Einzelbild herunterladen
 

L

1 t t

t

) )

l

0 0 D

5 0 0 0

5 □

0

0 0

0 0

0 0 )

0 0

0 t)

0 0

5

0 0

8 8

4 0

'S e el t

Mittwoch, den 23. Oktober 1895 22. Jabraana

Ma er WZ ei tu ins

mit Unterftaltnugs-Keilage „Sterne und KLumen".

Erscheint täglich, und Fxlertäge ausgenommen. - Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Brmgerlohn rnd Bestellgeld in pytoa und auswärts 1 Mark 50 Pfennia Inserate kosten die einspaltige Sarmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rastatt. + * * * * * * * * 9'

<0, Das sozialdemokratische Agrarpro­gramm und die Beschäftigung des Klerus

mit landwirthschaftlichen Fragen.

Der „alte Dorfpfarrer", der den bekannten „War- nungSruf an unser Landvolk" ergehen ließ, gibt auf die Frage: Warum kommt der Sozialdemokrat zu unserm Landvolk? die Antwort mit den treffenden Worten eines alten Bauersmannes, der immer zu sagen pflegte: „Alle Leute, die uns Bauern ins Dorf und ins Haus laufen und schöne Reden geben, die kommen nur wegen ihrem Profit!"

Sicherlich nicht aus Bruderliebe macht die Sozial­demokratie so verzweifelte Anstrengungen, um den Feldzug auf das „platte Land" zu verlegen. Sie weiß vielmehr sehr wohl, daß die große Masse des Volkes auf dem Lande lebt, und daß die soziale Revolution, die doch nach Bebel noch vor Beginn des neuen Jahrhunderts erfolgen soll, so lange unmöglich ist, als sich der gesunde und christliche Geist der Landbevölkerung als lebenskräftig erweist. Man kann daher den Wehruf des Sozialdemokraten Blos auf dem Parteitag in Halle sehr wohl verstehen: „Noch haben wir keinen sozialdemokratischen Bauer!" Und ebenso begreift man das krampfhafte Bemühen und die bis zur Nervosität sich steigernde Ungeduld der „Parteipäpste" auf dem letzten Parteitag zu Bres­lau, L tout prix das sozialdemokratische Agrarprogramm durchzudrücken.

Was fragen Bebel und Liebknecht bei der beständigen „Mauserung", in welcher sie sich einmal befinden, danach, daß die „Erhaltung und Erweiterung der be­stehenden Waldnutzungs- und Weiderechte", die „Ver­staatlichung der Grundschulden" neben der „Erhaltung der Gemeindebesitzes" in Bezug auf ihre eigentlichen Prinzipien Inkonsequenzen bedeuten oder wie Schippel ihnen vorwarf, „reaktionäre Forderungen" sind! In der That, wenn man nicht wüßte, daß diese „Quack­salbereien" auf den „ B a u e r n f a n g" berechnet wären, dann würde man den alten Taktiker Bebel, der auf dem letzten Parteitage um alle seine Ruhe gekommen zu sein schien, nicht mehr wiedererkennen, namentlich wenn man sich seines Wortes erinnert: „Alle Uebel der sozialen Ordnung ohne Ausnahme kommen vom Privateigentum". Dem Kleinbauern, der mit großer Liebe an seiner heimathlichen Scholle hängt, aber zumuthen, er solle sich durch die „Wegnahme (des Eigenthums) selbst retten", das ist in der That ein komisches Unterfangen und beweist vor allem, wie grau doch im Grunde genommen alle sozialistischen Theorien sind.

Die Sozialdemokratie läuft bekanntlich in ihren letzten Zielen darauf hinaus, Grund und Boden, Maschinen, Werkzeuge und Verkehrsmittel dem Besitze des Einzelnen zu entziehen und durch die große Ex­propriation in gesellschaftliches Eigenthum umzuwandeln. Konsequentermaßen kann sie deshalb

Zwischen Pflicht und Ueigung.

Preisgekrönte Novelle von A. Zingeler.

(Schluß.)

Trauer mußte e- aber doch nicht sein, was den „Assistenten" des Hoftathes so veränderte; denn in dem lieblichen Gesichtchen lag eine Fülle tiefinnigen Glückes, still, bescheiden sich verbeugend und doch zu Tage tretend, wie die blauen, duftigen Blüthen des Veilchens aus den halb geöffneten Kelchblättern hervor­lugen.

Im eleganten Staatszimmer des hofräthlichen Hauser waren alle Vorbereitungen zu einer festlichen Gesell­schaft getroffen. Es kam selten vor, daß dieser Raum Gäste sah, nur an besonders wichtigen Tagen öffneten sie sich. Ein besonders wichtiger Tag aber mußte der heutige sein.

