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Donnerstag, den 8. August 1895
22, Jahrgang
Fuldaer
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a Publikation, Organisation und Centralisation derkatholischen Charitas.
Diese Dinge stehen schon seit Jahren zur Diskussion, ohne daß wir wesentlich weiter gekommen sind, als zu der Erkenntniß, daß eine bessere Publikation, Organisation und Centralisation derkatholischen Charitas dieser zu großem Vortheile gereichen würde. Unter diesen Umständen können wir es nur mit Genugthuung verzeichnen, daß sich in Freiburg im Breisgau ein Charitas-Komitee gebildet hat zu dem Zwecke, die Herausgabe einer neuen Monatsschrift .Charitas' als „Organ für die Werke der Nächstenliebe im katholischen Deutschland" vorzubereiten, welches der speziellen Aufgabe dienen soll, die bessere Publikation, eine einheitlichere Organisation und eine entsprechende Centralisation der katholischen Charitas fachmännisch zu besprechen und praktisch zu fördern. Das Komitee hat sich damit eine ebenso wichtige als schwierige Aufgabe gestellt.
Wichtig ist diefe Aufgabe, weil es sich um eine wesentliche Erhöhung der Fruchtbarkeit der katholischen Charitas unter den heutigen sozialen Verhältnissen handelt. Es ist nämlich keineswegs eitle Ruhmredig-- feit, welche eine ausgiebigere Publikation der Werke der katholischen Charitas wünschenSwerth erscheinen läßt, sondern vielmehr der Wunsch einer ausgiebigeren Betätigung und Benutzung derselben. Die Werke der katholischen Charitas sind in der That unzählbar, aber nicht nur wegen ihrer Menge und Mannigfaltigkeit, sondern vielfach auch wegen mangelnder Publizität. Während seitens der öffentlichen Armenpflege alles sorgfältig gebucht, seitens der protestantischen oder konfessionslosen Anstalten alles registrirt und publizirt wird, arbeitet die katholische Charitas mehr und vornehmlich im Verborgenen. Das ist an sich ein Vorzug, aber in gewisser Beziehung auch ein Mangel. Wie oft werden, um nur Eines zu erwähnen, protestantische oder konfessionslose Anstalten von Katholiken in Anspruch genommen, weil man von der Existenz einer ähnlichen katholischen Anstalt nichts weiß?
Auch über Mangel an einheitlicher Organisation der katholischen Charitas wird nicht ohne Grund geklagt. Nicht als ob die katholischen Anstalten und Vereine planlos verführen. Wir müssen uns vielmehr entschieden gegen den immer wiederholten Vorwurf feilens der Protestanten verwahren, daß die katholische Charitas in Folge einer angeblichen Werk- Heiligkeit willkürlich verfahre oder jemals verfahren habe. Allein immerhin haben die einzelnen Wohl- thätigkeitsanstalten und Vereine bisher zu wenig Fühlung untereinander. Und doch könnte durch Herstellung einer solchen ihre Thätigkeit bedeutend erhöht und fruchtbarer gemacht werden. Sie könnten einander unterstützen, sich gegenseitig ergänzen und, wie man zu sagen pflegt, in die Hände arbeiten. Auch können Beziehungen der katholischen Anstalten und
Vereine zur öffentlichen Armenpflege, zu staatlichen । und kommunalen Anstalten für beide Theile und die von ihnen vertretene Sache förderlich weiden. Man bedenke nur, wie es auf diese Weise leichter ermöglicht wird, die Hilfsbedürftigen katholischer Konfession auf öffentliche Kosten in katholischen Anstalten unterzubringen.
Noch mehr fehlt es an einer entsprechenden Centralisation der katholischen Charitas. Für die einzelnen Orden und Vereine ist dieselbe wohl vorhanden. So namentlich beim Vineenrvereine, welcher diesem Umstande nicht zum Wenigsten leinen großartigen Erfolg verdankt, wie schon Bischof Dupanloup bemerkt hat (vgl. Die christliche Nächstenliebe und ihre Werke, S. 210). Aber es seblen die Beziehungen der einzelnen Anstalten und Vereine untereinander, und namentlich fehlt es noch fast gänzlich an einer einheitlichen Centralisation der gejammten katholischen Charitas in den Händen der geborenen Vertreter derselben, der Bischöfe. Nur vereinzelt ist sie erst durchgeführt, wie in Württemberg. Wie wichtig aber eine solche bischöfliche Kontrolle ist, haben unlängst die unliebsamen Vorgänge in Aachen recht deutlich gezeigt. Wie viel besser wäre es gewffen, wenn die dortigen Alexianer nicht nur als Ordensleute, sondern auch als Krankenpfleger der bischöflichen Aufsicht unterstellt gewesen wären. Ist doch nach katholischer Anschauung der Armen- und Krankendienst, namentlich seitens religiöser Vereine oder gar Orden, etwas Geistliches und daher naturgemäß der Aussicht der geistlichen Behörde unterstellt; wenn auch nicht in technischer und sanitätspolizeilicher Beziehung, so doch in charitativer Hinsicht.
