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Jts. 205

Freitag, den 6. September 1895

22. Jahrgang

Fiild irr W Zeitung

mit Unterhalt»««» K-ilagr „Kterne u«d Klumen".___________________

Das Kostgängerwejen

Nachdem wir eine ungeheuere Anzahl von Be-

ge-

in der üblichen hochfahrenden Tonart mit dem Nach

Einen sehr wunden Punkt im wirthschastlichen und sozialen Leben bildet das Kostgängerwesen.

mit aufrichtiger Bewunderung.

„Mein gnädigster Herr fragt niemals nach dem Wege; er findet sich in der größten Stadt sogleich am ersten Tage vollständig zurecht, als habe er Wochen dort gewohnt," flüsterte Schmieder, den das Lob seines Herrn erfreute, Seewald zu, während Graf Nordstein beschäftigt war, mit Hilfe der Karte nochmals den em- zufchlagenden Weg zu prüfen. Ohne aufzublicken rief

Arbeitskolonien der Krupp'schen Werke m Essen, wo- | hatte am Sedanfest-, während

die Linden auf und ab im Sedanfchmucke prangten, — nicht geflaggt. Daß die französische Botschaft an diesem für Frankreich verhängnißvollen Gedächtnißtage keine Flagge auf­zieht, ist von felbst verständlich, Rußland aber hat 1870 auf unserer Seite gestanden und um so weniger Anlaß, eine internatio­nale Höflichkeit zu Unterlasten. Hatte doch der Gesandte von

zeigte auf Doktor Seewald. . . -

„Ach, das finde ich nicht hübsch von Ihnen, unter klommen, diesen Umständen Schwierigkeiten zu machen, ‘ sagte Graf Nordstern halb scherzend, halb verdrossen.

„Wenn ich für mich allein einen Berg besteige, bin ich auch für mich allein verantwortlich," wandte See­wald ruhig ein. „Eine Gletschertour ist immer mit

er kurz:

„Nun, was meinen Sie, Herr Doktor?"

„Wir kämen allerdings um mehrere Stunden früher nachSüß oder bester, wir kämen dann heute noch hin, während wir sonst die Nacht im Hospiz bleiben müssen."

„Dazu habe ich nicht die geringfte Lust. Steigen wir also in dieser Richtung abwärts.

Ich kenne den Gletscher auf dieser Seite nicht", sagte Seewald zögernd. „Wir müssen bedenken, daß die Sonne den Schnee bedeutend loser macht den Tag über. Sonstige bedeutende Schwierigkeiten sehe ich vor­läufig allerdings keine."

„So versuchen wir eS", entschied Graf Nordstern entschlossen.

Schmieder bewegte sich unruhig hm und her; seme Augen hafteten am Boden und suchten das Seil, mit welchem sich die drei beim Gange über den Gletscher in gewisser Entfernung von einander angebunden hatten, um auf diese Weise das Abstürzen beS Einen oder

i«. 8Ul aCu vu | Graf Nordstein blickte Seewald fragend an. Dieser

Hospiz zugebracht, hatten sagte: „Es ist am Ende besser, wn: gehen zu dreien.

-• • 1 Wir können uns dann auf dem Gletscher anseilen.

Eine Viertelstunde später schritten die drei Berg­steiger, jeder einen langen, festen Bergstock in der Hand, während Schmieder ein dünnes aber starkes Seil trug, . . ' „TV .l IX--.-— Ma—

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" daß ich kein Neuling bin in den Bergen. Also brechen unbekannter Gegend zurecht zu finden," sagte Seewald Zwischen Pflicht und Neigung. wir auf." ***** R-wnnberuna.

(4. Fortfetzung.) Haltung an und sagte, die treuen schwarzen Augen auf

Der Wirtb erschien und fragte nach dem Begehr seinen Herrn richtend: „Wollen Hoh.. ..wollen der seiner Gäste, äuf die Frage Seewald's nach einem Herr ®xa\ gnädigst gestatten, daß ich auch mitgehen bestimmten Führer erwiderte er, daß nicht nur dieser, I darf!" sondern überhaupt kein Führer zur Zeit da sei. Tou­risten, welche die Nacht im sie nach verschiedenen Seiten hin mit sich genommen.

