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Samstag, den 2. November 1895

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mit Unterhaltungs Keilagr „Sterne und Klumeu".

Lrfcheial täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. — Bierteljährlichcr Abonnementspreis ohne Bringerlohn tnd Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig Inserat« kosten die einspaltige Sarmontneüe oder deren Raum 15 Pf.. Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Hierzu eine Keilu-e. m: ------------ ---------------------------------S - j, ........................................................... | .

m. Der Zinsfuß für Darlehen der Landeskreditkasfe zu Kassel.

Der Kommunallandtag des Regierungsbezirks Kassel hat im Jahre 1894 bei Berathung des Etats der Landeskreditkasse beschlossen:

den Landesausschuß zu beauftragen, die Frage, ob neben den 3'/, prozentigen auch 3prozentige Landeskreditkasien- Obligationen auszugeben seien, zu prüfen und dem nächsten Kommunallandtage über seine hierüber nach Maßgabe des § 9 des Landeskreditkassen-Gesetzes vom 25. Dezember 1869 gefaßten Beschlüsse Bericht zu erstatten.

Der Berichterstatter führte hierbei aus, daß nach ß 9 des Geßtzes vom 25. Dezember 1869 sowohl dem irandesausschusse wie auch dem Kommunallandtage das Recht zusiehe, mit Genehmigung des Oberprüstdenten die Zins- und Rückzahlungsbedingungen nach freiem Ermessen festzustellen.

Der Antrag — so hieß es in den Ausführungen des Herrn Berichterstatters weiter — bezwecke somit nur, daß der Kommunallandlag, ohne in der Sache Entscheidung zu treffen, den Landesausschuß auf ein ihm zustehendes Recht aufmerksam machen und denselben zu einer Beschlußsaffung darüber veranlassen wolle, ob nicht auf dem im Anträge angegebenen Wege den Schuldnern der Landeskreditkasse thunlichst Erleichte­rung gewährt werden könne. Eine Verbilligung des Zinsfußes werde auch dahin führen, daß sich nament­lich der Geschäftskceis der Landeskreditkasse innerhalb der ©tobt Kassel bedeutend erweitern werde. Er glaube, daß selbst unter den jetzigen Verhältnissen die Ausgabe von 3 prozentigen Schuldverschreibungen den Schuldnern Bortheil bringen werde und eö sei daher zu erwart en, daß der Landesausschuß, wenn die Verhältnisse sich nicht günstiger gestalten würden, zu der angegebenen Maßregel schreiten werde.

Die Konverlirung der 4prozentigen Schuldver­schreibungen sei vorgenommen worden, als die übrigen 31/* projentigen Obligationen, insbesondere die des Staates, bereits den Parikurs erreicht hätten und es sei das eingetreten, was man jetzt auf Grund genauester Erfahrung vermeiden wolle, nämlich eine schnelle Kon- vertirung; diese müsse aber unter allen Umständen ver­mieden werden und deshalb dürsten die Obligationen zu 3 Prozent nicht erst dann ausgegeben werden, wenn der Staat in dieser Beziehung wieder vorangegangen und die Obligationen desselben den Parikurs bereits erreicht hätten. In diesem Falle würden für die An­stalt wieder dieselben ungünstigen Verhältnisse eintreten, wie bei der früheren Kvnvertirung.

Der Antrag wurde ohne Aenderung dem Landes­ausschuß zur Ausführung überwiesen. Derselbe beschloß unter dem 5. Februar d. I., die Landeskredit- kaffe zur Ausgabe 3 p-ozentiger Obligationen und Ge­währung 3^/ii prozentiger Darlehen zu ermächtigen und dieser Beschluß erhielt bereits unter dem 18. Februar d.J. die Genehmigung des Herrn Oberpi äsidenten. Trotz der Beichleunigung erschien erst unter dem 1. April im Rcgierungs - Amtsblatt Nr. 19 vom 8. Mai die Bekanntmachung der Direktion der Landeskreditkasse betreffend die Ausgabe 3 prozentiger Obligationen und die Gewährung 3sts prozentiger Darlehen.

Nach dem Erscheinen derselben nahm man allge­mein an, daß nicht nur die Schuldner der neuen, sondern auch die der bereits bestehenden Dar­lehen solche zu 31/» Prozent Zinsen erstatten würden, und daher wandten sich die Schuldner an die Direktion der Landeskreditkasse mit dcr Bitte, den Zinsfuß von 4 auf 31/« Prozent zu ermäßigen. Als Antwort er­hielten sie den Bescheid, daß dem Gesuch zur Zeit nicht entsprochen werden könne, die Sache aber im Auge behalten werden solle.

Da die Schuldner bei den heutigen billigen Geld- velhältnissen und bei dem Darniederliegen der Land- wirthichast wohl eine Herabsetzung des Zinsfußes be­anspruchen körnten, so dürfte die Landeskreditkasse um so weniger säumen, die schon längst beschlossene Herab­setzung des Zinsfußes den Nachsuchenden zu gewähren und diese nicht mehr länger hinzuhalten.

