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Montag, den 19. August 1895

22. Jahrgana

gegen den Unglauben und die GotteSleugnung sind wir einig, hier können, hier wollen wir Schulter an Schulter kämpfen, hier können, hier wollen, hier müssen wir ein Herz und eine Seele sein. Hier auf diesem Kampfplatze der Geister sind wir ganz nach der Devise unseres großen Feldmarschalls Moltke Streiter, die, wenn sie auch getrennt marschire«, doch zusammen schlagen — und ich füge bei, auch siegen werden. Denn die Fahne, unter der wir streiten, ist eine ruhmbedeckte, eine stets siegreiche Fahne, es ist die Fahne des Christenthums gegen die der Antichristenthums. Und Gottes Banner ist un­überwindlich, ist es doch das glorreiche Feldzeichen, das dereinst der erste christliche Kaiser Konstantin der Große strahlender als die Sonne hoch am Himmel auf­leuchten sah mit der Flammenschrist: „In hoc signo vinces“, d. h. „in diesem Zeichen wirst Du siegen!“" — Diese Bettachtung ist außerordentlich beherzigens- werth. Es ist nicht genug, daß Raiffeisen-Vereine ge­gründet werden. Die Hauptsache ist, daß die Mit­glieder von dem richtigen Geiste erfüllt sind. Die Vereine sollen keine reinen Geldinstitute sein. Sie haben ein höheres, ethisches Ziel und dieses letztere soll der ganzen Geschäftsgebarung Wesen und Form geben. Darauf besonders aufmerksam gemacht zu haben, ist das Hauptverdienst der Broschüre des Herrn Prä­laten Schick. Möchten die Raiffeisen-Vereine auch in unserem Leserkreise die weiteste Verbreitting finden. Gegenwärtig erscheint es geradezu als Pflicht und Ge­bot, daß sie in jeder Pfarrei gegründet werden, da an den Kreditvortheilen der eben in's Leben tretenden Handelsbank, zu welcher der Staat fünfMillionen Mark als Fonds bewilligt, nur ländliche Ge­nossenschaften, aber nicht Privatpersonen, Antheil haben können.

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ebenso vor zu großem Reichthume wie vor zu großer Armuth bewahren wolle. Das erkannten selbst die alten Weltweisen Aristoteles und Plato, dasselbe be­tonen einstimmig die alten Kirchenlehrer: In medio- critate est virtus et gratia — im Mittelstand tft Tugend und Gnade, sagt Salvian. Bei uns ist ein Sprichwort „Bloß — los". Das will sagen: Wer des Zeitlichen entkleidet ist, ist auch nur zu ost sittlich los und ausgelassen. Noch stärker drückten es die Alten aus: paupertas meretrix, d. h. die äußerste Armuth läuft Gefahr, eine feile Dime zu werden. Vor der Armuth zu bewahren und den goldenen Mittelstand zu erhalten, ist nun gerade die Aufgabe der Raiff- eisenvereine, welche dieselben in ausgezeichneter Weise erfüllen. Aber dazu sind sie nur befähigt infolge der christlichen Grundlage, auf der dieselben bemhen. Gleich im § 2 der Raiffeisen'schen Statuten heißt es: „Es soll bei der ganzen Geschäftsführung des Vereins stets im Auge behalten werden, daß durch Hebung der materiellen Verhältnisse der Mitglieder hauptsächlich auch die sittliche Hebung der Mitglieder bezweckt wird." Auf Hebung der Sittlichkeit gehen alle Einrichtungen der Vereine. Nur sittlich unbescholtene Männer dürfen Mitglieder werden, nur tteditwürdige dürfen Dar- leben erhalten; die mühevollen und verantwortungs­vollen Aemter des Vorstandes und Aufsichtsrathes sind Ehrenämter und der einzige Lohn, der ihnen auf Erden wintt, ist das Bewußtsein, ein gutes Werk gethan zu haben; die Ersparnisse der Vereine werden angesammelt zum Zwecke, dem Gemeinwohle zu dienen. Daß die Vereine nur insoweit und so lange segensreich wirkm würden, als sie von hohem sittlichem Geiste getragen und von dem Geiste des Christenthums durchdrungen seien, das wußte Raiffeisen und schließt deshalb eine seiner bedeutungsvollsten Reden mit dem innigen Ge­bete: „Daß der Geist aufrichtigen christlichen Glaubens, der Geist inniger herzlicher Liebe zu Gott und unfern Mitmenschen uns die zuversichtliche Hoffnung geben möge, daß dadurch und nur dadurch allein die irdische Wohlfahrt und die ewige Selig­keit erlangt werden kann, daß dieser Geist uns, unfern Vereinen und deren größere Organisation (es ist die Neuwieder Organisation gemeint) durchdringe zum Segen der kommenden Geschlechter: das walte Gott!" r t L