Das Meerweibchen, ein Kunstwerk des 16. Jahr­hunderts, da- als Lüstre dienend von der dunkeln Holz­decke herabhing, hatte alle Lichter aufgesteckt, und kunst­voll gearbeitete Armleuchter an den Wänden vermehr­ten die strahlende Helle. Die Ausstattung des Saales war ebenso gediegen gut, als von feinem Geschmacke Zeugniß gebend; an diesem Abend aber trat sie vor dem freudigen Glücke, das sichtlich bei allen Anwesenden sich zeigte, in den Hintergrund.

zur Verwirklichung ihrer Pläne nur ein Interesse daran haben, alle Besitzenden zu Besitzlosen gemacht zu sehen. So ist die Thatsache erklärlich, daß die sozialdemokratische Partei im Reichstage zur Hebung des Handwerkerstandes bisheran auch kein Glied rührte; ferner daß sie gegen die Arbeiter-Versicherungsgesetze stimmte. Warum nun auf einmal dem Bauernstände auf die Beine helfen wollen? Dar kann doch nur Sand in die Augen fein, geradeso wie der Satz: „Religion ist Privatsache". Nein, die wahren Ziele der Sozialdemokratie sind einzig und und allein die, den sogenannten „Nährstand" zu proletarisireu. Würde sie diesen Zweck durch ihre sorgsam ausgehängten Leimruthen erreichen, bann machte sie mit den ein­gefangenen „Gimpeln" kurzen Prozeß. Damit haben wir eine Erklärung für den Aerger Bebels in Bres­lau; Schippel ließ sich in eine sachliche Diskussion der Programmentwurfes ein. Bebel konnte eben nicht gut vor der ganzen Welt sagen: Aber Schippel, alles, was Du sagst, billigen wir Führer schon längst; aber begreifft Du denn gar nicht, daß wir, wollen wir die breite Masse der Landbevölkerung gewinnen, mit einem „Agrarprogramm" vor sie hintreten muffen? Sei doch nicht so „närrisch", zu glauben, wir dächten im Ernste daran, dem Bauer fein Haus und seinen Hof zu erhalten!--Bei einer solchen Naivetät brauch

sich allerdings Schippel nicht zu wundern, wenn Bebel als „Mensch" mit ihm fertig ist.

Aus dem Gesagten ergiebt sich, welche Aufgaben allen denen, welchen die Erhaltung eines guten Bauern­standes am Herzen liegt, für die Zukunft obliegen. Der instinktive Widerwille, welchen bis dato unsere Landbevölkerung in ihrer rechtlichen Gesinnung dem „rothen Quacksalber" entgegengebracht hat, muß ge­hoben werden auf die Stufe prinzipieller Ablehnung aller sozialistischer Utopien. Wer wäre da in erster Linie als Berather und Mahner besser berufen, als derjenige, welcher gesetzt ist, als guter Hirt über das Wohlergehen seiner Gemeinde zu wachen: das ist der Kleru s.

Wir wissen sehr wohl, daß eS nicht an Einwürfen hiergegen fehlt; in scheinbar wohlmeinender Absicht will man den Geistlichen von „WirthschastSsorgm" fern halten, er soll sich nur um die Seelsorge kümmern. Und doch, wer weiß, wie innig gerade auf dem Lande die Thätigkeit des Seelsorgers mit der Beschäftigung der Landbevölkerung verknüpft ist, der begreift es auch, daß eine solcheZumuthung die gänz­liche Entfremdung zwischen Geistlichkeit und Volk zur Folge hätte.

Manche Geistliche auf dem Lande beziehen ja an­der eigenen Bewirthschastung der zur Pfarrei ge­hörigen Aecker und Wiesen ihren Hauptlebensunterhalt und sind allein dadurch genöthigt, sich mit landwirth­schaftlichen Fragen zu beschäftigen. Aber auch für solche, bei denen dies nicht zutrifft, ist die Bekannt­schaft mit landwirthschaftlichen Dingen unerläßlich. Wenn den Bauersmann irgend ein Herzeleid drückt,

Dicht beisammen, so nahe es die hohen, steifen, geschnitzten Seffellehnen gestatteten, saßen Frau Lehr- bach-Seewald und Elise. Die würdige alte Dame hatte sich im Fluge das Herz des jungen Mädchens erobert, und wer gesehen hat, wie zutraulich Elise sich an die Mutter Seewald's anschmiegte, wie aufmerksam sie deren Worten lauschte, wie liebevoll sie in die milden, guten Augen derselben schaute, wer gehött hat, wie leicht und natürlich das traute Du zwischen den Beiden ging und kam, der hätte eher auf vieljährige, als auf nur mehrstündige Bekanntschaft geschloffen.

Unverkennbar lag sowohl auf den beiden Frauen als auch in den Zügen Fritz Perlag'S, der ihnen Ge­sellschaft leistete, eine erwartungsvolle Spannung. Sie schien sich nicht minder der drei Herren bemächtrgt zu haben, welche am andern Ende des Tisches in freund­schaftlichem Gespräche beisammen saßen: Salmann, Lehrbach und Perlag Senior. Immer wieder warf der Hofcath einen prüfenden Blick auf die kostbare Stand­uhr, die mit unentwegter Ruhe ihr Pendel hin und her schwingen ließ. Sie wartete auf Niemand und ihr war die nächste Minute ebenso nichttg als die schon dahingeschwundene.

