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Mittwoch, den 18. September 1895
22. IaWanp
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Fulda, im September 1895.
Redaktion und Verlag der ,Fuldaer Zeitung'.
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auf die
für das am 1. Oktober d. I. beginnende
4. Grrartal
wolle man nicht bis auf die letzten Tage des laufenden Monats verfchieben, damit in der Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintritt.
Der Post-Abonnementspreis auf die ,Fuldaer Zeitung'mit der illustrirten Sonntagsbeilage
Zwischen Pflicht und Neigung.
Preisgekrönte Novelle von A. Zingeler.
(14. Fortsetzung.)
Die braunen Augen Elisens blitzten hell auf und immer noch in der Umrahmung der Thüre stehen bleibend, wodurch sie verhindert wurde, den anwesenden Besuch des Oheims zu gewahren, rief sie: „Wenn Du nicht sogleich mit mehr Respekt von Deinem Assistenten sprichst, trage ich dieses taube Gerstenkorn in unser Atelier zurück, schmiere es wieder recht tief an und über und Deiner Sammlung geht ein, gib wohl Obacht, Onkelchen, was ich sage, Deiner — Sammlung — geht — ein — echter — Martin — Schongauer verloren!"
Elise hatte die letzten Worte mit so viel Pathos gesprochen, als sie nur immer mit ihrer Schalkheil zu Stande brachte. Auf den greifen Hofrath aber wirkten sie mit magischer Gewalt. Es war ein Glück, daß der alte keltische Aschenkrug gerade fertig geflickt war und allein mit seinen Stücken und Scherben stehen konnte, denn Herr Salmann ließ ihn fahren, drehte sich in einem halben Kreise herum und rief: „Kind, treibe keinen Spott mit alten Leuten! Wenn mir auch keine Bären zu Gebote stehen, wie dem Propheten Elisäus so . . .
-- SeiMMec eaMtuomme*. — Vierteljährlicher «bovsemevtsprei« tfyu Bringerlohn and Bestellgeld m Fulda und an-wärts 1 »-rk 50 Pft-nng. «Ä^Trmonbietle oderdeT. Raum 15 Pf.. R-kla«, die Petitzeile 25 Pf, bei Niederungen -ntfprechender
m gereiften amtlichen Kreisblättern, an Orten, reo schon em Centrumsorgan besteht, überhaupt von der Benutzung farbloser Blätter unter welchem Deckmantel dieselben auftreten mögen, unbedingt Abstand nehmen. Das katholische Volk möge sich immer wieder ins Bewußtsein rufen, daß es nur durch Unterstützung und Förderung der entschieden ausgesprochen katholischen Presse möglich sein wird, in Zukunft auch die Bertheidiguug der Rechte unserer Kirche durchzuführen, welche für uns als Katho- liken rote als Staatsbürger unumgängliche Nothwendtgkett tst.
Der Antrag wurde in der vierten geschlossenen Versammlung angenommen, nachdem der Abg. Dr. Lieber denselben in etwa folgender Weise befürwortet hatte: „Die katholische Presse ist noch ständig in einem hocherfreulichen Aufschwung begriffen. Das katholische Volk sollte es seiner Presse gegenüber an der schuldigen Dankbarkeit nicht mangeln lassen gegen die Männer, welche in rastloser, aufreibender Arbeit die Bewegung der Tagesgeschichte verfolgen und beobachten. Im Lauf der Jahre hat sich eine andere Presse die tm Kulturkampf äußerlich eingetretene Sülle zu Nutzen gemacht; ihr ist es leider hier und da gelungen, die Katholiken einzufchläfern, und daher ist sie weit gefährlicher, als der von kirchenfeindlichen Blättern gefiihrte offene Kampf, weil sie das katholische Bewußtsein und die katholischeThat- kraft lähmt. Leider tragen zahlreiche Katholiken kein Bedenken, den sogen, „farblosen" Blättern, namentlich den,General-Anzeigern', dieThüren zuHaus und Familie zu öffnen. Es ist unbedingt nothwendig, daß die 42. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands nicht vorübergeht, ohne sich einmüthig und mit Entschiedenheit gegen die farblose Presse, gegen diese Wölfe in Schafskleidern ausgesprochen zu haben. Ich bitte ehrerbieügst, daß die berufenen Seelenhirten unserer Gemeinden namentlich hierauf ein Augenmerk richten, damit nicht, während die Wächter schlafen, der böse Feind Unkraut säet, unter welchem die gute Saat erstickt. Das meiste Verdienst, die Gegner der Kirche und des katholischen Volkes im Kulturkampf zurückgeschlagen zu haben, hat nächst Gott und dem stark- müthigen Klerus unsere herrliche katholische Presse. Wenn daher nichts anderes, so müßte uns zum Wenigsten die Pflicht der Dankbarkeit bestimmen, dieser Presse das fernere Dasein nicht zu erschweren, denn von ihrem Fortbestand ist nicht an letzter Stelle die Zukunft des katholischen Deutschland abhängig. Ich bitte um Annahme meines Antrages." Der Anttag wurde einstimmig angenommen.
