M 186
Mittwoch, den 14. August 1895
22. Jahrgang
iilimtrWZtitunß
mit Untrrhaltrmgs-Kettage „Sterne und Klumen".
Erscheint täglich, Sonn- irnd Feiertage ausgenommen. — Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Fulda und auswärts 1 Mark 50 Pfennig. Inserate kosten die einspaltige Garmondzeile oder deren Raum 15 Pf., Reklamen die Petitzeile 25 Pf., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Des Festes Mariä Himmelfahrt wegen erscheint die nächste Nnmmer am Freitag.
]-[ Fürst Ferdinand
ist, nach einer Meldung aus Belgrad zu urtheilen, am Montag nach Sofia zurückgekehrt. Und schon vorher wurde aus Sofia selbst gemeldet, daß die Bevölkerung der Hauptstadt Bulgariens ihrem Fürsten einen ganz besonders herzlichen Empfang bereiten wolle, um vor aller Welt ihre Treue zum Herrscherhause kundzugeben. Diese Meldungen sind inzwischen durch die Thatsachen bestätigt worden. Und merkwürdig: Mit einem Schlage hat die Stimmung in den dem Fürsten abgeneigten deutschen und österreichischen Blättern sich merklich verändert. Man sieht ein, daß das gegen den katholischen Fürsten veranstaltete Kesseltreiben erfolglos geblieben ist, und in der Ernüchterung, welche durch diese Erkenntniß herbeigeführt ist, bemerkt man sogar schon, daß Fürst Ferdinand weder seinem Volke noch Rußland gegenüber in der ungünstigen Lage sich befindet, die man seither in so grellen Farben ausgemalt hat.
Was ist überhaupt von all' den Ausstreuungen über den Fürsten übrig geblieben? Die Prophezeiung, daß er in sein Land nicht zurückkehren werde, ist durch die Thatsachen widerlegt worden; die Behauptung, daß Rußland an allen seinen ftüheren, für Bulgarien unannehmbaren Forderungen festhalte, — eine Behauptung, die sich auf eine sich als russtsch-osfiziös geberdende Note des Wolff'schen Tele- graphenbureau's stützte — ist inzwischen dadurch widerlegt worden, daß diese Note von Petersburg aus amtlich verleugnet wurde — und so ging es allen anderen Ausstreuungen in der katholikenfeindlichen Presse.
Jetzt ist man schon so weit, mit der Möglichkeit zu rechnen, daß Fürst Ferdinand sein Ziel, mit Rußland einen A u s g l e i ch zu finden, ohne große Schwierigkeiten und ohne Preisgebung seiner Selbständigkeit erreichen werde. Ja, selbst die so geflissentlich verbreitete und gegenüber allen Dementis seitens der Familie des Fürsten hartnäckig festgehaltene Mär, Ferdinand werde sein Söhnchen, den Erbprinzen Boris, dem Schisma überantworten, um Rußland zu befriedigen, wird heute nur noch in wenigen Blättern aufrecht erhalten, und zwar auch in diesen mit der Einschränkung, der Konfessionswechsel des Erbprinzen werde in Bulgarien ernstlich erwogen.
Diese Schwenkung, von der Behauptung einer Absicht des Fürsten bis zu dem vorsichtigen Ausdrucke „Erwägungen in bulgarischen Kreisen" war bei der ,Kreuzzeitung^ besonders augenfällig. Das orthodox-protestantische Blatt, das so oft die Thatsache bitter beklagt hat, daß protestantische Prinzen und Prinzessinnen der Politik wegen zur russischgriechischen „Orthodoxie" sich „bekehrt" haben, hätte gar zu gern einen gleichen Fall auf katholischer Seite erlebt, um wenigstens in dem Bewußt-
42] K> Um Gut ititfr Kirrt.
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Bon M. Benno.
Der Schuß krachte und ein Wuthgeschrei tönte in die Hütte herein. „Unseliger, was hast Du gethan?" tadelte Hofer, der zu spät die That zu verhindern versucht harte, „nun lassen die Franzosen vollends ihren Zorn an uns aus!"
Die Besorgniß Hofer's sollte nur zu schnell in Erfüllung gehen.
Wie ger°izte wilde Thiere rannten die Soldaten gegen die Hütte und drangen in der nächsten Sekunde durch die Thüre herein.
Auch schossen sie ihre Gewehre ab, trafen aber Niemand. Um so grausamer fielen ste nun über die Gefangenen her.
„Ihr Rebellen, Ihr Brigants, Ihr Schufte," schäumten sie, und während die andern schonungslos Angela und Stasi, sowie Cajetan, die schnell überwältigt waren, die Hände auf den Rücken banden, griffen wohl ein Dutzend Arme nach dem Sand- wirth und die Angreifer hingen sich wie die Kletten an ihn.
