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•* *£ 249 Montag, den 28. Oktober 1895 22. Jahrgang

FuldaerMZeltluig

mit Urrterhaltnngs-KeiLage „Kterne «ut» KLumrn .

«r Dortmund und Pleß-Rybnik

Dieser Vorschlag kam auch dem Polizei-Inspektor skhr erwünscht, denn er hoffte, in Abwesenheit der Herrschaft bessere Nachforschungen halten zu können. So wurde dle Sache beschlossen und nach wenigen Lagen versammelten sich alle Mitglieder der Gesell- M um die reich besetzte Tafel m Schloß Dargl. Hllda s kühnste Erwartungen wurden übertreffen, als He mrt ihren Freunden das prachtvolle Besitzthum in Augenschein nahm. DaS großartige Schloß war mit den seltesten Schätzen gefüllt. Die Bildergallerien, die bedeutende Waffensammlung, besonders aber ein Kabinet

die Wahl des Centrumskandidaten Frhrn. v. Huene als gesichert, die neueren Nachrichten besagen aber, daß im Gegentheil die Wahl des polnischen Sonder- kandidaten Radwanski als gesichert gilt 9ladi den letzten Meldungen sind nämlich bisher für v. Huene 3100, für Radwanski aber 5500 Stimmen gezählt. Es scheint allerdings, daß dies nicht die abschließenden Zahlen sind, denn der Wahlkreis hat 34,000 Wähler. Indessen hat es doch den Anschein, als ob die große

Gegensatz zum offiziellen Kandidaten gewählter Abge­ordneter dennoch in die Fraktion ausgenommen wurde, hier doch nur dann berufen, wenn Herr Radwanski, wie es bei jenen der Fall war, wirklich Centrums­mann ist. Wir müssen dies aber sehr bezweifeln, denn bei der ganzen polnischen Agitation in Schlesien handelt es sich doch nur um nationale Bestrebungen, die aus Posen dorthin verpflanzt sind von Leuten, die mit dem Centrum nichts zu schaffen haben. Es wäre deshalb nur natürlich, wenn Herr Radwanski der polnischen Fraktion des Reichstags beiträte. Aber wird diese ihn aufnehmen? Wenn sie es thäte, würde sich ihr Verhältniß zum Centrum zweifel­los ändern müssen. Die Herren mögen bedenken, daß sie ohne das Centrum völlig ohnmächtig sind. Hier ist jedenfalls eine Klärung dringend erforderlich, für die nöthigenfalls die Centrumsfraktion zu sorgen hat.

„Ganz bestimmt!" versicherte Mr. Robinson, und eine Welt von Liebe und Bewunderung leuchtete aus seinen Augen.

„Ich könnte ihn nie vergessen, wiewohl ich mich seiner kaum erinnere; sein Tod hat mich aber tief erschüttert."

Beide wanderten schweigend weiter, bis auf ein-

Die Erinnerung an ihren väterlichen Freund schien die junge Dame traurig zu stimmen und sie freute sich, als Mr. Robinson sie in den schattigen Park führte, ein Beispiel, das bald Nachahmung fand. „Der Ge­danke ist mir schrecklich," begann Hilda, „daß der Graf in seinem eigenen Hause lo bald vergessen ist."

„Das ist das Loos der Todten," versetzte ihr Begleiter; „er würde auch gewiß nicht darnach fragen, so lange Sie ihn nicht vergeffen."

„Glauben Sie das?"

Das Centrum war in der letzten Woche an zwei Ersatzwahlen zum Reichstage betheiligt, in Dortmund und in Pleß - Rybnik. Die Ersatzwahl in Dortmund war dadurch veranlaßt, daß der bisherige nationalliberale Bertteter Möller, als es klar war, daß sein Mandat für ungiftig erklärt werden würde, dasselbe niederlegte, während in Pleß-Rybnik der Tod „„ „„ pv

des bihherigen Centrumsabgeordneten Konrad eine Mehrzahl der Wähler sich überhaupt der Neuwohl nothwendig gemacht hatte. Dortmund gehörte Abstimmung enthalten habe! Das gibt zu also zum Besitzstand der Nationalliberalen, Pleß-Rybnik I denken. Selbst wenn Herr v. Huene mit geringer Mehr- ju demjenigen des Centrums. I heft über Radwanski gesiegt hätte, wäre das Ergebniß

Das Centrum war in Dortmund bei den 1890er I eben wegen dieser auffallend großen Wahlenthaltunc Wahlen zum ersten Male selbständig aufgetreten — I kein erfreuliches. Denn gerade darin liegt der stärkste vorher hatte es die Freisinnigen unterstützt — und Beweis dafür, daß die Berhältniffe im Wahlkreise sehr hatte es damals gleich auf über 10,000 Stimmen ge- faul sind.

