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Umlage juv Wulöaev Zeitung.

Jte. 177 Samstag, öen 3. August 1895. 22. Jahrgang

* Einladung.

An die Mitglieder der katholischen Lehrer­vereine Deutschlands.

In der Zeit vom 25. bis 29. August d. I. tagt in München die 42. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands. Einen der wichtigsten Gegenstände der dortigen Verhandlungen bildet wiederum die christ­liche Schule.

Die christliche Schule in ihrer unzertrennlichen Wechselbezüglichkeit zur sozialen Reformfrage bietet allein schon genügendes Interesse, um die katholischen Lehrer Deutschlands zu zahlreicher Betheiligung an dem katholischen Kongreß zu veranlassen. Thatsächlich befanden sich katholische Lehrer von jeher im Gefolge der deutschen Katholikentage und von der Erwägung ausgehend, daß die katholischen Lehrer zu den erst­berufenen Bertheidigern der christlichen Volksschulen gehören, riefen- die Katholikenversammlungen wieder­holt schlichte Volksschullehrer auf die Rednerbühne und ehrten dadurch die gesammte treukatholische Lehrer­schaft unseres Vaterlandes.

Der Volksschullehrer als Anwalt der Bekenntniß- schule, das ist ein sichtbarer Ausdruck der in der kon­fessionellen allgemeinen Volksschule geschlossenen Ver­bindung des Familien-, staatlichen und kirchlichen Lebens. Wer da behauptet, die Forderungen der Bekenntniß- schule vertrügen sich nicht mit den Standesiriteressen der Lehrer, der unterscheidet nicht, oder er hat den Standpunkt der christlichen Erziehung bereits verlassen und den abschüssigen, engen Pfad von Sonder-Jn- teresfen und -Bestrebungen betreten, indem er allgemeine Schul- und Volksinterefsen mit Standesfragen ver­wechselt. Die in den Ländern deutscher Zunge auf­blühenden katholischen Lehrervereine zeigen das Be­mühen, die katholische deutsche Lehrerschaft aus der dumpfen Sackgasse zurückzuziehen, in welche der päda­gogische Radikalismus einen Theil derselben gelockt hat. Wie es in der Natur ihrer Prinzipien liegt, herrscht unter den 11,000 Lehrermitgliedern der be­stehenden katholischen Vereinigungen in den religiös­pädagogischen Grundfragen vollste Einigkeit. Die Freude der Katholiken Deutschlands über diese Ein­tracht der katholischen Lehrervereine unter sich, sowie über deren mannhaftes Festhalten an den Grundsätzen der Kirche und des gläubigen Volkes offenbarte sich in erhebender Weise überall, wo immer katholische Lehrer unter den Augen des katholischen Volkes Ver­sammlungen abhielten. Solche sreie Zusammenkünfte Angehöriger katholischer Lehrervereine fanden statt auf den allgemeinen Katholikenkongreffen zu Bochum, Danzig, Mainz und Würzburg. Die Erinnerung an deren Verlauf hat auch Heuer den Wunsch gereist, im zeit­lichen Anschlüsse an den Münchener Katholikentag, jedoch unabhängig von demselben, eine freie Versamm­lung von Mitgliedern katholischer Lehrervereine deutscher Zunge zu veranstalten. Die unterzeichneten Vorsitzenden der katholischen Lehrervereine Bayerns und der Pfalz laden hiermit die Kollegen und Kolleginnen der katho­lischen Lehrer-, Erziehungs- und Schulvereine deutscher Zunge zu zahlreicher Betheiligung an der geplanten Lehrerversammlung in München ein. Katholische Lehrer, welche außerhalb katholischer Vereinigungen stehen, sowie alle Gönner und Freunde der christlichen Schule sind als Gäste willkommen.

