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Freitag, den 16. August 1895
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mit Untrrhaltnngs-KeUage „Kterne und Klumen".
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Deutsches Reich.
Berlin, 15. August.
* Der Kaiser wird am 15. Oktober in Kürzel i. E. eintreffen und im Schlosse Urville Aufenthalt nehmen. Am 18. Oktober reist der Kaiser zur Denkmaleinweihung nach Wörth; auch ein Besuch in Metz ist in Aussicht genommen.
* Prinz Heinrich vollendete am Mittwoch sein 33. Lebensjahr. Der Prinz ist zur Feier seines Geburtstages am Dienstag auf Amrum eingetroffen, wo seine Gemahlin und sein Sohn Prinz Waldemar zum Gebrauch der Nordfeedäder bereits längere Zeit weilen.
* Zur Feier der Grundsteinlegung des Kaiser- Wilhelm-Denkmals haben vom Reichstage 178 Mitglieder sich gemeldet. Der Präsident Frhr. v. Buol wird bereits in diesen Tagen in Berlin eintreffen. — Fürst Bismarck hat angekündigt, daß er durch seinen Gesundheitszustand zu seinem Bedauern verhindert sei, an der Feier der Grundsteinlegung des Kaiser-Wilhelm- Denkmals theilzunebmen.
* Ueber die Schmückung der Soldatengräber auf den Schlachtfeldern des Krieges von 1870 schreibt die,Köln. Ztg.' sehr treffend: „Zu verschiedenen Malen haben wir gezeigt, daß wir die ftanzösischen bei uns liegenden Todten zu ehren wissen, und auch jetzt bei der 25jährigen Wiederkehr der blutigsten Schlachttage werden wir dafür Sorge tragen, daß auch die feindlichen Gräber gleich den deutschen eines Schmuckes nicht entbehren. Wir haben das immer so gehalten, weil wir es für richtig und anständig halten, ohne dabei auf Gegenseitigkeit zu rechnen. Sollten die Franzosen, einer edlen Kulturauffassung Raum gebend, das deutsche Beispiel nachahmen, so würde' das gewiß in Deutschland hohe Anerkennung finden. Thun sie es nicht, so werden wir uns sagen, daß die Franzosen noch nicht zu einer ruhigen Auffassung herangereist sind. In keinem Falle dürfen wir Frankreich auch nur den leisesten Borwand geben, vor Europa die Behauptung aufzustellen, daß wir verletzende oder herausfordernde Kundgebungen auf ftanzösischen Boden getragen hätten."
* Einer der bedeutendsten Journalisten der Cent rums presse, Herr Theodor Stahl, ist am Mittwoch in Berlin im Alter von 55 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Die ,Germania' widmet ihm einen Nachruf, in dem es heißt: „In dem nun verewigten Herrn Stahl verliert die .Germania' ihren ältesten, treuesten und bewährtesten Mitarbeiter. Bon der Gründung der .Germania' an, also seit nahezu fünfundzwanzig Jahren, war er ununterbrochen und in hervorragender Weise für die ,Germania' thätig, ausgezeichnet durch feine umfassenden wissenschaftlichen Kenntnisse auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, ausgezeichnet nicht minder durch publizistische Begabung, wie durch ein klares und scharfes politifches Urtheil. Er war aber mehr als ein Veteran der katholischen
431 ß Um Gut und glitt.
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Bon M. Benno.
Indessen hatten die Soldaten ihre Gefangenen, Hofer, Cajetan, Ferdinand, Angela und Stasi, über das mit Eis bedeckte steile Gebirge unweit St. Martin in die Ebene geführt. Der edle Hofer, über dessen Gesicht das Blut herabfloß und dessen Bart ein blutiger Eiszapfen war, flößte seinen Unglücksgefährten Muth ein. „Betet", mahnte er, „seid standstast, leidet mit Geduld und opfert Euere Schmerzen dem lieben Gott auf!"
Ohne Rast zu machen, ging der Zug weiter bis nach Meran. Vor dem Thore wartete schon die ganze französische Generalität auf die Gefangenen, die man unter dem Klange türkischer Musik und dem Hohngeschrei der Franzosen, aber auch unter den heißen Thränen und dem Wehklagen der Meraner empfing. Sie wurden sofort zum General Baraguay d'Hilliers geführt.
Hier trafen die Beklagenswerthen mit noch einem Feinde zusammen — dem Spezialkommissar v. Hofstetten. Mit hämischer Schadenfreude blickte dieser auf den gefangenen Hofer, mit wildem Triumph auf Ferdinand. Vor den Blicken Angela's schlug er jedoch die Augen nieder und stellte sich im Hintergrund auf.
