bliebenen Genosten büßen nicht nur die 16,000 Mark ein, die sie aufAntheilscheine eingezahlt Haben, sondern sie hätten außerdem noch für jeden Schein eine Haftsumme von 10 Mark, im Ganzen also 25,000 Mark aufzubringen, wenn sie fämmtlich aufzufinden refp. zahlungsfähig wären.
* Köln, 3. Aug. Am 30. Juli fand im erzbischöflichen Palais unter dem Vorsitze Sr. Eminenz des Hochw. Herrn Kardinal-Erzbischofes von Köln die grundlegende Generalversammlung deS aus der Vereinigung des Vereins vom hl. Grabe und deS Palästinavereins deutscher Katholiken hervorgegangenen neuen deutschen Vereins vom hl. Lande statt. Se. Eminenz begrüßte die zahlreich erschienenen Herrm am zehnten Jahrestage seiner Versetzung auf den erzbischöflichen Stuhl von Köln mit fteundlichen Worten und sprach den Wunsch aus, daß auf der wichtigen Sitzung Gottes reichster Segen ruhen möge. Herr Landrath a. D. Janssen gab darauf einen kurzen Ueberblick über die Vorgeschichte der Vereinigung, die im höchsten Interesse des hl. Landes sowohl als der für dasselbe in Deutschland wirkenden Kräfte gelegen habe, weshalb auch von Seiten der staatlichen Behörden die Ertheilung der Rechte einer juristischen Person durch Kabinetsordre vom 11. März 1895 bereitwilligst verfügt worden sei. Der Vorsitzende des Vereins würde der jeweilige Erzbischof von Köln sein. Herr Weihbischof Dr. Schmitz knüpfte hieran die Bemerkung, daß behufs der Ueber- tragung der Ablässe der bisherigen Vereine eine Eingabe an die Kongregation der Riten sofort gemacht werden soll. Auf Vorschlag des Herrn LandrathS Janssen wurden zu Vorstandsmitgliedern des neuen Vereins gewählt: die Herren Weihbischof Dr. Schmitz als stellvertretender Vorsitzender, Landrath a. D. Janssen und Geheimrath Gerard als Justitiare, Stadtdechant Thomas und Domkapitular Stiefelhagen als Konsultoren, Subregens Dr. Pingsmann und Dr. I. Drammer als Schriftführer, Bankbirektor Elkan als Schatzmeister, Domkapitular Braun, Ingenieur Stühlen und Rentner Bornheim als Konservatoren. Reben dem großen vierteljährlich erscheinenden VereinS- organ wird beabsichtigt, für die 1 Mark im Jahre zahlenden Mitglieder eine kleinere Ausgabe nach Art des Palästinablattes erscheinen zu lassen, so daß daS Interesse für den neuen Verein in weiten Kreisen Deutschlands immer mehr geweckt werden kann. Für das Vereinsorgan und das kleinere Blatt wurde eine eigene Redaktionskommission bestellt, in welche auch Herr Rektor Dr. Schiffers aus Aachen berufen wurde. Die Mitglieder der Redattionskommifston sowie eine Anzahl ftüherer Vorstandsmitglieder deS Vereins vom hl. Grabe und des Palästinavereins werden auch dem Vorstande deS neuen Centralvereins angehören. Selbstverständlich werden die Ehrenmitglieder des ftüheren Palästinavereins mit denselben Rechten in den neuen Verein vom hl. Lande eintteten. Nachdem von den anwesenden früheren Mitgliedern alle diese Punkte gutgeheißen worden waren, erklärte Se. Eminenz der Kardinal-Erzbischof die Verschmelzung für vollzogen, den neuen Verein für konstituirt und schloß mit Segenswünschen für den neuen Verein die Generalversammlung.
* Karlsruhe, 3. Aug. Vor Kurzem ist durch Vermittelung des Geistlichen Raths Lender in Sasbach dar Erlenbad angekauft worden, um eine Niederlassung von Ordensschwestern zu errichten. Wie nun die ,Frkf. Ztg.' meldet, ist daS an die Regierung gestellte Gesuch abschlägig beschiedeu worden. Und da sagt man, der Kulturkampf fei zu Ende!
eine Leiche. „Was sagst Du!" stieß sie mit bebenden Lippen hervor.
