Umlage jur Mulöaev Jertuug.
jys 267 Aienslcrg, Öen 19. Wovemöer 1895. 22. Jahrgang
Vermischtes.
* Die Siegelmarken, welche der Gerichtsvollzieher auf die gepfändeten Sachen Hebt, gelten im Allgemeinen nicht als Schmuck, und die es angeht, haben es stets als eine Wohlthat empfunden, daß dem „Exekutor" wenigstens nicht verboten war, auch diese Siegclmaiken zu behandeln wie die Brirf-Siegelmarken, sie nämlich auf der Rückseite der gepfändeten Gegenstände anzubringen. Diese PraxiS hat sich eingebürgert. Man hielt es sogar schließlich nicht allein für ein Recht, sondern für die Pflicht deS Vollziehungs-Beamten, mit möglichster Schonung vorzugehen. Jetzt nun ist ein Urtheil des Reichsgerichtes ergangen, welches in den Reihen der Stammgäste der Psändungs- Beamten große Unzufri, denheit erregen und von Denen, welche durch unverfchu.detes Unglück in Verlegenheit kommen, sehr schwer empfunden werden wird. In einem Falle, in welchem ein Gerichtsvollzieher die Pfandmarke an die Rück- und Wandseite eines Geldschrankes geklebt hatte, hat das Reichsgericht die Pfändung für ungtlttg erklärt und Folgendes ausgeführt: „Die Elftchtlich-
Beide Frauen näherten sich dem Spielplatz, vom dem aus der Lärm verworrener Stimmen ihnen entgegenschallte. Dort angekommen, sahen sie, daß Elisabeth und Anna eS waren, zwischen denen der Kampf sich entsponnen hatte. Die Männer vermieden weislich, Partei für die Eine oder Andere zu ergreifen; auf ihre Crocketschläqer gestützt, warteten sie ab, bis der „Sturm im GlaS Wasser" sich gelegt haben würde.
„Chrimhild und Brunhild!" flüsterte tue Baromn ihrer Freundin zu, welche, die Bemerkung nicht beachtend, ihre Augen ängstlich auf die zwei streitenden Mäochen geheftet hielt.
Hoch aufgerichtet standen die Beiden einander gegenüber; ihre Augen blickten, ihre Wangen glühten. In diesem Augenblicke, wo gleiche Leidenschaft Beide beseelte, trat die Aehnlichkeit zwischen ihnen so scharf hervor, daß die Gräfin es selbst unbegreiflich fand, wie sie je dieselbe habe leugnen können. Eine Verschiedenheit blieb indessen zwischen den beiden Cousinen: während Elisabeth's Stimme laut und scharf klang, ihre Aeußerungen unhöflich und wegwerfend waren, erhob sich Anna's schönes Organ nie zu einem Mißklang, und auch in ihren Worten lag nichts Verletzendes. ,
„Wenn ich sage, Sie kälten keinen weitern Stoß gehabt, Fräulein GraShoff, und deshalb nicht daS Recht, meinen Ball wegzuschlagen, so kann doch gar kein Zweifel sein, daß die Sache sich so verhält!" rief Elisabeth mit großer Entschiedenheit aus, gerade, als die ältern Damen der Gruppe sich zugesellt hatten.
Fräulein GraShoff hatte aber durchaus keine Lust, nachzugeben. Sie suchte zu beweisen, daß daS Recht, wie es thatsächlich der Fall war, auf ihrer Seite sei. Mit schriller Kinderstimme stand Martha tapfer ihrer Erzieherin bei, während die älteren Schwestern mit größerer Leidenschaftlichkeit, als erforderlich war, widersprachen.
In diesem Augenblicke richtete die Gräfin einen bittenden Blick auf Anna. Diese besann sich auf ihr untergeordnetes Verhältniß, verstummte sofort und blickte vor sich nieder. Als sie wieder aufsah, war das ! zornige Licht aus ihren Augen verschwunden und ein gutmüthiges Lächeln umsplelte ihre Lippen.
Sie holte Elisabeth's Ball herbei, den sie weit fortgeschobenhatte, und indem sie ihn an seinen alten Platz zurücklegte, sagte sie: „Hier ist der Stein des Anstoßes, Elisabeth!"
Kaum war das unglückliche Wort heraus, so erglühte ihr Gesicht vor Schrecken und Beschämung; sie hatte, als sie so gesprochen, unwillkürlich die Gespielin aus der Kinderzeit im Auge gehabt, mit der sie so manchen Strauß auSgefochten. Daß sie durch diese unpassende Anrede die höher gestellte junge Dame beleidigen müsse, kam ihr erst zum Bewußtsein, als sie den Eindruck sah, den ihr unbedachtes Wort hervorgebracht hatte.