Anderwärts ist dies bei ähnlichen Instituten schon längst geschehen, und wir dürfen wohl dieErwanung aussprechen, daß der am 12. d. M. zusammentretende Kommunallandtag sich nochmals eingehend mit dieser Frage beschäftigen wird.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. November.

* Der Kaiser hat bei der Le Bourget-Feier des Garde-Schützen-BataillonS nach der Ansprache des Oberstlieutenants v. Paulowski eine Rede gehalten, in welcher er für das Gelübde der Treue dankte und dann weiter ausführte: „Erst vor wenigen Wochen machte ich den Weg, welchen das Bataillon am 18. Oktober 1870 bei AmanvtllerS unter heftigem Kugel­regen zurücklegte. Ich hatte mit meiner Begleitung nur das eine Gefühl, im Stillen den Hut abzuziehen. Es war mir unbegreiflich, daß ein Mann am Leben bleiben konnte. Wenn ich auf die Urquelle dieser Thaten blicke, so ist dies die Leistung meint § Herrn Großvaters. Ich wünche, daß die drei Säulen der Armee, Ehrgefühl, unbedingter Gehorsam und hin- gebendste Tapferkeit weiter bestehen bleiben. Mein i Großvater hat in der Ordre an Prinz Friedrich Karl i erklärt: Ohne den 16. August 1870 kein 18. August, ; ohne den 18. August kein 2. September. Die großen ; Tage mögen mit unauslöschlichen Lettern in uns ver- « zeichnet bleiben. Wir wollen erhalten und ausbauen, § was die Vorfahren erkämpften. Daß die Gardeschützen s in Krieg und Frieden dem alten Ruhme neue Lor­beeren hmzufügen, darauf leere ich mein Glas. Hurrah!" — Der .Kreuzztg/ zufolge hat der Kaiser an den Generalmajor v. Arnim telegraphirt, daß er ihm in dankbarer Erinnerung des Tages von Le Bourget den Kronenorden zweiter Klaffe mit Stern verliehen habe.

* Der Reichstag wird, wie die .Kreuzztg.' „aus bester Quelle" erfährt, erst zum 3. Dezember d.J. einberufen werden; die amtliche Bekanntmachung dürfte heute noch erfolgen. Im vorigen Jahre trat der Reichs­tag am 5. Dezember zusammen, in früheren Jahren schon zwischen dem 15. bis 25. November. — Der Etat ist nach der,Nationalztg/ jetzt fertig gestellt, bis auf die Etats der bayerischen rc. Kontingente. — Die ,N. A. Z/ kündigt an, daß der Entwurf eines Börsengesetzes dem Reichstage sofort nach Eröff­nung der Session zugeben wird.

* Die „bedingte Verurtheilung" macht wieder von sich reden. In verschiedenen Blättern war jüngst zu lesen: „Auch die preußische Justizverwaltung scheint jetzt einen Versuch zu machen, die bedingte Verurtheilung auf Umwegen einzuführen. Man schließt dies nicht mit Unrecht cu8 der Thatsache, daß in letzter Zeit wiederholt auf Gnadengesuche verurtheilter Minderjähriger zunächst nur ein Strafausstand für längere Zeit bewilligt wurde; wenn sich der Bestrafte jedoch während der Zwischenzeit gut geführt hatte, wurde die Strafe tm Gnadenwege erlassen." — Theoretisch läßt sich gegen eine solche Maßregel zwar nicht viel einwenden, sie kann in einzelnen Fällen auch praktisch sehr angebracht sein; wenn die „bedingte Verurtheilung" aber zur ziemlich stehenden Praxis werden sollte, halten wir mit vielen sehr wohlmeinenden Herren aus dem Richterstande, welche über bedeutende Menschenkenntniß verfügen, die Sache für höchst bedenklich. In gewissen Gegenden und gewissen Schichten der Jugend ist eine solche Ver­rohung und eine solche Neigung zum Ver- brecherthum in steigendem Maße eingerissen, daß durch die Hoffnung auf Straffreiheit aller Voraussicht nach ihr nur weiterer Vorschub geleistet werden würde. Wenn auch der Nichtvollzug der erkannten Strafe an noch so viele Bedingungen geknüpft werden sollte, so wird die Erfahrung doch bald zeigen, daß jene Patrone, welche auf die Gnade nicht zu hoffen haben, einfach verallgemeinern und in jugendlichem Leichtsinn denken: „Ach was, für das erste Mal's schadet nichts, wenn du Einem mit dem Messer vermöbelst, du bleibst als „Jugendlicher" doch straffrei." Wohin das führt, kann, man sich an den fünf Fingern abzählm. Erster Grund­satz der Justiz ist: „Die Gerechtigkeit muß ihren Lauf haben"; sind die Paragraphen des Strafgesetz- t buches nicht entsprechend, dann ändere man sie, und ■ wenn bann noch „der Buchstabe tobtet", ist die Be- | gnadiguug der Krone do, bereit Recht wir am ’ allerwenigsten geschmälert wissen wollen.

