Donnerstag, den 19. September 1895
Jahrgang
uldacrWZeitiliig
mit Unterhalkmgs Beilage .Lternc und Ktumcn".
«rscheiat «glich, 6m- *» $eurt*y auSgenommex — Bierteljthrücher Abona«meatSprei« »har Bringerlohn und Beste2«ld in Fulda und auswär« 1 Wurf 50 Pfennia 3nfe»«te kosten tat «nfooltige «armond-elle oder deren Raum 15 $1., Reklamen die Betitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender «ndatt. S'
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Zum Quartalswechsel.
In einem Rundschreiben an die Bischöfe Italiens vom 15. Februar 1882 sagt der hl. Vater Leo XIII. folgende Worte, die nicht blos für Italien, sondern auch für Deutschland, ja für die ganze Welt Geltung haben:
„Diese so große und so verderbliche Macht — der schlechten Presse — welche täglich weitere Ausbreitung findet, muß mit allem Eifer bekämpft werden, indem man ernst und nachdrücklich das Volk zu bestimmen sucht, daß es sorgfältig auf der Hut sei und in der Lektüre eine kluge und gewissenhafte Wahl treffe. Sodann muß man die Presse mit der Presse bekämpfen, damit die Kunst, welche so unendlich viel schaden kann, auch eine für den Menschen heilsame und wohlthätige Verwendung finde, und, wo so viel Gift herkommt, von daher auch die Heilmittel gewonnen werden."
Diese Worte müßten allein hinreichen, um jeden Katholiken über seine Stellung zur katholischen und zur nichtkatholischen Presse aufzuklären.
Wett es aber heute noch — dreizehn Jahre, nachdem jene Worte geschrieben wurden — viele Katholiken gibt, welche ihre Pflichten gegenüber der katholischen Presse außer Acht lassen und die gegnerische Presse durch Abonniren und Jnferiren unterstützen, deshalb wiederholen wir allen diesen die ernste und ausdrückliche Mahnung des Vaters der Christenheit, damit sie beim bevorstehenden Quartalswechsel eine kluge und gewissenhafte Wahl treffen.
Kein Katholik kann sich mehr entschuldigen mit der Ausrede, es gebe keine katholische Presse.' Gott sei Dank befinden wir Katholiken uns heute im Besitze einer Presse, die ihre Existenzberechtigung schon längst bewiesen hat. Danken wir das jenen Männern, die unsere Presse gegründet und gefördert haben. Danken wir es ihnen in der rechten Weise durch die Thal, indem wir ihr Werk fortsetzen und weiter ausbilden.
Kein Katholik darf sich entschuldigen mit dem Vorwande, die katholische Presse genüge nicht den Ansprüchen, die man heute machen müsse. Unsere Presse leistet eben, waS sie leisten kann, und wenn sie Manchem nicht genug leistet, so liegt dieSchuld nicht an ihr, sondern an d en Katholiken, die sie nicht fördern und unterstützen.
Soll die gute Tagespresse ihre Aufgabe mit Erfolg
lösen, so bedarf sie der regen Theilnahme und Unterstützung von Seiten des katholischen Volkes in allen Kreisen. Was nützt das beste Blatt, wenn es nicht gelesen wird? Was nützt die klarste und richtigste Auseinandersetzung über das, was im Leben vorgeht, wenn sie keine Beachtung findet? Sie gleicht dann der Stimmendes Rufenden in der Wüste, die verhallt, ohne an ein Ohr zu dringen, oder auch nur an einem Felsen ein vernehmbares Echo zu wecken.
Es gibt unter den Katholiken solche, die wohl ein „Weltblatt"' für „Besitz und Bildung" lesen, aber ein katholisches Provinzialblatt oder gar ein Lokalblatt in ihre Hand zu nehmen, das ist unter ihrer Würde. Welch' falsche Ansicht nicht blos vom katholischen, sondern vom blos vernünftigen Standpunkte! Ist es nicht gerade die Aufgabe der katholischen Presse, angesichts der heutigen sozialen Kämpfe, in die Massen des Volkes die wahre Aufklärung, die allein richtigen Grundsätze des Christenthums über Bildung, Besitz, Eigenthum hineinzutragen, damit nicht auch die katholischen Angehörigen der arbeitenden Volksklasse Front machen gegen Besitz und Bildung?
Sehr oft findet man in einem katholischen Lokalblatte gesundere Anschauungen als in einem „Weltblatte", dessen Schreiber mit den Verhältnissen des Volkes oft wenig vertraut sind; jedenfalls enthalten katholische Blätter nicht solch' indifferente, atheistische Artikel wie sogenannte „Wettblätter." Darum an die sonst gutgesinnten Katholiken die ernste und nachdrückliche Mahnung: „Die katholische Presse bedarf der regen Theilnahme und Unterstützung von Seiten des katholischen Volkes aller Klassen."