Im Anschlüsse an diese Worte fährt bann Herr Prof. Schick fort: „Hier haben Sie dm Grund da­für, daß Sie Geistliche in so großer Zahl an der Gründung und Leitung der Raiffeisen - Vereine theil- nehmen sehen. Wenn wir durch Förderung dieser Ein­richtung das Volk vor Verarmung und dadurch auch vor dem Unglauben und allen Greueln, die derselbe zur Folge hat, zu bewahren suchen, sind wir da nicht ganz in unserem Berufe thätig? Hier finden Sie auch den Erklärungsgrund dafür, weshalb Geistliche der verschiedenen Konfessionen so einträchtig zusammen- wirkm. Sind wir auch in verschiedenen Glaubenslehren leider noch getrennt von einander, hier im Kampfe

Majorität für den Tod. Aber von Mailand, wohin der Spruch des Gerichtes gemeldet werden mußte, wurde durch eine Extra-Ordonnanz dasTodesurtheil gebracht. Außer Hofer war noch eine große Anzahl von Tyrolern in Mantua untergebracht. Unter ihnen auch Ferdi­nand Sorbet, der in einer besonders festen Zelle ver­wahrt wurde. Der Spezialkommissar v. Hofftetten, welcher sich ebenfalls in Mantua befand, hatte dies ausdrücklich verlangt. Hofftetten wohnte in dem Palaste Arco, wo das niedergesetzte Kriegsgericht seine Sitzungen hielt.

Es war ein trüber Februar-Morgen, als der Kom­missar aus dem Schlafgemache kam und das Wohn­zimmer betrat. Er schritt zu einem Fenster und schaute in einen engen viereckigen Hof hinab, aus dem sich auf jeder Seite eine nur mit wenigen Oeffnungen versehene Steinwand erhob.

„Dieser Platz paßt vorzüglich," murmelte er, „hier soll der Bube enden, der mir in so freventlicher Weise die Stirne zu bieten gewagt hat." Seine Aufmerksam­keit wurde durch ein Geräusch im Rücken geweckt. Er drehte sich nm; der Zigeuner Agil stand vor ihm. Leb­haft schritt der Kommissar auf Letztem zu.

„Run, was bringst Du?" fragte er. „Hat man meinen Wunsch erfüllt?"

Agil schaute dem Kommissar fest in's Gesicht. „Es

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mit Unterhaltnngs-Kritage „Sterne und Klumrii"._________________

Deutsches Reich.

Berlin, 18. August.

* Der Kaiser ist gestern Morgen um 8 Uhr im besten Wohlsein auf der Wildparfftation eingetroffen und begab sich von dort zu Wagen in das Neue PalaiS. Unterwegs, von Spandau ab, nahm er in dem Sonder­zuge den Vortrag des Staatssekretärs des Inner«, Dr. von Boetttcher entgegen und hörte Vormittags von 10 Uhr an im Neuen Palais die Vorträge des Chefs des Generalstabes Grafen von Schlieffen, sowie des Chefs des Militärkabinets, von Hahnke. Zur Frühstückstafel war der Reichskanzler Fürst zu Hohen- lohe mit einer Einladung beehrt worden.

* Zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal ist heute (Sonntag) der Grundstein in sehr feierlicher Weise gelegt worden. Wer nun aber meinen sollte, daß zur Grundsteinlegung für ein als „Nationaldenkmal" bezeichnetes Denkmal auch das Volk in breitem Maße zur Theilnahme zugelaffen worden fei, der irrt sich. Die ganze Umgebung des Schlosses war so luftdicht abgeschlossen und abgesperrt, daß aus so großer Feme ist Alles in Ordnung," erklärte er, „und bereits der Befehl gegeben, daß der Vernrtheilte in dem Hose drunten vor Ihren Augen vom Leben znm Tode ge­bracht werden solle."

Hofftetten war durch diese Botschaft, obgleich man ihm damit seinen Willen that, etwas betroffen. Nament- lich die Kaltblüttgkeit und Ruhe Agil's fiel ihm auf.

„Ich weiß nicht, wie ich es deuten soll," nahm er wieder das Wort, „daß Du für Deinen Pflegesohn, für den Du doch früher zuweilen eine große Zärtlich­keit an den Tag legtest, fast gar keine Theilnahme zeigst."

Agil zuckte die Achseln. „Was würde es helfen," entgegnete er gleichmütig, „mit Jammern und Heulen rettete ich den armen Burschen doch nicht."

„Du hast Recht," bestätigte Hofstetten, „und es ist mir deshalb lieb, daß Du Dich als ein verständiger Manu in das, Unvermeidliche fügst, denn wäre er so­gar Dein eigener, Dein leiblicher Sohu, er würde doch nicht geschont. Ich habe diesem frechen Bürschlein Untergang und Verderben geschworen und nun ist die Stunde gekommen, wo ihn die Strafe ereilt. Noch heute wird meine Galle in Auftuhr versetzt, wenn ich an jene Scene in Schwaz denke, wenn ich mich daran erinnere, wie dieser nichtswürdige Kerl mich bei der Hochzeit des Försters Schleicher in St. Martin nieder-

K>Ein Wort über die Bedeutung der Raiffeisenvereine.

