mit Urrterhaltimgs-Kettagr Sterne und Klumen".
22. Iavraarm
„Bolle Wahrheit!»
„Und Sie wollen, Sie können mir den Beweis liefern, daß Sie die Wahrheit sagen?»
„Ich kann Ihnen den Hergang der Geschichte genau erzählen, ich kann Ihnen ferner mittheilen, wo Sie den Beweis, den untrüglichen Beweis für die Unschuld Ihres Vaters und für die Schuld Wagners, Perlags und des Herzogs finden.»
„Und um welchen Preis wollen Sie das thun?»
„Um einen sehr billig«: Erstens müssen Sie mir geloben, sich an Perlag und dem Herzoge zu rächen. Der Wagner ist eine Null, an ihm liegt mir weniger. Er fällt zudem mit Perlag. Zweitens», fuhr Zeller fort, nahe an Seewald herantretend und mit gierig funkelndem Auge zu ihm auffchielend, „zweitens müsien Sie mir aus den Hausakten des Herzogs Eberhard ein Schriftstück besorgen, das mich kompromittirt. Es ist das sogenannte schwarze Buch des Herzogs und birgt auch den Beweis gegen Perlag und für chren Vater. Habe ich das Blatt in Händen, dann, dann wehe Dir Herzog Eberhard, dann Rache auch Dir, Herr Oberfinanzrath Perlag.»
„Sagen Sie mir, auf welche Weife die Ehre meines BaterS angegriffen werden konnte, wie man es anfing, ihn als schuldig hinzustellen!»
„In der Stunde, wo Sie mir das bewußte Schrist- stück ausliefern, erfahren Sie alles, dann bin ich der
Die zweite allgemeine Sitzung wurde kurz nach 11 Uhr eröffnet. Den Vorfitz übernahm der Hoch». Herr Bischof von Fulda, Georg JgnatiuS Komp. Den ersten Vortrag hielt der Professor des hiesig« Priester-Seminars, Herr Dr. Leimbach, über den heil. Rhabanus Maurus. Redner legte zunächst den Stand der RhabanuSforschung dar. Obwohl es eine Reihe von älteren und neueren Werken über diesen großen Gelehrten des Mittelalters gibt, fehlt eS an einer vollständigen und zuverlässigen Darstellung seines Lebens und Wirkens, sowie an einer vollständigen kritischen Ausgabe seiner Schriften. Sodann behandelte Redner die Frage, ob Rhabanus unser Interesse verdient; dabei führte er uns ihn als Lehrer und Schriftsteller vor und entwarf dabei ein so herrliches Bild von dem großen Heiligen, daß dadurch schon ohne Weiteres jene Frage bejaht war. Was der große Alcuin für das Frankenreich war, das war fem Schüler Rhaban für Deutschland, und mit Recht hat man ihm den ehrenvollen Beinamen Praeceptor Ger- maniae gegeben. Seine Schriften umfassen alle Wissenschaften der damaligen Zeit, weitaus der größte Theil der Schriften behandelt naturgemäß theologische Fragen. Jedenfalls gehört der berühmte Lehrer der Fuldaer Klosterfchule zu den anziehendsten Personen der Kirchengeschichte.
Den zweiten Vortrag hielt Prof. Dr. Ehrhard- Würzburg über die Geschichte der byzantinischen Kirche bis zum Falle Konstantinopels. Dieser höchst inter- essante Vortrag bot eine so überreiche Fülle von neuen Gesichtspunkten, daß man behaupt« darf, er habe ein ganz neues Gebiet der Geschichtsforschung angebahnt und eröffnet. ES ist hier nicht der Ort, die Einzelheiten näher zu beleuchten, auch würde eS den Rahmen eines Zeitungs-Referates weit übersteigen, wenn wir auch nur eine Skizze des Vortrages geb« wollte». Leider mußte der Redner den letzten Theil des Vor- trages erheblich kürzen, weil die Zeit schon allzu sehr vorgeschritten war. Brausender Beifall lohnte den Redner am Schluffe seiner Ausführungen.
Der Hochw. Herr Bischof danfte dem Redner für den Borttag und für die Studien, welche er über diese hochwichtige Frage gemacht hat; zugleich sprach er die Hoffnung aus, daß der Vorttag recht bald im Druck erscheinen möge, mit Freuden werde er dann denselben zum Gegenstand seines Studiums machen.
Darauf wurde die Versammlung geschlossen und unverzüglich begaben sich Alle in den Dom zur Boni- fatiuSgrust, wo ein feierlicher Schlußgottesdienst stattfand. Der Hochw. Herr Bischof ertheilte in vollem Ornate den sakramentalen Segen und stimmte sodann daS De Teum an. Zum Schluffe legte der Hochw. Herr ein Gefäß mit Reliquien des hl. Bonifatius au daS Haupt eines jeden von den Anwesenden und rie dabei die Fürbitte des Heiligen an und reichte dann die Reliquien zum Kusse dar. Die ergreifende Cere- monie bildete für die General-Versammlung der Görres-
Gesellschaft einen erhebenden Abschluß, der All« unvergeßlich bleiben wird.