Gesinnungsgenossen! Die Utopien einer offenbar­ungsfeindlichen Pädagogik trugen die Entzweiung in die deutsche Lehrerwelt und reißen sogar einen großen Theil der katholischen Lehrer zum erbitterten Kampfe gegen die vaterländische konfessionelle Schule, damit auch gegen die Kirche und die katholische Bevölkerung fort. Dies hat das Vertrauen des gläubigen Volkes zu seinen Lehrern erschüttert. Es gilt also, das Band des Vertrauens und der Achtung, welches den Lehrer­stand mit dem Volke verbinden soll, nicht locker werden zu lassen, sondern stets fester zu knüpfen. Es thut Noth, daß sich alle katholische Lehrer unter der Fahne der christlichen Pädagogik sammeln und im Schul- und Vereinsleben jenen echt katholischen Geist bekennen und bethätigen, der die Liebe zum Vaterlande zu vereinigen weiß mit der Anhänglichkeit an die Kirche, und die eigene Glaubensbegeisterung mit der Achtung vor dem, was Andersdenkenden heilig ist. In ' diesem Sinne find Sie nach München geladen, in diesem Geiste wollen wir Versammlung halten. Willkommen in München!

Franz Häberlein, Ludwig Husse, Lehrer u. Vorsitzender der Lehrer u. Vorstand des kath. Lehrerv. in Bayern, Vereins kath. Lehrer der München,GabelSbstr.53/llI. Pfalz, Speiet.

Bemerkungen: Die betr. Versammlung wird abge- hatten werden am Dienstag, den 27. August,

Vormittags 9 Uhr, im großen Saale des katho­lischen Kasino a. d. Barersttaße 7.

Am nämlichen Tage, Abends 8 Uhr, findet im gleichen Lokale eine gesellige Unterhaltung statt.

Anmeldungen sind zu adressiren an die Vorsitzenden der Wohnungs-Kommission: Herrn Ludwig Kirch- mair, Glasmaler, Mitglied des Gemeinde-Kollegiums, Johannisplatz 10, oder Herrn Anton Limbacher, Buchbindermeister, St. Paulstraße Nr. la, oder auch an den mitunterzeichneten Vorsitzenden Häberlein.

Der Treffpunkt für die Kollegen wird im Anmelde­bureau des Katholikentags — Centralbahnhof — durch Plakate bekannt gegeben werden.

331 K> Um Gut und Klut.

Roman aus den napoleonischen Kriegen.

Von M. Benno.

Haspinger blieb nicht lange. Es gab vielfache Geschäfte für ihn. Er eilte fort und Hofer war wieder allein.

Was der Freund ihm soeben mitgetheilt hatte, be­schäftigte ihn. Langsam ging er in seinem Gemache auf und ab. Da wurde an die Thür gepocht. Auf die Einladung Hofer's trat eine hochgewachsene Dame in's Gemach." Sie schlug den Schleier zurück und ein von Purpur übergossenes Gesicht kam zum Vorschein.

„Angela — Andreas!" Hofer hatte die Hände des Mädchens erfaßt und preßte sie innig. „Endlich, endlich sehe ich Dich wieder, Du gutes Kind," jubelte er; „willst Dich wohl mit uns über das Glück freuen, welches uns vom lieben Gott bescheert worden ist?"

„Ja, das will ich," erklärte Angela mit Wärme, „aber auch noch mehr. Ich bringe Dir den Gruß und Dank des Kaisers Franz und den Titel „Andreas Hofer, k. k. Ober-Kommandant von Tyrol"."

Euren Augenblick war Hofer so betroffen, daß er kein Wort sprechen konnte. Dann aber brachen Thränen aus den Augen des starken Mannes hervor. Er fal­tete die Hände. „Lieber Gott," sagte er, „das ist der Ehre und Freude zu viel. Ich that ja nur meine Pflicht! Dir allein, Dir, lieber Vater im Himmel droben, gebührt aller Ruhm! Du hast unsere Waffen gesegnet, Du hast dazu geholfen, daß der gute Franzl wieder unser Kaiser und Herr ist."