„So weißt Du eS am Ende noch nicht!" fuhr der Bauer fort, mit einer Stimme, die theilnahmsvoll klingen sollte. „Und ich hätte wohl besser gethan zu schweigen, denn eS ist kein Vergnügen, ein Unglücksbote zu sein. Aber einmal erfahren mußt Du es doch. Ich war in den letzten Tagen Geschäfte halber auswärts, und da hat mich eine Verrichtung auch in die Nähe der Mühlbacher Klause geführt, wo Tags zuvor ein mörderisches Gefecht zwischen einer ftanzösischen Abtheilung deS Generals Lefebre und den Tirolern stattfand. Die Soldaten waren in ungeheurer Ueber- zahl. Aber der Eine um den Andern wurde nach und nach weggefchoffen, so daß ein längerer Widerstand unmöglich war. Ueber die Hälfte der Tiroler ist gefallen und darunter auch der Bravste von ihnen, Leopold Wallner."
Mit fliegendem Athem hatte Stasi auf die Mittheilung des Bauers gehört. Als er verstummte, fühlte sie, wie es vor ihren Augen zu dunkeln begann; laut auffchluchzend verhüllte sie mit ihren Händen daS Gesicht. Nach einer Weile wurde sie ruhiger. Sie ließ ihre Hände fallen und ttocknete mit der Schürze das in Thränen gebadete Antlitz.
„Und es ist wirklich wahr", stöhnte sie endlich mit bebender Stimme, „Poldl ist" — das schreckliche Wort brachte sie nicht über die Lippen.
„Ich selbst habe die Leiche deS prächttgen Burschen
Ausland.
* Meu, 3. Aug. Die ,N. Fr. Pr.' schreibt, im gegenwärttgen Augenblicke sei eine auffallend große Anzahl von Ministern und Diplomaten in Ischl beim Kaiser Franz Joseph versammelt, zu welchem sich demnächst noch der österreichische Botschafter in London, Graf Deym, und der serbische Gesandte Simitsch gesellen würden. Die Berathungen hingen offenbar mit den neusten Ereignissen in Bulgarien und Macedonien, sowie mit der sich daran knüpfenden Veränderung der auswärtigen Politik zusammen. DaS Wolffsche Bureau meldet: Am Kaiserlichen Hoflager in Ischl sind der Graf Kielmannsegg, Vorsitzender des österreichischen Ministerraths, der Reichs-Finanz-Minister v. Kallay, der ungarische Minister-Präsident Baron Banffy und der ungarische Minister a latere Baron Josika einge- troffen. Der Minister des Aeußeren Graf Goluchowski wird sich gleichsfalls nach Ischl begeben. — Der Erzherzog Robert Ferdinand Salvator, der am 16. Oktober 1885 geborene jüngste Sohn des Großherzogs Ferdinand IV. von Toscana, ist, wie aus Lindau gemeldet wird, gestern an Bauchfellentzündung gestorben.
* Paris, 3. Aug. In Frankreich ist bis jetzt das Erinnerungsjahr des Krieges mit Deutschland im ungemeinen in ernster Stille und mit Selbsteinkehr gefeiert worden. Nirgendwo ist ein Ausbruch von nachttagendem Grimm und HeimzahlungSbedürfniß zu beobachten, so sehr diese Gefühle auch am tiefsten Grunde der ftanzösischen Volksseele lebendig sind. Selbst Anekdoten ans dem Kriegsjahre werden nicht erzählt. Die Blätter, welche angefangen hatten, derartigen Lesestoff zu bieten, erhielten aus ihrem Leserkreise unzweideutige Beweise, daß die Ausgrabungen halb vergessener Erinnerungen ihm keine Freude macht und nicht gewünscht wird. Offenbar machen auch die Hetzblätter ähnliche Erfahrungen, denn selbst sie rühren kaum mehr an die alte Wunde, nachdem sie sich angeschickt hatten, in ihr gründlich und rücksichtslos zu wühlen. Die Kammer hat sich, ehe sie auseinander ging, die eine Kundgebung nicht versagt, das Denkmal für die Gefallenen von 1870—71 zu bewilligen. Aber auch dies geschah in merkwürdiger Kürze und Ruhe. Zu anderem war das Parlament nicht zu haben. Der Gedanke, den Theil- nehmern am Kriege eine Denkmünze zu verleihen, hat keinen Anklang gefunben. Der gesunde Verstand und sichere Geschmack der großen Mehrheit deS französischen Volkes wies diesen Einfall einiger hysterischer Boule- vardiers scharf ab. Es paßt dem Selbstgefühl der verständigen Franzosen nicht, an eins der schwärzesten Jahre ihrer Geschichte durch ein Bändchen im Knopfloch dauernd erinnert zu werden, und sie verzeihen es der sonst nachsichtig beurtheilten Eitelkeit nicht, selbst im Andenken an unverwundene Niederlagen Befriedigung zu suchen. Ob die bis jetzt wahrgenommene Stimmung anhalten wird, bleibt abzuwarten. Vorläufig ist nur zu bemerken, daß die französische öffentliche Meinung die äußerste Zurückhaltung übt und sich durch keine Kundgebung verräth, mit gespannter Aufmerksamkeit nach Deutschland hinüberhorcht und unter jedem etwas lauteren Ausruf rückblickenden Stolzes zusammenzuckt. Man schweigt in Frankreich, aber man ist krankhaft empfindlich und leicht geneigt, in jedem deutschen Hinweis auf die Erfolge unserer Waffen eine absichtliche Verletzung, eine Herausforderung zu sehen. Dieser Seelenzustand ist um so bedauerlicher, als vom deutschen Volke nicht verlangt werden kann, daß es auf berechtigte Steuerungen seines Hochgefühls ganz verzichte, um dem wehleidigen Nachbar keinen Schmerz zu bereiten.
