o66 NLontag, den 18 November 189 fr 22. Jahrgangs
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mit Unterhaltnngs-Koilage „Sterne imdHIumru'.
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Elisabeth ist unvergleichlich schöner/ entschied die Gräfin, die ihr Lorgnon hervorgenommen hatte und die Koufine aufmerksam musterte. „Anna GraShoff hat aber, für mich wenigstens, weit mehr Gewinnendes. Du hast indessen Recht: eine unverkennbare Aehnlrch- keit besteht zwischen ihnen. Beide haben die gliche vornehme Haltung, denselben Schnitt deS Gesichts,
5 1 Gar nicht theuer!" gestand die Gräfin offen. „Und doch soll ich ihr dazu verhelfen, hier in meinem Hause das Glück ihreS Lebens zu finden; prosaisch gesprochen: ich soll sie unter die Haube bringen"
Aber wie willst Du das anfangen, Marie?"
"Man wünscht sehnlich, Elisabeth zu verheirathen. Ihre Mutter ist seit vielen Jahren tobt — nebenbei bemerkt, soll diese eine vortreffliche Frau gewesen sein; den Hochmuth und sonstige fatale Eigenschaften hat Elisabeth von ihrem Vater. So sind die Wackersreuth alle" Die Gräfin schüttelte sich und verzog den Mund zu einer Grimasse. „Elisabeth ist der verzogene Liebling dieses sonst strengen ManneS; er läßt ihr jebe
dem Appell gearbeitet worden sei. Ein früherer Oekonomiehandwerker der 2. Kompagnie des 40. Re- qiuientS bezeugte, daß unter zehn Sonntagen kaum einer gewesen sei, an dem nicht an Schuhen und Stiefeln gearbeitet worden sei. „Dienstlich" sei fteilich keiner dazu „gezwungen" worden, auch habe derjenige, welcher Lust dazu gehabt, die Kirche besuchen können. Wenn der Feldwebel gesagt habe, die am Samstag noch unfertig gebliebenen Schuhe und Stiefel müßten am Sonntag bis um 12 Uhr, wenn der Haupt- mann zum Appell komme, fertig sein, „so sei dies kein dienstlicher Befehl gewesen." Den Auftrag zur Herstellung der Schuhe und Stiefel habe der Feldwebel in der Woche, aber auch schon am Sonntag Morgen ertheilt. Der Zeuge Franz Reinartz (früher Soldat im 28. Regiment) sagt auf Befragen deS Staatsanwalts, warum er sich nicht zum Kirchgang gemeldet habe: Er habe sich nicht Scherereien von Seiten der Unteroffiziere und Mannschaften aussetzen wollen. Man habe gehen dürfen, wenn man ferne Sachen in Ordnung gehabt habe. Hauptmann Mehlmann vom 28. Reg. bestreitet energisch, daß ein Soldat, wenn er freiwillig zum Kirchenbesuch sich gemeldet babe, „Scherereien" auS gesetzt gewesen sei. Hauptmann Otto Nachtigall von der 2. Komp. deS 40. Füsilierreginr. erklärt, daß die Mannschaften ausreichende Gelegenheit zum Kirchenbesuch gehabt. Durchgängig habe er sie Alle zum Kirchenbesuch befohlen. Es hätten stets nur die am Sonntag gesetzlichen Appells statigefunden.
। Oekonomiehandwerker hätten zwar häufig gearbeitet, I aber es sei ihnen mitgetheilt worden, daß dieses „m ! ihrem freien Willen" stehe und eS fei keinerlei Druck l ausaeübt worden. Jeder Soldat, auch die Oekonomie- I Handwerker, hätten das Recht gehabt, die Messe zu besuchen. Das Urtheil lautete auf 50 Mark Geldbuße. Zu der Begründung wird gesagt, eS sei nicht erwiesen, wie der Angeklagte behauptet, daß durch den kleinen Dienst an Sonntagen den Mannschaften der Kirchenbesuch erschwert oder unmöglich gemacht worden sei. Erwiesen sei dagegen, daß jeder Soldat, der gefragt, die Erlaubniß zum Kirchgang erhalten habe. Es liege eine Beleidigung der Offiziere vor. Dem | Angeklagten könnten jedoch mildernde Umstände zu- gebilligt werden. Weiter wird dem Kriegsminlster die Befugniß ertheilt, nach Rechtskräftigwerden deS Ur- | theils dasselbe einmal in der ,Kölnischen Volkszeitung' veröffentlichen zu lassen.
Deutsches Reich.
Berlin, 17. November.
