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M 184

Montag, den 12. August 1895

22. Jaüraana

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mit Untrrtzaltnrrgs-Krttage „Sterne und Hlurnerr".

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Deutschland und England.

Es ist ein eigenartiges Schauspiel, diese scharfe Fehde zwischen deutschen und englischen Zeitungen just in dem Augenblicke, wo der deutsche Kaiser mit mehreren deutschen Kriegsschiffen an der englischen Küste weilt im freundschaftlichsten Verkehre mit der königlichen Familie und den Großen des englischen Volkes. Da ist der Zeitungsstreit über das deutsch­englische Verhältniß gerade kein erfreuliches Schauspiel. Die Schuld liegt aber allein auf Seiten der beiden englischen Blätter, welche durch ihre taktlosen und an­maßenden Anzapfungen des deutschen Kaisers den be­rechtigten Widerspruch der gejammten deutschen Presse herausgefordert haben. Merkwürdiger Weise sind diese beiden Blätter gerade die führenden Organe der beiden großen gegnerischen Parteien Englands, der Konser- vaüven und der Liberalen: der .Standard' und die .Daily News'.

Der,Standard' glaubte noch Wunders wie liebens­würdig gegen den kaiserlichen Gast der Königin zu sein, indem er ihn darüber belehrte, wie er sich zu verhalten habe in den großen Fragen der Weltpolitik, um die — Engländer zufriedenzustellen. Gleich als ob der deutsche Kaiser, weil er Enkel der englischen Königin ist, sich in den Dienst der englischen Politik zu stellen und zunächst die Engländer, nicht etwa die Deutschen zu befriedigen habe! Und die,Daily News' fuhren den deutschen Kaiser ärgerlich an, weil dieser am Jahrestage der Schlacht von Wörth auf dem deutschen Panzerschiffe „Wörth" jenes siegreichen Tages in einer Ansprüche an deutsche Matrosen ge­dacht hatte! Das liberale Blatt erlaubte sich, diese An­sprache als eine Taktlosigkeit hinzustellen, weil England, in dessen Gewässern die Ansprache gehalten sei, in Freundschaft mit Frankreich lebe. Es war also ftan- zösischer als die Franzosen, die gar keinen Anstoß an jener kaiserlichen Ansprache genommen haben, und mit Recht; denn auf die „englischen Gewässer" kommt gar nichts an, da die Ansprache an deutsche Seeleute auf deutschem Boden — der Boden eines deutschen Kriegs­schiffes bleibt nach dem Völkerrechte überall deutscher Boden — gehalten wurde.

Aus der Ungezogenheit der ,Daily News' brauchte man sich dennoch weniger zu machen, als aus der an­maßenden Schulmeisterei des konservativen.Standard'. Denn die,Daily News' gehören der soeben auf's Haupt geschlagenen liberalen Partei an, der ,Standard' aber ist das führende Organ der gegenwärtigen englischen Regierung, der zwei Drittel der britischen Wähler­schaft folgen. Gleichwohl war man zunächst geneigt, den anmaßenden Artikel des Londoner Regierungs­blattes als eine jener „minder haltbaren Tagesleistungen" seiner Redaktion zu betrachten, die besonders im Hoch­sommer nicht selten zu sein pflegen. Nun aber ist dem ersten anmaßenden Arttkel ein zweiter gefolgt, der die edle Dreistigkeit noch viel weiter treibt. Das Blatt geberdet sich darin, als ob England dem Deutschen

401 & Um Gut und Klut.

Roman aus den napoleonischen Kriegen.

Von M. Benno.

Wieder näherte er sich, doch diese hielt die Hände abwehrend von sich. „Ich danke Dir, Hermann," sagte sie, „für Deine Schonung, ich bin auch davon über­zeugt, daß Du niemals an den Greueln gegen unser armes Tyrol theilgenommen, sondern sie zu verhindern gesucht hast, aber dennoch sind und bleiben wir für ewig getrennt. Nimmermehr könnte ich einem Manne angehören, der ein Führer der Schergen gewesen, durch die unser unglückliches Landl zerfleischt worden ist. Wie ein drohendes Gespenst stände der Gedanke daran zwischen mir und ihm. Deshalb lebe wohl und sei glücklich; vergeffen werde ich Dich nicht."

Sie schritt an dem Hauptmann vorüber, der wie eine Bildsäule dastand, und der Vater folgte ihr. Mit einem tiefen Seufzer setzte sich nach einer Weile auch Hohenberg in Bewegung und erreichte nach halbstün­diger Wanderung sein Quartier.