Gerade jetzt kommt ja für den Landmann wieder die Zeit, wo nicht das Feld, sondern der Hof seine Anwesenheit mehr in Anspruch nimmt. Bei der Winterarbeit der Landwirthschast bleibt aber so manche Stunde übrig für den Familienverkehr. Da kann an den langen Winterabenden auch der eifrigste Land- wirth durch ein größeres Blatt sich durcharbeiten, da kann auch die emsigste Hausfrau neben der Sorge für das Hauswesen einen darauf bezüglichen Artikel, auch eine gute „Geschichte" lesen. Für sich selbst und für die Familie wird sie daraus nur Nutzen ziehen und Belehrung schöpfen. Darum auch an unsere katholischen Landwirthe die ernste und nachdrückliche Mahnung: „Die katholische Presse bedarf der regen Theilnahme und Unterstützung von Seiten des katholischen Volkes in allen Klassen." Möchten besonders die Landpsarrer nicht unterlassen, in dieser Beziehung ihren Einfluß, wo immer sie können, geltend zu machen, damit wenigstens während des Winterhalbjahres unsere katholischen Blätter auf dem Lande stärker vertreten seien.
Wir wollen den Ernst unserer Ausführungen nicht beeinträchtigen durch Beispiele von „Flegelei ober Religionsverspottung" aus nichtkatholischen, sei es Partei- oder farblosen Blättern, wir behaupten nur
Zwischen Wicht und Neigung.
Preisgekrönte Novelle von A. Zingeler.
(15. Fortsetzung.)
Ueber das Gesicht des alten Herrn flog ein recht i zufriedenes Lächeln. Daß der Siechenbauer der ursprüng- • liche Eigenthümer gewesen, kam ihm gar geschickt. Er ‘ hatte ein kleines Kapital von ihm entliehen. Wie ! 'reute sich Salmann heimlich auf den Verfalltag, wo tz-.'Ler Bauer die mit Roth zusammengesuchten Zinsen • ("bringen werde. Elise kannte den Oheim. Sie schaute j ihn mit ihren schönen braunen Augen verständnißinnig , an und Beide lachten heiter auf, als habe Einer den Andern auf geheimen Wegen erwischt.
Der Siechenbauer aber athmete am nächsten Termin gar tief und freudig auf, als er mit den von .Hofrath Salmann zurückgewiesenen Zinsen ein anderes "Loch in seinem großen Schuldenmantel flicken konnte.
; Und sobald er heimgekommen war, suchte er alle Räume des immer mehr zerfallenden Siechenhofes durch, ob . ^micht noch irgendwo ein altes, verräuchertes Bild stecke.
daMber er fand keins.
wir (I Auf dem Korridor wurden rasche und kräftige Re-^chritte laut. Die Thür öffnete sich und Fritz Perlag krat^ein. Der Offizier glich seiner Schwester auffal-
K lend Ihre liebliche mädchenhafte Schönheit trat bei ui: M nur kräftiger, männlicher hervor. Auch die herz- be
g tohmenDe Freundlichkeit, die in den braunen Augen und den milden Zügen Elisens lag, schmückte ihn. Aber ein anderer, fremder Ton war ihr doch beigemischt. Es fehlte die Ruhe, das Leidenschaftslose, was Elisen's Erschelnung eine natürliche Festigkeit ohne jeden Zwang gab. In des jungen Offiziers Auftreten lag dagegen, für einen scharfen Beobachter erkennbar, eine gewisse Unruhe, und bei aller Männlichkeit in Hattung, Sprache und Geberde dennoch ein Anflug von Unbeständigkeit, vielleicht sogar Charakterschwäche.
„Tres faciunt collegium, drei gelehrte Häupter bei einander!" rief Fritz Perlag lachend. „Da paßt unsereiner schlecht hinein. Ich hatte zwar auch nicht erwartet, Sie, Doktor, hier zu finden. Eigentlich, Onkel, komme ich besonders wegen Dir. Kannst Du mir einige Minuten schenken? Ich wünschte eine Angelegenheit mit Dir zu besprechen."
„Gern, Fritz," erwiderte der Hofrath. Ein leichter Schatten, der über sein wohlwollendes Gesicht bei den Worten des Neffen gehuscht war, hätte allerdings die volle Wahrheit seiner Bemerkung bezweifeln lassen können.
Die beiden Männer verließen das Zimmer, in welchem Elise und Seewald zurückblieben. Auch über Elisen's eben noch so heitere Stimmung schien eine leichte Verstimmung geworfen zu sein, und in ihren Antworten zeigte sich nuoerkennbare Zerstreuung, als wären ihre Gedanken den Zweien gefolgt.
zur Verstärkung unserer Worte, daß in vielen katholischen Häusern noch die gemeinste Verachtung, Verspottung und Verhöhnung katholischer Wahrheiten, katholischer Einrichtungen Eingang finden, und das muß ein Ende nehmen. Wie lange noch, katholisches Volk, willst du Mitschuldiger sein an diesem Kampfe gegen alles, was katholisch ist, wie lange noch willst du dich nicht betheiligen an dem Kampfe für alles, was christlich, was katholisch ist?!