Mit einer raschen Bewegung schüttelte sie jedoch Hofer von sich. In seiner ganzen Größe richtete er
sein, daß zuweilen auch auf katholischer Seite um der Politik wegen der Glauben gewechselt wird, einen mageren Trost zu finden. Jetzt, wo die,Kreuzzeitung' doch nicht mehr geradezu behaupten kann, der Fürst beabsichtige, seinen Sohn abtrünnig werden zu lassen, klammert sie sich an eine sehr zweifelhafte Meldung eines noch zweifelhafteren Blattes (des jüdischen .Kleinen Journal'), nach der der Ministerpräsident Stoilow gesagt haben soll, Prinz Boris könne nöthigenfalls, Rußland zu liebe, vom Katholizismus zum Schisma übergeführt werden.
Zunächst glauben wir nicht daran, daß Stoilow eine solche Aeußerung gethan habe; denn das wäre dem Fürsten gegenüber mehr als taktlos und Rußland gegenüber eine große Unklugheit. Sollte aber Stoilow wirklich etwas Aehnliches geäußert haben, so folgte daraus keineswegs, daß er dabei nach der Meinung des Fürsten gehandelt hat. Mit viel mehr Recht könnte man dann vermuthen, daß Stoilow's Tage als Ministerpräsident gezählt seien. Mit dieser letzteren Möglichkeit muß jetzt ohnehin gerechnet werden, denn die Trümmer der Stambulow'schen Partei haben sich, wie mehrfach gemeldet wird, mit der Partei Radoslawow's vereinigt und so ev. für den Fürsten die Möglichkeit geschaffen, Stoilow's zu entbehren und mit Hilfe Radoslawow's, der kein sogenannter „Russenfreund", aber doch Anhänger eines billigen Ausgleichs mit Rußland ist, eine neu; Regierung zu bilden. Diese müßte dann freilich zunächst eine neue Volksvertretung wählen lassen, um sich eine zuverlässige Mehrheit in der Kammer zu verschaffen.
Diese Entwickelung ist, wie gesagt, möglich, — nothwendi g aber erscheint sie zur Zeit noch nicht; sie würde es erst, wenn Stoilow in der That sich mit der sonderbaren Absicht trüge, dem Fürsten den Abfall des Erbprinzen vom katholischen Glauben zu- zumuthen. Denn daß der Fürst selbst jemals auf eine solche Zumuthung eingehen könnte, erscheint uns heute mehr denn je als vö llig ausgesch losse n.
Deutsches Reich.
Berlin, 13 August.
* Der Kaiser wird nach den bisher getroffenen Bestimmungen sich am 15. d. M. in Leith wieder an Bord der „Hohenzollern" einschiffen, um über Brunsbüttel die Rückreise anzutreten. — Die Kaiserin dürfte mit den beiden ältesten Prinzen am 16. d. M. Abends Mlhelmshöhe verlassen und am 17. August früh im Neuen Palais wieder eintreffen.
* Der frühere Chef der deutschen Admiralität General der Infanterie z. D. Albrecht von Stosch beging gestern sein 60jähriges Dienstjubiläum. Herr v. Stosch ist geboren am 20. April 1818 und war während des Feldzuges 1866 Oberquartiermeister, wurde im Juni 1866 Generalmajor, am 18. Dezember desselben Jahres Chef des Oekonomiedepartements im Kriegsministerium, am 18. Juni 1870 Generalinten-
sich auf und warf den Soldaten einen hoheitsoollen Blick zu.
„Geht man so mit Kriegsgefangenen um," donnerte er, „wann habe ich euch gegenüber einmal Aehnliches gethan? Wohlan, ich bin Andreas Hofer, ehemaliger Kommandant von Tyrol. Als solcher bitte ich um gute Behandlung und verlange namentlich, daß man sich nicht an schuldlosen Frauen vergreist!"
Ein wildes Hohngelächter war die Antwort. Die Franzosen waren durch die Kraftäußerung des Sand- wirthes etwas stutzig geworden. Als sie aber den gefürchteten Mann waffenlos sahen, faßten die Helden wieder Muth und auf's Neue griffen sie an. Hofer wehrte sich nicht mehr. Er sah ein, daß ein Widerstand doch nichts half. Bald war auch er gebunden und wehrlos gemacht. In diesem Augenblicke vernahm man ein tolles Jubelgeschrei von Außen herein und dazwischen die Stimme Ferdinand Sorbet's. Dieser hatte sich aus der Hütte zu schleichen gewußt und zu fliehen versucht. Dabei war er jedoch den außenstehenden Wachtposten in die Hände gefallen, unter deren rohen Fäusten er dem gleichen Schicksale wie Cajetan und Höfer verfiel.