* Sofia, 3. Aug. Matakiew, der Freund Stam- bulow's und Führer der Liberalen in Tatarbazardschik, wurde gestern von Mördern überfallen und durch Dolch
gesehen", bestätigte Raffl, „und die Glocken, als man ihn und die Anderen begrub, läuten gehört."
Stasi sagte nichts mehr. Sie erhob sich und eilte ins Haus; statt ihrer tarn Gertrud ebenfalls mit verweinten Augen heraus. Raffl mußte den Vorgang noch einmal erzählen, was von diesem ebenso wie gegenüber von Stasi geschah.
Nach einer Weile stand der Bauer auf und ging. Er hatte sich ungefähr eine Viertelstunde weit von dem Wirthshause entfernt, als am Eingänge in einen Hohlweg der Förster Georg Schleicher auftauchte. Er ging auf den Bauern zu und pflog eine längere, sehr lebhafte Unterredung mit ihm. Das triumphirende Feuer, das aus seinen Augen leuchtete, bekundete, daß ihm von Raffl eine willkommene Botschaft gebracht worden war. Dann trennten sich die Beiden wieder; Raffl ging weiter und der Förster schlug den Weg nach dem SandwirthShause ein.
Von diesem Tage an häuften sich die Besuche Schleicher'S daselbst in der Weise, daß man ihn fast immer dort traf. Stasi kannte den Grund und auch ©ertrub, bie baburdj fast noch mehr geängstigt würbe, als Erstere. Sie befürchtete, bie Tochter möchte ben immer offener mit seinen Absichten hervortretenden Freier durch ein unbedachtes Wort reizen und seine Rache herauSfordern, die gerade unter den obwaltenden Umständen doppelt gefährlich erschien.
Das Versteck Hoser's war allerdings nur den Eingeweihten bekannt; aber Döninzer hatte bei seiner
stiche tödtlich verletzt. — Zankoff erklärte einem Journalisten, daß Rußland, falls Fürst Ferdinand von der Sobranje wiedergewählt würde, keinerlei Einwendungen gegen seine Anerkennung mehr machen würde. — Der .Standard' meldet aus Sofia, die Verfolgungen gegen Stambuloff'S Frau dauern noch fort. Die Dienstboten können das Haus nicht verlassen, ohne angehallen und durchsucht zu werden unter dem Vorwande, sie hätten Waffen bei sich versteckt. Sie werden dann den ganzen Tag festgehalten und über daS Leben ihrer Herrin auSgeftagt. — Fürst Ferdinand wird am 14. d. M. ans Karlsbad wieder hier ein» treffen.
Aus Kirche und Schule.
»i» Fulda, 5. Ang. Herr Pfarrverweser Franz Müller zu Rinteln ist zum Pfarrer daselbst kanonisch bestellt worden.
* Biugeu, 3. Aug. Die hochwürdigsten Herren Bischöfe von Mainz, Trier, Eichstätt und Fulda, sowie der Herr Weihbischof Schmitz von Köln werden zur Einweihung der Rochuskapelle und zu dem St. Rochusfeste am 17. und 18. August hierher kommen. Man rüstet sich schon zu einer allgemeinen großartigen Illumination.
