Mittwoch, den 31. Juli 1895
SGter ®r Ä in Tirol,.der Minister des Innern v Köller im Elsaß, der Finanzmmlster Dr. u. »vu« » Rrnniart
Deutsches Reich.
Berlin, 30 Juli.
Ter Gewerberath von Köln gibt den Arbeitern den Rath, Beschwerde-Kommissionen zu wählen welche den Verkehr zwischen den Arbeitern und ihm vermitteln Dieser Weg ist von den schweizerischen Ar-
Ä9t sich'bLsL eL
§°das BÄ Ee^stei^Frei^ hN die Schles. Ztg.' diese Verbindung als einen Mißgriff bezeichnet weil damit eine sozialdemokratische Organ - iation (der Gewerberath hatte sich mit dem Gewerk- schafts - Kartell in Verbindung gesetzt) amtlich als die berechtigte Vertretung der Arbeiter anerkannt werde. Auch der Beamte für Guben ist mit dem Gewer- schafts-Kartell in Verbindung getreten und spricht sich ^^V?elleich?könnten die Beamten mit den Arbeiter- Ausschüssen in den Fabriken m Verbindung treten, aber mehrere der Beamten konstatrren, daß die Aus- nicht in Thätigkeit treten. Wenn sich unter | den Mitgliedern der Gewerkschasts-^rtelle Soztal- b?«ot7at.n b,Unten. 1° P da« h »
I Unalück da eS sich l« nur um die Wahrung der In I te3,-en' der Arbeiter innerhalb der heutigen Produk- I «ions - Ordnung handelt und praktische Thätigkeit I bekanntlich mäßige n d auf die Sozialdemokraten em- wirkt. Soll das Fabrik-Inspektorat seinen Zweck voll | erfüllen, so ist eine enge Fühlung mit der Ar- I beiterschaft unerläßlich, und daß diefe noch nicht, bezw nu? ausnahmsweise besteht, ist bedauerlich.
Schleicher öffnete einen Schrank und brachte das Verlangte zum Vorschein. Graff nahm das Kleinod in Empfang und betrachtete es. „Wenigstens etwas , murmelw er. „Der Talisman fehlt dem schonen Kinde nunmehr, so daß uns damit von ihr kem Strich mehr durch irgend eine Rechnung gemacht werden kann^ Daß die Tiroler bei ihrem Aufstande viel gewinnen, glaube ich nicht. Sie allein sind zu schwach, und selbst wenn die Oesterreicher diesmal alle ihre Kräfte kämmen sie gegen die ungeheuere Macht -Napoleon s nicht auf Man wird sich eine Zeit lang mit einander he?umbalgen, und schließlich sind im Herren Tiroler froh, wenn an ihnen Gnade für Recht geübt wird. Vorerst aber muß man, tote gesagt, auf der Hut sem, und ich rathe Dir nochmals, eine Zelt lang zu ver- schwinden damit Du nicht m Verlegenheit kommst.
Graff' hatte den Schlangenring Angela s in seiner Tasche geborgen, er verabschiedete sich von dem Freunde und ging. Längere Zeit setzte Schleicher, w Gedanken verloren, seinen Gang fort. Da wurde nach hastigem Pochen die Thür geöffnet und eine weibliche Gestalt k°^er Förster prallte vorUeberraschung zurück. Salonn Gerstel stand vor ihm. Diese sah bleich und verstört
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"q Um Gut und Hlut.
Roman aus den napoleonischen Kriegen.
Bon M. Benno.
Schleicher räusperte sich. ..Auch dort ist sie nicht mehr", entgegnete er, „der Bauer Raffl, welcher, leit ich ihm abermals aus einer Geldverlegenheit half, für mich durch ein Feuer ginge, wurde voni mir als Spion nach dem Wirthshause „am Sand" geschickt. Er hat jedoch nichts weiter auszukundschasten vermocht als daß Stasi wieder daheim ist, wahrend er den Sand- wirth nicht zu Gesichte bekam. Am Ende hangt dessen Abwesenheit mit dem zusammen, was Du mir soeben über das Vorhaben der Tiroler gesagt hast. *
Graff lachte abermals. „Vielleicht meinst Du , hielt er entgegen, „also immer noch Zweifel! Ich sage Dir, daß Du wahrscheinlich in den nächsten Tagen rech areifbare Beweise für mente Behauptung erhältst. Des- balb dürfte es auch das Beste für Dich sem, wenn Du Deine werthe Person so schnell als möglich m Sicherheit bringst. Du hast bei den rabiaten Bauern io viel aus dem Kerbholz, daß Du, wenn sie Dich fassen, voraussichtlich wenig Angenehmes zu Horen und zu fühlen bekommst. Vorher aber S'b mir den Rmg zurück, den Du als einzigen Erfolg dem schlafenden Dämchen abnahmst."