In der Hütte hatte sich indessen ein entsetzlicher Akt abgespielt. In ihrem Siegesjubel kannten die Schergen keine Grenzen. Sie warfen den gebundenen
dant der Armee, am 26. Juli 1870 Generallieutenant und während des Krieges Chef des Stabes beim Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Am 1. Januar 1872 wurde er zum Chef der Admiralität mit dem Charakter als Staatsminister ernannt, 1875 zum General der Infanterie befördert und am 20. März 1883, nachdem er bei Bismarck in Ungnade gefallen war, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt.
* Zur Grundsteinlegung des Kaiser - Wilhelm- Denkmals sind, wie bekannt, außer dem Reichstage auch die beiden Häuser des preußischen Landtags eingeladen. Vom Abgeordnetenhaus-Präsidium wird nur Präsident v. Köller erscheinen, da die Vicepräsidenten Frhr. von Heereman (z. Z. in Wildbad) und Dr. Graf aus Gesundheitsrücksichten fernbleiben werden. — Die ,Freis. Ztg.' vermuthet, daß Graf Caprivi zu der Grundsteinlegung nicht eingeladen worden sei, obgleich gerade unter seiner Amts- führung die ausschlaggebenden Entscheidungen in Betreff der Errichtung des Denkmals getroffen worden sind, und die ersten Bewilligungen des Reichstages für das Denkmal stattfanden. Jedenfalls sei er in dem Programm für die Grundsteinlegung nicht ebenso wie Fürst Bismqrck namentlich aufgeführt. — Es bleibt abzuwarten, ob die Annahme der ,Freis. Ztg.' nicht aut einem Jrrthum beruht.
* Die schon kurz erwähnte Abfertigung, welche die oberoffiziöse ,Nordd. Allgem. Ztg.' den anmaßenden ,Standard'-Artikeln zu Theil werden , läßt, lautet: „So lange sich der deutsche Kaiser \ als Gast der Königin von Großbritannien am englischen i Gestade b i Cowes befand, haben wir davon Abstand genommen, ' zu dem sonderbaren sogenannten Begrüßungs-Artikel des,Standard' selbst Stellung zu nehmen und uns darauf beschränkt, den ungünstigen Eindruck in der öffentlichen Meinung Deutschlands wiederzugeben und die Einmüthigkeit hervorzuheben, mit der die deutsche Presse die an sich und vollends nach den Regeln des Gastrechtes unziemliche Auslassung des englischen Blattes zurückgewiesen hat. Der .Standard' hätte hiernach erkennen können, wie sehr er sich in seinem belehrenden Tone vergriffen und wie schlecht er dem Wunsche, dem freundschaftlichen Verhältniß zwischen beiden Reichen förderlich zu sein, gedient hat. Das große englische Blatt bringt jetzt einen zweiten Artikel, in dem man jedoch vergeblich nach dieser Erkenntniß oder nach einem Grunde dafür sucht, der es veranlassen konnte, gerade die Gelegenheit eines Besuches des deutschen Kaisers in England zur Herausforderung einer solchen Zeitungsfehde zu benutzen. Der Artikel vertritt zwar die Ansicht, daß England mit allen Mitteln einer wohlwollenden Diplomatie zur Erhaltung des Friedens mit Deutschland und dem Dreibunde zusammengehen möge; man würde aber leichter an die Ehrlichkeit dieses Bestrebens des ,Standard' glauben können, wenn er nicht so einseitig von den Wohlthaten der englischen Gönnerschaft spräche und
Sandwirth zu Boden und stießen Schmähungen und Flüche gegen ihn aus. Einer der Welschen zerrte ihn sogar am Barte, daß ihm ein ganzes Büschel Haare in der Hand blieb. Roh lachend hielt er diese Beute empor.
„Ein Andenken an den General Barba," höhnte er, „nun kann ich beweisen, daß ich auch dabei war, als man die Bestie einfing."
Er verstummte plötzlich und trat scheu in den Hintergrund. Ein Offizier trat in die Hütte und mit diesem der Förster Georg Schleicher.
Ersterer warf den Soldaten, als er den blutenden Sandwirth sah, einen mißbilligenden Blick zu, ein Wort des Tadels aber hatte er nichts Er gab den Soldaten einen Wink, mit deren Hilfe Hofer sich vom Boden erhob.
Indessen Hütte Schleicher sich zu Angela und Stafi gewandt.
„Nun, mein ungetreues Bräutchen," zischte er Stasi ins Ohr, „erhältst Du den Lohn dafür, daß Du mich zum Besten gehabt hast. Wärest Du mein Weibchen geworden, dann hättest Du Dir und Deinem Vater, sowie den Anderen diese Stunde erspart. Doch vorerst läßt sich nun nichts machen. Nachher aber vielleicht doch. Besinne Dich, Schatz. Du weißt, daß ich mächtig bin. Ich denke, daß Dir die Wahl zwischen mir und