* Aachen, 3. Aug. Unter Leitung deS Herrn Domvikar Birkhäuser wird auch in diesem Jahre ein Pilgerzug deutscher Katholiken nach der Herz-Jesn-Basilika auf dem Pariser Montmartte und nach Lourdes veranstaltet. Am 9. September, Abends 9 Uhr, erfolgt die Abfahrt von hier mittels SonderzugeS, die Ankunft in Paris am andern Morgen. Nach der Wallfahrt auf dem Montmartre und der Be- stchttgung der Hauptsehenswürdigkeiten der Hauptstadt fahren die Pilger am Abend desselben Tages nach Lourdes, woselbst sie am 11. September, Nachmittags 6 Uhr, eintreffen. Man wird, da es um zwei unmittelbar aufeinander folgende Nachtfahrten sich handelt, allerdings auf einige Strapazen sich gefaßt machen müssen. Der Aufenthalt in Lourdes ist auf 4 Tage berechnet. Am 15. September erfolgt die Rückkehr über Paris nach Aachen, woselbst die Wallfahrer am Nachmittag des 17. September wieder eintreffen.
Lokales.
Fulda, 5. August.
* Am Mittwoch, ben 7. August, Morgens 7 Uhr finbet in ber Severikirche ein Secleuamt für bie im Kriege 1870/71 gefallenen Krieger unb bie in Folge bes Felbznges gestorbenen Same» raben statt.
* In ber vorigen Nummer berichteten wir über wieberholte Diebstähle, welche ein Fabrikarbeiter, ber bei einem Kaufmann in ber Kanalstraße wohnt, an ber Labenkaffe dieses Kaufmanns begangen hat. Um Mißverstänbniffen vorzubeugen, bemerken wir, ba in bem bett. Hause mehrere Fabrikarbeiter wohnen, ausdrücklich, daß Herr WendeliuSchleicher mit dieser Angelegenheit nichts zu thun hat.
* Im Regierungsbezirk Kassel sind in diesem Jahre außer zum Gardekorps, 11. Armeekorps unb zur Marine noch zum Infanterie-Regiment 97, Infanterie-Regiment 143 unb Felbartillerie-Regiment 15 (zum 15. Armeekorps gehörenb) Rekruten ausgehobm. Die Rekruleueiustellungstermine sinb wie folgt festgesetzt: Die Einstellung sämmtlicher Oekonomiehanb- werker erfolgt am 1. Oktober. Die für bas Garbekorps auSgehobeueu Rekruten, unb zwar Kavallerie unb Melbereiter, werben am 2. Oktober, Train am 2. November, Oekonomiehandwerker unb Krankenwärter am 1. Oktober unb alle übrigen Truppengattungen am 19. Oktober eingezogen. Von ben für baS
letzten Anwesenheit mitgetheilt, baß ein ganzes Rudel von Spionen bie Gegend durchstreifte, unb daß ber Eine ober Aubere von ihnen schon in ber Nähe ber Höhle erblickt worben sei. Demnach scheine ber Verdacht zu bestehen, baß sich Hofer in bet Nähe befinde. Wenn noch weitere Maßregeln zur Aufspürung desselben getroffen würden, bleibe keine andere Wahl, als den Aufenthalt zu wechseln.
Unter Thränen hatte Stasi dem Freunde erzählt, was ihr Über das Schicksal Poldl's gesagt worden war. Cajetan wurde durch diese Nachricht in grenzenlose Bestürzung versetzt. Obgleich er von einer Niederlage der Tiroler an der Mühlbacher Klause nichts gehört hatte, erschien dieselbe doch möglich. — Ein Tag um ben anbern verging. Da betrat ber Förster eines Abenbs bie Stube bes WirthShauseS „am Saub", in ber außer Gertrud Niemand anwesend wat. Stasi wat in die Kirche gegangen zu einer Abendandacht. Schleicher schien in vorzüglicher Laune zu sein. Er bestellte eine Flasche Wein und trank hastig ein paar Gläser.
Nach einer Weile wandte er sich an Gertrud unb flüsterte ihr einige Worte ins Ohr.
Die Frau stieß einen Schreckensruf aus. Wie zur Bilbsäule erstarrt staub sie vor bem Manne.
„Allmächtiger Gott!" stöhnte sie bann mit gerungenen Hänben, „mein armer, unglücklicher AnbreaS, nun ist er verloren!"
(Fortsetzung folgt.)