Angela hatte indessen unter ihrem Kleide einen schweren Beutel hervorgeholt. Sie legte ihn auf den Tisch. „Die Bayern werden," nahm sie das Wort, „die Kaffen geleert haben. Ein Ober-Kommandant muß aber auch über Mittel verfügen, deshalb bringe ich Dir dieses Geld."

Ein Strahl freudiger Ueberraschung blitzte aus Hofer's Augen hervor. „Ha," rief er, „nun geht mir plötzlich ein Licht auf. Nun weiß ich, wer mir die Unterstützungen durch Agil geschickt hat. Du warst es, Angela, Du!"

Das Fräulein lächelte. „Ich war es, ja," gestand sie, „that aber damit nur, was von mir feierlich ge­lobt worden ist. Erinnerst Du Dich nicht mehr an jene Stunde, wo ich Gut und Blut dem Tyrolerlande zu opfern versprach? Ich habe mein Wort gehalten, so weit dies für ein schwaches Weib möglich ist."

„Kind, Du warst selbst beim Kaiser?" forschte Hofer. — „Ja," bestätigte Angela, „was übrigens nichts Besonderes ist. Wird doch dem Geringsten seiner Unterthanen der Zutritt zu dem väterlich liebevollen Herrn nicht verwehrt. Ich sprach mit ihm vonTyrol, das er die schönste Perle in seiner Krone genannt hat. Deshalb ist er auch entschlossen, Alles für das Landl zu thun. Er hat den Vorschlag gemacht, Tyrol als eine einheitliche Festung zu behandeln und so viele Truppen dahin zu werfen, daß man jeden Feind zu­rückwerfen kann. Leider fand dieser Vorschlag bei dem Kriegsrathe keinen Anklang. Es gibt eben Leute in Wien, die immer noch nicht begreifen, was ein Volk, das mit Leib und Seele an dem angestammten Herrscher- Hause hängt, zu leisten vermag."

Ein Schatten flog über Hofer's Gesicht. „Wir sahen verschiedene Proben davon," entgegnete er; „durch die österreichischen Truppen allein wäre nicht genug gewonnen worden, hätten nicht die Bauern die meiste Arbeit gethan. Doch der liebe Gott hat ja auch ge­holfen und er wird fürderhin mit uns fein!"

Angela fragte nach Stasi und Poldl. „Stasi ist bei der Mutter daheim," erwiderte Hofer, „Leopold Walluer aber hat, wie feine heldenmüthige Schwester, dem Namen Wallner alle Ehre gemacht. Zunächst kämpfte er mit dem Vater, dann ist er nach dem Süden gezogen und hat dort den Landsturm organisirt. Gegeu- wärttg ist er im Vorarlbergischen, wo die Bayern und Württemberger, welche Bregenz beschoffeu, wieder ver­jagt worden sind."

„Ich werde nach Tannenberg reifen," bemerkte

Angela, „und statte dann unterwegs Stasi und der Mutter Gertrud einen Besuch ab."

Hofer machte eine heftige Bewegung. „Fast hätte ich vergessen," sagte er, „was Dich doch so nahe an» geht." Er setzte Angela von der Begegnung Haspin- ger's mit Hofstetten in Kenntniß, sowie von der Ur­kunde, und rief dadurch bei derselben keine geringe Ueberraschung hervor.

„Es ist eine weitere Gunst des Himmels," erklärte sie, „die mich aber weniger meinethalben, als für An­dere freut. Was ich besitze, gehört dem Vaterlande. Doch," fuhr sie kopffchüttelnd fort, „ich befürchte, daß durch Dein argloses Gemüth das Zugeständniß Hof- ftetten’S überschätzt wird. Der Mann ist schlau. Er begriff, daß ihm in feiner dermaligen Lage keine andere Wahl blieb, als zu thun, was man von ihm verlangte; eine andere Frage aber ist es, ob er nachher das Ver­sprechen hält."

„Aber er hat geschworen!" hielt Hofer entgegen.

„Was gilt diesem Hofstetten eine Schwur," ent­gegnete Angela, „es ist doch bekannt, daß er sich schon über mehr als einen Eid mit Hohnlachen hinweg- gesetzt hat."