Ich opferte Dir meine Stellung, mline Ehre mein Alles uS zum Danke dafür läßt Du mich im Stiche! So hältst Du Dein Versprechen! O Georg, das hatte ich
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dessen eine stärkere Empfindung verdrängt. Seine Augen ^^^^Was^kann ich dafür," grollte er, „daß die ganze Geschichte verknallt ist, und zwar wahrscheinlich durch Deine Schuld. Wer anders kann dem heillosen Reiber einen Einblick in unsere Pläne gewahrt haben, als Du. Doch ich will Dir keine Vorwürfe machen — waS
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mein’en Leichtsinn IchreckUch Sejraft. .
in Todesgefahr, muß ich Mich durch das Land hierher schleichen und werde nun auch von Dir noch verkannt. Weißt Du denn nicht, was in den letzten Tagen vorging? Tirol steht auf! Die Singnalfeuer brennen be> reit! auf den Bergen und von allen Seiten strömen die Schützen ihren Führern zu. Wir sind Beide verloren, wenn uns die Flucht nicht ge^11^ ■ ?rf>eint
Schleicher hatte sich an's Fenster gestellt. Er scheint
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♦ Der Kaiser wird am Freitag Abend von Helgoland in Wilhelmshaven eintreffen und am Sonntag die Reise nach England fortsetzen. Am 16. August trifft der Kaiser auf der Rückkehr von England wieder in Wilhelmshaven ein. — Von den Mitgliedern des preußischen Staatsmini st eriums befinden sich zur Lt nur zwei in Berlin: Dr. °. Boetticher und Minister Thielen, welche gleich demLandwirthschafts- minifter Freiherr v. Hammerstein (der zur Zeit auf gner Jnspizirungsreise begriffen ist) 'hrm Sommerurlaub in der zweiten Hälfte des nächsten Monats an- fceten dürften. Alle anderen Minister befinden sich auf Urlaub; so der Reichskanzler Fürst i« ^en^e auf
iqj Die Vertrauensstellung der Fabrrk- inspektoren.
Rach der Dienstanweisung für die preußsichen Fabrikinspektoren sollen dieselben durch die ganze Art chrer amtlichen Thätigkeit „eine Vertrauensstell- Sa j« sSnen ,nchm. w-lch- st- M »nd Krtemng gut« Bedungen J»*n IM- aebern und Arbeitern mitzuwirken in den Stand setzt. Wäbrend aber die Fabrikinspektoren tn Oesterreich, für welche eine den preußischen nachgebildete Dlenstan- weifuna gilt sich diese Vertrauensstellung zumeist ergingen9 haben und auch bei Streitigkeiten aus dem Arbeitsvertrage von beiden Thetlen häufig als V mittler angerufen werden, was übrigens auch für die Schweiz zutrifft, lassen die Berichte der preußischen M?m-rbeinfvektoren für 1894 abermals erkennen daß unfere Aufsichtsbeamten von dieser Vertrauensstellung noch immer weit entfernt sind, und daß! ihnen sowohl seitens der Unternehmer vielfach, seitens der Arbeiter fast ausnahmslos Mißtrauen entgegen»
auch xu selten, namentlich seitdem die meiste Zeit des- elben^ durch die Kesselrevision in Anspruch genommen
le6SäiTman nach ten U-lnch-n »• trauens seitens der Arbeiter, so erfährt man aus den Berichten selbst Mancherlei. Der Gewerberath für den Potsdamer Bezirk berichtet beispielsweise: „Daß Fragen zur Feststellung etwaiger Gesetzüberttetungen Dach gar nicht ober wissentlich falsch von den ! Arbeitern beantwortet werden, ist derefts allgemein bekannt. Fragen nach gesundheitlichen Mißstanden, SRpfh-rifimaen Lohnabzügen und Aehnlichem setzen, so-
ter S« Äfnlgen, ten b-ft-zl-n A-teil-r jLL in di? stchllich &*,*«**' Müssen auch die Arbeiter erwarten, daß ihnen au der freimüthigen Beantwortung schwere^wirthschaftlich. Nachtheile erwachsen. Hinter dem Rucken der Arbeitgeber ^die Arbeiter auszufragen, wurde dw guten Be- riehungen zum Arbeitgeber noch mehr schädigen. Aus Ken Gründen beschränkt sich der Verkehr der Beamten mit den Arbeitern während der Besichtigungen Borte " Der G-werb-r-th M Ltegn.tz Libi"n ähnlichem Sinne: .Die Arbeiter ,nchen den Gewerbeanfsichtsbeamten lin den Sprechstunden) de« balb nicht persönlich auf, weil sie glauben, dadurch bet ihren Arbeitgebern Anstoß zu erregen." Der Gewerbe- ratb für Arnsberg, welcher ebenfalls über die filterte Benutzung der Sprechstunden und b^tt gem?en Verkehr mit Arbeitern unb Arbeitgebern tlagt spricht foaar" bie Hoffnung aus, es möge „der Verkehr ber Arbeiter mit bett Beamten von ben Arbeitgebern nicht mehr untersagt ober gar mit Entlassimg geahndet ,0 oeT , .
werben, wie es leibet bis letzt noch geschieht^ Besitzung in Aussee, ber Hanbelsminister Frhr.