Da erdröhnte ein dumpfer Schlag; der metallene Klopfer der Hausthür hatte gerufen und wie ein elek-

sei e-, daß ungünstige Witterung-Verhältnisse die Erute- aussichten vernichteten, sei e-, daß die steigenden Pro­dukttonskosten und die niedrigen Preiswerthe der Bodenerzeugnisse ihm jede Hoffnung auf ein ehrliches Fortkommen untergraben, daß Krankheit feinen Bieh- ftand lichten u. s. f., so geht er am liebsten zu feinem geistlichen Vater, um bei ihm sein Herz auszuschütten, um von seinen Lippen ein Trostwott zu empfangen! Wie schön ist es da, wenn der Ber- trauenSmann im geistlichen Gewände nicht nur ei« Tröster, sondern auch ein Helfer ist, indem er feinem Pfarrkinde mit guten Rathschlägen an die Hand gehen und zur wirthschaftlichm Hebung der Landbevölkerung thatkräfttg zu helfen vermag! Darunter leidet auch seine eigentliche Berufsthätigkeit nicht, im Gegentheil, sie wird getragen von dem Vertrauen, das die Landbevölkerung ihrem Seelsorger durch seine werkthätige Antheilnahme entgegen- bringt. Sehr zutreffend bemerkt daher das Korre­spondenzblatt für den katholischen Klerus Oesterreich-:

„Wollte die Kirche, daß der Kleru- keine Land- wirthschast betreibe, und wär ihr Betrieb stet- em wesentliches Hinderniß in der Seelsorge, gewiß würde die Kirche von jeher die Dotirnng der Pfründen mit liegenden Gütern verboten haben, was nie und nirgend der Fall ist. ES sprechen gar wichtige Gründe für diesen Betrieb. Der Geistliche wird mit diesem Be­triebe der Landwirthschast au- seiner Sakristei und dem Amtslokal nicht bloß auf feine Felder und Wiesen, sondern auch in die Mitte seiner Kirchenkinder gezogen — so will eS ja auch Papst Leo XÜI. — er nimmt Antheil am Wohl und Wehe des LandmanneS bei Hagel, Dürre, Nässe u. s. w., er kennt Arbeiter- und Dienstbotenverhältniffe auS Erfahrung, weiß, wo dem Bauer der Schuh drückt, wird richttg und nicht zu hart manche Erscheinungen beurtheilen, nichts verlangen vom Bauer, waS er selbst beim besten Willen nicht zu Wege bringt, dagegen wieder mit strikter Sonn- unb Feiertagsheiligung in seinem Hause beweisen, daß eS auch ohne Sonntagsarbeit geht."

(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Oktober.

* Der Kaiser wird sich, wie die,Post' erfährt, nach der Einweihung des Reichsgerichtsgebäudes am nächsten Samstage von Leipzig nach Siebenberg begeben, um auf eine Einladung des Grasen Philipp Eulen- burg an der Jagd dort theilzunehmen. — Dem Generalfeldmarschall Graf v. Blumenthal, der durch ein Unwohlsein verhindert war, an der Denkmalsfeier bei Wörth theilzunehmen, hat der Kaiser die Brillanten zum Schwarzen Adlerorden verliehen. — Der Reichs­kanzler Fürst Hohenlohe bleibt, weil feine Ge­mahlin an Erkältung leidet, noch einige Tage in München. Am 24. wird er der .Norddeutschen Allg. Zig.' zufolge wieder in Berlin eintreffen und am 26.

irischer Strom theilte sich das Zeichen allen Anwesen­den mit.

Rasch eilte Salmann hinaus. Vom Korttdor er­tönten Schritte, die Thür öffnete sich und Herzog Burk­hard, begleitet von Seewald und dem Hoftath, trat ein.

Wie gebannt blieb Seewald an der Schwelle stehen. Er traute feinen Augen nicht. Seine Mutter, fern Vater hier? Mit der ganzen ihm eigenen Liebens­würdigkeit trat Herzog Burkhard auf Lehrbach zu, streckte ihm die Hand entgegen und sprach: „Ich bin wahrhaft glücklich, Sie bei uns zu sehen; ich daicke

Ihnen, daß Sie gekommen sind, daß Sie vergessen

wollen, mein lieber Lehrbach. Ich bitte Sie, es als

ein Zeichen meiner Hochachtung zu betrachten, wenn ich

Sie unter’m heutigen Tage zum Geheimen Rathe er­nenne. Es soll das der Welt gegenüber beweisen, wie

sehr ich Sie und die Ihrigen schätze."

Dann wandte er sich zur Mutter Seewald's und fuhr fort: „Seit jenem Tage, wo ich mit Ihrem Sohne jufammentraf, hegte ich den Wunsch, Sie tennen zu lernen, denn es drängte mich, Ihnen zu sagen, wie glücklich Sie sind, einen so vortrefflichen Sohn zu be­sitzen und so verehrt zu werden wie Sie, Frau Geheime Rath."

Noch immer hatte Seewald keine Sorte gefunden. Seine Blicke glitten von Einem zum Andern. Er