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Monta», dm 14. Oktober 1895
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Die ständige Schulaufsicht wurde bekanntlich geschaffen durch das den Kulturkampf einläutende Gesetz vom 11. März 1873. Dasselbe war ausgesprochenermaßen einmal an, Sie ständen an meiner Stelle, was würden Sie dann thun?"
Der alte Mentor lächelte und erwiderte: „Wenn Herr A. zu mir käme und mir über Herrn B. eine gravirende, nachtheilige Mittheilung machte, so würde ich hier diese Schelle in Bewegung setzen und Schmieder sagen: Ich lasse Herrn B. ersuchen, hierher zu kommen. Dann sollte Herr A. in Gegenwart des Andern seine Beschuldigung wiederholen. Ich versichere Ew. Hoheit, wenn das ein Mal, höchstens zwei Mal geschehen ist, kommt so leicht keine falsche oder selbst leichtsinnige Klage mehr vor."
„Salmann!" sagte der Herzog und klopfte dem ehemaligen Erzieher lachend auf die Schulter.
„Der Herr Hofmarschall von Andneßen lassen Hoheit dringend sogleich um Audienz bitten," meldete Schmieder.
„Der Hofmarschall meines Oheims! Was ist das?"
Der Hofbeamte trat ein. Er war bleich, feine Züge zeigten einen hohen Grad des Schreckens, der Aufregung.
„Ew. Hoheit, ich bin leider der Ueberbringer einer sehr schmerzlichen, erschütternden Nachricht. Herzog Eberhard, unser gnädigster Herr, wurde soeben von einem Schlaganfall getroffen. Dr. Teühorn hält den Zustand für hoffnungslos."
nossen geringer gewordeu. Die.Freisinnige Zeitung gibt als Grund der MandatSniederlegung Gesundheitsrücksichten an. . v m
* Bon gutunterrichteter Seite wird dem .Vorwärts' mitgetheilt, daß nach der Ehrenerklärung, welche das Staatsministerium Herrn von Bo etlicher gegeben hat, nunmehr eine aNkNinästlge Darstellung der Affaire des Stralsunder Bankdirekwrs Berg, des Schwiegervaters des Herrn von Boettlcher, und der Entnahme einer so großen Summe aus dem Welfenfonds von welfischer Seite beabsichtigt worden. Bekanntlich sei diese Entnahme unzweifelhaft durch den Fürsten Bismarck widerrechtlich erfolgt, weswegen man auch von dieser Seite nichts gechan habe, um diese als Staatsgeheimniß behandelte A^elegen- heit in die Oeffentlichkeit zu bringen. In Wahrheit sei die betreffende sensationelle Enthüllung seiner Zeit von einer Seite ausgegangen, die mit Bismarck nichts zu thun hatte. DaS dürfe ausdrücklich, gestützt auf die sichersten Informationen über den Sachverhalt, hier festaestellt werden. Es wußten darum nachweislich nur sehr wenige ganz hochgestellte Personen. Was tne Freunde des Herr« v. Boetticher anbelangt, welche vorher schon zu Gunsten seines Schwiegervaters eine Art freiwilliger Subskription veranstaltet harten, so handelte es sich auch um ein Komitee, an dessen Spitze Werner Siemens stand. Allein die aufgebrachten Beträge reichten bei Weitem nicht zur Deckung der Berg- schen Verbindlichkeiten aus, und nach Rücksprache mit Bleickröder griff dann Bismarck helfend em, mdem er Has erforderliche Geld dem Welfmfonds entnahm. Der alte Kaiser habe keinen Heller dazu hergegeben.