' während ouf Möller (natl.) 600 und auf I Es war vielleicht ein Fehler, Herrn v. Huene gerade Tolcke (soz^) 200 Stimmen mehr, außerdem noch I in einem solchen Wahlkreise aufzustellen, wo die Er- k v »reistnmgen 4000, die Demokraten 1300 I innerung an sein Eintreten für die letzte Militär- k c? <?,ten H00 Stimmen entfielen. Bei I Vorlage ganz besonders unangenehm sein mußte,

der Stichwahl siegte dann Möller über Tölcke mit I Denn in Pleß-Rybnik standen sich damals ein Gegner iqoo a rr geLen l^ooo Stimmen. Im Jahre I und ein Anhänger der Militärvorlage, beide aus dem 1 ° . stellten dte Freisinnigen, Demokraten und Auti- I Centrum, schroff gegenüber, und die Wahl ergab, daß leimten feine eigenen Kandidaten mehr auf; eS er- I mehr als zwei Drittel der Bevölkerung gegen die hielten: Lenstng (Centr.) 13,165, Möller (natl.) 16,245, I Vorlage war. Offenbar wirkte diese Erinnerung auch Lome (soz) 17,181 Stimmen, und in der Stichwahl I jetzt noch stark zu Ungunsten deS Frhrn. v. Huene nach, siegte dann wieder Möller mit geringer Mehrheit. I Die Einigkeit unter den katholischen Wählern hat i "er Ersatzwahl am Freitag brachte es der Een- I damals außerdem so sehr gelitten, daß die polnische trumskar.didat Stadtverordneter Lensing auf 14,623, I Hetzpresse und die aus Posen importirten polnischen t 17,264 "Nd Dr. Sütgenau (soz.) I Agitatoren den Boden für ihre Wühlbarbeit sehr gut

auf 17,257 Stimmen. Das Ergebniß ist also ober» I vorbereitet fanden. Es ist besonders traurig, daß auch maw eine Stichwahl zwischen National- I Geistliche für den polnischen Sonderkandidaten ein» L- n «en Sozialdemokraten. Doch zeigen I traten, ein Schauspiel, daS sicherlich das ©einige zu

*Jie y.a^ aeH' ~ rm Verhältniß zum Anwachsen I der Sttmmenthaltung so vieler Wühler beigetragen hat.

der Bevölkerung — Nationalliberale und Sozialdemo- I Auch der Wahlapparat soll auf Setten des Centrums

traten stehen geblieben sind, das Centrum aber erheb- I sehr zu wünschen übrig gelassen haben; an manchen

uch gewachsen ist. Die Wahl bedeutet also einen Er- I Orten sollen nicht einmal Stimmzettel für den Cen- folg des Centrums, der hoffen läßt, daß die Zeit nicht I ttumSkandidaten vorhanden gewesen sein! Schließlich mehr fern ist, wo statt der Nationalliberalen daS I sei noch bemerkt, daß Herrn v. Huene auch seine Eigen- Centrum in die Stichwahl mit den Sozialdemokraten I schaff als Staatsbeamter geschadet, haben mag. Die tommt. In diesem Sinne schreibt auch das Dort- I Hauptursachen seiner Niederlage sind aber zweifellos: munter Centrumsorgan, die ,Tremonia': „Noch ein I 1. die Nachwirkungen der 1893er Wahl, 2. die national» f°$er Ruck im Jahre 1898 — wenn nicht schon I polnische Verhetzung.

vorher tmeder Wahl ist — und wir sind in der Stich» I Wir glauben nun nicht, daß der Wahlkreis dem wähl. ES ist allerdings leicht möglich, daß die Dort- I Gentrum dauernd verloren sei, es wirb aber sehr viel munöir nicht bis 1898 auf eine Neuwahl zu warten I Arbeit dazu gehören, ihn wieder zu gewinnen. Die brauchen. Denn die nationalliberalen Großindustriellen I Wunden des Jahres 1893 werden zwar nach und nach haben auch diesmal wieder eine Wahlbeeinflussung be- I von selbst vernarben, dagegen muß der national-polni- xsd m von Rechtswegen die Ungiltigkeitserklärung I scheu Agitation ganz energisch entgegengetreten werben, ber Wahl zur Folge haben müßte. sowohl im Wahlkreise selbst, wie in Berlin durch die

So erfreulich das Bild durch die Einigkeit und den I Centrumsfraktion. Herr Radwanski soll während Cifer der katholischen Wähler m Dortmund ausgefallen | des Wahlkampfes geäußert haben, er wolle dem Ceu- isi, so unerfreulich ist es in Pleß-Rybnik, wo es I trum beitreten. Nun, das Centrum wird es sich wohl sowohl an ber ©tnigfeft wie an dem Eifer gebrach. I erst überlegen, ob es Herrn Radwanski auch aufnehmen Die ersten Meldungen aus dem Wahlkreise bezeichneten | kann. Man kann sich auf frühere Fälle, wo ein im

Crföetnt täglich So»»- und Feiertage ausgenommen. - Vierteljährlicher AbonnementspreiS ohne Brinqerlohn and Bestellgeld in seulda und auswärts 1 Mart kosten dee einspaltige Garmondieile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., taWÄnJeffiW 9

STßftitmpltf I m*t herrlichen chinesischen Vasen und anderen Schätzen

„ - ,7 gefüllt, fanden die höchste Bewunderung.