Seewald schaute den Grafen bedenklich an. Dieser wandte sich zum Wirth und sagte: „Ist es nicht mög- XX<$)' De? Herr^da^is^lchten Somme^^ganz allein I über'HröllU'Felsbrüche ihrem Ziele zu, und be- SÄiS*"* ”b -

„Gedachten Sie auf demselben Wege abzusteigen?" fragte Graf Nordstein.

„Ja", erwiderte Seewald einigermaßen erstaunt. „Haben Sie einen anderen Plan?"

„Wie wäre eS, wenn wir, statt nach dem Hospiz Nnrsi-bt rü unternehmen " I zurückzukehren, den Weg nach Osten einschlügen und

UnLnn ich Sie nun ernstlich bitte, mein Führer in das SusaScathal Hinabstiegeri durstd°s ®ir d°ch ru fein weiaern Sie sich dann auch noch?" fragte muffen, wenn Wil vom Fluelapaß ms Engadin »Det ffirSnrhBn weiß es ist nm Besoraniß was „Sie haben in der That eine merkwürdige Gabe, Sie so ängstlich"^machl. ^Sie wissen aber doch auch, sich zu orientiren und in bis dahm Ihnen noch ganz

können. Unter solchen Umständen muß naturnoth-1 * W

S das Schamgefühl, diese natürliche Beschützerin zu einem Festmahle, das der Kaiser am A Sept^er SMlichknt^imm^mchrschwwchm. Ist mmdM £

Deutsches Reich.

Berlin, 5. September. . — —»—. - o ,

* Dem Kaiser sollen dem ,Lokalanzeiger' zufolge | sammlung. Der 'Vorwärts mrcht sich in einem Setter eine Art -oen aus oem «ouucu uu»ijCv«““ “‘‘.Y I . t Befehl fnrtaeieht Aus- in der üblichen hochfahrenden Tonart mit dem Nach-

w,«und

Aerzte, die in industriellen Gegenden wirken, bezeugen tage energischen Ausdruck.

t Ä ^SänZ rinsicht auf sein körperliches Befinden abgelehnt.

sozialen Leden bildet das xosigangerwci-.u In nochi Der: Koiwget «n der Hausftau, * Nachdem wir eine ungeheuere Anzahl von Be-

Folge der Freizügigkeit werden die industriellen Gegen- Gefahr da. h^^ ba8 ^uSlnije Glück richten über Sedanfeiern im In- und Auslande in

den von Arbeitern aus aller Herren Landern gleich- für d« Unschu ^mitte' Und anderseits, wenn den Blättern der verschiedensten Partelnchtung gelesm sam überfluthet. Unter ihnen befinden.sich viele! sunge, und n ^Famitte^ A wie bald haben, können wir neben der Feststellung, daßallenthalben,

unverheirathete Leute, die, meist voUtandig mittellos, em e ch s g <y 8 junan Mann von guten I wo Dmtsche wohnen, würdig gefeiert worden ist, zwei darauf angewiesen sind, sich be, solchen Familien als und wie leicht kann dann em lunger^wcann von g ^freuliche Thatsachen konstatiren: nirgends Kostgänger einzumiethen, deren Wohnungen vielfach Zündsätzen ih sch 8 tt Mr Tochter, I haben wir Ausfälle gegen die Katholiken ge- kaum ausreichen, die eigenen Angehörigen anständig zu fallen^Stt ch H b Seele, funden, nirgends etwas, worüber sich die Franzosen

beherbergen. Das gedrängte Zusammenleben aber birgt Verlumpung^ des Kostgängers an Le,v uno » ^schweren könnten. Nur eine kleine

große Physische und sittliche Gefahren m fichfurdle ^rgermß de Betragen Saufgelage, Unglück- Ausnahme hinsichtlich des ersteren Punktes macht die

Familie sowohl als für die Kostgänger. Unerfüllte Scherze und ärgerliches Be g , sg g 9 Mxin -Wests. Ztg.' in Essen, bei der Verbohrtheit und Wohnungen sind selbst dann ein Herd zahlreicher Krank- I liche 8“®? (SrirfPpnntnam die man als Folge I Katholikenhaß schon seit lange um die Palme streiten, beiten, wenn die Wohnung in Hinsicht auf Lage und «mge der „traurigen Erscheinungen die man als Folge Aiyomenyav ich