Um zwei Uhr versammelt« fich die Mttglieder und Theilnehmer der GörreS-Gesellschaft, soweit fie nicht schon zm Abreffe g«öthigt waren, mit den Freund« und Gönne« der Gesellschaft auS hiesiger Stadt nochmals im Saale der „Harmonie» zum Festessen. Die Zahl der Tischgäste belief sich auf 64. Den erst« Toast brachte der Hochw. Herr Bischof aus mit ungefähr folgenden Wort«: Hochverehrte Herr«! Vor wenigen Tag«, am 20. Sept, waren wir alle in banger Sorge für unfern hl. Vater Papst Leo XIII. Was konnte nicht alles gefchehen in der henügen Zeit! Wir waren wirklich froh, als der Tag glücklich vorüber war. Der hl. Vater ging ruhig in dm St. Petersdom, um zu beten. Es war ein schöner lichter Tag. Gewiß wird das nickt verlor« geh«, was der heil. Vater in diesen Tagen erfleht hat. Lumen de coelo! Die herrlichen Encykliken, welche er erlassen hat, zeigen ihn nicht minder als ein lumen de coelo. Für die GörreS-Gesellschast sind besonder» wichtig die Bemühungen deS hl. Vaters um die Hebung der Wissenschaft; denken wir an daS, war er für die Philosophie, für die exegettschm Studien, für die Geschichte gethan hat. Wir können uns glücklich preisen, daß ein solcher Mann auf dem Stuhle Petri sitzt, ein lumen de coelo. Ich lade Sie ein, mit mir einzustimmen in den Ruf: Unser heiliger Vater Papst Leo XIII. lebe hoch!
Frhr. v. Hertling brachte gleich darauf folgenden Toast auf Se. Majestät den Kaiser auS: Wir hab« soeben den Gefühlen der Verehrung und Liebe AuS- d«ck gegeben geg«über dem obersten Lehrer der Christenheit. Ich fordere Sie nunmehr auf, dm Se- fühlm ehrerbietiger Unterwürfigkeü Ausdruck zu verleihen gegenüber dem oberst« Träger der weltlich« Gewalt, Sr. Majestät unserem Kaiser Wilhelm II. Wir ehren ihn als den von Gott uns gegebenen Herrscher, wir ehren ihn als den Hort des Friedens, wir ehren ihn als den Förderer aller idealen Bestrebungen, wir ehren ihn vor allem als einen christlichen Fürsten, der für daS Wohl seiner Unterthanen stets besorgt ist Stimmen Sie daher mit mir ein in den Ruf : Se. Majestät Kaffer Wilhelm H lebe hoch!
Frhr. v. Heereman feierte den Hochw. Herrn Bffchof, der den Berathungen der Gmeralverfammlung mit großem Interesse beigewohnt und zum Schluffe in der Andacht in der BonffatiuSgrust eine so schöne und erhabene Feier veranstaltet habe, wie sie der GörreSgefellschaft noch niemals gebot« wurde. Dem Gönner und Förderer der Wissenschaft auf dem Stuhle deS hl. Bonifatius gelte daher fein Hoch!
Herr Domdechant Braun widmete fein GlaS der GörreS-Gesellschast und insbefondere dem hochverdient« Präsident« der Gefellfchast, dem Herrn Frecher« v. Hertling.
Ihrige, fonst keine Mittheilung, keine Hilfe meiner« feit#.»
' Und nun drang Zeller mit fast unwiderstehlicher Beredtsamkeit in Seewald ein. Er gab ihm Mittel und Wege an die Hand, wie er ohne große Mühe in dm vorübergehenden Besitz der betreffenden Akten komm« konnte. Er sprach ihm von der Pflicht, die Ehre feines BaterS wieder herzustellen, die Strafe der Schuldigen herbeizuführen. Es war die schwerste Versuchung, die an Seewald herangetteten.
Als er endlich die Stube Zellers verließ, schwindelte ihm Er mußte allein bleiben, seine Gedanken sammeln. An der Wahrheit deffen, was ihm Zeller mitgetheilt, konnte er nicht mehr zweifeln. Ohne den Beweis erhalten zu haben, war er doch überzeugt, daß Perlag der Hauptschuldige fei. Soviel mußte er dm AuS- führnngm ZellerS mtuehmm. Mit Behagen hatte Zeller ihn in das Getriebe deutlich genug blickm lassen, mit Absicht das Gift eingetröpfelt, damit eS wirke, arbeite, um sich greife. Salmann stand ganz außerhalb der Sache, darüber war Zeller ebenfalls mittheilsam geworden, wmn er auch in seiner Ber- I’ läumdungssucht durchblicken ließ, der alte Hoftath wisse aber wohl um die Thal seines Schwagers.