* Der Kaiser brach heute Vormittag mit seinen Gästen in Letzlingen um 9 Uhr zur Jagd aus. ES fand zuerst in der Obersörfterei Letzlingen eine Suche mit der Findermeute auf Sauen statt, nach deren Beendigung, etwa gegen 11 Uhr Mittags, das Frühstück im Jagdzelte eingenommen wurde. Nach dem Frühstuki erfolgte noch [ein Lappjagen ’auf Damwild, ebenfalls in der Oberförsterei Letzlingen, und dann die Rückkehr nach dem Jagdschloffe, wo die Herrschaften gegen 4 Uhr Nachmittags wieder eintrafen. Um 51/* Uhr fand die Mittagstafel int Jagdschloffe, gegen 7 Uhr Abends die Abreise von Letzlingen statt. Der Kaiser ttaf heute Abend geg?n IO1/» Uhr auf der Wildparkstation, bezw. im Neuen Palais wieder ein. — Der Großfürst Wladimir von Rußland verabfchiedete sich heute Abend auf Bahnhof Charlottenburg von Seiner Majestät und kehrte mit dem Abend-Schnellzuge nach Petersburg zurück. Das ,Berl. Tgbl.' will aus ruffifchen Hofkreiien er- fahren haben, daß Großfürst Wladimir Kaiser Wilhelm ein Herzlich-S Handschreiben deS Zaren überbracht habe.
* Die Majestälsbeleidignugsprozeffe häufen sich in letzter Zeit in früher nie gekannter Menge. Heute liegen folgende neue Fälle vor: Wegen MajestätS- beleidigung und Gotteslästerung verurtheilte die dritte Strafkammer in Leipzig den Schuhmacher Karl Lorenz aus Pegau zu fechs Monaten Gefängniß. — Wegen Majestätsbeleidigung wurde in Stettin der Handelsmann Baumann zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. — Wegen Majestätsbeleidigung wurde in Kiel der Redakteur der fozialdemokratifchen ,SchleSw.-Hlst.' BlkSztg.' Poller zu neun Monaten Gefängniß verurtheilt.
* Gegen den jetzt 70jährigen Abgeordneten Liebknecht ist, wie wir bereits berichtet haben, in BreSlau weqM Majestätsbeleidigung auf 4 Monaten Gefängniß, jedoch nicht auf Aberkennung deS Reichstagsmandats erkannt worden. Gegen das Urtheil ist Revision eingelegt worden. Der .Vorwärts' berichtet über die Gründe der Vervttheilung: „Dir Gerichtshof trat nach fast Inständiger Berathnng in allen Punkten den Ausführungen Liebknechts bei und erklärte, daß eine Abficht, den Kaiser zu beleidigen, nicht Vorgelegen habe, Liebknecht vielmehr offenbar seine Worte so vorsichtig gewählt habe, um jeden Ber- dacht der Majestätsbeleidigung zu vermeiden. Aber er hätte sich sagen müssen, daß unter seiner Zuhörerschaft fichLeute befänden, die dennoch annehmen würden, er wolle mit seinen Worten den Kaiser treffen." Dadurch habe er sich doch strafbar gemacht; aber das Strafmaß müffe in Anerkennung feiner Absicht, jede Majestätsbeleidigung auszufchließen, auf nur 4 Monate Gefängniß und Berurtheilung in die Kosten festgesetzt werden.
* Die Zuckersteuervorlage, welche in nächster Zeit bnn Bundesrath zugehen wird, schlägt, nach der
Keidvoll und freudvoll.
Novelle von L. v. Neid egg.
(14. Fortsetzung.)
Nach Tische, als die jungen Mädchen, die Erzieherin und Martha inbegriffen, mit dem Grafen Hollerbrunn und einigen der anwesenden Herren sich zu einer Crocket-Partie zusammengefunden hatten und die älteren Frauen allein bei einander faßen, daS Spiel aus der Entfernung beobachtend, wandte sie sich fragend an ihre Freundin.
„Elisabeth machte Dir ja den Eindruck eines Me- dusenhaupteS," neckte sie. „Du fuhrst beinahe zurück, als ich sie Dir vorstellte." ,
„War eS so schlimm?" lächelte die Baromn. „Me- dusa Rondanini! — schön, kalt und seelenlos wie diese. Diese Aehnlichkeit war eS aber nicht, die mich überraschte; nein, die Aehnlichkeit mit Fräulein GraShoff hat mich wahrhaft überwältigt."
„Mit der Gouvernante? Einige Aehnlichkeit mag zwischen Beiden bestehen, jedoch keine sehr auffällige ; sie könnte sonst unS Allen nicht entgangen sein."
