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Montag, den 23. September 1895
22. Iavraana
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Zeitiing
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An unsere Postavannenten wenden wir uns beim herannahenden Quartalswechsel mit dem freundlichen Ersuchen, das Abonnement auf die .Fuldaer Zeitung' baldigst erneuern zu wollen, damit unter dem Andrang der Arbeiten, welcher gegen den 1. Oktober hin bei den Postanstalten eintritt, die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleidet.
ih lieber die Revolutionsseier in Rom verbreitet daS Wolff'sche Telegraphen-Bureau ellenlange Berichte seines offiziösen und liberalen römischen Korrespondenten, die natürlich ganz Rom und Italien in einem Meere von Wonne und Begeisterung schwimmen lassen. Und unsere liberale Presse-, die ja das Färben aus dem ff versteht, thut auch, was sie kann, um den Glanz der römischen Feste in den sattesten Farben und die Stimmung des italienischen Volkes so rosig wie möglich zu malen. Die,Voss. Ztg.' z. B., die sich freilich gerne an ihren eigenen Phrasen berauscht (ein anderes liberales Blatt wandte dieser Tage auf die „Tante Voß" das Wort aus Tristram Shandy an: „Fragt meine Feder; sie führt mich, nicht ich sie"), leistet sich folgenden Hymnus: „Von den Hängen des Monte Baldo und den Penninischen Alpen bis hinab zu den Gestaden Siziliens durchbraust heute ein Jubelsturm das italische Land, in festlich gehobener Stimmung richten Millionen ihren Blick auf die ewige Stadt, die heute das fünfundzwanzigjährige Gedächtniß des Tages der Erfüllung jahrzehntelanger heißer Wünsche der Edelsten (?!!) des Volkes begeht, des Tages der Porta Pia."
Und die Wahrheit? Wir brauchen nicht die katholischen Zeitungen Italiens zu befragen, wie in Wirklichkeit die Stimmung auf der appenninischen Halbinsel beschaffen ist, nein, den liberalen Unwahrheiten brauchen wir nur andere liberale Zeugnisse gegenüberzustellen, die — sie sind freilich vereinzelt — doch nicht umbin konnten, wenigstens annähernd der Wahrheit die Ehre zu geben. So schreibt die Wiener,Neue Freie Presse': „Daß sie (die Katholiken) nicht die einzigen sind, welche gegen die Feiern protestiren. ist allerdings wahr. So laut der Jubel in Rom schallt, so wird er doch nicht überall in Italien getheilt. Die Stimmung im Lande ist nicht festlich, sondern trübe." Und die ,Franks. Ztg.' gesteht: „Die Italiener begehen das Gedächtniß dieses Tage- mit sehr gemischten Gefühlen, und diese Thatsache können die Römer mit all ihrem Festjubel nicht aus der Welt schaffen. sZür eine Nationalfeier war von Anfang an wenig Stimmung ... der Entwurf ging (in Kammer und Senat) nur durch, weil man cs als eine Ehrensache ansah, das Jubiläum des „Venti Settembre“ (20. September) zu feiern. Also eine Feier „Schanden halber", wie man populär zu sag n Pflegt. Die Art und Weise, wie das Programm festgestellt wurde, zeigte dann, daß man der nationalen Begeisterung in der Thal nicht
Zwischen Pflicht und Urignng.
Preisgekrönte Novelle von A. Zingeler.
(18. Fortsetzung.)
„Danke Ew. Hoheit! Es geht dem Oheim wieder grt. Hätte ich eS zugelaffen, so wäre er wohl gar wieder ausgegangen, denn er sprach davon, zum Fried- richSbau zu gehen," fügte sie mit einem Blick auf Seewald hinzu.
„Wer ist nun eigentlich Herr hier im Hause? Salmann, sein Assistent oder des Hauses treue Hüterin, die Kathrin?" fragte der Herzog lachend.
„Wir führen ein friedliches Triumvirat, so übereinstimmend und einzig, wie uns Herr Doktor Seewald aus der ganzen Weltgeschichte kein zweites aufweisen kann," erwiderte Elise, auf den scherzhaften Ton des Herzogs eingehend.
„Und das ist um so merkwürdiger, als zwei Mitglieder des schönen Geschlechtes hierin vertreten sind," meinte Herzog Burkhard.
„Ew. Hoheit sind sonst stets so ritterlich gegen uns Frauen, und nun greifen Sie unS sogar an, wo wir doch Anerkennung fordern dürfen," sagte Elise mit ftischem Freimnth.