Erschrocken hatte Gräfin Hollerbrunn zu ihr aufgesehen und dann ängstlich den Blick auf ihren Mann gerichtet. Diefer aber in seiner sorglosen Weise lachte nur leise vor sich hin und schien sich an Elisabeth's Entrüstung zu weiden.
Durch ein so geringfügiges Versehen hervorgerufen, hatte diese allerdings einen komischen Beigeschmack. Elisabeth war förmlich zusammengezuckl bei deS Fräuleins Anrede, und unsägliche Verachtung lag in ihre Scimme, als sie, jedes Wort aus's schärfste betonend fragte: „Meinen Sie etwa mich, Fräulein . . . Wie heißen Sie doch? . . . GraShoff?"
(Fortsetzung folgt.)
KeidvoU und freudvoll.
Novelle von L. v. Neid egg.
(15. Fortsetzung.)
Die Baronin lachte. „Dickens sagt in einem seiner Romane, die Welt sei so eng, daß man einander gar nicht ordentlich aus dem Wege gehen könne. Manchmal bin ich versucht, ihm Recht zu geben. Uebrigens kenne ich diesen Tiefenbach nicht. Der, den ich kannte, war vor langen Jahren schon ein älterer Mann; die Familie war in meiner alten Heimath ansässig."
„Ganz richtig. Vor sieben bis acht Jahren sind sie in die hiesige Gegend gekommen. St. Trudpert, ein schöner Besitz, fiel damals dem alten Grafen zu. Dieser alte Herr nun, ein entfernter Verwandter meines Mannes, ist im vorigen Jahre gestorben, und sein Sohn ist jetzt der Gutsherr.
„Ah, ich verstehe. Du sollst ihm Gelegenheit verschaffen, Deine Nichte Elisabeth zu bewundern." |
„Da liegt die Schwierigkeit und die Sonderbarkeit der Sache. Er kennt sie, bewundert sie auch, und — dabei bleibt eS. Im vorigen Winter hat er sich ihr genähert; ihr kaltes Herz scheint Feuer gefangen zu haben wie das gewöhnlicher Sterblicher. Vielleicht ist für sie der kritische Moment gekommen, wo es für verwöhnte Mädchennaturen heißt: ein Königreich für einen Mann! Kurz und gut, sie hat durchblicken lassen, daß sie nicht unerbittlich sein würde. Er aber, der, obwohl menschenscheu und angeblich ein Weiberfeind, sich viel mit ihr unterhaltenes sie sogar ausgezeichnet hat, unterließ es bis jetzt, die erhoffte Frage an sie zu richten."
„Auftichtig gesagt, gefällt mir daS ganz und gar nicht von jenem jungen Manne," erklärte Frau von Burkersdorf entschieden. „Ein Mann sollte vor allem wissen, waS er will; er sollte nicht unschlüssig hin und her schwanken. Ich will nicht hoffen, daß er das ist, was ich sehr verabscheue: eine männliche Koauette."
Die Gräfin lachte laut aus: „In Sack und Asche wirst Du Buße thun, wenn Du ihn gesehen hast, wirst tief beschämt Deine Anklage zurücknehmen. Er ist eigentlich viel zu gut für Elisabeth; unter einem kalten ruhigen Aeußern verbirgt er ein warmes Herz. Er ist kein Allerwelts freund, sondern eine schweigsame zurückhaltende Natur; nur unter wirklichen Freunden läßt er sich sehen, dann kann er aber sehr angenehm fein. Er gehört zu den Menschen, die viel denken, wenig reden und unbekümmert um daS Urtheil der Welt ihren Weg vorangehen — die nicht Jedermanns Lieblinge sind, dafür aber wahre Freunde sich erwerben."
„Ein warmes Lob! Wie kommt aber dieser Mann boju' sich für Elisabeth zu erwärmen? La regle des eontrastes?“
„Er behauptet, wie ich höre, er habe ihr niemals wirklich den Hof gemacht; er will nur von den allergewöhnlichsten Gegenständen, von Wind und Wetter mit ihr sich unterhalten haben. Jedenfalls scheint er mir oder trotz diesen meteorologischen Gesprächen sich in Elisabeth's Herz gestohlen zu haben. Auch ihr Vater hat keinen heißern Wunsch, als diese Herrath zu Stande zu bringen." ~ t .