ES dauerte lange, bevor Seewald die so furchtbar I gestörte Seelenruhe wiedergefunden. Nein, wieder- ' gefunden hatte er sie nicht. ES war nur eine dumpfe
Sonn. unb ;teurtaqe ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementsvreis ohne Bringerlohn und BeMgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig, geeint ta9h^®?""a eTbie einfpalnge Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 2-, Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
XU.Generalversammlrmg derGönes- Gesellschast.
Fulda, 4. Oktober.
Die zweite Sitzung der historischen Sektion wurde gestem Borm. 9 Uhr, zur selben Zeit wie die Sitzung der Philosoph. Sektton, vom Vorsitzenden, Her« Prof. Dr. Grauert-Münchm, eröffnet. Zunächst erhielt das Wort Herr Prof. Dr. Hüfser-Breslau ju einem Vortrage über „die Jdmtität deS BerfafferS der vita Hadamodae mit dem Berfaffer der vita Liborii und dem sogenannten poeta Saxo.» Hadumod, Aebtissin der Klosters Gandersheim, starb 34 Jahre alt im Jahre 874, und AgiuS von Corvey schrieb unter dem ftischen Eindmcke deS Schmerzes zum Tröste der Nonnen des Klosters seine „vita Hadumodae“. Redner wies nach, daß wir in Agius den sogenannten poeta Saxo zu erkennen haben; zum Beweise hierfür gab er Proben der Diktion deS genannten Mönches von Corvey Die fesselnden Ausführungen des Redners führten uns ein interessantes Gemälde vor Augen aus einer Zeit , m der die Quellen noch spärlich fließen und das Christentum erst seit kurzer Zeit in Deutschland festen Fuß gefaßt hatte. Die genannten Schriften gehör« zu den mteresfantesten Dmftnäle« aus jener Zeit.
Da die Zeit drängte, muß die Diskussion über den Vorttag ausfallen. Prof. Grauert danfte dem Redner mit herzlichen Worten für den schönen Vorttag und sprach den Wunsch auS, dmselben bald im Dmcke vor sich liegen zu sehen.
Den zweitm Vorttag hielt Prof. Dr. Wurm Paderborn über das Thema: „Pfapst Jnnocenz IV. und die deutfche Kirche.» In den heftigen Kämpfen des Mittelalters zwischen sacerdotium und Imperium nahmen die unter Jnnocenz IV. ausgebrochenen Streitigkeiten nicht die letzte Stelle ein. Nichts Geringeres, als der Sturz der stauffischen Hauses war daS Ende dieser Stteitigkeiten: mit dem 29. Oktober 1268 endigte die Tragödie aus dem Marftplatze zu Neapel, als das Haupt Konradins, deS letzten Stauffen, in den Sand rollte. Stteitigkeiten zwischen Papst und Kaiser, zwischen Kaiser und Bischöfen, zwischen Papst und Bischöfm füllten das Gemälde, welches der Redner entrollte; viel interessantes neues Material wußte er mit dem ihm eigenen Geschick in das Gemälde einzu- flechtm. Jnnocenz hat wohl eingesehm, daß sein Vorgehen und Thun nicht immer der päpstlichen Würde mtsprach; so gewaltig sein Pontifikat war, segensreich für die Kirche war es nicht.
Auch hier mußte wieder die Diskussion über den Vortrag wegfallen. In warmen Worten sprach der Vorsitzende dem Redner den Dank der Versammlung aus. Auch über das römische Institut konnte wegen Zeitmangels nicht eingehend berichtet werden. Der Vorsitzmde mußte sich auf einige kurze Sftzzen beschränken, da die Zeit zum Beginn der allgemeinen Sitzung gekommen war.
Zwischen Pflicht und Ueigung.
Preisgekrönte Novelle von A. Zingel er.
(28. Fortsetzung.)
Mit einem einzigen Schritte stand Seewald dicht vor dem feige zurückfahrenden Kommissionär. Mit nerviger Hand faßte er den Arm desselben und rief: „Wenn noch ein Funke von Ehrgefühl in Ihnen ist, so widerrufen Sie die verruchten Verlämndungen gegen Leute, die Sie mit Ihrem Haffe verfolg«.»
„Wmn ich widerrufe, so lüge ich. Mir scheint doch, daß der Herr Doftor den Verlauf der ganzen Komödie nicht kennt. Das ändert allerdings die Sache. Gut denn! Lassen Sie uns Verbündete sein, um diese B«t zu züchttgm. Ich beweise Ihnen, daß Oberfinanzrath Perlag und mit ihm im Bunde der von Ihnen protegirte Registrator Wagner Ihrem Bater die Grube bereiteten, in welche er schuldlos fiel und in der ihn — merken Sie wohl auf, Herr Doftor — und in der chn der Herr Herzog, wiewohl er die Unschuld Ihres Vaters erfuhr, liegm ließ.»
„Herzog Burkhard?» rief Seewald außer sich.
„Nein, Herzog Eberhard. Ist übrigens gleich. Läppchen wie Tüchelchen, Tüchelchen wie Läppchen», erwiderte Zeller grinsend.
„Herr Gott im Himmel! Was Sie da sagen ist Wahrheit?» rief Seewald erschüttert.