„Ich ziehe mich sofort zurück und erkläre mich für geschlagen," entgegnete der Herzog lachend.
traute." Die,Franks. Ztg.' verweist, um dies darzu- thun, auf die Menge von Veranstaltungen (Heranziehung aller möglichen Vereine, von Turnern, Schützen. Lehrern, Veteranen u. f. w.), die nur den Zweck batten, viel schaulustiges und festbummelndes Volk nach Rom zu ziehen, damit es an Publikum nicht fehle und Rom sein Geschäft mache. (Daher auch die billigen Eisenbahnfahrten nach Rom und die Freiqartiere für Veteranen, Schützen usw. Die Red.) Daß es aber mit der Begeisterung nicht weit her ist — so fährt das genannte Blatt fort —, zeigt ein Blick auf das übrige Land und auf die Presse, wo Kühle die herrschende Stimmung ist. DaS Volk, das von der Einheit auch eine Besserung seiner Lage erhofft, sehe sich enttäuscht, die wirthschaftliche Lage sei trostloser als je; statt von Versöhnung und Reformen höre man nur von Bedrückung und fiskalischen Härten.
Wie lächerlich nehmen sich gegenüber dieser Erinnerung an das Elend des „geeinigten" italienischen Volkes die stolzen, hochtrabenden Phrasen aus, in denen Crispi daS „glückliche", das „starke" Italien feierte und in einem eklen Gemisch von frechen Drohungen und Schmeicheleien gegenüber dem hl. Stuhle Rom als die „unantastbare" Hauptstadt dieses „starken" Staatswesens von neuem proklamirte! Welche Art vom „Volk" Signor Crispi nach Rom gezogen, beweist die skandalöse Thatsache, daß der Festzug vor der österreichischen Bot schäft eine österreich- feindliche Demonstration veranstaltete durch Senken der Fahnen unter dem johlenden Beifalles des Pöbels. Also die Jrredenttsten, die Italien noch um etliche Beftandtheile Oesterreichs — Triest und das Trentino — vergrößern möchten und daher die ärgsten Feinde des Dreibundes sind und von CriSpi daher oft genug in der Kammer scharf bekämpft werden mußten, das sind dieselben Leute, die jetzt Herrn Crispi helfen mußten, ein großes „nationales" und „anttklerikales" Spektakelstück aufzuführen! Und deutsche Turner nahmen auch noch an dieser Posse theil! Man thäte hierzulande wahrlich besser, nicht allzu fest auf die italienische Freundschaft sich zu verlassen.
Es wird behauptet, jene Demonsttation sei nur dadurch veranlaßt worden, daß die österreichische Botschaft nicht geflaggt hatte. Es stellt sich aber heraus, daß die übrigen Botschafter auch nicht geflaggt hatten (nur die englische Botschaft soll nach anderer Angabe geflaggt haben), weil eS überhaupt nicht diplomatischer Brauch ist, an den National- festen der Länder, bei denen die Botschafter u. s. w. beglaubigt sind, durch Flaggenhissen und bergt theil- zunehmen. Warum also bemonftrirte ber Pöbel nur vor ber österreichischen Botschaft? Der Grunb leuchtet ein. Möchte bie liberale deutsche Presse also diesen Puntt etwas näher ins Auge fassen, bevor sie Jung- Italien in der überschwenglichsten Weise feiert und dabei das ganze deutsche Volk zu vertreten vorgibt.
„Ohne dabei den Groll des Besiegten nagend in der Brust zu fühlen," bemerkte Seewald.
„Ich wünsche, daß Jedermann seine Niederlage so leicht nimmt, wie ich es darf, nicht wahr, Fräulein Elise. Und nun zum Onkel, der unser Gespräch sicher als Parlamentiren anffaßt, ohne das uns sein ttener Assistent nicht verläßt."
Statt ber Antwort öffnete Elise bie Thür des Wohnzimmers und ließ den Herzog eintreten.
„Sitzen bleiben, sitzen bleiben! rief dieser und trat rasch zu dem Sessel hin, um den Hofrath am Auf- stehen zu hindern. Dem ehemaligen Erzieher herzlich die Hand drückend, fuhr er fort: „Run, wie ich sehe, geht es ja schon wieder besser, lieber Salmann. Nur recht schonen und nicht zu ftüh wieder hinaus. Morgen Mittag schicke ich Ihnen einen Wagen, dann machen Sie mit Fräulein Elise eine Ausfahrt."
Noch einige Zeit verweilte Herzog Burkhard, unterhielt sich in freundlichster Weise und forderte Seewald auf, noch zu bleiben.
„Leisten Sie Salmann noch etwas Gesellschaft, ich muß leider gehen." Mit diesen Worten entfernte sich der Herzog, nachdem er dem Hofrath und Elise die Hand zum Abschied gereicht.