Deutsches Reich.
Berlin, 18. September.
* Der Kaiser unternahm heute einen längeren Spazierritt durch den Wildpark. Darauf arbeitete er allein. Zur Frühstückstafel int Neuen Palais war der in Berlin eingetroffene Botschafter Graf Hatzfeldt eingeladen worden. — Die Kaiserin Friedrich, bei der augenblicklich ihre jüngere Schwester, Prinzeß Christian von Schleswig-Holstein-Souderburg-Augustenburg zum Besuch weilt, gedenkt Ende des Monats nach Balmoral zum Besuch der Königin von England zu reisen und den Winter in Italien zu »erbringen. Sie beabsichtigt am 15. Dezember in Rom einzutreffen. — Prinz Heinrich, der einen einjährigen Urlaub erhalten hat, trifft heute in Romrod in Hessen ein. Dorthin hatte sich bereits gestern die Fran Prinzessin Heinrich mit dem Großherzog von Hessen und dessen Familie begeben.
* Eine Petersburger Zuschrift der ,Polit. Korresp." behauptet auf das Bestimmteste, die Reise des Fürsten zu Hohenlohe nach Petersburg habe keinen speziell politischen Zweck verfolgt; es seien keinerlei Verhandlungen über konkrete Fragen gepflogen worden. Trotzdem sei der Besuch als ein befriedigendes Ergebniß aufzufassen, indem Fürst zu Hohenlohe Gelegenheit hatte, sich zu überzeugen, daß Rußland ausschließlich eine friedliche Politik befolge und die leitenden Kreise Petersburgs von jeder Feindseligkeit gegen Deutschland frei feien, was jedenfalls die gegenseitigen guten Beziehungen befestigen dürste. — Die ,Nordd. Ällg. Ztg." verbreitet folgende Zeitungsmeldung: „Der Reichskanzler hat wiederholt seiner großen Freude Ausdruck gegeben über den ungemein liebenswürdigen Empfang, der ihm am russischen Hofe zutheil geworden. Der Kanzler hat den Zaren auf politischem Gebiete wohl unterrichtet gefunden und war von dem einsichtsvollen Entgegenkommen Seiner Majestät in dieser Hinsicht auf das Angenehmste berührt, so daß er mit neuer Zuversicht auf das Fortbestehen des europäischen Friedens den Zaren verlassen hat."
* Es schwirren wieder Kriseugerüchte in der Luft herum, und zwar wird zunächst die Stellung deS Staatssekretärs Frhrn. v. Marschall in verschiedenen Blättern als erschüttert hingestellt. Die ,Berl. Volksztg.' bemerkt dazu: Seit der letzten Reise des Kaisers nach England dürfte Herr v. Marschall Anlaß zu der
„Ich bitte um eine Belehrung, Fräulein Elise," unterbrach Seewald eine längere Pause der Unterhaltung.
„Eine Belehrung von mir?" fragte das Mädchen, während sie ihre Aufmerksamkeit zu sammeln suchte.
„Als Sie vorhin mit dem Bilde in das Zimmer hier traten, riefen Sie: „Gesegnet sei der brave Abt Malvezzi!" Was hat der mit dem von Ihnen entdeckten Kunstgebilde zu thun?"
„Es ist sehr freundlich von Ihnen, sich den Anschein zu geben, als wäre ich im Stande, Sie über irgend etwas zu belehren," erwiderte Elise mit wiedergewonnener Heiterkeit. „Das ist auch wohl so eine Art Gerstenkorn-Fund, wenn ich Ihnen . . . ."
„Und ich versichere Ihnen, daß mir selbst der Name fieses geistlichen Herrn unbekannt ist, vielmehr noch )ie Verbindung, in welcher er zu Ihrem Bilde steht."
„Nun, so werden Sie denn einer kunsttechnischhistorischen Belehrung durch meine Wenigkeit geroür» )igt! Dex italienische Abt Luigi Malvezzi, ein großer Alterthumsfreund, hat ein Verfahren entdeckt, alte, vernachlässigte Gemälde wieder in Stand zu setzen. Nach einer Anleitung verfuhr ich."
„Woraus schlossen Sie denn, daß unter der Schmutz- chicht eine Perle verborgen sei ?" fragte Seewald weiter.
Das Gespräch, welches sich nun entwickelte, zer- treute Elise in für sie angenehmer Weise, so daß sie nicht merkte, wie die Unterredung des Bruders mit