Peinliche Empfindungen wurden in Angela's Ge­müth durch die Mittheilung über die Doppelrolle ge­weckt, welche der Konsul Hans Graff gespielt hatte. Nun zweifette sie nicht mehr daran, daß durch dessen scheinbares Wohlwollen in ihrem Prozesse gegen Hof­stetten nur ein falsches Spiel verdeckt worden war.

Angela von Haynald blieb nur wenige Stunden in Innsbruck, bann reifte sie wieder ab.

17.

Zum ersten Male hatte der korsische Imperator empfunden, daß er nicht unbesiegbar war. Unter den Schlägen des österreichischen Helden Erzherzogs Karl durchschauerte ihn bei Aspern jene Ahnung, welche einige Jahre später aus einem anderen Schlachtfelde sein Inneres durchzog. Napoleon war geschlagen und hatte es nur der Erschöpfung der Oesterreicher zu verdanken, daß feine Armee nicht vollkommen vernichtet wurde.

Gerade diese Schonung aber wurde von dem Schlachtenmeister zum Unheil seiner Gegner benutzt. Die unerschöpflichen Hilfsquellen machten es ihm mög­lich, schnell gewaltige Hilfstruppen an, sich zu ziehen, und die Folge war, daß er bei Wagram als Sieger aus dem furchtbaren Ringen hervorging.

Kaum schwieg in Folge des Waffenstillstandes von Znaim und der begonnenen Friedensverhandlungen der Kanonendonner an der Donau, als Napoleon einem Heerhaufeu Befehl gab, gegen Tirol vorzu­rücken, das feinen besonderen Zorn erregt hatte, und das unter diejenigen Gebiete zählte, die der Waffen­stillstand dem Sieger preiSgab.

Wohl war der Feind auS Tirol hinausgeschlagen. Aber dennoch befand das Land sich in einer kritischen Lage, sowohl was die Vertheidigung, als die Ver­waltung betraf. Die eigentlichen militärischen Kräfte unter General Buol betrugen 3000 Mann. Damit konnte nichts geleistet werden, als den Brenner zu vertheidigen und eine lange Kette von kleinen Be- bachtungsposten im Jmtthale aufzustellen. Es fehlte an Munition und namentlich an Getd.

Die Kunde von dem Znaimer Waffenstillstand rief gewaltige Bestürzung unter den Tirolern hervor — und nun gar erst der nachfolgende Friedensschluß, der Tirol abermals den Bayern zusprach. Da die Tiroler diese Bestimmungen nicht gelten lassen wollten, rückten von allen Setten die Feinde heran. Es kam zu blutigen Gefechten, in welchen der Tiroler Landsturm ttotz seiner beispiellosen Tapferkeit und Todesverachtung schließlich vor der erdrückenden Uebermacht fast über­all den Kürzeren zog.

Allmählich kam man zur Einsicht, daß ein weiterer Kampf aussichtslos war. An Stelle der Begeisterung trat Muthlosigkett. Eisenstaken ging außer Landes, ebenso Sieberer — beide bisher Hofer's Adjutanten, und auch Speckbacher schloß sich den abziehenden Oester- reichem an. Nur Anton Wallner blieb, hielt sich aber verborgen, und auch der Sandwirth im Paffeyer Thale hatte eine Höhle als Zufluchtsort aufgesucht.

In dem Wirthshause „am Sand" war es fülle geworden. Stasi und ® et trüb gingen einsilbig und verstört im Hause umher. Nur selten sahen sie einen Gast. Um so häufiger verkehrte der verwachsene Schreiber Döninger bei ihnen, der nach dem Tode der blinden Gräfin v. Tannenberg nach St. Martin über- gesiedelt war. Kein Mensch außer Stasi und Gertrud wußte es jedoch, daß er es war, durch den Andreas Hofer in feinem Verstecke mit Lebensrnitteln versehen wurde.

(Fortsetzung folgt.)