Jndeß kehrten zur gleichen Zeit die bayerischen Soldaten zurück, denen durch den Wirth die Nachricht von der Einkehr Wallner's gebracht worden war. Da der kornmandirende Hauptmann sich nicht zur Stelle befand, hatte ein Unteroffizier die Führung des Streif­

Reiche zu seinen kolonialen Erwerbungen erst die Er- laubniß habe geben müssen, und als ob Deutschland schon deshalb sich den Engländern dankbar erweisen, ober auch, um Englands Beitritt zum Dreibunde zu ermöglichen, in jeder Weise den Briten gefällig sein müsse. Dabei entschlüpft dem .Standard' das inter­essante Geständniß, daß England für den Fall eines Krieges bereits eine bindende Verpflichtung zu Gunsten einer der Dreibundmächte, Ita­liens, übernommen habe.

Wenn der .Standard' sagt, weiter könne England nicht gehen, so haben wir ihm nur zu erwidern: Ist auch gar nicht nöthig! Denn daß England sich bereits ausdrücklich verpflichtet hat, im Falle eines Krieges den Italienern ans irgend eine Weise zu hel­fen, das ist schon mehr, als wir von England über­haupt erwartet haben, und das ist auch gerade das, was der Dreibund von England wünschen konnte. Eng­land hat nämlich selbst schon ein dringendes Interesse, Frankreich auf dem Mittelländischen Meere nicht mäch­tiger, als es schon ist, werden zu lassen, und muß da­her schon im eigenen Interesse zu verhindern suchen, daß die italienische Flotte von der französischen ge­schlagen werde. Daraus ergibt sich, daß die englische Mittelmeer - Flotte im Falle eines Krieges zwischen Frankreich und Italien mehr oder minder aktiv ein­greifen muß. Durch diese Feindseligkeit gegen Frank­reich wäre es dann natürlich auch gezwungen, in den nördlichen Meeren, schon um seine eigene Küste zu schützen, gegen die französische Nordsee-Flotte Front zu machen. Damit wäre es also in den Krieg der Drei­bundmächte gegen Frankreich und Rußland völlig ver­wickelt.

Selbst wenn England int Beginne des Krieges noch eine zuwartende Stellung einnehmen wollte, müßte es dieselbe doch int weiteren Verlaufe des Krieges auf­geben; hätte nämlich Italien Unglück, so müßte Eng­land ihm beispringen, um Frankreichs Macht zur See nicht zu einer seiner eigenen Seeherrschaft verhängniß- vollen Größe anschwellen zu lassen; ist aber der Drei­bund glücklich, so wird sich England beeilen, ihm irgendwie seine Unterstützung zu leihen, um — sich einen Antheil an der Beute zu sichern. Dann mag England immerhin seinen Lohn erhalten, ihm aber jetzt schon einen Preis dafür zu zahlen, dazu liegt für uns weder eine Verpflichtung, noch eine Rothwendigkeit vor. Englands eigene Interessen drängen es zum Dreibunde hin, und deswegen, aber auch nur deswegen, nicht aus idealeren Gründen, wird England zum Dreibunde halten. Sollen wir ihm einen Preis dafür zahlen, wenn es seine eigenen Interessen verfolgt, seinen eigenen Vortheil sucht? Außerdem könnten wir den Preis, der ja nur in der Unterstützung Englands in seiner asia­tischen und egypttschen Politik bestehen könnte, gar nicht zahlen, denn durch eine solche Politik würden wir in Abenteuer verstrickt werden, die wir nicht mitmachen können.

korps übernommen, aber mit leeren Händen zurück­kehren müssen, da von den Flüchtlingen keine Spur entdeckt worden war. Er erstattete von dem Vorgänge dem Offizier Rapport, welcher jetzt erst erfuhr, in welch' gräßlicher Gefahr die Geliebte geschwebt hatte. Schweigend nahm er die Meldung entgegen. Der Unter­offizier hatte keine Ahnung von dem, was in dem Innern des Hauptmanns vorging.

20.

Schon bei der Mittheilung von dem Frieden zwischen Frankreich und Oesterreich hatte v. Naschmann, der von Wien aus als Oberlandes- und Armee­kommissar nach Tirol geschickt worden war, dem Sand- wirthe gerathen, von der Amnestie Gebrauch zu machen und sich für seine Person unverweilt in das Haupt­quartier entweder des Kronprinzen von Bayern oder des Vizekönigs von Italien zu begeben, um mit diesen über das weitere Schicksal Tirols zu verhandeln. Aber darauf ging Hofer nicht ein. „Der Rath ist gut," entgegnete er, „aber leichter gegeben, als ausgeführt. Könnte ich wie ein Vogel über alle französischen Posten hinweg in's Zimmer des einen oder anderen Prinzen fliegen, dann wäre ich freilich geborgen. Aber wer steht mir dafür, daß ich nicht am ersten Posten angehalten und als Rebell niedergeschossen werde? Den Leuten ist einmal nicht zu trauen. Wie

Deutsches Reich.

Berlin, 10. August.