* Die paritätische Behandlung der Katholiken auf dem Gebiete der Schule erhält wieder eine scharfe Beleuchtung durch die ebenso interessante wie lehrreiche Statistik der Köln.Ztg.' über Kreisschulinspektoren im Haupt- und Nebenamt. Wie es hiermit bestellt ist, geht aus der folgenden, nach Provinzen geordneten Aufstellung hervor:
Provinz ständige Ostpreußen Westpreußen Brandenburg Pommern Posen Schlesien
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FuldacrM Zeitung
mit Uuterhaltnngs-Seilagr „Sterne und Slnmen"._________________
in erster Linie darauf berechnet, den Einfluß der katho- lifchen Kirche auf die Schule zu brechen, auf daß die Katholiken, wie der sel. Mallinckrodt so treffend sagte, herabgedrückt würden zu Staven derer, die keinen Glauben haben. Namentlich in katholischen Kreisen hatte deshalb auch die geplante Maßnahme eine tief- Sifende Bewegung und Entrüstung hervorgerusen, die
in einemSttom von Pettttonen an das Abgeordnetenhaus kraftvoll äußerte. Aber auch in gläubig protestantischen Kreisen zeigte sich entschiedener Widerstand, so daß, um das Gesetz im Herrenhause durchzudmckny ein PairSschub nothwendig wurde. Wenn nun auch der damals herrschende Liberalismus, dem zu liebe die Schule auf Gnade und Ungnade dem Staate ausgeliefert wurde, keinen Unterschied in den beiden christlichen Schulen beabsichtigt hatte, so liefern die vorgeführten Zahlen doch den vollgilngen Beweis, daß die mit der Ausführung betrauten Regierungsorgane diesen Unterschied zum Nachtheil der Katholiken gründlich zu machen verstanden haben. 756 mit der Kreisschul- inspektion betraute evangelische Geistliche gegen :»>, katholische, sie geben in der That den richtigen Maßstab ab für die eigenthümlichen Paritätsbegriffe, wie sie im preußischen Staatsleben ihre Bestätigung finden. Leider hat die Köln. Ztg.' es unterlassen, die ständigen Kreisschulinspektoren konfessionell zu scheiden. Ware das geschehen, so würde die unparitätlsche Behandlung noch viel drastischer hervorgetreten fern. Also trotz aller parlamentarischen Kämpfe sind wir immer noch von einer vollen Gleichberechtigung weit entfernt. Das Gefühl, daß wir im Grunde Bürger zweiter Klaffe, daß der katholische Westen „anneftirtes" Land Jet, ist dort oben im Osten zu tief eingewurzelt, als daß es so bald schon einer anderen Auffassung Platz machen wird. Nein, noch lange, lange Zeit ist es nothwendig, daß wir im-Reichstage eine mächtige Centrumsfraktton behalten, die sich unter geschickter Führung m kritischer Stunde unbequem zu machen weiß und dadurch jenes gute Recht bruchstückweise erzwingt, das man uns bisher, sagt die ,N. B.', konsequent auf allm Gebieten vorzuenthalten bemüht ist. .
* Eine Nachricht wird verbreitet, die viel zu schon ist. als daß man ihr nicht zunächst mit Mißtraum begegnen sollte. Es wird berichtet, daß der Reichstag in der bevorstehenden Session endlich auch die fett Jahren betriebene Reform der MMärstrafprozch- orduuug vorgelegt bekommen soll. Die Mittheilung klingt überraschend, nachdem monatelang nichts von der Fertigstellung des bezüglichen Entwurfs verlautet hatte. Bewahrheitet sich die Angabe, so muß man sagen, daß der Kriegsminister daS Geheimniß seiner Absicht bestens zu behüten gewußt hat. Eine neue Militärprozeßordnung kann man sich selbstverständlich nur in dem Sinne denken, daß sie die Grundsätze der Oeffentlichkeit und Mündlichkeit durchführe. Jeder andere Versuch einer Regelung wäre aussichtslos und er hätte überdies zur Vorbedingung, daß die bayerische Regierung auf ihre bewährte Militärstrafprozeßordnung
„Gott im Himmel! Ist das möglich!" rief Herzog Burkhard erbleichend. .
„Mein Wagen steht unten bereit. Es ist keine Minute zu verlieren, wollen Hoheit den Herzog noch lebend antreffen," fuhr der Hofmarschall fort.
„Wenn auch nicht bei den Menschen, bei Gott ist immer noch Hoffnung," rief der Herzog. „Salmann, bringm Sie der Herzogin, meiner Frau, die schreckliche Nachricht so schonend als möglich bei. Kommen Sre, Andrießen!"
Mit diesen Worten eilte Herzog Burkhard voraus, Schmieder rasch den Hut abnehmend, den dieser schon bereit hielt.
Eine Stunde später senkte sich auf dem herzoglichen Residmzschlosse die Leuenstetttfche roth-grüne Fahne halbmast. Herzog Eberhard war gestorben.
9.
Je dicker der Nebel um uns, aber nicht über , uns: desto leichter sinkt er nieder.
Große Hoffnungen, fchwere Besorgnifse knüpfen sich gewöhnlich an den Uebergang der Herrfchaft der Regierung von einem Fürsten auf den andern. In der Regel sind die elfteren zu hoch geschraubt, die letzteren zu schwarz gemalt. Man hat beiderseits zu viel erwartet; das ist der Grund der fast stets eintteffenden Täuschung.
ev. Geistl.
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Sachsen
Schleswig-Holst. 7
Hannover 2
Westfalen 29
Hefsen-Naffau 1
Rheinprovinz 59
Hohenzollern____2
Deutsches Reich.