„Ein stemdeS Auge faßt Familien-Aehnlichketten fchneller und schärfer auf, als diejenigen eS vermögen, welche im täglichen Umgang den Unterschied der Züge zu beachten gelernt haben. Elisabeth kennt ihr seit
,Kreu?ztg.', die Erhöhung der Exportprämie | auf 4 Mk. unter gleichzeitiger Sontingentirung I der Zuckerproduktion auf Grund der in den letzten 5 I Jahren durchschnittlich verarbeiteten Rübenmenge vor. I Die .Kreuzztg.' erklärt, diesen Vorschlägen „in vollem I Umfange" beitreten zu können. Die erhöhte Expott- I prämie soll nur als KampfeSprämie dienen, um bei den Verhandlungen wegen internationaler Beseitigung der I Prämien einen Druck ausüben zu können. I
Ql Bom Rhein, 16 Nov. An die CentrumSab- I geordneten Dr. Lieber, Frhr. v. He er em an und ! v. Kehler ist anläßlich ihres 25jährigen parlamen- tattschen Jubiläums seitens des Vorstandes deS Augustinus-Vereins zur Pfege der kath. Presse namenS der Mitglieder des Vereins etn I Glückwunschschreiben abgesandt worden
* (yamberg, 16. Nov. Um sich allen Ovationen auS Anlaß seines parlarnentattschen Jubiläums zu entziehen, hat Herr Dr. Lieber eine größere Reise angetreten, von der er erst im Laufe der nächsten Woche I zurückkehren wird — Der Vorstand des WahlverewS | der nassauischen CenttumSpattei überreicht ihm folgende Adreffe: „Dem verdienstvollen Führer der Centrums- I Partei, dem unerschrockenen Streitet für Thron und I Altar, der durch nunmehr fünfundzwanzig Jahre allezeit hilfsbereit den idealen Gütern der Katholiken Deutschlands, wie dem Vaterlande und besonders der engem nassauischen Heimath seine unerschöpfliche Kraft und die Macht seines Wortes gewidmet, dem treuen j Vorkämpfer für Wahrheit, Recht und Freiheit, Herrn Dr. jur. utr. Ernst Lieber, Reichstags- und Landtags- I Abgeordneten zu Camberg, bringt diefe Ehren-Urkunde I in dankbarer Erinnerung dar: Limburg, 16. Novbr. i 1895. Der Vorstand." Die Adresse, in künstlerischer | Ausführung von Herrn Lehrer Metzen auf Pergament geschrieben, ruht in einer mit reichen Verzierungen versehenen Mappe.
* Köln, 14 Nov. Bor der hiesigen Strafkammer hatte sich vorgestern der Cheftedatteur der .Kölnischen Volkszeitung', Herr Dr. Cardanns, wegen Beleidigung zu verantwotten. Dieselbe wurde gesunden in einem Artikel der ,Köln. Volkszeitung', tn welchem behauptet worden war, daß den Mannschaft en der Kompagnie eines zu Köln stehenden Regiments es durch dienstliche Maßnahmen unmög- ! lich gemacht werde, Sonntags ihre Christen-! pflicht zu erfüllen, und weiter, daß in einer rher- uifchen Garnison die Mannschaften durch allerlei klein- | ftien Dienst außer Stande gesetzt worden seien, am । ReujahrStage und am Feste der Erscheinung der Herrn die heilige Messe zu besuchen. Den Strafanttag hatte der Kriegsminister gestellt. In der Verhandlung wurde von mehreren Zeugen eidlich bekundet, daß m der Thal in je einer Kompagnie des 40. und 28. Regiments an Sonntagen sogenannter Gesundheitsapell und Revisionen stattgesunden hätten, wodurch der Kirchenbesuch vielfach unmöglich gemacht worden sei. Ferner bekundeten mehrere Z-ugen, daß an Sonntagen nach
Jahren; Anna GraShoff seht ibr seit einem Jahr täglich. Da faßt man die feinen Nuancen in beiden Gesichtern auf, die einem Fremden entgehen. Hast Du nicht hundert Mal erlebt, wie frembe Menschen Ge- schwister mit einanber verwechseln, währenb Eltern und Verwandte kaum die Spur einer Aehnlichkeit heraus- finden können?" „ . . „ .
Gewiß ist mir das vorgekommen," sagte sinnend die Gräfin. „Ich habe eS mir nie zu erklären gewußt. Weißt Du einen Grund dafür?"
Nur so kann ich eS erklären: der Bernde faßt nur "die äußere Maske ins Auge; der Nahestehende sieht, ich möchte fagen den Strahl der Seele, der durch die äußere Hülle schimmert. In acht Tagen finde ich selbst vielleicht nur mehr geringe Aehnlichkeit zwischen beiden Cousinen. Aber — vergleicbe sie jetzt, in diesem Augenblick, wo Fräulein GraShoff neben der Comteffe
Ausland.
* Wie«, 16. Nov. Bei der Berathnng deS RekrutenkontingentS für das Jahr 1896 erneuerte Schleicher (christlich-sozial) im Abgeordnetenhause heute die im vergangenen Jahre eingebrachte Resolution, in welcher die Regierung aufgesordett wird, behufS Einschränkung des Militarismus bei den befteundeten Regierungen auf Errichtung eines Völker- schiedsgerichtS mit dem Papst an der Spitze emzu- toirten.
Gouvernante im schlichten, grauen Alpakakleid, mit ihrem glattgescheitelten Haar, steht freilich etwas unscheinbar au$ neben der eleganten Komtesse mit ihren künstlich aufgethürmten schwarzen Locken und der aus- gefucktten Toilette, die so sehr darauf berechnet ist, ihre Reize zur Geltung zu bringen. Ein Hauptiinter- fchied zwischen Beiden besteht aber in der natürlichen Anmuth der Einen und in der ftubirten Grazie ber Andern." ., , ,, ..
„Diese Andere ist natürlich Elisabeth!" lachte die Baronin; „Deinem Herzen scheint sie nicht allzu theuer
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