bezirksverbandes", ablehnen".

der Annahme sand. (Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 23. November.

* Der Kaiser hat gestern Nachmittag bei den Saujagden in den Lützer Bergen nicht weniger als mich nicht zu jenem Hexenfabath dort zu führen," sagte Herr von Wiederhold und deutete mit der Hand nach der Gruppe der sich eifrig herumtummelnden, lachenden, scherzenden Jugend. „Wie vernünftige Menschen, die dem KindeSalter entwachsen sind, eS über sich bringen, bei einer Temperatur wie diese, zu laufen, zu springen, herum zu tollen, — daS Übersteigt meine Fassungskraft."

„Es kommt darauf an, ob man diese Uebungen mit zwanzig- oder sechszigjährigen Augen ansieht," sagte die Baronin lachend. „In solchen Fällen schraube ich meine alten Augen um Jahrzehnte zurück und nehme freundlichen Antheil an dem Treiben der Jugend. Sie selbst waren doch auch ein Mal jung, Herr von Wiederhold?"

„In dem Sinne wohl nie, daß ich an so läppischen Scherzen Freude gefunden hätte, gnädige Frau!" war die mürrische Antwort. „In meinem jetzigen Alter ist mir aber der bloße Anblick dieser sinnlosen Ver- gnügungen schon widerwärtig. Nur Eitelkeit steckt hinter dem allen: der reine Eitelkeitsmarkt, weiter ist eS nichts! Ich bin froh, daß ich hier dem Anblick entrückt bin."

Die Baronin lachte. „Drehen Sie Ihren Stuhl nur ein ganz klein wenig um," sagte sie. „So­dann haben auch Sie das heitere Bild vor Augen. Auf die Gefahr hin, in Ihrer Meinung zu finken,