* Hofprediger a. D. Stöcker wird, wie die,Kreuz- ztg.' mittheilt, in den nächsten Tagen über feine Stellung zu der Richtung Naurnann's und zu den von der ,Kons. Korr.' „fozialistisch" genannten Pastoren „eine ausführliche und klare Darlegung" geben. Ganz und gar wird er sich doch kaum von Naumann lossagen wollen.

* Diedenhofen, 1. Nov. Der Reichstagsabgeord­nete Pfarrer Neumann ist vergangene Nacht im Alter von 59 Jahren gestorben.

* Karlsruhe, 31. Okt. Bei der heutigen Ersatz­wahl, welche für den verstorbenen Abgeordneten Kiefer dahier stattfand, erhielt Oberbürgermeister S ch n e tz l e r von 316 abgegebenen Stimmen 260, auf den Sozial­demokraten Geck fielen 45 Stimmen, die übrigen zer­splitterten sich. — In Eberbach-Buchen siegte der nationalliberale Kandidat, Oekonomierath Schmidt, mit 68 Stimmen über den Landgerichts-Direktor Zehnter, auf den 59 Stimmen entfielen. Dieser Bezirk ging dem Centrum verloren. Die Zusammensetzung der Milte nächsten Monats zusammentretenden Kammer ist folgend: 31 Nationalliberale, 21 Centrums-Mit­glieder, 5 Deutsch-Volksparteiler, 2 Sozialdemokraten, 2 Konfervative, 1 Antisemit, 1 Wilder (Stegmüller- Lörrach).

Ausland.

* Wien, 31. Okt. Wie bestimmt verlautet, will der Ministerpräsident Badem Hrn. Dr. Lueger als Bürgermeister von Wien auf Grund des von der un­garischen Grohfinanz ausgeübten Druckes nicht be­stätigen. Besser könnte er freilich den Antisemiten nicht noch mehr Wasser auf ihre Mühle schaffen. Die Antisemiten deS Gemeinderathes beabsichtigen, Lueger immer wiederzuwählen, indem sie hoffen, hierdurch die Kaiserl. Bestätigung zu erzwingen.

* Paris, 1. Nov. Die Neubildung der fran­zösischen KabinetS ist gestern Abend erfolgt. Die Besetzung ist folgende; Bourgeois Inneres und Ministerpräsident; Ricard, Justiz und KultuS; Ca- vaignac, Krieg; Lockroy, Marine; Berthelot. Unter­richt; Doumer, Finanzer; Guyot-Desiaignes. Arbeiten; Mefureur, Handel; Combes, Kolonien. Das Acker­bauministerium hat Biger übernommen. Nur das Ministerium des Auswärtigen ist noch zu besetzen. Die vier Erstgenannten sind allgemein bekannt, Guyot- Dessaignes war 1885 einige Tage lang Justizminister und berief das Senatsgericht in Sachen BoulangerS ein. Berthelot, der große Chemiker und Akademiker, war 1886 Unterrichtsminister. Combes, Mesureur und Doumer allein waren noch nicht Minister. Com­bes ist zweiter Vorsitzender des Senats, Mesureur war Vorsitzender des Pariser Stadtraths, Doumer eine Zeit lang Kabinetschef Floquets, als dieser Kammer­vorsitzender war. Von den ernannten zehn Ministern sind acht Abgeordnete, nur zwei Berthelot und Cam- bes, sind Senatoren, alle zehn aber Radikale, wenn auch einige, wie Bourgeois und Cavaignac erst seit recht kurzer Zeit.

Aus Kirche und Schule.

»j« Fulda, 2. Nov. Aus allen Theilen der Welt, insbesondere auch aus allen Diözesen Deutschlands, sind dem hl. Vater zum 20.September, dem 25.Jahres­tage der frevelhaften Okkupation Roms, zahlreiche Kundgebungen der Liebe und Anhänglichkeit zum Aus­druck gebracht worden. Im Auftrage des hl. Vaters hat nun der apostolische Nuntius in München an die Hochw. Herren Bischöfe, u. A. auch an den Hochw. Herrn Btfchof von Fulda, ein Dankschreiben gerich­tet, in welchem u. A. auch mitgetheilt wird, daß der hl. Vater der gejammten Diözese den apostolischen Segen ertheilt habe.

Lokales.

» Fulda, 2. November.

try Am gestrigen Allerheiligentage, als am Vor­abende von Allerseelen, wanderten unzählige Gläubige hinaus auf die Friedhöfe, um die Gräber ihrer ver­storbenen Angehörigen nach alter katholischer Sitte zu schmücken und dort für die armen Seelen zu beten. Diese Andacht ist sehr alt, denn schon Tertullian, der im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christi Geburt lebte, schreibt, daß die Christen alljährlich eine Ge-