Presse und der Centrumspresse, mehr als ein angesehener Schriftsteller, dessen politische Ansichten für die Centrumspresie von großem Einfluß, um nicht zu sagen, geradezu von maßgebender Bedeutung waren. Herr Stahl stand auch der CentrumS - Fraktion und ihren Führern und besonders dem verewigten Abgeordneten Dr. Windthorst sehr nahe. Sein großes Wissen, das durch ein geradezu phänomenales Gedächtniß noch werthvoller wurde, sein ruhiges, klares, abwägendes Urtheil wurde auch von den parlamentarischen Vertretern des katholischen Volkes hoch geschätzt. Unser Kollege Herr Stahl liebte es nicht, mit seinem Namen an die Oeffentlichkeit zu treten, auch als zeitweiliger Chefredakteur der ,Germania' nicht, aber in weiten politischen und parlamentarischen Kreisen war sein Name und war seine Bedeutung nicht unbekannt. Ein ehrendes.Andenken wird ihm überall bewahrt werden."
* Ein ernstes und überaus zeitgemäßes Wort über die Pflicht der Katholiken gegenüber ihrer Presse sprach Psarrer Hagemann aus Warburg am Sonntag in der Volksvereins-Bersammlung in Hamm. In sehr klaren und allgemein verständlichen Worten beleuchtete Redner das so konstant wirkende Gift der farblosen Presse. In katholischen Familien dürfe keine kirchenfeindliche und farblose Zeitung gehalten und gelesen werden. Redner erinnerte im Anschlüsse hieran an die Worte des hl. Vaters: „Haltet der schlechten und farblosen Presse die gute katbolische Presse entgegen." Reicher Beifall lohnte den Redner für die wahrhaft goldenen Worte, welche allseitig mit der größten Aufmerksamkeit ausgenommen wurden.
* Die Absicht, die Ergebnisse der am 14. Juni d. I. erfolgten Zählung der 'Arbeitslosen erst in Verbindung mit den Ergebnissen der bei der Volkszählung am 2. Dezember zu wiederholenden Erhebung zu veröffentlichen, ist, wie die,Berl. Korrespondenz' schreibt, in einzelnen Blättern einer abfälligen Beurtheilung begegnet. Dem gegenüber weist die .Korresp.' darauf hin, daß bei umfangreichen Erhebungen, wie sie die Berufs- und Gewerbezählung vom Juni d. I. gehabt hat, deren Ergebniß selbst hinsichtlich einer einzelnen Frage sich nicht schon nach wenigen Wochen übersehen läßt. Schon in der 6 Wochen vor der Junizählung in Heidelberg abgehaltenen vorbereitenden Konferenz von Vertretern der Statistik des Reiches und der Bundesstaaten war man nicht im Zweifel, daß im besten Falle durch die Juni-Erhebung nur ein Augenblicksbild der Arbeitslosigkeit gewonnen werden könne, welches eine Ergänzung finden müsse. Der Aufforderung, die Frage nach der Arbeitslosigkeit bei der Volkszählung im Dezember d. I. zu wiederholen, sind die verbündeten Regierungen bereitwilligst nachgekommen; somit war für sie aber auch die weitere Entschließung gegeben, mit der Veröffentlichung des Ergebnisses der Junizählung zu warten, bis die Ergebnisse der Dezemberzählung vorlägen.
* Köln, 14. Aug. Der Vorstand des Vereins
Gleich darauf begannen die vorläufigen Verhöre. Der Sandwirth und Cajetan wurden in einem dunklen Kerker zusammengesperrt, Ferdinand mit schweren Ketten belastet in einer anderen Zelle verwahrt, Angela und Stasi aber ihrer Bande entledigt und in einem vergitterten Zimmer untergebracht.
Hofer verbrachte die folgende Nacht mit dem treuen Cajetan, auf feuchtem Stroh ruhend, unter Gebet zu. Am anderen Morgen wurden die eisenbeschlagenen Thüren geöffnet, und, von einem Unteroffizier begleitet, erschienen Angela und Stasi in dem schrecklichen Raume. Den Beiden hatte man ihre Freilassung verkündigt, auf Hofftetten's ausdrückliche Fürsprache, wie ihnen gesagt worden war. Auch die Erlaubniß zum Abschiednehmen von Hofer hatte dieser erwirkt. Es gab einen herzzerreißenden Austritt; selbst dem Franzosen kamen die Thränen in die Augen.
Die Mädchen waren vor dem Sandwirth nieder- geknieet, und dieser segnete sie. „Dort oben im Himmel", rief er, „ist unser Vater und Tröster, der leitet Alles zum Besten. Auf ihn vertrauet in Freud' und Leid! Wie er es mit uns beschlossen hat, so ist es gut; was liegt an dieser vergänglichen Welt! Jrn Himmel winkt uns die wahre Heimath, und dort werden wir uns Wiedersehen, wenn es auch hienieden das letzte Mal ist. Bringt der Mutter meine Grüße und meinen Segen, sowie auch dem kleinen Joseph. Sagt Gerttud,
der Industriellen des Regierungsbezirks Köln hat beschlossen, den Arbeitern, welche 1870 am Kriege theilgenommen haben, den Sedantag unter Vergütung eines vollen Tagelohns ganz freizugeben, der übrigen Arbeiterschaft von 4 Uhr Nachmittags an, ebenfalls ohne Lohnabzug.