Möge das katholische Volk bei dem nun bald bevorstehenden Quartalswechsel diese Mahnung beherzigen und danach handeln!
Gegen die farblose Presse
hat die 42. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in München sich ganz energisch ausgesprochen. Der diesbezügliche Antrag der Preßsektion lautet:
Die Generalverfammlnng erklärt im Anschluß an die Resolutionen früherer Katholikenversammlungen wiederholt den Kampf gegen die farblose Presse als eine der grundlegenden Aufgaben des katholischen Volkes. — Insbesondere möge unser hochroür- diger Klerus von der Veröffentlichung der Gottesdienstordnung, mögen unsere Kirchenvorstände und die kathol. Vereine von der Publikation ihrer Anzeigen in farblosen sogen. Generalanzeigern,
beträgt pro Quartal nur 1 Mk. 50 Pfg. excl. Bestellgeld.
Die ,Fuldaer Zeitung^ behandelt die neuesten Tagessragen in allgemein verständlicher Weise. Die polittschen Nachrichten sind kurz und übersichtlich zusammengestellt, den lokalen und provinziellen Borkommnifseu wird große Sorgfalt gewidmet, und auf ein spannendes, sittlich reines Feuilleton besonders Gewicht gelegt. Zahlreiche zuverlässige Mitarbeiter in Berlin sowie in der Provinz setzen uns in den Stand, über alle wichtigen Ereignisse bedeutend früher zu berichten, als die anderen hiesigen Blätter. Die
Fuldaer Zeitung
ist unter den in Fulda wöchentlich mehrmals erscheinenden Blättern das weitausgelesen st e Blatt und eignet sich deshalb auch ganz besonders als Jusertiousorgau. Anzeigen sind von sicherer Wirksamkeit.
Neu himutreteude Muueuteu KLM tiou (Fuldaer Aktiendruckerei, Harmonie) die Postquittung zusenden, die Zeitung vom Tage der Bestellung an bis Ende September unentgeltlich und franko unter Kreuzbands
«X Das neue österreichische Ministerium ist jetzt, nach übereinstimmenden Berichten aus Wien, glücklich zusammengestellt, und Kaiser Franz Joseph bat die chm vom Grafen Badeni vorgelegte Ministerliste genehmigt. Der formelle Kabinetswechsel soll aber erst Ende dieses oder Anfangs des nächsten
„Bindest Du mir doch wohl manchmal einen Bären auf," lachte Elife heiter. „Aber was ich sage, ist volle Wahrheit. Kennt der gelehrte Herr Hofrath das Monogramm des braven Martin Schongauer?"
Salmann war hastig näher getreten und warf einen prüfenden Blick auf das Bild, von dem eine Hälfte noch dunkel, schwarz und ganz unansehnlich, während die andere warme Farbentöne und charafteüstische Figuren zeigte. Immer heller leuchtete das kluge Gesicht des alten Herrn auf, immer freudiger strahlten die Augen und jetzt rief er fast jubelnd aus: „Siefeie, Herzensmädel, Du hast mehr Verstand ..."
„Als ich Dir zugettaut hätte. Gelt, Onkelchen, das wolltest Du doch tagen?"
„Nein, wahrhaftig nicht! Nein, mehr Verstand, als mancher hochgelehrter Herr Professor, der in den tiefsinnigsten Sätzen, welche die Wenigsten verstehen, sich über einen Kunstgegenstand ausläßt. Was sagen Sie nun zn meinem Assistenten, Herr Doktor?" wandte sich der Hofrath zu Seewald, desien Anwesenheit Elise jetzt erst bemertte. lieber ihre frischen Züge flog ein leichtes Roth und einen Augenblick schien sie verlegen. Aber Elise Perlag gehörte nicht zu jenen Mädchen, die geziertes Benehmen mit Sittsamkeit verwechseln, oder unhöfliche Kälte mit gebotener Zurückhaltung decken. Freundlich dem Besucher die Hand reichend, die dieser mit leichter, aber achtungsvoller Verbeugung ergriff,
FlildkerMZütiliig
mit UnterhattimgsKrttagr „Sterne und Klumen".