* Der Kaiser hat geftem Abend, wie aus Cowes gemeldet wird, an einem von den bei der Kieler Feier anwesend gewesenen Herren veranstalteten Diner theil­genommen und nahm von dort ans das von der Stadt Cowes veranstaltete Feuerwerk in Augenschein. Heute Nachmittag speist der Kaiser bei der Königin in Os- borne und wird sich heute Abend lO1^ Uhr an Bord der englischen Jacht „Albert" von Cowes nach Sout­hampton begeben und von dort nach Lowther Castle mittels Sonderzuges weiterfahren. Die Ankunft in Lowther ist für morgen früh in Aussicht genommen.

* Schon bald nach der Katserproklamation im Spiegelsaale zu Versailles war von Allerhöchster Stelle die Aufstellung einer Liste aller derjenigen beabsichtigt, welche an dem historischen Vorgängetheilgenommen hatten. Die Absicht kam damals nicht zur Ausführung. Gegenwärtig hat die Redattion des Militär-Wochen­blattes' den Gedanken wieder aufgenommen und richtet daher an Alle, welche bei der Kaiserpcoklarnatton am 18. Januar 1871 zugegen gewesen sind, die Bitte, ihr außer dem Namen und der damaligen Stellung auch die gegenwärtige Stellung sowie den Wohnsitz des Theilnehmers mitzutheilen. Für seither Verstorbene werden alte Kameraden jedenfalls die Angaben er­statten.

* Graf Chamaro, von 1874 bis 1893, wo er wegen seiner abweichenden Haltung in der Militär­frage eine Wiederwahl ablehnte, Vertreter des schle­sischen Wahlkreises Frankenstein-Münsterberg im Reichs­tage, ist am Freitag bei Ferleitm in der Steiermark auf der Gemsjagd vom Schlage gettoffen worden und gestorben. Graf Chamarö war ein treues, fleißiges Mitglied des Centrums. Die ,Germania', deren Aufsichtsrath ihn 8 Jahre zum Vorsitzenden hatte, widmet ihm einen warmen Nachruf. R. I. P.

* Der Regierungspräsident v. Tiedemann in Bromberg veröffentlicht eine Erklärung, in welcher er bestreitet, daß er die Betheiligung der ihm unter­stellten Behörde an der Sedanfeier abgelehnt habe. Er habe seine wie sämmtlicher Regierungsmitglieder Be­theiligung an dem geplanten Volksfeste ausdrücklich zugesagt und halte nur das Marschireu von Be­hörden im Festzuge für unangemessen. — Ei, warum denn?

* Das deutsche Geschwader in den marokkanischen Gewässern ist nunmehr zurückberufen worden, nach­dem, wie die ,N. A. Z.' mittheilt, die marokkanische Regierung die verlangte Genugthuung für die Ermordung des deutschen Kaufmanns Rockstroh ge­leistet hat. Dieselbe besteht zunächst in der Zahlung von 200,000 Franken, sodann in der Absetzung der Beamten, die durch ihr Verhalten in der Angelegenheit der deutschen Regierung Anlaß zu Klagen gegeben hatten, und endlich in der Zusage, die Mörder zu be­strafen. Nur einige Nebenpunkte sind noch zu ordnen.

haben sie unsere Brüder behandelt, die in ihre Kriegs­gefangenschaft gerathen sind? Hätte ich ihr Beispiel nachgeahmt, so lebten 10 000 Franzosen und Bayern weniger. Mir stand keine Festung zur Verfügung, um die Gefangenen einzusperren, und ich wußte gor wohl, daß mehr als die Hälfte wieder davon läuft; aber ich bin ein Christ und meinem Schöpfer für jeden vergossenen Blutstropfen verantwortlich. Kriegsgebrauch bleibt Kriegsgebrauch, und dieser befiehlt, Gefangene zu schonen. Unsere Feinde aber halten ihn schlecht."

In ganz Tirol ist es Sitte, daS im Sommer auf den Alpenwiesen gemähte Heu hoch oben in den Bergen in sogenannten Mahderhütten aufzubewahren, damit es im Winter mit Schlitten nach Hause geführt werden kann. In einer solchen Hütte hatte Andreas Hofer ein paar Stunden über dem Dorfe Prandach zwischen Schneewehen und Eisfeldern seinen Schlupfwinkel ge­sucht. Er durfte hoffen, daß seine Verfolger sich in diese Höhe nicht verstiegen, zumal der Weg dahin nicht nur ein gefährlicher, sondern geradezu halsbrecherischer war.

Solche Gefahren gab es für den heldenmüthigen Oberkommandanteu von Tirol nicht und ebenso wenig für dessen Begleiter, Kajetan Dönninger. Der treue Mensch hatte Hofer die Nachricht von den Vorgängen bei der unterbrochenen Hochzeitsfeier nach der Keller-