Diese Proben bürsten vorläufig genügen. Bei bieser feiner itz g Besitzung in Thüringen, ber
Haltung ber Unternehmer ist es nur zu erklärlich, baß I • A? Schönstedt auf ber Insel Rügen, ber
bieSvrechzimmer derGewerberäthe leer bleiben selbst | JustizmiNifter «wo^^^ 4n'Tirnr her Minister des wenn bi?Sprechstunben, wie es mehrfach geschehen, A auf die Sonntage verlegt werben. Sie fcfcto: f tefn bic Entlassung und fte sehen ben^JnsPekwr
mit Unterhattungs-KrUiSe«Sterne »nd Llmnenss. ------------50 d'""'
v Schellendorf ist von Berlin abwesend. Am 18. August wird das Staatsministerium zur Grundsteinlegung für ?as Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm's I. vollzählig in d^.^De? fttikonservative Landtags-Abgeordnete Land- ratb Hantel zu Mors hat bekanntlich seinEntlassungs- aefuch aus dem Staatsdienste eingereicht. Die Verwaltung des Landrathsamtes ist vorläufig dem A fisior Dr Schultz zu Mörs übertragen worden. Bezüglich d/r endgiltigen Besetzung des Amtes memt NUN die Post': „Mit Rücksicht auf die Thatsache, S ber südliche Theil des Kreises Mörs der streng protestantischen Richtung angehört, wahrend der nördliche Theil dagegen der katholisch-klerikalen Partnun- bedinate Gesolgschaft leistet, darf man auf das Resultat der Wiederbesetzung dieses für den Kreis so tmd)= tigen Amtes mit Recht gekannt fein. H^- H°rt- Wird denn bei unserem paritätischen Staate bei B setzung der Aemter nicht »lediglich nach der Fähigkeit der Bewerber "entschieden? Es wird uns das doch sonst immer versichert. w
* Gewissermaßen als Ergänzung zu unserem!Artikel über den Patriotismus des (firoftkapitals m Nr 172 ber Fulb Ztg' mag folgender Beitrag des .Deutsch. XÄ: -Al« -»
erklärung Frankreichs erfolgte, sand die Schungdes norOdeuischen Reistags statt, m welcher 120» für den Krieg bewilligt wurden. In dieser Sitzung fehlte ein Abgeordneter, der Abgeordnete für Fran - furt a. M., Herr v. Rothschild. Und> wo war an an diesem wichtigen Tage Herr v°» Rothsthllb? Er der Abgeordnete etner deutschen Stadt, weilte, als es sich um9 das Wohl und Wehe, um die Existenz des deutschen Vaterlandes handelte, m Frankreich, im Feindesland, das uns soeben den Krieg erklärt hatte, um"bie französischeKrlesanleshe siche tu stellen." Jeder Kommentar ist hier überflüssig. Um Geld zu gewinnen, ist gewissen Leuten alles seil Welch' schmählicher Anblick, sehen zu müssen, wie der Abgeordnete einer deutschen Stadt dem Feinde die Mittel schaffen hilft, Deutschland zu bekriegen! Für den Herrn v. Rothschild war eben die Angelegenheit, welche zwei Weltreiche erschütterte, ein einfaches Geschäft, bei dem er sein Profitchen machen wollte.
q * Am Samstag ist in Berlin die agrarische Land, bank mit einem Kapital von 5 Millionen Mark begründet worden. In den Aufsichtsrath wurden folgende Herren gewählt: Landschaftsdirektor Albrecht Rittergutsbesitzer v. Bieler-Melno, Graf Douglas, Freiherr o. Eckardstein, Geheimer Kommerfienrath v^Hanfimann Dr. v. Hansemann - Pempowo, R. v. Hardt, Präsident v. Köll^, Präsident Klingemann, Geh. Kommerzienrath Schwabach, v. Tiedemann-Kranz, v^Tiedemann-See- beim Die Gesellschaft hat als ersten Direktor den Spezialkommissar bei der Generalkommffsion in Brom- bera° Regierungsrath Stobbe erwählt. Dieser wird am 1. August aus dem Staatsdienste ausscheiden und leine neue Stellung antreten. Die Hauptthätlgkei^e^ank