Dos Charitas-Komitee in Freiburg hat sich also eine recht wichtige und zeitgemäße Aufgabe gestellt. Freilich eine ebenso schwierige Aufgabe, reich an theoretischen und viel mehr noch an praktischen Schwierigkeiten. Man denke nur an das Berhältniß der katholischen Anstalten und Vereine zu den nichtkatholischen, insbesondere zu den öffentlichen, staatlichen und kommunalen. Zwar sagt Ratzinger in gewisser Beziehung mit Recht: „Der alte Streit, ob osfizielle, ob freiwillige Armenpflege vorzuziehen sei. ist heute ein überwundener Standpunkt. Es bandelt sich vielmehr darum, in welches Berhältniß beide Formen der Armenpflege zu bringen sind und wie sie sich am besten ergänzen können" (vgl. Histor. polit. Blätter, Bd. 115, S. 43). Es mag ja verbältnißmäßig leicht sein, dieses Berhältniß theoretisch zu bestimmen. In der Praxis ergeben sich doch viele Schwierigkeiten und wird meist alles von den lokalen Verhältnissen abhängen. Noch größere Schwierigkeit wird die Besorgniß der Orden vor Beschränkung ihrer Selbständigkeit und Verwischung ihrer Eigenart oder gar Eingriffen in ihre Regel bereiten. Auch das hat ja in Aachen eine Rolle gespielt, indem die Alexianerbrüder daS Regulativ der Provinzial- verwaltung ablehnen zu müssen glaubten, weil es sich mit ihrer Selbständigkeit und Eigenart in der Jrren-
pflege nicht vertrage. Wir lassen dies hier auf sich beruhen. Immerhin haben die religiösen Vereine und besonders die Orden ihre berechtigten Eigenthümlich- keiten und können sich ohne Gefährdung ihrer Traditionen und ihres Wesens auch bezüglich ihrer charita- tiveu Wirksamkeit nicht in allweg einer peinlichen Kontrolle unterwerfen und der Oeffentlichkeit Preisgeben.
Das Freiburger Charitas - Komitee hat dies auch wohl gewürdigt, wie der Schlußmtz der bereits an die Interessenten versandten Programm-Nummer zeigt, worin es heißt: „Um Mißverständnisse zu vermeiden, wollen wir noch bemerken, daß durch eine derartige Centralisation keineswegs die Selbstständigkeit der einzelnen Vereine, Anstalten und Kongregationen aufgehoben oder beschränkt werden soll; die zu schaffende Institution soll vielmehr das vereinigende Band der bisher vielfach isolirt wirkenden Faktoren der christlichen Charitas, ein Mittel zur gegenseitigen Verständigung, Unt rstützung und Kräftigung und endlich der äußere beständige Ausdruck dieser Vereinigung werden." In d-esen Worten ist zugleich Ziel und Aufgabe der in Aussicht genommenen neuen Zeit- ! schifft klar ausgesprochen Es ist ein erhabenes Ziel, - welches sie verfolgt, und wenn die Aufgabe schwierig l ist, so darf das so wenig davon abschrecken, daß viel- ‘ mehr darin ein doppelter Ansporn erblickt werden muß, I dieselbe zu lösen.
Möge denn das Projekt des Charitas - Komitee's ] allseitig die freundliche Aufnahme und thatkräftige Unter- - stützung sinden, welche es verdient, bei „dem hochwür- * digsten Episkopat, den Vorständen der charitativen l Kongregationen, Anstalten und Vereinen, sowie allen : Vertretern pes katholischen Deutschland." So wünscht I es das Charitas-Komitee. Wir erlauben uns noch be- i sonders, die Aufmerksamkeit der bevorstehenden Ge- i neral-Versammlung der katholischen Ver- i eine Deutschlands auf das neue Unternehmen hin- ' zulenken und empfehlen speziell der Sektion für Cha- \ ritas, sowie auch der für soziale Frage die Förderung - der neuen Monatsschrift .Charitas', damit deren Erscheinen bald ermöglicht werde.
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Deutsches Reich.
Berlin, 7. August.