Auf dem kürzlich in Kassel abgehaltenen Vereinstage ländlicher Genossenschaften der Neuwieder Orgam- satiou hielt — so schreibt die ,Niederrh. VolkSztg.' tn Creseld — Herr Prälat Schick, Prof, der Theologie am bischöflichen Priesterseminar zu Fulda, emen außer­ordentlich interessanten und mit stürmischer Begeisterung von der Versammlung aufgenommenen Vortrag über die „Raiffeisenvereine in wirthschaftlicher, sozialer und sittlicher Bedeutung". Derselbe ist soeben als Heft der Raiffeisen-Bibliothek (im Ver­lag der Firma Raiffeisen und Kons, in Neuwied a. Rh.) im Druck erschienen. Das Büchlein verdient die weiteste Verbreitung in ländlichen Kreisen, weshalb wir an dieser Stelle die Ausmerksawkeit auf dasselbe lenken möchten.

Unter denjenigen Mitteln, welche tue Lage oer Landwirthschaft zu bessern im Stande sind, stellt Prof. Schick die Raiffeisenvereine sehr hoch und zwar des­halb, weil sie nicht nur in wirthschaftlicher, sondern auch in sozialpolitischer und sittlicher Beziehung auf die Bevölkerung umgestaltend zu wirken bestimmt und im Stande sind. Daß mit Hilfe der Raiffeisenvereine sich die armen Opfer des Wuchers vielfach freigemacht haben, ist bekannt; Fleiß und Sparsamkeit wird von den Vereinen in sehr wirksamer Weise gefördert, auch steuern sie dem Luxus und der immer weiter um sich greifenden Verschwendungssucht und streben an ine alte Einfachhaltung in der Lebenshaltung wieder zu­rückzuführen. Auf diese Weise werden witthschaftliche Vortheile geboten, und es wird erziehlich auf die Menge gewirkt. Sehr zu begrüßen ist außerdem, daß die Vereine durch Vorttäge, Besprechungen und durch Verbreitung landwirthschastlicher Bücher und Schriften den rationellen Betrieb der Landwirthschaft unter den Mitgliedern zu fördern suchen. Von großer wirth­schaftlicher Bedeutung sind auch die Leistungen der Vereine bezüglich Beseitigung des Zwischenhandels. Wie ost kam es früher vor und geschieht auch jetzt noch, wo keine Vereine bestehen, daß im selbigen Orte Pferde, Kühe u. s. w. nicht von Bauer zu Bauer, sondern nur durch Vermittelung eines Zwischenhändlers verhandelt wurden. Am schlimmsten gestaltete sich früher der Zwischenhandel, wenn ganze Bauernhöfe zum Verkaufe ausstanden. Wo Raiffeisenvereine be­stehen, suchen dieselben den Parzellimngen vorzu- beugen und wo die letzteren nicht zu umgehen sind, übernimmt der Verein den Ankaus und Verkauf, wobei Verkäufer und Käufer ganz vorzüglich fahren. Endlich ist es auch wirthschaftlich sehr hoch anzuschlagen, daß die Vereine das Selbstbewußtsein im Bauernstände und den Muth zu heben bestrebt sind.

Die sozialpolitische Bedeutung der Vereine findet Professor Schick darin, daß dieselben die Erhaltung des Mittelstandes besonders sich angelegen sein lassen. Gott ließ im alten Bunde sein Volk beten, daß er es

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Roman aus den napoleonischen Kriegen.

Bon M. Benno.

22.

In Mantua führte den Oberbefehl der General Vision, jener Offizier, den man nach dem glänzenden Siege der Tyroler bei Innsbruck aufs Glimpflichste behandelt hatte. Er besuchte die in einer Zelle zu­sammengesperrten Gefangenen Hofer und Cajetan Tön­ninger wiederholt und bekundete Theilnahme für sie. Dem Sandwirth bot er sogar an, er sollte in die Dienste Napoleon's treten und versprach ihm im ftan- zösischen Heere den gleichen Rang, den er im öster­reichischen mnegehabt hatte.

Hofer wies jedoch alle diese Anerbieten zurück. „Ich bleibe für immer," erklärte er, „meinem guten Kaiser Franz und dem Hanse Oesterreich getreu. Werde ich zum Tode verurtheilt, so erfahre ich meine letzte Stunde und kann mich auf meine große Reise gehörig vorbe­reiten."

Den Vorsitz des Kriegsgerichtes fühtte zwar Ge­neral Vision nicht, aber es war durch denselben zu­sammengesetzt. Die Stimmen der Richter waren sehr getheilt. Zwei erklärten sich für gänzliche Lossprechung, mehrere für Deportation. Ueberhaupt cxistirte gar keine