Seewald beschlich eine unbehagliche Stimmung, als er sich mit dem alten Herrn allein sah. Salmann
Nur die liberale Presse und die sogenannte „farblose", in Wahrheit gleichfalls liberale Presse natürlich auch —, sowie die .Norddeuffche Allgemeine', aber kein konservatives, kein katholisches Blatt hat an dem Rummel theilgenommen; es sind eben überall, in Deutschland wie in Italien, nur die Kirchenfeinde, welche das Fest der italienischen Revolution, den Triumph der Freimaurei mitgefeiert haben. Und auch das kennzeichnet den Charakter dieser Festtage in Rom.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. September
* Der Kaiser erfreut sich, wie ans Rominten gemeldet wird, des besten Wohlseins. Der Aufenthalt daselbst wird voraussichtlich bis zum 8. Okt. dauern. Für die Zeit der kaiserlichen Jagden in Rominten sind zwei Kompagnien zum Wachtdienste kommandirt. Die Maßregel soll nach der .Danziger Zeitung' darin ihren Grund haben, daß der Kaiser in den Vorjahren trotz des wiederholten Verbots auf Schritt und Tritt vom Publikum belästigt wurde. Um dies zu verhüten, soll das ganze Revier, und alle durch dieses führenden Wege mit Posten besetzt werden, die den Befehl erhalten, jeden zurückzuweisen, der nicht zur Umgebung des Kaisers ober zum Dienste gehört.
* Ein Berliner Blatt hatte bekanntlich vor einigen Tagen behauptet, ber Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Herr v. Marschall, wolle demnächst seinen Abschied nehmen. Dazu bemerkte der .Korresp. des Bundes der Landwirthe'freudestrahlend: „Hoffentlich bestätigt sich diese Kunde, die saft zu schön ist, um wahr zu sein." — Die .Deutsche Tageszeitung', gleichfalls ein Organ des Bundes der Landwirthe, erklärte dagegen die Nachricht von dem Rücktritt des Frhrn. v. Marschall für unglaubwürdig.
* Die Einstellung von Seeoffiziers-Aspiranten als See-Kadetten kann im nächsten Frühjahre nur in beschränkter Zahl erfolgen, da die etatsmäßigen Stellen nicht überschritten werden dürfen. In erster Linie werden daher nur Abiturienten der höheren Lehranstalten bei ber Einstellung berücksichtigt werben können. Trotzbem bie Meldungen bis zum Februar nächsten Jahres erfolgen können, liegt doch jetzt bereits eine große Anzahl von Gesuchen junger Leute vor, die als Kadetten in die Flotte eintreten wollen.
* Der Reichstag soll in diesem Jahre wiederum sehr spät einberufen werden, wenn auch nicht Anfang Dezember, so doch erst Ende November. Diese Absicht soll damit begründet werden, daß derBuudes- rath erst Ende November seine Arbeiten aufnimmt, und deshalb die dem Reichstag zu machenden Vorlagen sowie der Etat erst zur zweiten Hälfte des November fertig gestellt werden können. — Die Nachricht erscheint uns sehr unglaubwürdig, insbesondere können wir nicht annehmen, daß der Bundesrath erst Ende November seine Arbeiten wieder aufnehmen wird. An Material zur Beschäftigung des Bundesraths kann es doch auch
jedoch, der ihm schon beim Eintreten mit dem Herzoge einen warmen Blick zugeworfen, streckte ihm jetzt die Hand hin und sagte: „Herzlichen Dank, daß Sie zu mir kommen. Glauben Sie sicher, ich hätte Sie schon längst ausgesucht, wenn mich daS Unwohlsein nicht an bas Zimmer fesselte. Und nun, lieber junger Freund, eine Bitte: wir Beide bleiben die Alten, nicht wahr?"
Seewald schlug in die dargebotene Hand deS wackeren Mannes, drückte sie warm und antwortete: „ES ist mein sehnlichster Wunsch, daß dem so sei, und auch ich wäre früher gekommen, wenn ich gewußt, daß Sie mich gerne kommen sähen."
„Gegen meinen Willen habe ich Sie, lieber Seewald, einen Blick thun lassen in die geheimste Kammer meines Herzens. Es wäre selbstverständlich nicht geschehen, wenn ich eine Ahnung gehabt hätte, wessen Sohn Sie sind, wer Ihre Mutter ist. Nun aber ist es geschehen. . Ich liebe es nicht, ängstlich darüber zu sinnen, was ich hätte thun können, hätte lassen sollen, wenn ich gehandelt habe, sondern das Geschehene zu Grunde legend, überlege ich lieber, was nun zu thun ist. Wohlan denn! Sie bewahren mein Geheimniß, ich das Ihre. Wir sprechen über keines mit einander als nur bann, wenn Einer von Uns bas {einige zuerst zum Gegenstand des Gespräches macht. Einverstanden?"
„Vollkommen", entgegnete Seewald, „und lassen