Bauart den sanitären Anforderungen entspricht, waS des Koft^Serwesens Zeichnen k n Taktlosigkei zu verzeichnen, aber für das Ganze kommt

aber erfahrungsmäßig bei den Kostgängerwohnungen ! Wre ist mm den “ bflS nit in SBeM J» daß wir darüber hinweg-

meistenS nicht der Fall ist. Ungleich höher anzuschlagen bundenen UNeln zu s«ueni? Dmutz unseres Mit dem jährlichen Sedanfeiern,

sind die Gefahren für die Sittlichkeit. Durch- achtens zunachst die Sanitatspoii^zei °°s i setzten Jahren schon sehr zurück-

ÄÄÄÄÄ 5 I ffis.*“ -* * -*bit6m's“

fö&a^ruZrie^Sibt Die Wohnungen, in denen b?it?rinnenhospizien, wie solche bereits tn I seine Flagge -usg-hängt Der Wertetet

selige Baracken; man behilft sich, MN möglichst viel | 9e9en . lugen g 1 Gefahren des I nicht existirendes Bündniß mtt Frankreich Nicht zum Vorwande

hermietßen ru können, sucht aus dem kleinsten Raume I Für die männlichen Arbeiter rann oen isesayren ocs I auffäfligcn, beinahe beleidigenden Taktlosigkeit machen mnali-bst viele Scklafstellm einzurichten so daß der I Kostgängerwesens, da dieselben ja vorwiegend sittlicher I fann Der neue russische Botschafter, Herr v. Osten, wird gut möglichst viele <schiaifr j w » i betfi!ii(fie I Natur sind, durch Gründung von christlichen Ar- l jhun, sich durch-andere diplomatische Thaten bemerkenswerth zu Kostgänger kaum allem sein kann unvficy m oerrru^e „»taeaenaewirkt werden und wo machen als durch derartige Unterla ungen. „Zur Liebe kann ich

oder Wohnstube aufhalten muß, wenn er nicht ms 6eiter»eietnen entge^engeroirn roetom unv iuu macgen^ aber iUr Höflichkeit-

WirthshauS gehen will. In großen Industriestädten, I besehe , b ^welche die Aufgabe haben, Recht so! Das Verbot der Sedanfeier durch Deutsche wo noch immer mehr oder weniger WohnungSmangel I ausschussen^ns ' q T9 9 I • «Rußland ist ebenfalls eine Ruppigkeit, wenn man fiir die arbeitende Klasse herrscht „fliegen" die Kost- geeignete 2 Rt als eine Beleidigung auffassen will. Fran-

gänger auch häufig auf, d. h. sie suchen ihr Nachtlager und den zuziehend denen sie^ sich ohne Gesahr zösische Höflichkeit scheint eS zu sein, was man aus in jenen kleinen, niedrigen und dumpfen Ramnen, I namhaft zu mch , I cy Toulouse meldet. Von dort sandten nach einem patrw-

welche dadurch hergestellt «erden, daß über der Küche emmiethen konn gebessert werden tischen Mahle (mildernder Umstand! Red.) die Mtt-

oher Vorrathskammer m halber Hohe em«- Art Fuß- I jedenfalls st zgAj Ait daß man kämpfer von 1870 dem russischen Botschafter m Paris

bodm angebracht wird. Zu diesen Lagerstätten gelangt M und k ' nachsinnen urid nach Abhilfe ein Telegramm, worin sie Rußland und dem Zaren man mittelst einer Leiter oder Treppe, die am Tage ernst ich über dieselbe nachsmnen nacy Avyiis ^ank aussprechen, weil den Deutschen in Ruß- bei Seite gesetzt wird. Zuweilen dient auch die Wohn- I streben muß. ----------------I verboten worden sei, daS Sedansest amtlich zu

stube oder Küche oder ein Flur als Schlafraum für | Deutfckes Reick. feiern.

die Familienmitglieder, wett die anderen Raume an I Berlin 5 September * Die Sozialdemokratie und die Katholikenver-

Kostgänger vergeben sind. Es wird alsdann am Abend » Berlin, o. «epiemoei. , ~ - — — -- -------

eine Art Bett auf dem Boden auSgebreitet und am