Orrgmal-Novelle von Clarisse Borges. „Welch' enorme Schätze müssen diese Kostbarkeiten

(3 Fortsetzung.) I verschlungen haben!" sagte Gräfin Sara zu Mr. Ro-

m c , _4„®apitef. I binfon, der still und ernst der fröhlichen Gesellschaft

Ueber Schloß Griffith hatte sich tiefe Stille ge» I von Raum zu Raum gefolgt war.

lagert, und ruhige Ergebenheit wat auf ben Gesichtern I „Ganz gewiß, wenigstens weiß ich, baß sie viel der Bewohnet ausgebreitet. Freilich, baS Silber war I Gelb gekostet haben." verschwunben, aber baS geliebte Kind war gerettet und I Der junge Graf sah den Sprecher erstaunt an.

dem Leben wiedergegeben. Jetzt sollte nach Ausspruch I „Mr. Robinson und Graf Dargl waren Freunde,"

deS Arztes em Wechsel des Aufenthaltes ihre völlige I erklärte Hilda ruhig.

Genesung hetbeifühten. 1 - ■ - • -

WaS konnte daher erwünschter fein, als Hilda'S freundliche Einladung anzunehmen und einige Wochen auf Schloß Dargl zuzubringen, besonders da man hoffte, ooß die Nähe des Meeres sehr günstig auf Irenens Gesundheit wirken würbe.

Deutsches Reich.

Berlin, 26 Oktober

* Der Kaiser kehrte heute übenb aus Leipzig hierhin zurück. Morgen (Sonntag) wirb er ber Ge­denkfeier für ben Prinzen Friedrich Karl im Kaiserhof beiwohnen und sich bann zur Jagb nach Liebenberg, ber Besitzung des Grafen Philipp zu Eulenburg, be­geben. Demnächst wirb ber Kaiser zur Jagd auf ben Gütern bes Hausministers Grafen v. Webel in ber Provinz Sachsen, beS Fürsten Hatzfelbt unb bes Grafen Hochberg in Schlesien erwartet.

* Ihr 25jiihriges parlamentarisches Jubiläum feiern in biefem Herbste ber Vizepräsident deS Abge­ordnetenhauses Freiherr v. Heer em an unb bie Abgeordneten Rickert, Dr. Bruel, v. Kehler unb Dr. Lieber. Bon ben Genannten haben Rickert unb Dr. Bruel stets benfelben Wahlkreis ver­rieten.

* Der Reichs- unb Landtagsabgeorbnete Dr. Brau­bach (Cenrium) hat seine Mandate niedergelegt; derselbe wird demnächst seinen Wohnsitz von Köln nach Leipzig verlegen.

* Der Prediger Dr. Lisco, gegen ben im Dis­ziplinarverfahren s. Z. auf Dienstentlassung er­kannt worben war, weil er ben Gebrauch des aposto­lischen Glaubensbekenntnisses verweigerte, hat bie von ihm gegen dieses Uriheil eingelegte Berufung als aussichtslos zurückgezogen.

* Ueber die Resultate der Reform der Kommnual- steuer, wie sie sich im ersten Jahre der Geltung deS Kommunalabgaben - Gesetzes gestaltet haben, ist von den preußischen Regierungen ein eingehender Bericht eingeforbert worben. Nach allen vorliegenden Nach­richten, so wirb offiziös geschrieben, erscheinen bie Er­gebnisse bieser Reform auf ber Grundlage ber Ueber» Weisung ber Realsteuern an die Gemeinden doch schon recht bedeutsam. Eine große Anzahl von Gemeinden

mal der Ruf: „Hilfe, Httse, Bruno, rettet mich!" an ihr Ohr schlug.

Schnell eilten sie der Richtung zu. Da, den Fuß einer Eiche fest umklammert, lag Irene; jedes Glied ihres Körpers zitterte hefttg.

Dicht neben ihr stand der Diener Henri, den ber Graf mitgenommen hatte, und ber sich jetzt beeilte, aus einer nahen Quelle Wasser für bie Ohnmächtige herbei zu holen.

Mr. Robinson trug sie in bas Schloß unb legte te auf ein Ruhebett.

„O biefe Stimme," stöhnte Irene, als sie matt )ie Augen auffchlug; „haltet ihn fern von mir, laßt ihn mich nicht berühren!"

„Wen?" fragten bie besorgten Eltern.

„Schützt mich, rettet mich!" rief sie verzweiflungs­voll, unb von Neuem umfing sie eine Ohnmacht.

„Wenn man nur wüßte, was geschehen wäre," euszte bie Gräfin; „ich bin wirklich in großer Sorge um Irenens Gesundheit."

„Henri erzählte mir," entgegnete ber Gatte, „daß, als er am Eingänge des Parkes mit dem Kutscher plauderte, er Irene ruhig unter der Eiche sitzend ge­sehen habe. Plötzlich habe sie laut geschrieen; er sei zu ihrer Hilfe herbeigeeilt, während von der anderen Seite Mr. Robinson mit Hilda gekommen fei."

„Irene scheint selbst nicht zu wissen, wodurch sie so sehr erschreckt worben ist," bemerkte Hilda; sie glaubte