„Eines ist mir nicht klar, nämlich, was Du dabei thun sollst, Marie."
„Das frage ich auch", seufzte dre Grafia. „Tre- fenbach, wenn er ernstlich liebt, ist ganz der Mann, um fern Mädchen selbst zu holen, und wäre es rm entferntesten Winkel der Erde. Er wüßte Elisabeth schon zu finden, wollte er sie überhaupt suchen. Mir gefiele eS auch besser, sie ließ sich suchen, als ste käme dem Freier auf halbem Wege entgegen. Das gkhon aber zu den altmodischen Ansichten, an denen ich reich bin. Wackersreuth huldigt fortgeschrittenern Anschauungen; er sagt, es läge nichts Außergewöhnliches darin, daß Elisabeth, die keine Schwester hat und werblichen Umgang schwer entbehrt, zu ihren Cousinen auf Besuch käme. Er erklärt, es sei meines ManneS Pflicht, um die Verheirathung seiner Nichte sich zu bemühen. Mein guter Alfred aber, daS weißt Du, kann Niemanden etwas abschlagen. Unser gastliches HauS soll nun durch Feste aller Art dem Mädchen aus der Fremde den Ausmthatt versüßen; zu den Ersten ladet man die Nachbarn ein und — den Rest denke dir selbst." , .
Ich denke, daß man viel Vertrauen auf Deine Diplomatie setzt," antwortete die Baronin „Gluck auf, Marie! In diesem Augenblick kannst Du aber Deine diplomatischen Talente auf noch andere Werse bethätigen, nämlich als Friedensstifterin! Siehe, der der Crocketpartie geht es auf einmal etwas lebhaft zu. Laffe uns hingehen und Oel auf die Wogen greßen; die Jugend scheint in Streit zu gerathen."
machung der Pfändung bei Belassung der Sachen soll die Fortschaffung der Sachen thunlichst ersetzen. Die Maßnahmen des Gerichtsvollziehers müssen deshalb )arauf gerichtet sein, die Pfandverstrickung durch äußere Zeichen offen erkennbar zu machen. Diesem Zwecke dienen aber solche Maßregeln nicht, welche einen Zu- tand schaffen, bei welchem die angeheftete Pfandmarke ren Blicken geradezu entzogen wird." Die Siegel müssen also so angelegt werden, daß man ie sehen kann. Nun werden die Thränen, welche las schlimme Geschäft für die Betroffenen im Gefolge ;at, noch reichlicher fließen, und der Beamte wird sein Herz vollends gegen jedes Mitgefühl panzern müssen — es sei denn, daß er auf eigene Gefahr und Verantwortlichkeit für den etwaigen Schaden eintritt. Jeden- allS wird die Entscheidung aber zur Folge haben, daß eilens der Schuldner mehr als bisher alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um der Siegelung zu entgegen, welche fortan die mißliche Lage dem Besucher chnell zur Kenntniß bringt und die Privat-Angelegen- jeiteu des Hauses ans die Straße zerrt. ES liegt zweifellos eine gewisse Härte in den Konsequenzen des Urtheils. Und eS ist nicht ausgeschlossen, daß es in vielen Fällen mehr Schaden anrichtet, als es Unrecht zu verhüten beabsichtigt. Vielleicht aber wird es, wenn es erst wieder ein wenig älter geworden ist, in Vergessenheit gerathen und die alte Praxis sich dann wieder einbürgern
* Berlin, 18. Nov. In jüngster Zeit ist bei Besprechungen der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 betont worden, daß die ganze Welt von unserer Ausstellung Kenntniß erhalten habe und daß man auf einen sehr bedeutenden Besuch auch aus den sogenannten exotischen Ländern werde rechnen können. — In der That kann die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 für sich in Anspruch nehmen, daß es mit Hilfe des Aus- »artigen Amtes gelungen ist, die Kenntniß von dem Stattfinden der Ausstellung in einer so eindringlichen Weise bis in die fernsten Winkel der civilisirten Welt zu tragen, wie es m größerem Maße selbst bei Weltausstellungen nicht geschehen ist. Das Auswärtige Amt betrachtet die Berliner Gewerbe-Aus- stellung als ein nationales Werk, einestheils, weil der in Chicago so erfolgreich begonnene sieghafte Wettbewerb unserer Industrie nun von hier aus weiter verfolgt werden foll, andererseits weil die sehr