Monats erfolgen. Im Wesentlichen ist die Liste der neuen Minister schon feit Wochen bekannt, bis auf den neuen Ackerbauminister Graf Ledebur, der von der liberalen Preffe als „klerikal-feudal'^ und „agrarifch" bezeichnet und darum von vornherein fehr scheel an- gefehen wird. Aus demselben Grunde hat die liberale Presse auch den hoffnungsfreudigen Ton, in welchem sie noch vor Kurzem das Ministerium Badeni begrüßte, ganz bedeutend herabgestimmt. Trotzdem ist nicht daran zu denken, daß die Liberalen dem neuen Kabinet Opposition machen sollten, wofern sich dieses nur vor „klerikalen" Anwandlungen hütet. Denn die Liberalen müßten ja blind sein, wenn sie nicht bemerken wollten, daß ihr Einfluß in dem neuen Ministerium sehr groß ist. t
Sie zieren sich fteilich noch etwas, die Herren Liberalen, und wollen vorerst eine abwartende Stellung gegenüber der neuen Regierung beobachten, über ihre weitere Haltung aber erst auf einer Parteikonferenz berathen, die demnächst zusammentreten soll. Die liberalen Blätter stellen sich an, als seien die Liberalen bei der Bertheilung der Ministerposten zu kurz gekommen gegenüber den Polen und sogar gegenüber den „Klerikalen." Graf Badeni, den sie neulich schon halb und halb als Liberalen begrüßten, ist jetzt plötzlich wieder „klerikal", desgleichen sein Landsmann, der neue Finanzminister R. v. Bilinski. Ja, auch der ganz parteilose LandeSvertheidigungSminister Graf WelserSh eimb wird jetzt als Konservativer aufgeführt und — man staune! — selbst der Kultusminister v. Gautsch „klerikaler" Neigungen ver- dächügt, obwohl er den Liberalen zehnmal näher steht, als den Konservativen. Und dann der fatale Gras Ledebur — kein Zweifel, daß das neue Ministerium doch noch arg „klerikal" angehaucht ist! Selbst ga'uz -unzweifelhafte Liberale, tote der Jnstiz- minifter Graf Gleispach und der Handelsminister Frhr. v. Glanz, müssen es erleben, daß liberale Blätter von ihrer liberalen Gesinnung nichts zu toiflen vorgeben und sie als Männer „ohne ausgesprochene Parteistellung" bezeichnen.
In Wahrheit sieht die Sache ganz anders aus. Graf Badeni ist sicherlich nichts weniger als „klerikal," Herr v. BilinSki mindestens sehr zweifelhaft, Herr v. Gautsch liberalifirt sehr stark, und die Herren v. GleiSpach und v. Glanz sind vollwichtige Liberale. Der einzige Graf Ledebur macht daS Kabinet nicht „klerikal", zumal er einen Posten erhält, auf dem er feine schwarzen Gesinnungen kaum sehr zur Geltung bringen kann. Seine Ernennung ist weiter nichts als ein Zugeständniß an den böhmischen Hochadel, der in Oesterreich als zu einflußreich gilt, als daß Graf Badeni nicht wünschen sollte, seine Unterstützung zu gewinnen. Im Uebrtgen sind die „Klerikalen" aber völlig leer ausgegangen, ein Umstand, der uns übrigens nicht im Geringsten betrübt, da es viel besser ist, wenn die Katholiken gegenüber der neuen Regierung völlig
sagte sie: „Entschuldigen Sie, Herr Dottor, daß ich bis jetzt Ihnen keine Aufmerksamkeit schentte; ich hatte Sie nicht bemertt."
„Und so konnte ich ungestört Zeuge Ihres großen Triumphes sein," erwiderte Seewald, „Zeuge des Sieges eines natürlichen Kunstgefühls über die Schulweisheit."
„Eben hat er sich anders ausgedrückt," sagte der alte Herr neckend.
„Sie werden doch nicht!" rief Seewald.
„Was kein Verstand des Verständigen sieht, das ahnet in Einfalt ein kindlich Gemüth," bettamirte der Hofrath mit gutmütigem Spott.
„Das ist boshaft!" rief Seewald.
„Beruhigen Sie sich, Herr Doktor," sagte Elise lächelnd. „Ich nehme die Einfalt und das kindliche Gemüth durchaus nicht als einen Mangel meiner geistigen Anlagen auf, umsomehr als dieselben in der Thai dieses Mal den Sieg davon getragen haben über den Verstand des Verständigen. Aber jetzt ist's au8 mit dem Assistenten, andere Pflichten rufen. Wie ist es, Onkelchen, bringe ich den Herren ein Gläschen kühlen Bieres? Und Cigarren sind auch noch keine da? Aber Onkel!"
„Du hast Recht, Elise. Ja, ja, waS wollte ich wohl anfangen, wenn Du mir nicht zur Seite ständest?"
Die letzten Worte hatte Elise schon nicht mehrte-