* Der Kaiser begab sich gestern, wie aus Cowes berichtet wird, an Bord des auf der Rhede liegenden Panzerschiffs „Wörth" und hielt aus Anlaß des gestrigen Gedenktages von Wörth eine Ansprache, in welcher er i hervorhod, wie in dieser Schlacht, zu Beginn des ; Feldzugs, schon die Einigung der deutschen Stämme i zum Ausdruck gekommen sei. Darauf brachte der ! Kommandant des Panzerschiffs, Prinz Heinrich, ein ! Hoch auf den Kaffer aus. Am Abend wurde zu Ehren i des Kaffees von dem Königlichen Y ichtgeschwader ein ; Bankett veranstaltet, welchem auch der Prinz Heinrich anwohnte. Der Ka ser saß zur R chten des Prinzen von Wales, welcher den Vorsitz führte Etwa vierzig
37] K> Um Gut und Hlnt.
Roman auS den napoleonischen Kriegen.
Von M. Benno.
Napoleon ging dem Ankommenden bis an die Treppe entgegen und führte ihn in sein Gemach. Das gut» müthige Gesicht des Kaisers sah bekümmert aus. Eine tiefe Falte zog sich über- die Stirn.
Die hohen Herren nehmen Platz, und Kaiser Franz leitete das Gespräch ein.
„Sie errathen ohne Zweifel, Sire," begann er, „was mich zu Ihnen herauSgeführt hat. Bubna und Liechtenstein haben es schon vorgebracht. Sie weigerten sich jedoch, Sire, und nun komme ich selbst. Ich kann es nicht übers Herz bringen, daß man Tirol von Oesterreich losreißt. Bei Tag und Nacht hat mich dieser Gedanke verfolgt, und trieb mich zu einem letzten Versuche hierher. Ich will auf alle gestellten Forderungen, so hart sie auch sein mögen eingehen; nur Eines gewähren Sie mir, Sire — lassen Sie mir mein liebes Tirol!"
Napoleon preßte seine Brauen tief auf die Augen herab, und das gelbliche Gesicht röthete sich. „Sie verlangen Unmögliches von mir, Majestät," erwiderte er, „Unmögliches in jeder Hinsicht. Einmal kann ich nicht einen Keil zwischen die mir verbündeten Rhein
bundstaaten und Italien eingeklemmt lassen, das verbietet mir die strategische Klugheit, und dann wäre es geradezu eine Blamage für mich, wenn ich diesen rebellischen Brigands auch noch dadurch einen Gefallen erwiese, daß ich nachgäbe und freiwillig Wünsche erfülle, deren Gewährung man von mir zu erzwingen versucht hat. Nein, nimmermehr; lieber greife ich wieder zum Schwerte. Diese widerspenstigen Bauern sollen erfahren, daß man den Kaiser von Frankreich, feine Marschälle und seine glorreiche Armee nicht ungestraft beleidigen darf."
Kaiser Franz senkte in schmerzlicher Bewegung den Kopf. Seine Brust arbeitete mächtig. Man erkannte daran den in seinem Innern tobenden Sturm.
„Und das ist Ihr letztes Wort, Sire?" fragte er mit bebender Stimme.
„Es ist's," entgegnete Napoleon rauh.
Da vermochte Kaiser Franz sich nicht mehr zu halten. Das Weh, welches sein Gemüth zerfleischte, brach sich gewaltsam Bahn. Er bedeckte seine Augen mit der Hand und zwei glänzende Tropfen drangen zwischen den Fingern hervor. Ter Kaiser weinte — er vergoß Thränen um sein treues Tirol, für das er so gerne jedes Opfer gebracht hätte. Der Gegner blieb unerbittlich. Eine Pause entstand.
Napoleon hatte sich nachlässig in die Polst r gelehnt. Der Schmerz des Kaisers rührte ihn nicht
Mit Gewalt erkämpfte dieser sich seine Fassung zurück. Mit Hoheit und Würde wandte er sich wieder an den stolzen Imperator. Wenigstens eine allgemeine Verzeihung und Sicherheit der Personen und des EigenthumS verlangte er für Tirol, worauf Napoleon nach längerem Zögern und Widerspruch unter der Bedingung einging, daß die Tiroler Schützen ihre Waffen aüsliefern und sich jeder fernem Feindseligkeit enthielten. Zuwiderhandlungen würden von ihm unnachsichtlich mit dem Tode bestraft.
Kaiser Franz verließ den Palast in Schönbrunn und fuhr wieder nach Wien.
Hofer hielt sich noch immer verborgen. Die Verbindung zwischen ihm und den braven Landesver- theidigern war wieder hergfftellt. Am 23. Okiober wurde ihm die Kunde von dem Abschüsse d-s Friedens und der Preisgabe Tirols überbracht. Er jchüttelte ungläubig den Kops. Auch als ein Brief von dem Erzherzog Johann mit der Bestätigung des FriedenS- schluffes eintraf, glaubte er noch nicht daran. Der Brief war nämlich offen und ohne Siegel. „Bringt mir das Sigill," sagte der Sandwirth zu dem Boten, „bann will es ich glauben, daß er vom Erzherzoge kommt. Handschriften hat man schon oft nachgemacht."