richtige Ansicht herrscht, daß diejenigen Besucher aus fernen Ländern, welche nach Berlin kommen, nun nicht dabei stehen bleiben werden, sondern ihre Reise auch auf die anderen Jndustrie-Centreu Deutschlands ausdehnen werden. Die Berliner Gewerbe-Ausstellung wird somit gewissermaßen nur das große Eingangsthor sein, durch welches die fremden Interessenten. eintreten, um ganz Deutschland auf industriellem Gebiete zu studiren. — Daß aus dem befreundeten Italien und dem stammverwandten Deutsch-Oesterreich, den benachbarten nordischen Reichen sowie Holland und Belgien der Ausstellung von der Presse erfreuliche Sympathie entgegen- gebracht wird, die sich nicht in gelegentlichen Notizen, sondern sehr häufig auch in ausgedehnten Artikeln äußert, überrascht nicht, das durfte erhofft werden; aber bemerkenswerther ist es, daß auch die spanische Presse anfängt, von unserer Aus- stellung zu sprechen, daß in Bulgarien und Serbien und in allen halbasiatischen Staaten die Ausmerksamkeit mit Erfolg auf die Ausstellung gelenkt wurde. — Unter den Eingängen bei dem Internationalen Preßbureau befinden sich lange Artikel über die Ausstellung aus Smyrna in griechischer Sprache, ans Belgrad in serbischer, aus Beirut in Syrien in arabischer Sprache, aus Saloniki in türkischer und sogar eine Zeitung, welche in spaniolischer Sprache und in hebräischer Schrift gedruckt ist. Die Türkei ist unter den Zeitungen ziemlich stark vertreten und unter den demnächst eintreffenden Blättern — die große Entfernung erklärt die Verzögerung — werden sich auch Zeitungen in japanischer und chine- lisch er Sprache befinden. So dürfte sich denn auch der Satz verwirklichen, der kürzlich in einer Versammlung des Gesammt- Vorstandes ausgesprochen wurde: „Haben wir auch keine Welt- auSstellung, so wird doch die ganze Welt zu uns kommen "
* DaS Vollkommenste auf dem Beleuchtung s- gebiete foll binnen kurzem in Gestalt einer Spiritusglühticht- lampe in den Handel gebracht werden. Während bei den bisher in den Handel gekommenen Spiritusglühlichtlampen die Vergasung durch eine besondere, freibrennenbe Heizflamme erfolgt, welche bei jedem Windhauch die Lichtflamme stört und durch einigermaßen starken Lustzug ein Erlöschen der Lampe verur- sacht fehlt, so wird berichtet, bei dieser Lampe bte besoubere Heizflamme vollständig. Es finbet vielme,r eine Wechselwirkung zwischen Vergasen unb Flamme statt, wodurch ein absolut ruhig brennendes Licht erzielt wird, wie solches bei Lampen mit Heizflamme nicht möglich ist. Die Lampe kann durch den stärksten Sturm nicht zum Erlöschen gebracht werden; selbst wenn man sie ausbläst, zündet sie sich sosort wieder von Neuem an. Aus diesem Grunde eignet sie sich auch in hervorragender Weise zur Beleuchtung im Freien. Die Lampe verbreitet gar keinen Geruch, da die Spuituszufuhr durch einen Hahn genau geregelt wird und beim Nlchtgebrauch kein Brennstoff unnütz verbdmpfen tarnt. Für mehrere Flammen ist nur ein Spiritusbehälter ersorderlich, der eventl. auch während des Brennens ohne jede Gefahr gefüllt werden kann. Die Lampe erzeugt keinen Ruß oder Blaken unb das Auslöschen geschieht ohne jebe Gefahr, wie bei einer Gasflamme Sie wird in Form von Tischlampen, Wanbarmen, Kronen, Laternen, überhaupt in allen Ausführungen geliefert, die bei der Gasbeleuchtung bekannt fittb unb ist als ein vollkommener Ersatz für Gasglühlicht bort zu betrachten, wo Gasanstalten nicht existiren ober Gasleitungen nicht zulässig sind. Besonbers hervorgehoben wirb, daß bas Licht dieser Spirckusglühlichtlampe baS bes gewöhnlichen Gas-Glüh- lichteS weit übertrifft.
• Zweifelsqualen. Sanitätsrath (zu einem längeren Berufsgenossen) : „Na — ben Patienten haben Sie burchgebracht! Seien Sie doch vergnügtI" Junger Arzt (tiefsinnig): „Wenn ich nur wüßte?---Was? — Welche von ben vielen
Medizinen ihm geholfen hat!"