Berlin, 12. Oktober.
* Der Kaiser wird am Montag ftüh Hubertusstock -verlassen und sich von dort nach Wiesbaden begeben, von wo die Weiterreise nach Kürzel und Urville gegen Mitternacht erfolgt. — Die Kaiserin begibt sich am Montag Nachmittag von der Wildparkstation aus mit Sonderzug nach Wiesbaden und setzt von dort gemeinschaftlich mit dem Kaiser die Reise noch Schloß Urmlle in Lothringen fort. - Wie die .Nationalzeitung hört, trifft der russische Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Fürst Lobanow, der gestern Paris verlassen hat, auf der Rückreise nach Petersburg heute Abend hier ein und wird morgen in Hubertusstock vom Kaiser empfangen werden. — Der Reichskanzler F u r ft Hohenlohe begibt sich morgen früh zum Vortrag bei Sr. Majestät nach Hubertusstock. Die Audienz des Fürsten Lobanow, der sich mit einem spateren Luge nach Eberswalde begeben wird, dürste gegen Mittag stattfinden.
* Ueber den Stiickerskaudal soll der Kaise r einen genauen Bericht eingefordert haben. Die Stimmung des Kaisers soll wegen dieser vielberufenen Angelegenheit keineswegs gut sein und die Wirkung werde sich bald zeigen. Wenn nun Stöckern der Titel „Hos- prediger a. D." entzogen würde! Das wäre ja zu schrecklich.
* Die Internationale Erdmessnugskonferenz ist heute im Reichstagsgebäude geschlossen worden. Die Konferenz hat ihre Aufgabe in acht Plenar- und mehreren KommissionSsitzungen erledigt. Der von der permanenten Kommission für die Erneuerung der Konvention vorbereitete Entwurf ist nach Annahme mehrerer Amendements zum Beschluß erhoben worden. Nach der gestrigen Sitzung der Konferenz vereinigte» sich die Delegirten zu einem Festesien, zu welchem im Auftrage der Staatsregierung die preußischen Bevollmächtigten ihre auswärtigen Kollegen eingeladen hatten. Bei der Tafel bewillkommnete Minister Dr. Bosse die Gäste und schloß mit einem Hoch auf die fremden Regierungen. Als Präsident der internattonalen Erd- meffung erwiderte hierauf der Franzose Faye. Er brachte „auivant un usage conaacre“ ein Hoch auf den deutschen Kaiser aus. Redner erinnerte hierbei an die Worte herzlicher Theilnahme, welche der Kaiser gelegentlich des Todes des Marschalls Mae Mahon und der Ermordung des Präsidenten Carnot an Frankreich gerichtet habe. „ m „
* Der Landtagsabgeordnete Hermes (freis. Bolksp.) hat sein Mandat niedergelegt. Dieser gänzlich unerwartete Vorgang wird in den beteiligten Kreisen viel besprochen, da man sich über die Gründe dieser plötzlichen Entschließung nicht klar ist. Man spricht von einer scharfen Differenz mit dem Führer der freisinnigen Vollspartei, Herrn Eugen Richter. Das kleine Häuflein der Getreuen um diesen ist durch diesen Vorgang wiederum um einen langjährigen Bundesge-
Zwischen Pflicht und Ueigung.
Preisgekrönte Novelle von A. Zingeler.
(36. Fortsetzung.)
„Wollen Sie demgemäß, daß keine Anklage zu mir dringe?"
„Wer Herr ist über Viele, wird, kann sich dem niemals entziehen, ja, er darf es nicht einmal. Zudem halte ich bestimmte Anklagen bei weitem nicht fo schlimm als die „an dit“, man sagt, man erzählt sich", die leicht hingeworfenen Bemerkungen über andere Personen, die den Schein der Unschuld, der harmlosen Plauderei an sich haben und häufig berechnende Schadenfreude in sich bergen. Offene Anfeindungen, dirllte Anklagen sind bei weitem nicht fo schlimm, als diese mit lächelndem Munde, zweideutigem Achselzucken, ab und zu hingeworfenen Andeutungen. Das ist zwar unmännlich und wenig ehrenhaft für den, der es thut, aber es gibt Menschen, denen es zur zweiten Natur geworden ist, ihr Gift zu verspritzen und die ganz genau wiffen: 8emper aliquid haeret, Etwas bleibt immer hasten. Aber es gibt doch ein Mittel, leichtsinnige Mittheilungen, Anekdoten über Andere, Anklagen und Verleumdungen auf ein geringes Maß zurückzuführen und sie selten zu machen."
„Und wie das?" frug der Herzog. „Nehmen wir
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