* Aachen, 14. August. Der Provinzial-Ausschuß der Rheinprovinz hat beschlossen, daß die Maria- berger Anstalt zum Ankäufe für die Provinz nicht geeignet sei, dieselbe soll indeß bis zum 15. März 1899 gemiethet werden. Bis dahin soll eine neue Irrenanstalt nach bewährtem System erbaut werden, auch soll eine neue Heilanstalt für Epileptische bei St. Wendel errichtet werden.
* Essen, 14. Aug. Große Freude, so berichtet die ,Essener Volksztg.', herrschte heute unter den Arbeitern der Krup p'scheu Fabrik, als die Nachricht bekannt wurde, daß der Herr Geh. Kommerzienrath Krupp der Arbeiter - Pensionskasse seiner Fabrik die Summe von einer Million Mark überwiesen hat. I Das heißt praktische Sozialpolitik im Sinne des Centrums treiben!
* München, 14. Aug. Die Festhalle zum beut« scheu Katholikentage wird aufs prächtigste dekorirt. Gleich beim Eingänge wird eine Ansicht der Zugspitze geboten. An der Rückwand bietet sich ein Blick auf Rom. Links thront ein Schloß mit einer Felspartie, über die ein Wasserfall herabrauscht, eingefaßt von einer Baumgruppe. Der Totaleindruck der über 4000 Sitzplätze fasfenden Halle wird großartig. Die Anmeldungen laufen so zahlreich ein, daß das Wohnungskomitee alle Hände voll zu thun hat, und daß es sehr gut sein wird, wenn Interessenten sich schleunigst um Quartier umsehen. Es sind uns Gasthöfe bekannt, die heute schon kein Zimmer mehr frei haben. Auch die Preßanmeldungen laufen sehr zahlreich ein; wir finden in der Liste unter Anderen Vertreter aus Nordamerika, Holland und Frankreich. Wie sehr man sich bei uns in Bayern für den Katholikentag intereffirt, zeigt die Thalsache, daß an verschiedenen Orten in den Vereinen Mittheilungen über die Vorbereitungen u. s. w. gemacht werden müssen.
Ausland.
* Pest, 14. Aug. Der.Franks. Ztg.' wird von hier geschrieben: „Die Wiener Schauspielerin Fräul. Hedwig Margot hat sich, wie das ,Neue Pester Journal' berichtet, an den ungarischen Ministerpräsidenten Baron Desider Banffy mit einer Bittschrift gewendet, in welcher sie ersucht, es möge ihr und ihrem Bräutigam, dem im Verbände des Wiener Volkstheaters stehenden Schauspieler Julius Marcell Hoberfeld, gestattet werden, die erste Civilehe in Ungarn einzugehen. Der Bräutigam, ein gebürtiger Budapester und ungarischer Staatsbürger, ist Jude, die Braut ist Katholikin (d. h. sie hat einen kath. Taufschein. D. Red.)
sie solle dem Gekreuzigten ihren Schmerz zum Opfer bringen und sich standhaft und muthig zeigen als Hofer's Weib." Dann zog er die Beiden zu sich herauf an seine Brust. Er küßte sie und preßte sie stürmisch an sich.
Der Trost Angela's, die ihm unter Weinen und Schluchzen zurief: „Du darfft nicht sterben, Andreas, ich gehe selbst zum Kaiser, der Dich retten wird!" rief nur ein mattes Lächeln auf dem Antlitz des Sand- wirths hervor.
Einige Minuten fpäter schloß die Thüre sich wieder und die Gefangenen waren allein. Noch am gleichen Tage wurden Hofer, Dönninger und Ferdinand Sorbet auf einen Wagen verladen, und dieser schlug die Richtung nach Mantua ein.
21.
In dem Erkerzimmer eines prächtigen Hauses in Wien saßen zwei Frauengestalten, eine ältere und eine jüngere, an dem kleinen Mahagoni-Tischchen, das an eines der Fenster gestellt war. Der Glvckenschlag, der von einem benachbarten Kirchthurme herüberfchallte, schreckte die Aeltere auf; sie fuhr mit der Hand über die Stirn.
„Es ist Zeit, Fatme", wandte sie sich an das etwa fünfzehnjährige Mädchen, deffen durchsichtiges Gesichtchen mit dem hektischen Roth auf den Wangen die fortfchreilende Arbeit jener furchtbaren Krankheit be-